MRSAImpfstoff gegen Krankenhauskeime ist schwer zu finden

Weil sie gegen Antiobiotika resistent sind, können Krankenhauskeime tödliche Infektionen auslösen. Ein Impfstoff soll schützen, doch dessen Entwicklung ist kompliziert.

Die Krankengeschichte von Hans-Werner Röhlig ist typisch. Bei einer Herzuntersuchung mit einem Katheter wurde der Richter aus Gladbeck mit multiresistenten Bakterien infiziert. Mehr als drei Monate dauerte es, bis die Ärzte die Infektion in den Griff bekamen und sich die entzündete Wunde schloss. Dabei hatte Röhlig noch Glück. Oft enden solche Krankenhausinfektionen tödlich, etwa wenn die Bakterien bei geschwächten Patienten eine Lungenentzündung oder Blutvergiftung auslösen.

Die Keime sind deshalb so aggressiv, weil sie gegen die meisten Antibiotika widerstandsfähig geworden sind. Forscher sprechen dann von "multiresistenten Keimen".

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Die verschiedenen Stämme des Bakteriums Staphylococcus aureus, die sich auch Hans-Werner Röhlig einfing, zählen zu den besonders aggressiven Krankenhauskeimen. Sie stecken hinter der Abkürzung MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus). Der zu häufige Einsatz von Antibiotika, das zu frühe Absetzen der Mittel, eine falsche Dosierung oder die Wahl des falschen Antibiotikums fördern die Bildung multiresistenter Keime in Kliniken. Weltweit infizieren sich jedes Jahr rund 1,5 Millionen Patienten mit MRSA. Seit einigen Jahren passiert das auch außerhalb von Krankenhäusern.

"Antibiotika werden das Problem nicht lösen", sagt Knut Ohlsen vom Institut für molekulare Infektionsbiologie an der Universität Würzburg. Ständig entstünden neue Stämme, die sich schnell ausbreiten. Ein Ausweg könnte ein anderer Ansatz sein: Eine Impfung oder Immuntherapie soll dem körpereigenen Immunsystem helfen, sich gegen die Staphylokokken zu wehren.

Die Idee ist da, doch die Umsetzung ist schwirig. Klinische Tests mit Impfstoffen scheiterten bisher. So bildeten zwar hunderte Dialyse-Patienten Abwehrmoleküle gegen zwei Zuckerbausteine der äußeren Staphylokokken-Kapsel, mit denen sie geimpft worden waren (StaphVax). Doch später infizierten sie sich genauso oft mit S. aureus wie die Probanden der nicht geimpften Kontrollgruppe.

Ein großes Problem bei der Suche nach einer Impfung ist, dass man nur lückenhaft weiß, wie das Immunsystem auf eine S.-aureus-Infektion reagiert. Anders als bei anderen Krankheiten schützt eine durchgemachte Infektion mit den Keimen nicht vor erneuter Ansteckung. "Es ist unklar, ob die Immunantwort – wie Antikörper und Immungedächtnis – überhaupt einen Schutz vor den Bakterien gewährleisten kann", sagt Barbara Bröker vom Institut für Immunologie an der Universität Greifswald.

Im Laufe der Kindheit werde fast jeder Mensch von S. aureus besiedelt. Nach der Pubertät sinke der Anteil der Bakterien-Träger wieder, sagt die Immunologin. Die kugeligen Keime leben schließlich unauffällig auf der Haut oder Nasenschleimhaut von etwa 25 Prozent aller Erwachsenen. Nur hin und wieder zeigt der harmlose Mitbewohner sein zweites Gesicht. Als aggressiver Krankheitserreger kann er dann nicht nur Haut- und Weichteile befallen, Abszesse und Furunkel verursachen, sondern auch für lebensbedrohliche Lungenentzündungen und Sepsis sorgen. "Warum drei Viertel der Menschen die Bakterien nach kurzer Auseinandersetzung rasch wieder abschüttelten, weiß man nicht", sagt Bröker. Genauso unbekannt sei, warum sich die Mikroorganismen unter gewissen Umständen zum aggressiven Keim wandelten.

Die Körperabwehr bekämpfe die Bakterien zwar, verhindere jedoch nicht, dass sie sich auf der Nasenschleimhaut niederlassen. Wahrscheinlich bewahre die Immunabwehr den betroffenen Menschen jedoch vor schwerwiegenden Komplikationen, wenn – möglicherweise über Jahre – ein solides Immungedächtnis aufgebaut wurde. Vermutlich könnte daher auch ein Impfstoff eine Infektion nicht gänzlich verhindern, sondern lediglich deren schwere, lebensbedrohliche Verläufe verhindern.

Neben der komplizierten Immunologie gibt es auf dem Weg zu einem Impfstoff eine zweite Hürde: Bisher ist unklar, welche Bestandteile der Bakterien sich für eine Impfung eignen. Sinnvoll wäre, wenn die Impfstoffe eine Immunantwort gegen solche Moleküle auslösen könnten, über die die Bakterien Krankheitssymptome im menschlichen Körper auslösen. Einige Pharmafirmen arbeiten bereits an Impfstoffen, die neben anderen Bakterienbausteinen auch entschärfte Varianten solcher "Virulenzfaktoren" enthalten. Der Impfstoff PentaStaph soll unter anderem Antikörper gegen zwei "Fluchthelfer" erzeugen, mit denen die Bakterien sonst die Angriffe von Fresszellen des Immunsystems abwehren.

Leserkommentare
    • gquell
    • 16.07.2012 um 14:13 Uhr

    Durch die aggressiven Desinfektionsmittel in Verbindung mit Antibiotika werden den Keimen die roten Teppiche ausgelegt. Dadurch, daß sich nach jeder Desinfektion innerhalb kürzester Zeit wieder ein Bakterienfilm auf der desinfizierten Oberfläche bildet, ist eine länger dauernde Desinfektion nicht möglich. Man muß hier im Grunde umdenken und dafür sorgen, daß die zu desinfizierenden Oberflächen mit gutartigen Keimen besiedelt werden. Da unter Bakterien das Dominanzprinzip herrscht, können die gutartigen Keime die bösartigen verdrängen.
    Und wer jetzt glaubt, daß dieses Phantastereien seien, dem sei gesagt, daß diese Form der Desinfektion mit sehr gutem Erfolg in einigen japanischen Krankenhäusern schon praktiziert wird. Als positive Bakterienkultur werden sogenannte effektive Mikroorganismen (EM) eingesetzt.

  1. wenn die Hygiene nur in de Krankenhäuser einen weitaus höheren Standard erhalten würde, wäre schon sehr viel gewonnen. Dazu zählt auch geschultes Personal und entsprechende Kontrollinstanzen. Abhilfe würde sicherlich auch mehr Personal bringen, wobei mehr Zeit für Qualität statt Quantität geschaffen wird. Dies würde sogar den Patienten nützen (will jetzt aber nicht zu viel verraten).

    Eine Konsequente AK Limitierung innerhalb der Landwirtschaft, sowie die Reduzierung auf nur ein eingesetzten AK würde sein übriges tun.

    Es ist alles sehr viel billiger als für Milliarden neue Ak zu suchen. Aber wo der Verstand aussetzt übernimmt die Gier das Lenkrad.

  2. Dieses Problem wird in den Krankenhäusern flächendeckend nicht ernst genommen. An den, wenn auch vergeblichen Behandlingen der Betroffenen wird noch Geld verdient. Überhaupt geht es z.Zt. nur noch darum, um das Geld. Durch die aktuellen rechtlichen Möglichkeiten der Patienten hat die Ärzteschaft und die Krankenhausträger kaum etwas zu befürchten. In diesen von Menschen gemachten Milieu gedeihen Bakterien hervorragend. Einen Impfstoff für die Patienten um diese in diesen Milieu überleben zu lassen, ha, das wird wohl nix.

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