Pharma-SkandalGroßrazzia gegen chinesische Medikamentenfälscher

Chinas Behörden haben 2.000 Personen verhaftet, denen vorgeworfen wird, Arzneimittel nachgemacht zu haben. Ihre Produkte hatten einen Wert von 180 Millionen Dollar. von reuters

Gefälschte Arzneimittel, die zum größten Teil aus China stammen, werden im Hauptzollamt Hannover präsentiert.

Gefälschte Arzneimittel, die zum größten Teil aus China stammen, werden im Hauptzollamt Hannover präsentiert.  |  ©Holger Hollemann/dpa

In China sind etwa 2.000 Personen wegen Medikamentenfälschung verhaftet worden. Bei der landesweiten Razzia seien nachgemachte Produkte im Wert von mehr als 180 Millionen Dollar beschlagnahmt worden, teilte das chinesische Sicherheitsministerium mit. Außerdem seien etwa 1.100 Produktionsstätten zerstört worden.

Die gefälschten Arzneien sollten unter anderem gegen Diabetes, hohen Blutdruck oder gegen Tollwut helfen. Sie seien im Internet, über Zeitungsannoncen und im Fernsehen angeboten worden. Trotz des Erfolges der Razzia sei es zu früh, Entwarnung zu geben, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums: "Medikamentenfälschung ist noch lange nicht ausgemerzt. Die Kriminellen hecken neue Pläne aus und werden bei ihren Betrügereien raffinierter."

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Chinas Regierung hat nach einigen gravierenden Vorfällen mehrfach versprochen, sein Sicherheitssystem zu verschärfen, bislang aber wenig unternommen. Einer der größten Skandale war das mit Melamin verseuchte Milchpulver : Melamin wird zur Kunststoffherstellung eingesetzt und täuscht einen höheren Proteingehalt vor. 2008 starben nach dem Verzehr von Melamin-haltiger Milch sechs chinesische Kinder, 300.000 wurden krank.

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Leserkommentare
  1. Das Melamin am Schluß macht zwar nochmal richtig was her, hat aber mit dem Thema, gefälschten Medikamenten, eher wenig zu tun.

    Es handelte sich bei dem Melaminversetzten Milchpulver um einen Lebensmittelskandal, besonders heimtückisch, weil das gestreckte Milchpulver vorwiegend als Babynahrung verwendet wurde.

  2. 2. Frage

    was im Artikel nicht ganz klar wurde: waren die "nachgemachten" Medikamente wirkungslos (gar Gesundheitsschädlich), oder handelte es sich um eine Patentgeschichte?

    • cleteu
    • 05. August 2012 16:47 Uhr

    Das wird die chinesischen Olympiamannschaft aber nicht freuen. Da kann man nur hoffen, dass die Medikamente bis zum Ende des Spiele reichen, ansonsten schwimmen die Chinesinnen doch wieder langsamer als ihre männliche Schwimmer.

  3. Was leider im Artikel komplett untergeht: Welchen Typ von Arzneimittelfälscher haben die Behörden dort ausgehoben?

    Variante 1:
    Pille dem Original nachgemacht, aber Wirkstoff fehlt oder falscher Wirkstoff. Das ist die kriminellste Form des Geschäfts. Der Patient zahlt viel Geld und bekommt am Ende nutzlose oder schädliche Medizin.

    Variante 2:
    Pille dem Original nachgemacht, Wirkstoff auch. Hier wird der Original-Hersteller in markenrechtlicher und patentrechtlicher Sicht betrogen. Der Patient bekommt aber immerhin wirksame Medizin, auch wenn er sich getäuscht fühlen kann, weil er eben nicht das Original erhält.

    Variante 3:
    Unlizensierte Generika: Wirkstoff original, aber unter anderem Namen verkauft, und ohne oder mit reduzierter Zahlung von Patent-Tantiemen an den Hersteller. Hier wird der Original-Hersteller um sein Patent gebracht.

    Schaut man sich aber an, wie absurd teuer manche aktuelle Medizin ist, versteht man, warum der Generika-Schwarzhandel im Internet blüht, und das keineswegs nur mit Viagra, Cialis und Levitra. Eine Tagesdosis des Krebsmittels "Glivec", das man lebenslang einnehmen muss, kostet beispielsweise über 100 Euro. Generika aus Indien kosten bei einschlägigen Schmugglern hingegen nur ein Zehntel davon, in Indien selber wahrscheinlich sogar nur ein Hunderstel.

    Und so ist es kein Wunder, dass Leute ohne Krankenversicherung sich die Medikamente auf alternativem Weg besorgen.

    Jag

    Eine Leserempfehlung
  4. daß auf der Packung im Vordergrund des Bildes die Schriftzeichen eher an koreanische Schrift erinnern, keineswegs an chinesische. Oder kopieren die Chinesen jetzt schon die koreanische Schrift, weil ihre eigene so unpraktisch ist im internationalen Handelsverkehr?

  5. Das Medikament im Vordergrund ist tatsächlich mit koreanischen Hangul beschriftet... das scheint ein Nahrungsergänzugsmittel oder sowas zu sein. In Verbindung mit dem Titel leider etwas irreführend, allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass in China hergestellte gefälschte Arzneimittel auch in Korea vertrieben werden. Ich glaube, dass der Markt für diese Fälschungen (und das damit verknüpfte Problem) in (Ost-)Asien noch erheblich größer als in Europa oder den USA ist.

  6. daß die koreanische Firma Dongbang (Akupunkturnadeln usw.) beispielsweise chinesische Produkte kopiert. Außerdem nicht Thema des Artikels. Wir können aber gerne über die Lust und den Frust des Menschen am Fälschertum debattieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Diabetes | Dollar | Fernsehen | Internet | Ministerium | Razzia
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