GesundheitsstudieJeder vierte Deutsche ist fettleibig

Die Schere zwischen gesund und ungesund lebenden Menschen geht laut einer Studie der Regierung auseinander: Mehr Deutsche treiben Sport, es gibt aber auch mehr Dicke. von dpa

Die Zahl der fettleibigen Menschen in Deutschland ist in den vergangenen 14 Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus dem Gesundheitssurvey des Bundesgesundheitsministerium hervor, der am Donnerstag veröffentlicht werden soll. Das Magazin Focus zitierte daraus vorab .

Demnach liegt bei knapp jedem vierten Deutschen der Body-Mass-Index (BMI) über 30. Ab einem solchen Wert sprechen Mediziner von Adipositas , also Fettleibigkeit. Bei einer Vorgängeruntersuchung aus dem Jahr 1998 waren es noch 18,7 Prozent der Männer und 21,7 der Frauen.

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Der Index beschreibt das Verhältnis des Gewichts zur Körpergröße: Gewicht in Kilo geteilt durch Größe in Metern zum Quadrat. Bei Werten ab 25 gilt ein Mensch als übergewichtig. In dieser Kategorie ist der Bevölkerungsanteil mit 68 Prozent bei den Männern und 53 Prozent bei den Frauen etwa gleich geblieben.

Allerdings mehrt sich inzwischen die Kritik am BMI als Maß für Übergewicht. Sportler mit viel Muskelmasse gelten dabei unter Umständen als übergewichtig, ebenso ältere Menschen mit Wassereinlagerungen im Körper. Mediziner plädieren deshalb dafür, eher auf den Taillenumfang zu achten.

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Zudem ist umstritten, ob die BMI-Grenzwerte richtig gewählt sind. Menschen mit einem Wert zwischen 25 und 29,9 haben im Vergleich zu Normalgewichtigen keine erhöhte Sterblichkeit   – und das, obwohl Herzinfarkte und Diabetes dann häufiger auftreten.

Fettleibige Menschen haben ein größeres Diabetes-Risiko . Das spiegelt sich laut Focus auch in den Zahlen der Studie wider: Inzwischen leiden 7,1 Prozent der Männer und 7,5 Prozent der Frauen an der Zuckerkrankheit. Im Vergleich zu 1998 ist damit der Anteil der Diabetiker um 31,5 Prozent beziehungsweise 23 Prozent gestiegen.

Jeder zweite Deutsche treibt regelmäßig Sport

Die Studie zeigt aber auch, dass die Schere zwischen gesund und ungesund lebenden Menschen auseinander geht: Der Anteil der Menschen, die regelmäßig Sport treiben, ist deutlich gestiegen auf etwa die Hälfte der Bevölkerung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sich pro Woche mindestens 2,5 Stunden körperlich zu betätigen. Diese Vorgabe erfüllen weniger Deutsche: 25 Prozent der männlichen und 15 Prozent der weiblichen Probanden. Für die Studie befragten Wissenschaftler mehr als 7.200 Erwachsene zu ihrem Gesundheitsverhalten. Zudem wurden bei den Probanden unter anderem Blut- und Urin-Analysen durchgeführt.

Ministerium arbeitet an Präventionsstrategie

Das Bundesgesundheitsministerium konnte die Ergebnisse des Gesundheitssurveys zunächst nicht bestätigen. "Die Studie ist noch nicht veröffentlicht und auch von unserem Haus noch nicht abschließend ausgewertet", sagte ein Ministeriumssprecher. Sie werde am Donnerstag vorgestellt.

Das Ministerium arbeite aber gerade an einer Präventionsstrategie, die auch die Bekämpfung der Fettleibigkeit zum Ziel habe, sagte der Sprecher. Die Aufklärung zum Thema solle ausgebaut werden. Zudem wolle das Ministerium die betriebliche Gesundheitsförderung stärken.

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Leserkommentare
  1. Tut was ihr wollt, aber bitte keine Bevormundung und keine Volkserziehung liebe Grünen, Danke im Voraus

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    Wer ist denn hier "grün"? Außer Sie vielleicht hinter den Ohren! Das BMG ist gelb-besetzt.

    Und bezahlen muss die "Freiheit um jeden Preis" doch jeder, wie schon oben erwähnt.
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

    • joG
    • 10. Juni 2012 16:26 Uhr

    ....verzichten. Bevormundung, moralischer Vorwurf und Verurteilung sind eine lokale Lieblingsbeschaftugung, eine Passion. Erinnern Sie sich nicht, als nur jeder vierte Ami dick war? Das war ein Fest!

  2. Nach Rauchern und Alkoholkonsumenten, sind jetzt die Fetten dran?
    Merkürdig nur, dass man trotzdem das Pensionsalter erhöht, weil wir doch alle älter werden...

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    aber sind sie auch glücklicher?

    Tja, so sieht es aus: Arbeiten und fleißig in die Kasse einzahlen, bis wir umfallen. Das rechnet sich!

  3. Präventionsstrategie" - soso, jetzt schon. Ob das Ministerium einkalkuliert, was seit Jahrzehnten tagtäglich an Giften, künstlichen Hormonen, Aromastoffen etc. ausgebracht und freigesetzt werden? Der menschliche Körper kann das nicht alles verstoffwechseln und MUSS, wenn er irgend noch "gesund" bleiben will, giftige Reste in Fett einwickeln und als Depots im Bindegewebe ablegen. Da ihm aber täglich neue Gifte zugeführt werden (giftresistente Pflanzen, Round-up-Gifte en masse in Erde, Grundwasser, Luft etc. etc.), versagen die Organe (Niere, Leber, Lunge). Dann schreit man nach Organtransplantationen statt nach Entgiftung der Natur. - Ich bin gespannt auf diese angekündigte Präventionsstrategie und ob sie nur eine Nebelkerzenwerferei sein wird. -

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    "Der menschliche Körper [...] MUSS, wenn er irgend noch "gesund" bleiben will, giftige Reste in Fett einwickeln und als Depots im Bindegewebe ablegen. Da ihm aber täglich neue Gifte zugeführt werden (giftresistente Pflanzen, Round-up-Gifte en masse in Erde, Grundwasser, Luft etc. etc.), versagen die Organe (Niere, Leber, Lunge)."

    Äh...nein, die Organe versagen, weil sie durch den vielen Zucker im Blut von Diabetikern und die Fehlverteilung von Cholesterin und Triglycerinen dauerbelastet werden. Alkohol und Rauchen zerstören Leber und Lunge, Diabetes die Niere, sonstige Gifte sind nur marginal beteiligt.
    Eine "Entgiftung der Natur" wäre zwar aus vielen Gründen wünschenswert, an den Organen der Dicken würde sich aber wenig bis nichts ändern...

    ausgedrückt: Der zivilisatorische Mehrheitsmensch lebt falsch,indem er sich in einem falschen System falschen Regelungen unterwirft.

  4. Was heißt hier: " keine Volkserziehung bitte " ?

    Aber zahlen muß die Allgemeinheit.

    Für die Gesundheitskosten, für Sonderausrüstungen, weil Dicke nicht durch die Tür kommen.

    Weil Dicke keine Treppe hochkommen. Und weil sie früher in Rente gehen usw...

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    wenn sie das nun noch mit Quellen belegen könnten und wenn sie schon dabei sind auch Zahlen von Sportunfällen und die Kosten pro Person inklusive Nachsorge über die Kosten bei Untergewichtigen inklsuive Therapien gar nicht erst zu reden.

    @Thema
    Bin immer wieder erstaunt über die Diskussion, bin selber in einer Region geboren, wo die Menschen genetisch amscheinend alles etwas dicker sind, und das obwohl die meisten körperlich schwer in der Landwirtschaft arbeiten. Selbst mein Großvater selbstständiger Fleischer hatte, trotz harter Arbeit 100kg auf 1.70m wäre also massiv fettleibig. Und da möchte ich die Erklärung der Experten hören.

    Bevor man das Problem angeht sollte man imho erstmal die Nahrungsmittel und deren künstliche Zusatzstoffe z.B. Geschmacksverstärker untersuchen und schauen welche Auswirkung die Chemiecocktails auf den Körper und seinen Metabolismus haben.

    Sie schreiben:

    "(...) Aber zahlen muß die Allgemeinheit.

    Für die Gesundheitskosten, für Sonderausrüstungen, weil Dicke nicht durch die Tür kommen.

    Weil Dicke keine Treppe hochkommen. Und weil sie früher in Rente gehen usw..."

    Zumindest was Türen und Treppen betrifft, gibt es einen einfachen, technischen Einwand, auf einer oberflächlichen bis menschenfeindlichen Ebene, gegen Ihre Behauptung "die Allgemeinheit" müsse für "Dicke" zahlen: Für Rollstuhlfahrer geeignete Eingänge und Aufzüge muss es sowieso geben - die reichen aber auch für fast alle "Dicken".

    Dann schreiben Sie, dass "Dicke" früher in Rente gehen. Das weiß ich nicht, haben Sie Zahlen dazu? Selbst wenn, sollten Sie mit Ihrer Sichtweise dann aber auch berücksichtigen, dass es einen Zusammenhang zwischen zumindest starkem Übergewicht und einer geringeren Lebenserwartung geben könnte.

    Auf einer tieferen Ebene finde ich es allerdings extrem fragwürdig Menschen überhaupt als Kostenfaktor zu betrachten.

    bei Autounfällen - ich habe aber gar kein Auto; soll ich jetzt fordern, daß die Krankenkassen diese Kosten nicht mehr übernehmen, weil ich selber nicht betroffen bin?
    Von den gefährlichen Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko wie Drachenfliegen etc. will ich erst garnicht anfangen; da könnte man sich nämlich auch fragen, ob die Allgemeinheit da zahlen muß, obwohl nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung diese Sportarten betreibt.

    zahlt für diejenigen am meisten, die eine hohe Lebenserwartung haben, denn diese werden im hohen Alter auch pflegebedürftig und produzieren dann Kosten.
    Dass Dicke mit kurzer Lebenserwartung mehr kosten, als langlebige Gesunde, die eine lange Pflegephase zu erwarten haben, ist nicht erwiesen und kann deshalb nicht behauptet werden.
    Mit den Worten des Dennis "Jenseits von Afrika": "...ich habe vor nichts angst, außer dem alt werden.... "

  5. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
  6. für Aufklärung und Präventionsstrategien ist rausgeschmissenes Geld. Seit Jahrzehnten gibt es Aufklärungs-Kampagnen, gebracht haben sie offensichtlich nichts.

    Zwar kann jeder das Wissen über einen gesunden Lebensstil herunter beten. Trotzdem gibt es immer mehr Dicke. Besonders bei jungen Menschen ist die Zunahme erschreckend.

    Jeder soll die medizinische Versorgung bekommen, die er braucht. Das hat keinen Sinn, Krankheiten nach Lebensstil zu sortieren. Gleichzeitig aber darf man von Menschen auch eine gewisse Verantwortung gegenüber ihrem Körper erwarten. Niemand wacht morgens auf und ist dick.

    Es gibt Auswüchse, für die ich kein Verständnis mehr aufbringen kann: Wenn Menschen sich über Jahrzehnte dermaßen vollstopfen, dass sich nicht nur ihr Körpergewicht, sondern auch ihre Magengröße vervielfacht - und anschließend wollen sie von der Krankenkasse eine Magenverkleinerungs-OP bezahlt haben.
    Wenn sie dann endlich abgenommen haben und die Haut am ganzen Körper hängt wie ein leerer Sack, werden als nächster Schritt Schönheitsoperationen wegen der psychischen Belastung verlangt.

    8 Leserempfehlungen
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    > für Aufklärung und Präventionsstrategien ist
    > rausgeschmissenes Geld. Seit Jahrzehnten gibt es
    > Aufklärungs-Kampagnen, gebracht haben sie offensichtlich
    > nichts.

    Da haben Sie Recht! Und generell wird in einer Leistungsgesellschaft nur eine Elite aus den besten belohnt. Hier wird Gesundheit mit Extrem-Sport verwechselt. Das ist jetzt wieder zu sehen, wo sich fettleibige Männer athletischen Fußball ansehen, anstatt selbst ein Minimum an Sport zu treiben.

    Auch fettleibige (wie nicht-fettleibige) Mädchen und Frauen holen sich die falschen Vorbilder bei Topmodel und den ganzen Quark im TV ein.

    Das perfekte Aussehen zu haben und immer im Rampenlicht zu stehen macht aber leider nicht glücklich (jedenfalls nicht über einen längeren Zeitraum), wie schon oft bewiesen - in den Medien wie im Alltag.

    Vielleicht sollte eine Medienkritik den Kriterien über gesunde Ernährung und Sport zuvorkommen. Da hält sich der Staat doch sehr zurück, da viele den Zusammenhang zwischen individuellem (verantwortungslosen) Konsum und den Folgen im kollektiven Gesundheitssystem nicht verstehen (s. Kommentar 1).

    Auch wenn die Propaganda es noch so oft wiederholt, es ist nicht wahr.
    Bei Langzeituntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen gibt es in D. genau eine Untersuchung, begonnen zu DDR-Zeiten und nahtlos weitergeführt.
    Ergebnis: Keine starke Zunahme von übergewichtigen Kindern.
    Immer wenn ich Schulklassen beobachte, sehe ich erschreckend dünne Kinder, ein paar dicke und der rest normalgewichtige Kinder. Genauso viel dicke Kinder, wie inder Zeit, als ich selbst Kind war.
    Aber Propaganda vermag Relationen zu verschieben, die Leute sehen selbst überall Fette, die eigentlich normalgewichtig sind.
    Übergewicht hat dutzende Ursachen, Ernährung ist nur eine unter Vielen.
    Es ist einefach ein zu großes Geschäft, Leute zum Schlanksein zu drängen und zum Abnehmen.

  7. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven und sachlichen Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/ls

  8. Interessant wäre es noch zu wissen, ob im Rahmen dieser Studie ein Zusammemnhang zwischen Fettleibigkeit, dem Vermögen und/oder dem Bildungsstand ersichtlich ist.

    3 Leserempfehlungen
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    ...auch die Altersverteilung in einer alternden Gesellschaft.

    Denn wenn man tatsächlich Prävention machen will, dann sollte man wissen, ob man gelenkkranke Rentner zum abnehmen motivieren soll oder zwanzigjährige Singles.

    Der Erfolg dürfte vor allem bei ersteren minimal sein, umso geringer die absehbare Lebensspanne, umso weniger ist man bereit auf irgendwas zu verzichten und umso schwerer fällt abnehmen ohnehin.

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