Gentest im Mutterleib : Neue ethische Debatten braucht es nicht

Gendefekte Ungeborener sind immer rascher zu erkennen. Ethisch ist das Problem noch gering, die meisten Abtreibungen haben keinen medizinischen Grund, meint U. Bahnsen.

Sollen wir schon in die Gene Ungeborener blicken? Wer darf das? Zu welchem Zweck sollen die genetischen Daten genutzt werden? Diese Fragen werden nun mit der Veröffentlichung einer neuen Studie zur Entzifferung des Erbguts bei Föten wieder gestellt werden. Neu sind sie nicht .

Das nun vorgestellte Verfahren ist allerdings die bislang technisch ausgereifteste Methode, um die Erbinformationen des werdenden Lebens ohne jedes Risiko für die Schwangere und das ungeborene Kind auszulesen. Die Premiere fand allerdings bereits vor rund zwei Jahren statt. Damals analysierte der Forscher Dennis Lo von der Chinese University in Hongkong das Erbgut eines frühen Fötus. Dessen Eltern waren Träger des Gendefektes, der die Blutkrankheit ß-Thalassämie auslöst. Die Ergebnisse, im Dezember 2010 ebenfalls in Science Translational Medicine veröffentlicht , zeigten, dass ihr Kind gesund sein würde. Spätestens seit darüber berichtet wird , läuft die ethische Debatte .

Dennis Lo war es auch, der bereits 1997 erkannt hatte, dass sich im Blut von Schwangeren die Bruchstücke der kindlichen Erbmoleküle in relativ großen Mengen entdecken lassen. Mittlerweile wird diese sogenannte freie fötale DNA (ffDNA) bereits kommerziell zur risikolosen Diagnose von Chromosomenstörungen, wie Trisomie 21, beim Fötus eingesetzt. Der Test auf das Down-Syndrom soll auch in Deutschland diesen Sommer auf den Markt kommen.

Ob die neue Vorgeburtsdiagnostik auch eine Neuauflage ethischer Debatten erfordert, wie sie zuletzt über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) geführt wurde, ist aber zweifelhaft. Genetische Daten von Ungeborenen werden auch jetzt schon erhoben, wenn auch in sehr begrenztem Umfang. Auch eine massenhafte Ausweitung von Abtreibungen infolge der verbesserten Gendurchleuchtung ist vorerst nicht zu befürchten: Von den über 100.000 Schwangerschaftsabbrüchen, die pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden, sind nur wenige Tausend durch medizinisch relevante Diagnosen begründet.

Ein neuer Test erleichtert die Früherkennung der Trsiomie 21. Wird er bald Routine sein? © Natalia Kolesinikova/AFP/Getty Images

Trotzdem ist die Frage, wie tief wir in unsere Erbinformationen blicken wollen, so drängend wie nie zuvor. Die Dekodiertechnik, dafür ist die aktuelle Veröffentlichung nur ein eher randständiges Beispiel, hat inzwischen bei ständig fallenden Kosten kaum noch vorstellbare Lesegeschwindigkeiten erreicht. Zwar wissen wir noch längst nicht genug über den hochkomplexen Code des menschlichen Lebens, um alle Daten sinnvoll interpretieren zu können. Doch schon aus ökonomischen Gründen wird bald jeder Bürger sein Erbgut kennen. In den Vereinigten Staaten soll bereits die Genomentzifferung bei Neugeborenen logistisch erprobt werden.

Es sind heikle Informationen, die dabei offenbar werden. Denn anders, als gern behauptet wird, zeigen gerade die neuesten Befunde der Genomforschung: Der Mensch ist wohl noch weit mehr der Sklave seiner Gene, als bereits befürchtet wurde.

Verlagsangebot

Lesen Sie weiter.

Noch mehr faszinierende Wissenschaftsthemen jetzt im digitalen ZEIT WISSEN-Abo.

Hier sichern

Kommentare

255 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Angesichts dessen, wie schlimm manche Krankengeschichte

bei Down-Syndrom ist und wie die Eltern leiden, verstehe ich völlig, wenn jemand kein behindertes Kind austragen möchte.

Haben Sie mal nachgelesen, was in einem großen Prozentsatz an zu behandelnden Krankheiten oder Fehlbildungen bei der Geburt eines solchen Kindes mit in das Leben einer Familie kommt.

Dazu Fördermaßnahmen, die unglaublich viel Zeit und Energie bedürfen, der Alltag, der manchmal mehr als mancher sich vorstellen mag, bedeutet und dann mit einem Erwachsenen mit Down leben, der ins Leben soll, weil man selbst alt wird und für den es keinen richtigen Ort gibt.

Haben sie je mit einem pubertierenden oder erwachsenen Down-Menschen zu tun gehabt, der z.B. Sexualität leben möchte?

Es gibt viele interessante und für die Familien belastende Momente in einem solchen Leben. Wer das als Aufgabe mag oder annimmt, hat meinen vollen Respekt.

Ich jedoch würde einen solchen Weg nicht wissentlich und willentlich gehen und wenn wir noch ein Kind zeugen dies auch nach Diagnose abtreiben

Differenziert

https://www.destatis.de/D...

Im Berichtsjahr 2011 wurden in Deutschland 108 867 Schwangerschaftsabbrüche an das Statistische
Bundesamt gemeldet.

"...38,7 Prozent der Frauen waren zum Zeitpunkt des Eingriffs verheiratet, 56,6 Prozent ledig...."

"...74,4 Prozent der Frauen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen ließen, waren zwischen 18 und
34 Jahren alt, 14,4 Prozent zwischen 35 und 39 Jahren. 7,5 Prozent der Frauen waren 40 Jahre und
älter und 3,7 Prozent minderjährig...."

"...Mit 96,8 Prozent wurden die meisten Eingriffe nach der Beratungsregelung vorgenommen. Eine medizinische
oder kriminologische Indikation war in 3,2 Prozent der Fälle die Begründung für den Schwangerschaftsabbruch...."

96.8 Prozent der Frauen haben nach Beratung abgetrieben, zu der sie vom Gesetzgeber verpflichtet sind. Wieviele würden hingehen, wenn dieser Zwang nicht bestünde?

Nochmal meine Frage:

Worin liegt der Unterschied, ob ich wegen eines "Gendefektes" abtreibe, oder wegen "einfach so"?

weiter heißt es:

"...40,4 Prozent der Frauen hatten zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs noch keine Kinder
geboren...."

"...Im früheren Bundesgebiet hatten 42,7 Prozent aller Frauen, die
einen Abbruch vornehmen ließen, noch keine Lebendgeburt...."

Jeder, der nur einigermaßen etwas von Statistik versteht, weiß sofort, dass das nicht über 100.000 Notfälle sind.

Lösung

Da nur wenige tausend Abtreibungen durch medizinisch oder anders relevante Diagnosen begründet sind, schlage ich hiermit eine Lösung vor, ganz einfach, Sie werden sehen.

P1: Ein Fötus ist eine Person, bzw. hat das Potential eine Person zu werden.

P2: Eine Person zu töten ist moralisch falsch bzw. Mord

K: Einen Fötus zu töten ist moralisch falsch bzw. Mord

Es ist einfach nur erschreckend, wie oft sich durch medizinische Einfachheit in den heutigen Tagen die Unmenschlichkeit und Arroganz gegenüber anderem Leben zeigt.

Ein Foetus ist natuerlich keine Person

leidiges Thema. Ob foetales Leben trotzdem schuetzenswert ist, ist eine ganz andere Frage. Die Gesetzgebung ist hier inkonsequent und schafft dadurch Raum fuer Verunsicherung. Klar ist jedoch, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frau bis zu einem definierten Entwicklungsstand ueber den Schutz foetalen Lebens gestellt wird. Das finde ich uneingeschraenkt richtig, problematisch hierbei ist die unterschiedliche Gewichtung von behinderten Foeten, das halte ich fuer unethisch. Meiner Ansicht nach sollte man den straffreien Abtreibungszeitraum verlaengern und dann keine Unterscheidung mehr treffen. Entscheidend fuer solche, zugegeben relativ willkuerlich gesetzten Grenzen ist der Entwicklungsstand des Gehirns und somit das Empfindungsvermoegen des Foetus. Meiner Ansicht nach faengt die Entwicklung zu einer Person damit erst relativ spaet an. MfG

natuerlich keine Person?

Was fuer ein Quatsch.

Sind komatoese Patienten dann auch keine Personen? Nur aus sekundaeren Gruenden schuetzenswert?

Absoltuer Unsinn. Natuerlich sind Menschen auch vor der Geburt Personen. Wie wir wissen, sammeln wir alle schon VOR der Geburt praegende individuelle Erfahrungen, an die wir uns auch manchmal sogar erinnern koennen.

Wer also, wie hier geschehen, den Schutz des Menschen an die Person-Eigenschaft binden und diese dann einfachheitshalber an die Geburt koppeln will, ist doch sehr offensichtlich weit ab von der Wahrheit.

Zum Glueck ist unser Recht nicht so gestrickt wie z.B. in den USA, in denen noch Abtreibungen waehrend der Geburt erlaubt sind.

bitte etwas genauer hinschauen

Wen Sie etwas weniger erregt waeren, haetten Sie evtl. bemerkt, dass ich das Wort Geburt als Kriterium gar nicht verwendet habe, sondern von "Entwicklungsstand" spreche, ich moechte mich auch nicht anmassen persoenlich einen Zeitpunkt festzulegen. Im Uebrigen wuerde ich komatoesen Patienten nicht ihre Empfindungsfaehigkeit absprechen, nur weil sie nicht bei Bewusstsein sind (Sie offenbar schon, schliesslich haben sie diese Parallele gezogen). Bei massiver Gehinschaedigung kann es aber natuerlich zum Verlust jeglicher Empfindungsfaehigkeit kommen (wieder moechte ich mich nicht anmassen darueber zu befinden). Aber es geht mir darum eben genau dieses Kriterium zu betonen, jemand oder etwas, das empfindsam ist sollte geschuetzt werden. "Foetus" im Gegensatz zu "Embryo" definiert sich durch die Ausbildung der Organe, was nicht bedeutet, dass die Organe ausgereift waeren. Ein Foetus ist daher per se noch nicht empfindsam, weil sich die dazu erforderlichen neurophysiologischen Voraussetzungen erst noch entwickeln muessen. Das aendert sich wie gesagt mit dem Entwicklungstand und ich bin sicher nicht dafuer einem 7 Monate alten Foetus die Empfindungsfaehigkeit abzusprehcen. Aber auf Menschen, die sich an ihren 4. Entwicklungsmonat erinnern bin ich doch gespannt. MfG

@sabineschultz

Bitte keine Unterstellungen. Ich bin nicht erregt, wenn ich auch die hier diskutierten Dinge schwerwiegend finde.

Ich habe nicht geschrieben, dass Sie die Geburt als Kriterium nehmen. Und ich habe komatoesen Patienten nicht die Empindungsfaehigkeit abgesprochen.

Ich sehe aber keinen Grund, etwa eine nach Entwicklungsstand des Foetus oder Embryos differenzierte Entscheidung zu treffen, wie Sie ja vorschlagen.

Sie selbst schreiben in diesem Zusammenhang von Willkuer (bei jeder Art von Fristenloesung, ergaenze ich mal). Das ist so. Das wird aber nicht etwa dadurch ethisch besser, dass Sie die Willkuerentscheidung anscheinend von jemand anderem treffen lassen wollen.

Dass die Geburt nicht der Beginn der Person ist, ist einleuchtend. Nicht klar ist, aber, da stimmen wir ueberein, ob die Eingenschaft des Personseins als Kriterium fuer eine Fristenloesung genommen werden kann.

Meine Einstellung dazu ist eindeutig, naemlich: nein. Das Leben ist als Leben zu schuetzen.

"Aber auf Menschen, die sich an ihren 4. Entwicklungsmonat erinnern bin ich doch gespannt." Habe ich auch nicht behauptet, ist aber auch nicht das gewichtigste Argument fuer mich. Allerdings ist fuer denjenigen, auf den Sie sich sich zuvor bezogen haben, tatsaechlich mit der Geburt erst der Lebensschutz sinnvoll.

DAGEGEN war meine Argumentation ausreichend, bitte sehen Sie insoweit nicht etwa als Kritik an Ihnen, sondern als meine Ergaenzung Ihres Standpunktes.

MfG

Ja, zum Glück!

Sie meinen diese USA, wo mehrere Staaten Frauen zur vaginalen ultraschalluntersuchung zwingen und es sogar neuerdings den Druck gibt, Frauen, die ihr Baby verlieren einer kriminellen Untersuchung zu unterziehen für den fall, sie haben den Verlust durch ihre Lebensweise (Drogen, oder vielleicht auch Medikamente) verschuldet? Die USA, wo in einigen Staaten manche nun behaupten und im Gesetz festgelegt haben wollen, dass das Leben bereits zwei Wochen vor der Empfängnis anfaengt?

Ja, zum Glück!

@em-y

Gut, dass wir uns in einem einig sind - die USA koennen und sollten hier nicht als Vorbild gelten. Weder als Rechtsvorbild noch als Kulturvorbild.

Nachdem Sie auf der einen Seite in die Gruselkiste gegriffen haben, darf ich dann wohl auch nochmal die Fakten von der anderen Seite nennen, die mich tatsaechlich zu dieser Bemerkung gefuehrt haben.

In den meisten Staaten der USA ist die "Late Abortion" erlaubt. Und diese auch inder Form der "Partial Birth Abortion".

Und das bedeutet nichts anderes, als das ein schon halb geborenes Kind getoetet wird. Nicht selten schreien die Kinder schon zuvor.

Und das finde ich unmenschlich und das war der Grund warum ich die USA hier reingebracht habe.

Um naemlich zu exemplifizieren, was genau es bedeutet, die Personwerdung zur Voraussetzung zu machen, bevor man einen rechtlichen Schutz fuer moeglich haelt. Das wurde hier ja vertreten und genau das lehne ich ab.

Hier finden wir sie wieder, ethische Grundsätze,

die vom Himmel fallen:

"Leben ist als Leben zu schützen."

Man kann sich an solchen Sätzen berauschen, steht konkreten Situationen, in denen Entscheidungen zu treffen sind, aber damit hilflos gegenüber.

Konkret:
Leben ist auch tierisches Leben. Dort differenzieren wir offensichtlich.
Leben ist auch das Leben eines Soldaten, eines Polizisten etc.

Es ist nicht einzusehen, warum wir nicht auch bzgl. der Entwicklungsstadien eines Embryos differenzieren dürfen. Das Nichtvorhandensein einer klaren Grenze ist kein Argument dagegen, die haben wir nicht mal zwischen Tag und Tag.

Man muss es immer wieder betonen, ein Embryo ohne Nervensystem ist nicht Träger einer Person. Der Rechtsschutz, der einer Person zu gewähren ist, muss desshalb nicht notwendig auch dem Embryo zugestanden werden. Alles andere fällt unter Obskurantismus.

Kurzum: mit Aussagen der obigen Art: "Leben ist als Leben zu schützen." helfen wir niemanden, denn sie liefern keine Richtschnur für Handlungsanweisungen.

Herzlichst Crest

@Crest

Sehen Sie, es gibt ja noch mehr "vom Himmel gefallene Grundsaetze".

Ich habe diesen Satz als MEINE Meinung gekennzeichnet, als einen Satz, den ICH anerkennen.

Ebenso habe ich klar gesagt, dass FUER MICH die Folgerung IM KONTEXT DER ABTREIBUNGSDEBATTE aus diesem Grundsatz und den Fakten, die man heute ueber den Verlauf der menschlichen Entwicklung weiss, ist, dass ich keine Fristenloesung als ethisch unproblematisch ansehen kann.

Natuerlich darf man sich meinen Meinungen anschliessen, sie ablehnen, sich unentschieden zeigen, sie diskutieren.

Aber ebenso natuerlich sehe ich es alsfuer mich entschieden an.

"Die Wuerde des Menschen ist unantastbar, ..." ist eben (s.o.) auch vom Himmel gefallen.

Die Muetter und Vaeter des Grundgesetzes geben fuer diese normierende Norm ausdruecklich KEINE Quelle an.

Unsere Verfassung, auf die ich mich hiermit beziehe, ist naemlich aus gutem Grund "naturrechtlich" und nicht "positivistisch" begruendet, mit der Weimarer Verfassung, bei der es andersrum war, hat man schlechte Erfahrungen gemacht.

Auch bei der Menschenwuerdeaussage des Grundgesetzes (und den anderen naturrechtlichen Aussagen "jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich", ...) die wir beide anerkennen und die die Gurndlage unserer heutigen Gesellschaft bilden, ist es so, dass die konkreten Anwendungen und Bedeutungen dieser Saetze erst noch gefunden werden muessen.

Und doch lehnen Sie diese Saetze nicht in dem gleichen Stile ab wie den meinen. Warum?

Notiz

"Und doch lehnen Sie diese Saetze nicht in dem gleichen Stile ab wie den meinen. Warum?"

Weil diese Grundsätze Ergebnis einer (sozial-)evolutionären Selektion waren. Das Verbot der Abtreibung ist es nicht. C.

P.S.
"Ich habe diesen Satz als MEINE Meinung gekennzeichnet, als einen Satz, den ICH anerkenne."
Diesen persönlichen Standpunkt will Ihnen auch keiner (keiner !) nehmen.

Sie aber wollen ja mehr, Sie wollen (wenn Sie es denn könnten) diesen Ihren persönlichen Standpunkt in ein allgemein verbindliches Strafgesetz gießen.

@Crest

Sie sind absurd.

Zeigen Sie mir doch mal eben, wo ich eine Aenderung der bestehenden strafgesetzlichen Regelungen bzgl. Abtreibungen gefordert habe.

Zutreffend ist allerdings, dass ich die Erlaubnis von Late Abortions in den USA ablehne. In unserem Strafgesetz sind diese Kindstoetungen - und in JENEN Faellen in den USA kann ja niemand abstreiten, dass es um nichts anderes als Kindstoetungen geht - jedoch nicht straffrei gestellt worden.

Also, bleiben Sie doch einfach mal bei der Wahrheit, wenn Sie ueber mich sprechen.

Und Ihre Standpunkte ueber "sozial-evolutionaere Selektion" lehne ich allerdings vollkommen ab. Das gehoert hier dann auch nicht rein, finde ich.

die Frage der Ethik stellt sich doch woanders

naja, "was fuer ein Quatsch" verstehe ich jetzt nicht unbedingt als Ergaenzung meines Standpunktes, aber lassen wir das mal. Natuerlich koennen Sie meine Einstellungen gerne soviel kritisieren wie sie wollen, darum sind solche Foren ja interessant! Was mir in dieser Grundsatzdiskussion aufstoesst ist aber vielmehr, dass das eigentlich unethische doch die Unterscheidung von unbehindertem und behindertem Leben ist. Eine Fristenregelung halte ich ueberhaupt nicht fuer unethisch, ganz im Gegenteil. Ich halte mich nur nicht fuer qualifiziert die Frist festzulegen, bin eben kein Neurophysiologe. Dass jede Frist, jeder Grenzwert zu einem gewissen Grad auch irgendwie willkuerlich ist, laesst sich nicht voellig vermeiden, wenn es um fliessende Grenzen geht. Ich halte das aber fuer notwendig. Es geht um gesellschaftliche Regeln und die sind fuer ein Zusammenleben nunmal unumgaenglich und sinnvoll. Es sind immer Abwaegungen zu treffen, kathegorische Abwehrhaltungen sind da wenig produktiv, so edel Ihre eigentlichen Absichten im Kern auch sein moegen. Aber in dem Punkt werden wir uns da wohl nicht annaehern. Trotzdem mfG

so what

Ulbricht hin, Mauer her - ich werd nicht besonders gern mit Ulbricht verglichen.

Und wenn Sie nun schreiben, Sie wuerden wetten dass ich auf eine Strafrechtsverschaerfung hinauswill - na, die Wette haben Sie verloren.

Auch ich (wie viele andere hier) sehe die strafrechtliche Lage nicht als besonders entscheidend in der Lebensrealitaet vieler ungewollt oder ungeplant schwangerer Frauen in der Bundesrepublik.

Christygoe, em-y, ... haben schon (m.E. voellig richtig) gesagt, dass unabhaengig von der strafrechtlichen Lage Wege zur Abtreibung gesucht und meist auch gefunden werden und wurden.

Was nun aber Gespraechsbeitraege bewirken sollen, die nur auf Ihren unbegruendbaren Vermutungen bezuglich meiner Meinungen und Absichten beruhenn, erschliesst sichmir nicht ganz.

Wsl. ist es einfach nur ein andere Form "persoenliche zu werden", bzw. persoenliche Angriffe zu fahren.

Sie disqualifizieren sich also weiter selbst vor aller Threadleser Augen. Nur weiter so, hindern kann ich Sie nicht dran, und will ich auch nicht.

Ethik ist immer und ueberall

Der Teil der Philosophie, die sich der Frage "was soll (kann/darf/....) ich tun?" stellt, ist die Ethik. Sie ist also immer und ueberall angesprochen, wenn Menschen Entscheidungen treffen.

Die ethische Frage stellt sich also nicht, wie Sie sagen, ganz woanders, sondern ueberall.

Fuer Sie ist es jedoch anscheinend so, dass die Bewertung "welche Menschen" duerfen leben, einer ethischen Ueberlegung bedarf.

Ich aberbin der Meinung, dass ALLE Menschen leben duerfen. Und dass das die grundeinstellung sein sollte.

Als "absoluten Quatsch" empfinde ich immer noch die Kopplung der Behauptungen, dass Foeten keine Personen seien, und dsas nur Personen Lebensrecht besaessen. Richtig ist aber immer noch, dass ich dies nicht aus Erregung geschrieben habe.

Eine Ergaenzung Ihrer Ausfuehrungen habe ich aber trotzdem vorgenommen, wenn auch an anderer Stelle.

Ich denke naemlich, dass man u.a. an der von Ihnen aufgeworfenen Frage leicht sehen kann, dass es falsch ist, nur "Personen" (wie auch immer definiert, die Schwierigkeiten an dieser Stelle haben auch Sie ja aufgewiesen) Lebensschutzrechte zuzuweisen.

Dass ich es ausserdem falsch finde, die Personwerdung mit der Geburt beginnen zu lassen, habe ich ja auch schon mitgeteilt. Ich faende es aber auch falsch, nun etwa, wie Sie vorschlagen, Neurowissenschaftler zu beauftragen, die Personwerdung des Menschen im foetalen Stadium zu untersuchen.

Person

Warum sollte die Personeigenschaft tatsaechlich mit der Geburt beginnen?

Dies kann hoechstens in einem rein juristisch-formalen Sinne behauptet werden.

Der ist aber nicht besonders hilfreich.

Ethisch klar sollte m.E. sein (auch wenn gelegentlich anderes vertreten wird): Menschen duerfen nicht getoetet werden. Auch dann nicht, wenn sie nicht empfinden koennen, kein Bewusstsein haben oder, oder, oder ...

Dass ein neuer und eigener Mensch mit der Zeugung, genauer gesagt mit der Verschmelzung zweier Zellkerne beginnt, kann im Zeitalter der Mikrobiologie doch gar nicht mehr abgestritten werden.

Mensch ist ein geborenes Wesen der dem Homo sapiens

zuzuordnen ist. Fötus ist das, was vorher in der Frau heranwächst.

Das sind Begriffe, über die, wenn überhaupt in fundamentalistischen Kreisen Unklarheiten herrschen. Juristisch ist das klar und wird auch medizinisch nicht angezweifelt.

Es wird klar unterschieden zwischen vorgeburtlich und nachgeburtlich, da sich in dem Moment der Geburt die Veränderung vom in einer Frau wachsenden Fötus zum eigenständigen Menschen vollzieht.

Wo ist da der Streitpunkt?

"Moment der Geburt"

Der Moment der Geburt ist nur rein rechtlich der Zeitpunkt einer schlagartigen Veraenderung.

Fuer den gesunden Menschenverstand macht diese Sprachregelung macht aber keinen Sinn. Sie ist inhaltlich nicht zutreffend.

Z.B. koennen gelegentlich auch aus toten Frauen lebende Menschen entnommen werden (tragisch, aber dass es vorkommt wird kein Mediziner anzweifeln).

Und nahestehende Menschen (z.B. Vaeter) koennen durchaus schon vorgeburtlich Beziehung zum neuen Menschen aufnehmen.

Die juristische Festlegung, der die medizinische Süprachregelung folgt, ohne sie dadurch zu bestaetigen, ist daher sachlich-inhaltlich nicht gerechtfertigt.

Nicht nur rechtlich auch faktisch...

ist die Geburt seit Menschen gedenken eine Zäsur, da dann aus dem Parasiten, der ohne Wirt nicht leben kann - ok, heute geht so etwas unter Klinikbedingungen je nach Land und Ausstattung - ein eigenständiges Wesen wird.

Wer das übersieht und aus dem, was Frauen in sich tragen und dort wachsen lassen etwas machen möchte, das eigenständig ist und eigenständige Rechte hat, hat ein Problem, da es so in unserer Kultur nicht funktioniert.

Wieso sollte ich so etwas wollen?

Ich liebe mein Leben, wie es ist, finde diesen Beratungstermin unnötig und sehe im Großen und Ganzen, dass es eine akzeptable Lösung ist, die es in Deutschland gibt, da sie Frauen nicht mehr ins Ausland oder zu windigen Geldverdienern oder Gesundheitsgefährdern nötigt.

Die jetzt auf den Markt kommenden Gentests halte ich für gut, sinnvoll und lange ersehnt, da Frauen eine Fruchtwasseruntersuchung als belastender erleben und die Spätabtreibungen nach einer negativen Diagnose wesentlich schwieriger sind.

Beratungen ... nicht mein Punkt ...

... neue Gentests ... meine positive Bewertung der damit verbundenen Moeglichkeiten haben Sie ja schon gelesen.

Allerdings kann ich sie nur insofern als positiv einschaetzen, als sie dem Lebensschutz und der Gesundheit von Mutter UND Kind dienen (z.B. verbesserte Erstversorgung von Trisomie-21-Menschen).

Und WOLLEN sollen Sie ja keinen Beratungstermin.

Es ging stattdessen darum, ob Sie wollen KOENNEN, dass auch ein Foetus schon Rechte hat.

Und ich bin sicher, dass man das wollen kann, dass man das auch leben kann, nur SIE wollen es eben nicht.

Sie aber hatten gesagt, es sei in unserer Kultur grundsaetzlich unmoeglich. Und DIESE Aussage halte ich fuer falsch.

Frage der Definition

Also, Ihrer Meinung nach ist ein Mensch erst ein Mensch erst nach dem, wie die Abgeordneten im Bundestag das festgelegt haben: also 9 Wochen oder 3 Monate oder etc.

Sagen Sie mir bitte - wann hört der Mensch auf Mensch zu wein: mit 70 Jahren, oder 80 oder muss er gar 100 Jahre leben, damit er legal eingeschläfert werden kann?

Ich weiß, meine Frage ist äußerst polemisch - wollte nur auf die blödsinnige Berufung auf das positive Gesetz hinweisen. In unserer Geschichte gibt es leider einige Beispiele für diese Handhabe - für die Opfer gibt es - Gott sei Dank - auch viele Gedenkstätte.

na dann kommen Sie mal nach Irland...

... wo noch im Jahre 2012 vergewaltigte 14 jaehrige Maedchen dazu gezwungen werden, das Kind ihres Vergewaltigers auszutragen und - um das auch sicherzustellen -, waehrend ihrer Schwangerschaft nicht in Laender reisen duerfen, in denen Abtreibungen durchgefuehrt werden. Vielleicht wuerden Sie sich dann ueber ein wenig mehr Relativismus in dieser Frage freuen.

Ich vermute uebrigens,dass in der Konsequenz viele Vergewaltigungen hier nicht angezeigt werden, weil die Frauen erst nach einigen Wochen heimlich testen wollen, ob sie schwanger geworden sind, damit sie dann in England abtreiben lassen koennen, noch bevor jemand von ihrer Schwangerschaft weiss.

wo ist denn das Argument?

"Ob die neue Vorgeburtsdiagnostik auch eine Neuauflage ethischer Debatten erfordert, wie sie zuletzt über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) geführt wurde, ist aber zweifelhaft. Genetische Daten von Ungeborenen werden auch jetzt schon erhoben, wenn auch in sehr begrenztem Umfang."

hier fehlt mir ein deutliches Argument, nur weil wir etwas in diesem Moment (gesetzlich oder gesellschaftlich) gutheißen muss dies nicht so bleiben.

Die Argumentation von Max View macht Sinn für jene die P1 akzeptieren, nicht jeder stimmt hiermit jedoch überein. Man könnte auch argumentieren dass das ungeborene Wesen erst ab einem späteren Zeitraum zur Person wird.