Das Bundeskabinett hat am Mittwoch ein Gesetz zum wirksameren Kampf gegen Krebserkrankungen beschlossen. Dabei geht es vor allem um die einheitliche Erfassung von Krankheitsdaten: Der von Gesundheitsminister Daniel Bahr vorgelegte Gesetzentwurf setzt auf klinische Krebsregister, die nach bundesweit einheitlichen Standards erstellt werden müssen. Sie sollen alle wichtigen Daten zum Verlauf einer Erkrankung erfassen – von der Diagnose über jeden einzelnen Behandlungsschritt bis zu Heilung oder Rückfällen. Die Bundesregierung will damit die Qualität der Versorgung verbessern und für Vergleichbarkeit zwischen den Kliniken sorgen.

Laut Bahr sollen die Kliniken auf diese Weise voneinander lernen und Erkenntnisse gewinnen, wo es Probleme gibt. Organisiert werden sollen die Krebsregister von den Ländern. Bisher gibt es rund 50 solcher Register, doch eine einheitliche Struktur fehlt.

Darüber hinaus ist vorgesehen, dass Versicherte von ihren Krankenkassen in Zukunft regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu Darm- und Gebärmutterhalskrebs eingeladen werden, allerdings erst ab dem Jahr 2016. Bis dahin soll Zeit sein, um ein solches "Einladewesen" aufzubauen. Ein entsprechendes Programm gibt es heute nur zur Brustkrebs-Früherkennung.

Was die Kassen bezahlen, ist noch unklar

Ab welchem Alter die Früherkennungsuntersuchungen künftig von den Kassen bezahlt werden, ist noch offen. Die Altersgrenze soll von der Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen nach den jeweils neuesten medizinischen Kenntnissen festgelegt werden. Vorsorgliche Darmspiegelungen werden bislang ab dem 55. Lebensjahr finanziert.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die Pläne unzureichend. "Die Daten stehen nur Wissenschaftlern und der Politik zur Verfügung, aber nicht der allgemeinen Bevölkerung", sagte er. "Die Menschen wollen wissen: Wie hoch ist das Krebsrisiko in einer bestimmten Region – etwa in der Nähe einer Chemiefabrik? Wie sind die Ergebnisse in den Kliniken?" Die Daten müssten der Bevölkerung zeitnah anonymisiert zur Verfügung gestellt werden.

"Daten schlummern in den Krankenakten"

Die Deutsche Krebsgesellschaft bewertet die geplante Vereinheitlichung und Ergänzung der bestehenden Register positiv. "Es muss primär darum gehen, dass man die Patientendaten mit einer Bundesbetrachtung auswerten kann", sagte Generalsekretär Johannes Bruns. "Von Vielen lernen ist leichter als von Wenigen." Gerade bei den Krebsarten mit weniger großen Fallzahlen reichten regionale Register allein nicht aus. "Wenn man schon den Schritt macht, sollte man es auch so machen, dass man aus den großen und den kleinen Datenbeständen etwas lernen kann." Diesem Anspruch könne das Gesetz gerecht werden.

Für wissenschaftliche Fortschritte bei den Therapien insgesamt komme es hingegen auf die bundesweite Zusammenführung und Analyse der Daten an. "Ansonsten schlummern solche Daten in den Krankenakten", sagte Bruns. Erst auf diese Weise sei zum Beispiel erkannt worden, dass bei Brustkrebs nicht unbedingt die Entfernung bestimmter Lymphknoten nötig sei. Schnell kommen die Verbesserungen bei den Daten wohl nicht. Laut Bruns müssen erst die Krankenkassen die Details erarbeiten, dann müssten die Vorgaben umgesetzt werden. Bruns begrüßte auch die Pläne zur Früherkennung. Zwang solle es dabei nicht geben. "Es geht um eine aufgeklärte Entscheidung." Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hatte im Gespräch mit ZEIT ONLINE ein finanzielles Anreizsystem zur Krebsvorsorge vorgeschlagen.

Mit jährlich rund 220.000 Todesfällen stellt Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland dar. Jeder vierte Bundesbürger stirbt daran. Die Zahl steigt stetig.