An einem ist nicht zu rütteln: Wer seinen Körper schlanker und leichter haben möchte, muss weniger Energie aufnehmen, als er verbrennt. Sollten also alle, die gern ein paar Kilo los wären, erst einmal für ein paar Tage oder Wochen gar nichts oder so gut wie gar nichts essen?

Was dafür sprechen könnte, sind die schnellen Erfolgserlebnisse. "Im Einzelfall kann eine solche Crash-Diät den Einstieg in ein gesünderes, schlankeres Leben ermöglichen", sagt Susanne Klaus. Sie leitet die Abteilung Physiologie des Energiestoffwechsels am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke.

Doch die Methode hat ihre Tücken. Zunächst müsse man sich klar machen, was da auf die Schnelle verloren geht, sagt die Stoffwechsel-Expertin: "Am Anfang leert man die Zuckerspeicher, dabei geht Wasser verloren und damit Gewicht. Erst danach setzen der Abbau von Muskeleiweiß und die Fettverbrennung ein." Nur letztere ist wirklich erwünscht.

Schlacken fallen im Körper gar nicht an

In das Reich der Legenden gehört auch die Vorstellung, beim strengen Fasten befreie man den Körper von schädlichen Schlacken. Die fallen im menschlichen Körper nämlich gar nicht an. "Schlacken gibt es nur im Hochofen", sagt der Ernährungsmediziner Heinrich Josef Lübke vom Berliner Helios-Klinikum Emil von Behring. Der Körper weiß sich anders zu helfen. Bestandteile der Nahrung, die wir nicht verbrennen, werden als Endprodukte des Stoffwechsels über Niere, Darm, Lunge und Haut ausgeschieden.

Auch beim Abbau von körpereigenem Fett, der nach einer gewissen Zeit des Fastens beginnt, fallen Stoffwechselprodukte an. So werden verstärkt sogenannte Ketonkörper produziert. Dazu zählt auch das Aceton, welches Fastende mit einem leicht säuerlichen Geruch, ähnlich dem eines Nagellackentferners belegt. Was hier riecht, hat nichts mit vermeintlich schädlichen Abfällen gemein, die schon länger im Körper gelagert hätten.

Klicken Sie auf das Bild, um alle Artikel aus der Serie "Diät-Mythen" zu lesen.

Entscheidend ist aber ohnehin, wie es nach dieser heroischen Phase des völligen Verzichts weitergeht. In dieser Hinsicht ist das Urteil der Wissenschaftler eindeutig: Nach einer Crash-Diät ist es besonders schwer, sich die neu gewonnene Leichtigkeit zu erhalten. "Studien zeigen, dass der Energieumsatz sinkt. Der Körper scheint sich zu wehren, wenn er knapp gehalten wird", sagt Susanne Klaus. Was dann droht, ist der vielbeschworene Jojo-Effekt.

Nur etwa zehn Prozent der Übergewichtigen, die mit einer Diät gezielt abgenommen haben, schaffen es, langfristig auf diesem Stand zu bleiben. Die Gesundheitspsychologin Traci Mann hat für eine im April 2007 im American Psychologist publizierte Arbeit 31 Langzeitstudien zum Gewichtsverlauf nach Diäten analysiert und dabei sogar festgestellt: Mindestens ein Drittel der Teilnehmer von Abspeckprogrammen nehmen nach der Kur mehr zu als sie durch die Kur abgenommen haben.

Auf Dauer etwas weniger essen

Die Herausforderung besteht also darin, auf die Dauer etwas weniger zu essen, aber genug von allen Makro- und Mikronährstoffen, die der Organismus braucht. Die europaweite Diogenes-Studie , an der auch Forscher um den Diabetes-Experten Andreas Pfeiffer vom DIfE teilnahmen, hat gezeigt, dass nach dem Abnehmen eine Ernährungsweise den Erfolg langfristig besser sichert, bei der der Eiweißanteil leicht erhöht ist. Möglicherweise, weil sie gut sättigt. Die Ergebnisse wurden 2010 im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht .

Wie fast alle medizinischen Studien zum Abnehmen wurde auch diese Untersuchung allerdings mit krankhaft Übergewichtigen durchgeführt, die einen Body Mass Index (BMI, Gewicht in Kilo geteilt durch Größe in Metern im Quadrat) von über 34 hatten und denen der Arzt das Abnehmen dringend empfohlen hatte. Inwieweit die Ergebnisse auf all diejenigen übertragbar sind, die allenfalls ein paar Kilo zu viel auf die Waage bringen, bleibt die Frage.