Infektionsmedizin: Urwald-Bewohner sind immun gegen Fledermaus-Tollwut
Am Amazonas sind Bisse durch Vampirfledermäuse nicht selten. Bei sechs Peruanern entdeckten Forscher Tollwut-Antikörper. Vielleicht die Basis für eine neue Behandlung.
In den abgeschiedenen Amazonas-Regionen in Peru haben Wissenschaftler erstmals Hinweise auf eine mögliche Immunität von Menschen gegen die tödlichen Tollwut-Erreger gefunden. Wie die Fachzeitschrift American Journal of Tropical Medicine berichtet, wurden in Blutproben von sechs Bewohnern der Orte Truenococha und Santa Marta Antikörper gegen die Tollwut-Viren nachgewiesen, dabei waren die Bewohner nicht gegen die Krankheit geimpft worden.
Amy Gilbert vom US-Zentrum für Infektionskontrolle CDC sagte, dass die Ergebnisse ihrer Studie darauf hinweisen, dass es "eine Art natürliche Resistenz oder erhöhte Reaktion des Immunsystems in bestimmten Gemeinschaften geben könnte, die der Krankheit regelmäßig ausgesetzt sind". Diese Entdeckung könnte Grundlage einer effektiven Behandlung der Tollwut sein.
55.000 tödliche Infektionen jährlich
In dem Amazonas-Gebiet kommt es häufig zu Tollwut-Infektionen durch Fledermausbisse. Für die Studie befragten und untersuchten die Forscher etwa 90 Menschen, von denen ungefähr die Hälfte schon einmal von einer Vampirfledermaus gebissen worden war. Die Tollwut-Antikörper wurden bei sieben Testteilnehmern entdeckt. Nur einer der sieben positiv Getesteten war gegen Tollwut geimpft worden und hatte dadurch Antikörper gebildet. Bei den anderen muss die Immunität gegen das Virus auf natürliche Weise entstanden sein, glauben die Wissenschaftler.
Tollwut ist eine seit Jahrhunderten gefürchtete Zoonose, also eine Tierkrankheit, die auch Menschen befallen kann. Hervorgerufen wird sie durch Lyssaviren. Die Erreger werden durch Bisse übertragen – meist sind Hundebisse die Ursache, gefolgt von Infektionen über Fledermäuse. Bei Nicht-Geimpften bestehen kaum Heilungschancen, sobald die Krankheit ausgebrochen ist. Es gibt vorbeugende Impfungen, nach Tierbissen wird häufig nachgeimpft.
Die Inkubationszeit variiert stark und kann zwischen einer Woche und einem Jahr betragen. Die ersten Symptome sind meistens Fieber und ein seltsames Gefühl am Rande der Bisswunde. Die Viren vermehren sich zunächst an der Wunde, später wird dann das Knochenmark und das Gehirn angegriffen und es kommt zu Gehirnentzündungen. Die Zahl der tödlichen Tollwut-Infektionen wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf 55.000 im Jahr geschätzt.
Deutschland gilt seit 2008 als frei von der klassischen Tollwut. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts besteht hierzulande keine Gefahr, sich an Wildtieren mit dem Virus zu infizieren. Sehr selten kommt in Deutschland eine Form der Fledermaus-Tollwut vor. Als Reisekrankheit – vor allem überall dort, wo viele streunende Hunde und Katzen leben – kommt Tollwut aber durchaus vor, etwa in Afrika, Asien aber auch in Osteuropa.









Gibts da einen Unterschied zwischen Fledermaustollwut und Hundetollwut? In Indien z.B. gibts ja auch Affentollwut. Ich war mal längere Zeit dort und hab mich vorher nicht impfen lassen. Jetzt komm ich mir vor wie ein blöder Depp, der nur Glück gehabt hat
lt. wikipedia zumindest verschiedene Ausartungen des Virus... Der Artikel gibt leider keine Informationen her, ob die hier erwähnte Resistenz sich lediglich auf die dortigen Ausartungen bezieht, oder ob es sich um eine Universalresistenz handelt.
… Touristen gehen jagen oder übernachten im Dschungel …
Das können ja dann die Touristen für sich entscheiden, ob sie sich der Gefahr aussetzen.
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