Schönheitsideale sind wandelbar. Doch wie sieht das optimale Körpergewicht aus medizinischer Perspektive aus? Welche Gewichtsklasse lässt am ehesten auf ein langes Leben hoffen? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat dazu eine Auswertung der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse im Jahr 2009 im Deutschen Ärzteblatt erschienen sind . Die Gesundheitsforscher Matthias Lenz, Tanja Richter und Ingrid Mühlhauser von der Uni Hamburg haben dafür 27 internationale Metanalysen und 15 deutsche Kohortenstudien ausgewertet. Ihr Ergebnis: Ein Body Mass Index zwischen 25 und 29,9, normalerweise als "Übergewicht" klassifiziert, geht nicht mit erhöhter Sterblichkeit einher – und das, obwohl Herzinfarkte und Diabetes II dann häufiger auftreten als bei Normalgewichtigen.

Gut möglich, dass moderne Behandlungen für diese Volkskrankheiten die Statistik verändern – und dass Ärzte sie bei Übergewichtigen sorgfältiger diagnostizieren. Die Statistik wird zudem dadurch beeinflusst, dass Raucher meist weniger Gewicht auf die Waage bringen, und dass unter den älteren Leichtgewichten viele Kranke und Gebrechliche sind. Und eines ist klar: Echte Fettleibigkeit (BMI ab 30) fordert auf jeden Fall ihren gesundheitlichen Tribut. Betroffen sind immer mehr Menschen, nicht nur in den USA , sondern auch in Europa und in den Schwellenländern dieser Erde. Ein BMI zwischen 40 und 45 verkürzt das Leben der Hamburger Studie zufolge um acht bis zehn Jahre.

Der BMI allein sagt nichts über Gesundheitsrisiken

Leicht Übergewichtige, die Krankheiten wie Diabetes II haben, profitieren auf jeden Fall, wenn sie abnehmen. Möglicherweise ist der Taillenumfang maßgeblicher als der BMI, weil das "viszerale" Fett im Bauchraum besonders stoffwechselaktiv ist. Ein leicht erhöhter BMI allein sage dagegen heute nichts über Gesundheitsrisiken aus und sei deshalb noch kein medizinischer Grund zur Gewichtsreduktion, schreibt der Münchner Adipositasexperte Hans Hauner in einem Kommentar . Einen BMI zwischen 25 und 30 haben schließlich auch viele Spitzensportler. Schon weil Muskeln mehr wiegen als Fettgewebe.

"Im Zweifelsfall lieber fit und etwas moppelig als schlank und unfit", sagt Ingo Froboese vom Zentrum für Gesundheit der Sporthochschule Köln . Ernährungspsychologe Christoph Klotter rät dringend dazu, sich von unerreichbaren Schlankheitsnormen und frustrierenden Selbstbestrafungen zu emanzipieren. Maßhalten gehört für ihn zur Lebenskunst – beim Essen, aber auch bei der Selbstkritik. "Im Vergleich ist man immer hässlich, man kann mit jedem Körper unzufrieden sein."