SupervirusDie Natur ist gefährlicher als der Terror

Wissenschaftler haben das Rezept für ein tödliches Virus mit Pandemie-Potenzial öffentlich gemacht. Doch die echte Gefahr lauert in der Natur. Ein Kommentar

Januar 2012 im Norden der indonesischen Insel Sumatra: Mitarbeiter der Veterinär-Ämter versprühen Desinfektionsmittel auf einem Markt, nachdem sich Menschen mit dem Virus infiziert hatten.

Januar 2012 im Norden der indonesischen Insel Sumatra: Mitarbeiter der Veterinär-Ämter versprühen Desinfektionsmittel auf einem Markt, nachdem sich Menschen mit dem Virus infiziert hatten.

Jetzt ist es raus, das Supervirus. Ein Killer, übertragbar wie ein simpler Schnupfen, aber tödlich wie die Pest. Zum Glück ist der Erreger, über den seit Monaten gestritten wird, weder aus einem Hochsicherheitslabor entwichen, noch von Terroristen als Biowaffe verwendet worden. Bisher hat das Grippevirus mit Pandemie-Potenzial – genauer gesagt das Wissen, wie es entstehen könnte – lediglich das engmaschige Netz der Wissenschaftsbürokratie überwunden.

Das Magazin Science hat nun nämlich die Arbeit von Ron Fouchier und seinen Kollegen von der Rotterdamer Erasmus-Universität veröffentlicht. Was drinsteht, war lange bekannt. Die ergänzenden Ergebnisse von Yoshihiro Kawaoka, der an den Unis von Wisconsin-Madison und Tokio forscht, erschienen bereits im März in Nature

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Es ist gut, dass am Ende der Debatte um Biosicherheit, Terrorgefahr und Zensur die Forschungsfreiheit – zumindest fast – gesiegt hat. Die jetzt veröffentlichte Version hatten die Wissenschaftler überarbeitet, damit Terroristen auch ja keine Anleitung zum Nachbau eines Killervirus vorfinden. Behörden und Wissenschaftsverlage wollen die Richtlinien für den Umgang mit solchen "Dual Use"-Fällen nach dem Supervirus-Chaos nun verbessern. Vielleicht wird es Forschern künftig möglich sein, potenziell gefährliches Wissen auf festgeschriebenen Wegen nur Kollegen zugänglich zu machen, die es für die Forschung benötigen. Hoffentlich wird das auch dazu beitragen, dass Grippeforscher wieder ungehindert arbeiten können.

Dagny Lüdemann
Dagny Lüdemann

Dagny Lüdemann leitet das Ressort Wissen, Digital und Studium bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Denn eines ging in der Debatte unter: Wenn es um Grippeerreger geht, ist die eigentliche Gefahr nicht der Missbrauch durch den Menschen, sondern die Macht der Natur. Fouchiers Frettchenversuch hat gezeigt: Nur fünf natürliche Genmutationen reichen aus, damit aus dem untersuchten A/H5N1-Vogelgrippe-Stamm ein fliegender Killer wurde.

Was das im Klartext bedeutet, steht in einem fast versteckten Artikel, der zusammen mit der Studie in Science erschienen ist. Darin schreiben der Cambridge-Zoologe Colin Russell, Ron Fouchier, Yoshihiro Kawaoka und andere: Die fehlenden Mutationen könnten in einem einzigen Säugetier-Wirt entstehen.

Sollte sich nur ein einzelner Mensch – sei es in China, Vietnam, Ägypten oder der Türkei – die Vogelgrippe einfangen, während er andere Grippeviren im Körper trägt, könnte das für die Geburt eines Superkeims reichen. Diese Person könnte die Quelle für eine Pandemie mit Millionen Toten werden – vergleichbar mit der Spanischen Grippe um 1918.

Leserkommentare
  1. Mit ihrer Aussage

    "Denn eines ging in der Debatte unter: Wenn es um Grippeerreger geht, ist die eigentliche Gefahr nicht der Missbrauch durch den Menschen, sondern die Macht der Natur."

    zeugt doch von der eigentlichen Gefahr für unseren Globus:

    die Hybris des Menschen !

    Ansonsten: (stampf!) - genau: Sagen wir der Natur doch ruhig endlich Mal wo es lang geht. Wie kann Sie es wagen, sich uns nicht zu unterwerfen !!!

    • xy1
    • 23.06.2012 um 12:44 Uhr

    Ich wünsche es Ihnen nicht, aber könnte es nicht sein, dass Sie irgendwann vor der Wahl stehen werden - entweder
    Produkte der "erbarmungslose weltzerstöreische Giftmischerei" zur Lebensrettung einzunehmen oder ein frühzeitiges Ableben zu riskieren?

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    Doppelposting

    man gesund ist, ist es kein Problem, über die Giftmischer zu schimpfen. Spätestens wenn der Appendix raus muss oder vielleicht ein Knochenbruch verschraubt gehört wird sich schon Dankbarkeit einstellen, dafür dass der Arzt nicht wie früher ein Beißholz und starke Männer mitbringt ;-)

    Doppelposting

    man gesund ist, ist es kein Problem, über die Giftmischer zu schimpfen. Spätestens wenn der Appendix raus muss oder vielleicht ein Knochenbruch verschraubt gehört wird sich schon Dankbarkeit einstellen, dafür dass der Arzt nicht wie früher ein Beißholz und starke Männer mitbringt ;-)

  2. Doppelposting

  3. 100. So lange

    man gesund ist, ist es kein Problem, über die Giftmischer zu schimpfen. Spätestens wenn der Appendix raus muss oder vielleicht ein Knochenbruch verschraubt gehört wird sich schon Dankbarkeit einstellen, dafür dass der Arzt nicht wie früher ein Beißholz und starke Männer mitbringt ;-)

    Eine Leserempfehlung
    • PGMN
    • 23.06.2012 um 16:38 Uhr

    Folglich ist die Natur exakt so gefährlich wie der Mensch, denn sie hat ihn hervorgebracht.

    Und jetzt?

    2 Leserempfehlungen
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    Waren die Wiesen und die Felder ???

    Na denne ...

    Waren die Wiesen und die Felder ???

    Na denne ...

  4. ... bleiben gottseidank meistens völlig zu Recht Einzelgänger, denen man wissenschaftliche Kompetenz meistens absprechen muss. Daran ändert auch der hartnäckige Glaube einzelner Jünger wenig...

    Eine Leserempfehlung
  5. Waren die Wiesen und die Felder ???

    Na denne ...

  6. Sind schon seit beinahe einem Jahrhundert nun in den Waffenarsenalen der Welt vertreten, angefangen mit Anthrax über Pocken und Pest bishin zu Ebola wurde wahrschenilich schon mit jedem Erreger experimentiert. Ob da nun ein Rezept für ein neues Supervirus hinzukommt oder nicht ist ziemlich unerheblich. Wenn Sie sich mal ein Bild davon machen würden wie weit die Soviet Union in den Achtziger Jahren die Bio-Waffen Forschung getrieben hat, dann würden Sie sich keine Sorgen mehr machen wegen einem Virus mehr oder weniger...

    Antwort auf "Forschungsfreiheit?"

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