Der viel debattierte vorgeburtliche Bluttest auf das Down-Syndrom ist auf dem Markt. Er sei in mehr als 70 Praxen und Kliniken in Deutschland, Österreich , Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar, teilte der Hersteller LifeCodexx mit. Der Test sei "ausschließlich schwangeren Frauen zugänglich, die sich in der 12. Schwangerschaftswoche oder darüber befinden und die ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 beim ungeborenen Kind tragen". Der Chromosomen-Fehler Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung , Hubert Hüppe , bedauerte die Markteinführung: "Ich kann mich nicht damit abfinden, dass mit diesem Test ein weiteres Mittel geschaffen wird, behinderte Menschen zu diskriminieren, denn Menschen mit Down-Syndrom werden damit in ihrem Grundrecht, ihrem Recht auf Leben, diskriminiert."

Hüppe hatte in der Diskussion bereits ein Verbot des Bluttests gefordert und sich bei seiner Argumentation auf ein Rechtsgutachten gestützt, wonach der Test eben mit geltendem Recht nicht vereinbar sei. Zum Kreis der Kritiker zählten Ethiker und Kirchen.

Mehr als 90 Prozent entscheiden sich bei Diagnose für Abtreibung

"Bereits heute entscheiden sich über 90 Prozent der Eltern bei dieser Diagnose für eine Abtreibung", sagte Hüppe. "Ich befürchte, dass mit dem neuen vermeintlich einfacheren Test die Suche nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt wird." Eltern, die sich für ein Kind mit Down-Syndrom entscheiden, werden sich nach seiner Einschätzung künftig noch öfter rechtfertigen müssen.

Das Land Baden-Württemberg , Sitz des Herstellers und damit zuständig, hatte den Test nach früheren Angaben des Stuttgarter Sozialministeriums nicht verboten, weil dafür die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben seien.