Die Abkürzung Prep steht für die größte Hoffnung von Aids-Forschern weltweit, die Präexpositions-Prophylaxe. Was sich hinter dem Wort-Ungetüm verbirgt, sehnen einige als Wendepunkt im zehrenden und kostspieligen Kampf gegen das Aidsvirus herbei, mit dem sich 2009 rund 2,6 Millionen Menschen neu infiziert haben.

Prep bedeutet, dass sich gesunde, HIV-negative Menschen mit Medikamenten vor einer Ansteckung schützen. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat am Montag erstmals eine solche Pille – Truvada – zugelassen , um "das Risiko einer durch Geschlechtsverkehr erworbenen HIV-Infektion zu senken." Bisher wird das Mittel nur zur Behandlung Infizierter eingesetzt.

Die Pille davor ist aber kein Wundermittel. In einer Studie mit 2.499 HIV-negativen Männern, die Sex mit Männern und Transgender-Frauen hatten , sank das Ansteckungsrisiko mit der täglichen Einnahme von Truvada um 42 bis zu 73 Prozent. Am höchsten war die schützende Wirkung, wenn die Teilnehmer es konsequent schluckten. In einer anderen Untersuchung mit 4.758 heterosexuellen Paaren , in der ein Partner das Virus in sich trug und der andere nicht, verringerte sich das Risiko um bis zu 75 Prozent.

Beide Studien sind die Grundlage für die Zulassung von Truvada als HIV-Prophylaxe in den USA . Die FDA knüpft strenge Auflagen an die Vergabe des Mittels . Nur HIV-negativen Erwachsenen, die ein hohes Risiko haben, sich beim Sex anzustecken, soll die Pille zur Vorbeugung verschrieben bekommen. Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern also, oder auch Paare, bei denen ein Partner HIV-positiv ist.

Die Pille macht Safer Sex nicht überflüssig

Truvada ist aber kein Ersatz für Safer Sex. Sie schützt weder absolut vor dem HI-Virus noch vor anderen Krankheiten, mit denen man sich beim Geschlechtsverkehr anstecken kann. Wer die Tabletten einnimmt, solle weiterhin Kondome verwenden, sich beraten lassen und auch regelmäßig HIV-Tests machen, empfehlen die FDA-Mediziner.

Ärzte müssen im Einzelfall abwägen, ob eine Verschreibung möglich ist. Wer keinen negativen HIV-Test vorweisen kann oder an grippeähnlichen Symptomen – einem möglichen Anzeichen einer noch nicht nachweisbaren HIV-Infektion – leidet, darf die Arznei nicht zur Vorbeugung bekommen. 

Starke Nebenwirkungen hatte das Mittel unter den Testpersonen nicht. Selten wirkt sich die tägliche Einnahme negativ auf die Nieren und die Knochendichte aus. Die Arznei des Pharmakonzerns Gilead Sciences ist seit 2004 in den USA zugelassen, bis gestern allerdings nur als eines von vielen Präparaten, die HI-Viren im infizierten Körper eindämmen sollen.

Wieso braucht es die Pille nun bereits vor der Ansteckung? Sie schützt weder absolut, noch dazu ist sie sehr teuer. 30 Filmtabletten kosten rund 800 Euro, wer also täglich eine Tablette nehmen soll, für den steigen die Kosten im Jahr auf rund 10.000 Euro. Eine flächendeckende Versorgung von Hochriskogruppen scheint so noch undenkbar.

Die FDA-Experten hoffen dennoch, mit Truvada die Zahl der Neuinfektionen in den USA senken zu können. Diese habe sich schon seit Langem nicht maßgeblich verändert, sagt Debra Birnkrant von der Behörde. "Für die FDA ist das nicht akzeptabel für eine derart ernste Erkrankung." In den Vereinigten Staaten stecken sich jedes Jahr rund 50.000 Menschen mit dem HI-Virus an. Mittlerweile könne man den Erreger und die Immunschwäche Aids, die er auslöst, zwar meist wie eine chronische Erkrankung auch mit fast 30 unterschiedlichen Medikamenten in Schach halten, sagt Birnkrant. "Doch Prävention ist immer noch besser, als eine lebenslange Infektion zu behandeln."