Transplantation : Bahr beruft Krisengipfel zum Organspende-Skandal ein

Der Organskandal verunsichert die Spender, Politiker fordern Konsequenzen bis zum Berufsverbot. Gesundheitsminister Bahr erwartet Lösungen von einem Krisentreffen.
Gesundheitsminister Daniel Bahr © Thomas Peter/Reuters

Eine Spitzenrunde bei Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr soll Ende des Monats über Konsequenzen aus dem Organtransplantations-Skandal beraten. Dazu hat der FDP-Politiker für den 27. August zahlreiche Organisationen und Verbände nach Berlin geladen. "Ich erwarte Vorschläge, wie künftig Manipulationen und andere Verstöße besser zu verhindern sind", sagte Bahr.

Laut Bahr sollen an dem Gespräch unter anderem der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Deutsche Stiftung Organtransplantation sowie die Stiftung Eurotransplant, die Deutsche Transplantationsgesellschaft und die Bundesärztekammer teilnehmen. Neben der Aufklärung der Vorfälle solle gemeinsam über Konsequenzen beraten werden, kündigte Bahr an. "Das sind wir den Menschen auf der Warteliste, den Spendern und ihren Angehörigen schuldig."

Bahr sagte, die Vorfälle in Göttingen und Regensburg erschütterten ihn zutiefst. Die Entnahme von Organen, die Vermittlungsentscheidung und die Transplantation seien in Deutschland klar geregelt. Die betroffenen Zentren rief der Minister auf, die Kommissionen bei der lückenlosen Aufklärung des Geschehens zu unterstützen.

In Göttingen und am Uniklinikum Regensburg wurden vermutlich Daten manipuliert , um ausgewählten Patienten Spenderlebern zu verschaffen. Der unter Tatverdacht stehende Transplantationschirurg soll die Krankheit seiner Patienten auf dem Papier verschlimmert haben, damit sie schneller eine neue Leber bekamen, die andere Patienten möglicherweise nötiger gehabt hätten. Gegen ihn wird wegen Bestechlichkeit und Tötungsdelikten ermittelt. Der Arzt, der seit November vom Dienst suspendiert ist, bestreitet die Vorwürfe.

Fälle in Bayern waren angeblich längst bekannt

Der Ruf nach Konsequenzen aus den Vorgängen wird immer lauter. Bundesärztekammer-Präsident Frank-Ulrich Montgomery forderte schärfere Kontrollen. Es müssten Strukturen für stichprobenartige Überprüfungen bei Transplantationen ohne einen Anlass geschaffen werden, sagte er. "Wir sind bereit, unsere Instrumentarien noch zu schärfen, dafür brauchen wir allerdings bessere gesetzliche Bestimmungen, die uns mehr Einfluss und mehr Macht geben." Kritik übte der Ärztekammer-Chef an der leistungsabhängigen Bezahlung von Medizinern: "Es ist ganz gefährlich, Ärzten rein ökonomisch motivierte, leistungsabhängige Vergütungen zu bezahlen." Daraus folge, dass die Ärzte "mehr Leistungen erbringen, wenn sie damit ihr Einkommen erhöhen können".

Regierung und Justiz in Bayern warf Ärztepräsident Montgomery Versagen vor. "In Bayern haben gerade die staatlichen Gremien versagt, denn wir haben damals mit der Selbstverwaltung diesen Fall aufgedeckt. Wir haben mit den bayerischen Institutionen gesprochen. Niemand hatte auch nur die Spur eines Interesses, diesen Fall damals zu verfolgen", sagte Montgomery.

Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch ( FDP ) wies dies zurück. "Da die jetzt bekannten Verdachtsfälle völlig anders gelagert waren, sind diese im damaligen Verfahren nicht untersucht worden", erklärte Heubisch. Es werde geprüft, ob damals Fehler gemacht wurden und wie sich Verfahren zur Vermeidung von Unregelmäßigkeiten verbessern lassen. Justizministerin Beate Merk ( CSU ) sagte, die Ermittler hätten keine konkreten Nachweise gefunden. "Ein Verhalten, das nicht nachweisbar strafbar ist, kann die Justiz nicht ahnden."

Damals waren nach Angaben der Regensburger Uniklinik verbotenerweise jordanische Patienten auf die Transplantationsliste für europäische Patienten gelangt. Vor seiner leitenden Position in Göttingen hatte der hauptbeschuldigte Oberarzt hier gearbeitet. Außerdem war eine Leber illegal in Jordanien transplantiert worden. Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl hatte am Donnerstag erklärt, das Verhalten des Arztes sei nicht strafbar gewesen. Es habe keinen Anlass für weitere Ermittlungen gegeben.

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Organe, Ökonomie, Ärzte, Politiker und gute Sprüche.....

"Ich erwarte Vorschläge, wie künftig Manipulationen und andere Verstöße besser zu verhindern sind", sagte Bahr.

Wenn es keine wirkliche Reform des Gesundheitssystems und der Krankenkassen gibt, helfen Vorschläge wohl auch nicht weiter.

"Es ist ganz gefährlich, Ärzten rein ökonomisch motivierte, leistungsabhängige Vergütungen zu bezahlen." Daraus folge, dass die Ärzte "mehr Leistungen erbringen, wenn sie damit ihr Einkommen erhöhen können".

Da der Bundesgerichtshof den Ärzten den "ökonomischen" Freibrief erteilt hat, sind solche Sätze ein wirklicher "Hingucker"

Wo tat er es denn ?

Zitat Reuters :
"Der Bundesgerichtshof (BGH) erklärte in einer am Freitag veröffentlichten Grundsatzentscheidung, ein freiberuflich tätiger Arzt sei weder Angestellter noch Funktionsträger der Krankenkassen und könne damit nicht wegen Bestechlichkeit bestraft werden. "Korruptives Verhalten von Kassenärzten und Mitarbeitern von Pharmaunternehmen" sei nach nach geltendem Recht nicht strafbar, teilte das Gericht mit und wies der Politik die Verantwortung zu: Es sei Aufgabe des Gesetzgebers, zu entscheiden, "ob die Korruption im Gesundheitswesen strafwürdig ist und durch Schaffung entsprechender Straftatbestände eine effektive strafrechtliche Ahndung ermöglicht werden soll"."

Die Frage ist wohl eher wo leben wir denn ?

Keine Korruption

Es erstaunt, dass die deutschen Ärzte nicht verlangen die tatsächliche Ursachen zu nennen. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, war in den aufgedeckten Fällen Geld nicht die Ursache. Vielmehr empfanden die Ärzte die Festlegungen als ungerecht. Es fällt uns schwer in die Denke anderer Kulturkreise und Religionsrichtlinien rein zu denken. Es gibt heute mehr und mehr in verantwortlichen Positionen auch Personen welche die Vorschriften ihres Glaubens einen höheren Stellenwert einräumen als unsere gesetzlichen Vorschriften.

Todesurteil

Sie haben gerade das Todesurteil über einen bedürftigen Organempfänger gesprochen. Aber das ist Ihnen hoffentlich nicht bewußt.

Der Skandal ist nicht, dass die Empfänger ein Organ erhalten haben. Sie waren sicherlich bedürftig. Skandalös ist "nur", dass sie es vor noch bedürftigeren Patienten erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft sucht nun nach Beweise für einen Katalog von Straftaten, was uns beruhigen sollte.

Die Manipulationen mögen zum Tod von bedürftigen Patienten geführt haben. Aber es ist nicht zwangsläufig so!

Ihr Organ fehlt auch einem bedürftigen Patienten und kann zu dessen Tod führen. Es sei denn, dass andere Organspender den Bedarf decken.

Das sollten wir bedenken, ehe wir eine Organspende verweigern.

Da kann Er ja gleich seine Organe Spenden.

Ein weiter So, und wir haben bald Organe im Überfluss? Auch wenn ich die vorigen Sätze als Satire bezeichne!?

Auch Satire kann schneller als erwartet, Realität werden!

Ohne zukünftige Wirksame Kontrolle ist die Organspende tatsächlich Tod. Aber die Verantwortlichen werden wie immer, keine vernünftige Lösung finden.