Allein im Jahr 2010 tötete der Parasit 1,24 Million Menschen, darunter mehr als 700.000 Kleinkinder in Afrika : Plasmodium falciparum ist der gefährlichste bekannte Malaria-Erreger. Über den Stich der weiblichen Anophelesmücke schleust sich der Einzeller ins Blut seiner Opfer. Wer den Parasiten im Kreislauf hat, kann schwere Blutarmut erleiden, von Fieberschüben und Krämpfen geschüttelt werden, ins Koma fallen und sogar sterben.

Doch die genetische Ausstattung mancher Menschen scheint sie vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. So ist bereits seit einiger Zeit bekannt, dass Träger der Blutgruppe 0 und Menschen, deren rote Blutkörperchen durch einen Gendefekt (Sichelzellenanämie) verkümmert sind, kaum an schwerer Malaria erkranken.

Nun haben Rolf Horstmann und Christian Timmann vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut zwei weitere Genvarianten ausfindig gemacht, die offenbar vor der schlimmsten Form der Malaria schützen. Zusammen mit weiteren deutschen und afrikanischen Wissenschaftlern analysierten die Mediziner das Erbgut von fast 5.700 ghanaischen Kindern.

DieMutationen könnten helfen, Medikamente zu entwickeln

Die Forscher verglichen fast eine Million Mutationen in den Genomen von 2.645 an Malaria erkrankten und 3.050 gesunden Kindern. Dabei fahndeten sie nach Abschnitten im Erbgut, die möglicherweise für den Malaria-Parasiten nützlich oder schädlich sein könnten. Tritt etwa eine Genvariante schlicht häufiger in Erkrankten auf oder eben in der gesunden Vergleichsgruppe, könnte sie eine Rolle für Malaria spielen. "Wir stießen auf zwei Genvarianten, die statistisch auffällig waren", sagt Studienleiter Horstmann. Er und sein Team haben die Ergebnisse nun im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht .

Die eine Variante beherbergt den Bauplan eines Moleküls, dass die Kalziummenge innerhalb der roten Blutkörperchen beeinflusst und lenkt. "Die Konzentration von Kalzium ist wichtig für das Überleben der Parasiten", sagt Horstmann. Sie vermehren sich in den Blutzellen. Verringert sich das Kalzium nahe des Parasiten, bekommt der Erreger erhebliche Probleme, sich zu vermehren und zu gedeihen. Die zweite Genvariante, die die Mediziner fanden, unterstützt Wände in Blutgefäßen dabei, robust zu bleiben. Dies ist entscheidend für Menschen, die an einer lebensbedrohlichen Malaria leiden. Ihre Gefäßwände schädigt der Parasit. Wie er das genau anstellt, ist aber noch ungeklärt.

In ihren Laboren testen die Wissenschaftler nun, warum die neu entdecken Mutationen überhaupt ihre schützende Wirkung gegen Plasmodium falciparum entfalten. Schließlich könnten die Genvarianten nützlich sein, um neue Medikamente gegen Malaria zu entwickeln.

Horstmann und seine Forscherkollegen werten ihre Funde als Beleg, dass die Analysemethode der genomweiten Assoziation (GWA) doch nicht so unnütz ist, wie manche glauben. GWA nennen Forscher die Vergleiche Tausender DNA-Daten von gesunden und erkrankten Menschen. Im Kampf gegen Infektionskrankheiten ist die Methode bislang wenig erfolgreich gewesen. "Wir haben nun an einer wichtigen Krankheit gezeigt, dass es funktioniert", sagt Horstmann.