"Ist Miss America ein unterernährtes Vorbild?" Mit dieser Frage sorgte der Ernährungsexperte Benjamin Caballero im Jahr 2000 für Aufsehen. Caballero hatte untersucht , dass die amerikanischen Schönheitsköniginnen im Lauf der Jahrzehnte bedenklich Gewicht verloren hatten : Hatte die Miss America 1942 noch einen Body Mass Index (Gewicht in Kilo geteilt durch Größe in Metern zum Quadrat) von 22,4, kam die Siegerin von 1986 nur noch auf einen Wert von 16,9. Ab 18,5 ist ein Mensch nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) untergewichtig.

Um die Jahrtausendwende waren die Schönen zwar eindeutig größer als etwa in den Golden Twenties des letzten Jahrhunderts, dafür aber zwölf Prozent leichter – während die durchschnittliche Amerikanerin in dieser Zeit deutlich Fett ansetzte.

Doch wo ist der Zusammenhang? Einen zeitlichen gibt es auf jeden Fall: "Sicher ist, dass krankhaftes Übergewicht auf der einen und Essstörungen wie Magersucht und Bulimie auf der anderen Seite zugenommen haben, seit es das radikale Schlankheitsideal gibt", sagt Christoph Klotter . "Die Essgestörten bilden die Spitze des Eisbergs einer Gesellschaft, die aus der Nahrungsaufnahme dank Schlankheitsideal ein Problem gemacht haben", sagt der Ernährungspsychologe und Buchautor von der Hochschule Fulda.

Eine ausgewogene Esskultur scheint hingegen mit weniger Fettleibigkeit zusammenzukommen. Doch auch das lässt sich nur schwer beweisen. Immerhin zeigt eine Untersuchung aus dem Jahr 2005, dass die krankhafte Fettsucht im traditionellen Gourmet-Land Frankreich etwas seltener ist als in anderen EU-Ländern .

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Der Ernährungspsychologe Klotter engagiert sich unter anderem im wissenschaftlichen Beirat der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung. Der Verein setzt sich in Anlehnung an die amerikanische "Fat-Acceptance"-Bewegung gegen die gesellschaftliche Benachteiligung dicker Menschen ein. "Es ist rational, Übergewicht abbauen zu wollen", sagt Klotter, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse seines Fachs, vor allem aus der Motivationspsychologie, können Menschen dabei unterstützen.

So ist unumstritten, dass Abnehmwillige bessere Erfolge haben, wenn sie realistische Erwartungen hegen . Und wenn sie nicht ausschließlich für eine strenge Diät planen. "Solche Ausnahmezustände und Verzicht haben wir alle irgendwann satt."

Nur wer es für sich selbst tut, hat Erfolg

Ein gangbarer Weg zum leichteren Körper beginnt deshalb mit einer Analyse der eigenen Gewohnheiten und Vorlieben, wie sie auch der Ernährungsmediziner Volker Schusdziarra von der TU München empfiehlt: An welchen Speisen, Getränken und Gewohnheiten liegt mir besonders, auf welche kann ich am ehesten verzichten, wo kann ich mich dauerhaft einschränken, ohne auch an Lebensfreude abzunehmen?

Allerdings habe das Ganze nur Aussicht auf Erfolg, wenn man es wirklich für sich selbst tue, sagt Klotter. "Etwas nur für andere oder auch aus einem Gefühl des Ungenügens heraus zu tun, scheitert häufig." Auch wenn den Dicken oder auch nur Pummeligen in unserer Gesellschaft oft der Schneid abgekauft wird: "Die Idee, dass man zufrieden und glücklich wäre mit einem perfekten Körper, funktioniert meist nicht. Der Körper taugt nun einmal nicht zur Erlösung."