Organspende-Skandal : Göttinger Ärzte der fahrlässigen Tötung verdächtigt

Starben Menschen, weil sie vergeblich auf ein Organ warten mussten? Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Göttinger Organspende-Skandal nun auch wegen fahrlässiger Tötung.
Die Universitätsmedizin Göttingen © Julian Stratenschulte/dpa/lni

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen sagte, es bestehe der Anfangsverdacht, dass durch Manipulationen in der Göttinger Universitätsklinik Menschen andernorts gestorben seien. Die Staatsanwaltschaft prüfe, ob die beiden beschuldigten Ärzte Krankenakten mit Laborwerten derart verändert haben, dass bestimmte Patienten unberechtigt ein Spenderorgan erhalten haben. Menschen, die eigentlich auf den Wartelisten weiter oben standen, könnten durch die Manipulation gestorben sein.

Sogar eine bedingt vorsätzliche Tötung halten die Staatsanwälte für nicht ausgeschlossen. "Die Ermittlungen stehen aber noch ganz am Anfang", sagte der Sprecher Frank-Michael Laue. Die Göttinger Staatsanwaltschaft unterstützt die Anklagebehörde in Braunschweig , die schon länger wegen Bestechlichkeit gegen einen der Mediziner ermittelt. Insgesamt untersuchen die Beamten 23 Fälle aus den Jahren 2010 und 2011.

Bei einem der Beschuldigten handelt es sich um den ehemaligen Leiter der Transplantationschirurgie, von dem sich das Uniklinikum bereits 2011 trennte. Der 45-jährige Mediziner wurde bereits vor Monaten verdächtigt, einen Patienten bei einer Lebertransplantation bevorzugt zu haben. Möglicherweise bezahlte der Patient den Arzt, um das Organ zu erhalten.
 

Der zweite Verdächtige leitet die Abteilung für Gastroenterologie. Mitarbeiter des Klinikums selbst könnten ihm auf die Spur gekommen sein. Der Mediziner untersuchte unter anderem Patienten, die kurz vor einer Lebertransplantation standen. Damit habe der Beschuldigte auch den Bewertungsgrad beeinflussen können, der die Schwere einer Lebererkrankung angibt. Diesen Meld-Score (Model für Endstage Liver Disease) gibt die Stiftung Eurotransplant vor, die gespendete Organe in sieben europäischen Ländern vermittelt.

Die Uniklinik hat den Mediziner bis auf Weiteres freigestellt. Sein Büro und auch seine Wohnung haben die Ermittler inzwischen durchsucht.

Verlagsangebot

Lesen Sie weiter.

Noch mehr faszinierende Wissenschaftsthemen jetzt im digitalen ZEIT WISSEN-Abo.

Hier sichern

Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Organspenden Ausweise wären eine gute Sache

gäbe es da nicht kriminelle Banden und Ärzte.

In den vorhergehenden Jahrhunderten haben Sie sich illegal
Leichen zum sezieren besorgt, und da jeder Lebende ein potentieller Toter ist, auch wenn man ihn dazu macht, gab es immer genug Nachschub.

Heute wurde der Leichenhandel durch den Organhandel ersetzt.

Ich möchte nicht in einer Organspender Datenbank gelistet sein und immer Angst haben dass mir "Versehentlich" ein Unfall passiert. Es ist nicht so, dass ich auf meinen Organen sitzen bleiben will, aber das sollen meine Angehörigen entscheiden wenn es soweit ist. Nach heutiger Praxis werden die Organe Hirntoter ohne Narkose entnommen. Entsprechend schmerzverzerrt sind manche Gesichter dieser Unglücklichen.
Organentnahme bei mir nur mit Narkose wie bei einer Lebend- Organspende.
Solange der Gesetzgeber hier keine klaren Formulierungen gefunden hat und Täter wie diese Oberärzte nicht bis an ihr Lebensende hinter Schloss und Riegel verschwinden, sage ich nur Hände weg von einem Freibrief für Organentnahme.

Haben Sie ein Beleg für ...

... "Nach heutiger Praxis werden die Organe Hirntoter ohne Narkose entnommen. Entsprechend schmerzverzerrt sind manche Gesichter dieser Unglücklichen."

Wenn Muskeln reagieren können (schmerzverzerrte Gesichter) könnten sie doch auch die Entnahme erschweren, da Reflexe offensichtlich weiterhin vorhanden sind. Wenn das so ist, wäre es doch Unsinn auf ein narkotisierendes Medikament zu verzichten, verursacht es doch für den Arzt keine weiteren Kosten und erleichtert die Operation. In meinen Augen ist die Passage über "schmerzverzerrte" Gesichter emotionalisierender Unfug.

"Ärzte sind auch nur Menschen"...

diesen Satz meines ehemaligen Neurologen nicht aus dem Gehör bekommend...

Gott sei Dank - wenigstens dachte ich mal so...

Dieser "Organskandal" lehrt einen wieder mal - Vertrauen ist und kann sehr ungesund sein...

Organspende ist ein hoch sensibles Thema - und derartige hm Menschen machen daraus "Leichenfledderei" übelster Sorte...

Ärzte, die auf diesem Gebiet tätig sind tragen allerhöchste Verantwortung über Leben und Tod und es gibt eben Jene (leider wohl zu viele), die in ihrer Hybris und ihrem Narzissmus genau "den Menschen" vergessen oder aber befreit von Gewissen ihrer Gier die Oberhand überlassen...

Menschen bleiben Menschen (und als solche ist die Würde unantastbar) - tot oder lebendig - und die Würde des Lebens wie des Sterbens eines Menschen sollte immer gewahrt werden...

Für diesen Eklat gibt es keine Entschuldigung - weder seitens der unmittelbar Beteiligten noch der Klinikleitung (die ihre Hände in Unschuld gewaschen wissen will)...

Solchen Menschen sollte die Aprobation unverzüglich aberkannt werden...

Für Menschen, die auf ein Organ warten wird damit die Hoffnung auf freiwillige Spender wieder ein Stück mehr minimiert - dies ist die andere traurige Seite dieser Münze...

Aber wie sagt der Lateiner: "Pecunia non olet" - und mit diesem Fall liegt hierfür ein weiterer deprimierender Beweis zu Grunde...

In Deutschland manifestiert sich die Korruption und die Korrumpierbarkeit stringenter als Viele verifizieren möchten...

... durch diese Einstellung wird den "Opfern" nicht geholfen...

... die laienhaften Äußerungen hier von einigen (schmerzverzerrtem gesicht, keine Narkose usw.) möchte ich gänzlich unkommentiert lassen. Ich möchte es überspitzt ausdrücken: Das Ego steht im Vordergrund. Es ist traurig, dass iese Einzefälle... wie viele es auch sien mögen, die Spender abschrecken... Aber vor was haben sie Angst? Dass sie fälschlicherweise für Tod erklärt werden oder gar zum Tode "verleitet" weren? Unsinn! Dieser Blödsinn führt nur dazu, dass es weiterhin ein mangel an organen gibt und auf der Strecke bleiben letztlich die kranken Menschen, sonst niemand! Natürlich ist viel schief gelaufen und läuft noch immer schief. Die Leute, die oben auf der Liste standen, haben keine Organe bekommen... trotzdem haben kranke Menschen die Organe bekommen... Und die Aussage, ..."sollen doch meine Angehörigen entscheiden, was mit meinen Organen nach dem Tod passiert" ist einfach nur naiv und völlig verantwortungslos! (Eine Vielzahl der Menschen lassen sich von der Hsyterie - z.T. durch die Medien verursacht - und einer handvoll schwarzer Schafe beeinflussen... die 12000 kranken Menschen bleiben auf der Strecke!

Tut es weh, einen Organsopendeausweis zu haben? Wenn ich Tod bin, ist es mir egal, ob Platz Nr. 1 oder 100 auf der Liste mein organ bekommt - es ist zwar nciht richtig, aber hauptsache, es kann (irgendjemand) weiterhelfen! Und an den Blödsinn, dass ich vorzeitig aufgrund meiner Organe "getötet" werden, glaube ich nicht.