ImmunschwächeWeniger HIV-Infektionen in Deutschland

Zum ersten Mal seit Jahren ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen leicht gesunken. Wissenschaftler führen das vor allem auf bessere Behandlungsmethoden zurück. von afp und dpa

Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in Deutschland ist erstmals seit zehn Jahren leicht gesunken. 2011 wurden insgesamt 2.889 neue Fälle festgestellt, das waren 1,7 Prozent weniger als 2010, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte.

Seit 2001 hatte sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen jedes Jahr erhöht. Daher sei dieser Rückgang bemerkenswert, wie es im aktuellen Epidemiologischen Bulletin hieß.

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Neu an Aids erkrankte Menschen erfasste das RKI im vergangenen Jahr 502. "Die Zahlen der neu diagnostizierten Infektionen spiegeln aber nicht zwangsläufig das aktuelle Infektionsgeschehen wider", sagte ein Autor der Studie. Von der Infektion bis zum Auftreten von Symptomen könnten Jahre vergehen. Außerdem lasse sich nicht jeder Betroffene testen. Die tatsächliche Zahl der Infektionen lasse sich nur schätzen.

Wissenschaftler glauben noch nicht an einen Trend

Mit etwa 55 Prozent der diagnostizierten Neuinfektionen stellten homosexuelle Männer erneut die größte Gruppe. Bei ihnen sank die Zahl der Neuinfektionen aber deutlich von 1.697 im Jahr 2010 auf 1.574 in 2011 – ein Minus von sieben Prozent.

15,7 Prozent der Neudiagnosen wurden bei Frauen gestellt – 0,7 Prozent mehr als 2010. Im Laufe der Jahre hat sich der starke Männeranteil verfestigt: Seit 2003 ist er um fast zehn Prozent gestiegen. So niedrig wie noch nie seit Beginn der gesonderten Erfassung war die Zahl der Drogenkonsumenten . Auf sie entfielen 90 Infektionen, was einem Anteil von 3 Prozent entspricht.

Das Institut warnte vor vorschnellen Interpretationen als Trendwende. Die Entwicklung sei wahrscheinlich in erster Linie mit einer besseren Behandlung von Menschen mit HIV-Diagnose und einer Ausweitung von niedrigschwelligen Testangeboten zu erklären. Mit Medikamenten könne die Ansteckungsgefahr deutlich vermindert werden, die Tests sorgten dafür, dass weniger Infektionen unbemerkt blieben.

In Deutschland wurden bislang insgesamt 28.453 Menschen mit einer Aids-Erkrankung registriert. 14.294 Todesfälle infolge der Erkrankung wurden an das RKI berichtet.

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Leserkommentare
  1. Dafür ist in Deutschland laut RKI die (fast vergessene) Syphilis besonders in Grossstädten wieder auf dem Vormarsch. Man sollte das erwähnen, bevor allzu unbesorgt umgegangen wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Besorgniserregend ist vor allem das eine Infektion wie Syphilis die sich z.B. mit Penicilin problemlos behandeln laesst auf dem Vormarsch ist.

    Hier sollte man sich doch ein paar Gedanken zum aktuellen Zustand des Gesundheitssystems machen.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

    • Gex83
    • 16. Juli 2012 19:56 Uhr

    Nicht zu vergessen dass der Tripper längst nicht mehr so gut auf Antibiotika anspringt und erneut die große Krankheit der kommenden Jahre werden dürfte weil man sich davor kaum schützen kann.

  2. Besorgniserregend ist vor allem das eine Infektion wie Syphilis die sich z.B. mit Penicilin problemlos behandeln laesst auf dem Vormarsch ist.

    Hier sollte man sich doch ein paar Gedanken zum aktuellen Zustand des Gesundheitssystems machen.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

    Antwort auf "Der Schein trügt"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Aids | Medikament | Robert Koch-Institut | Studie | Test | Autor
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