RauchenAustralien macht alle Zigarettenschachteln gleich eklig

Die Packung ist immer beige, der Markenname klein neben großen Fotos von Krebsgeschwüren und Raucherlungen aufgedruckt. Krebsforscher fordern das auch für Deutschland. von dpa

Australien darf scharfe Anti-Tabak-Gesetze mit einheitlicher Schachtel und abstoßenden Fotos durchsetzen. Auf dem Kontinent müssen Zigaretten künftig in einer beigen Standartpackung mit großflächigen Bildern von Krebsgeschwüren und Raucherlungen verkauft werden. Das höchste Gericht in Canberra lehnte eine Klage der Tabakindustrie gegen die neuen Verpackungsvorschriften ab.

Die Zigarettenhersteller in Australien hatten sich dagegen aufgelehnt, dass ihr Markenname nur noch klein auf der Packung stehen darf und sie sich somit von der Konkurrenz kaum noch unterscheiden können. Das höchste Gericht kündete die Urteilsbegründung für später an. Die Tabakfirmen müssen die Kosten des Verfahrens tragen.

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"Große Tabakfirmen können es nicht mit Regierungen aufnehmen und gewinnen", sagte Generalstaatsanwältin Nicola Roxon . Sie rief die Tabakindustrie auf, das Urteil anzunehmen. Australien geht seit Jahren massiv gegen das Rauchen vor . Werbung und Sponsoring sind praktisch verboten. Der Anteil der Raucher ging nach Angaben der Anti-Raucher-Organisation ASH seit 1983 von 40 Prozent bei Männern und 32 Prozent bei Frauen auf heute 16 und 14 Prozent zurück.

"Keine Beweise für Einfluss der Einheitsverpackung"

British American Tobacco plc, Besitzer der Marken Dunhill und Benson & Hedges, hegte Zweifel, dass das Gesetz die Zahl der Raucher weiter einschränkt. "Die Unterstützer der Einheitsverpackung glauben, dass Kinder damit einen Grund weniger haben, mit dem Rauchen anzufangen", hieß es. Aber es gebe keinerlei Beweise, dass die Verpackung Einfluss darauf habe, ob jemand mit dem Rauchen anfängt oder nicht, auch bei Kindern nicht.

Krebsforscher in Deutschland äußerten sich positiv über das Urteil. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg fordert seit 2010 standardisierte Verpackungen für Tabakprodukte – auch mit deutlichen Fotos. Es gibt in der Bundesregierung aber keine Mehrheit für einen solchen Schritt.

"Das ist ein Riesensieg für die Tabakprävention", sagte Martina Pötschke-Langer vom Heidelberger Krebsforschungszentrum. "Wenn Australien voranschreitet, kann das auch Europa ".

Jugendliche vom Einstieg abhalten

Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention sagte, eine einheitliche Zigarettenverpackung sei ein "probates Mittel" dafür, Jugendliche vom Einstieg ins Rauchen abzuhalten und Rauchern den Ausstieg zu erleichtern . Auch bei der Rückfallprophylaxe seien sie hilfreich. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", sagte Pötschke-Langer.

Auch die US-Regierung hatte im Vorjahr beschlossen, die Zigarettenindustrie ab diesem Herbst zum Abdrucken großflächiger Fotos auf den Schachteln zu verpflichten.

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Leserkommentare
  1. 1. 100%ig

    Ich empfehle das Leben zu verbieten, da es generell 100%ig tödlich endet.

    Eine Leserempfehlung
    • Taranis
    • 15. August 2012 16:16 Uhr

    Nur vorweg, ich bin überzeugter Nichtraucher.
    Dennoch frage ich mich was das soll. Wenn man das Rauchen loswerden will, kann man es auch direkt verbieten, statt es mit Bürokratie zu überfrachten. Zumal die Raucher sicher nicht auf die Idee kommen werden ihre Zigarettenschachtel in eine Hülle zu stecken.

    In dem Zusammenhang sollten dann auch Bilder von Leberzerrose auf Alkoholflaschen zu finden sein. Für Fett, Zucker und Fleisch lässt sich auch gut Abschreckung finden....

    Ich finde es sollte lieber in Prävention investiert werden um vernünftig über Gefahren und Risiken aufzuklären, das könnte dann sogar bei Dingen wie Geschlechtskrankheiten weiterhelfen. (Bilder auf jede Pillenpackung?)
    Aber Momment mal, das hatten wir ja alles schon mal bevor ein jetziger bayrischer Ministerpräsident das fix auf dem Kassenhaushalt gestrichen hat. Ein bis zwei Jahre konnte er damit sparen und gibt es schon lang Mehrkosten wegen mehr Krankheiten. Danke Herr Seehofer. Aber macht ja nix, die Bildchen werdens schon richten.

  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unangebrachte Polemik. Danke, die Redaktion/ds

    • TDU
    • 15. August 2012 16:33 Uhr

    Bilder von Unfallopfern auf Autos und unter Verkehrsschildern, Bilder von Wasserleichen und Verhungerten auf klimaschädlichen Produkten und tote Tiere auf Fleisch mit "Mörder". Und wegoperierte Füsse auf Zuckerprodukten. Und damit die Poltik nicht zu kurz kommt...

    Sieht man dann z. B. Unfalllopfer in Wirklichkeit, ist man gar nicht entsetzt und hilft sofort.

    • okmijn
    • 15. August 2012 16:40 Uhr

    ..., denn damit (in Kombination mit dem praktischen Verbot der Werbung) kann keine Marke ein Image aufbauen und anfangen zu rauchen tut Kind/Jugendlicher wegen des Images. Schmecken tun die Dinger ja nicht wirklich und süchtig ist man auch nicht nach der ersten Schachtel.

    Exraucher, dem die erwachsenen Raucher egal sind, die Kinder und Jugendlichen aber nicht.

  3. und Beschneidung

    das Thema

    Kindeswohlgefährdung in Raucher- Familien auf machen!!

    Beste Grüße.
    FSonntag

  4. ... bevor wir mit Fug und Recht sagen können:

    "Die Gefahren des Rauchens in der öffentlichen Darstellung werden überschätzt."?

    Übrigens @okmijn:
    Bei mir hat es genau einer Schachtel bedurft, bis ich Raucher war und nicht mehr aufhören wollte.

    Inzwischen fühle ich mich manchmal wie ein Widerstandskämpfer gegen ein unfrei machendes System.
    Der Gedanke aufzuhören ist mir jedenfalls schon lange nicht mehr gekommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dann gehen Sie aber bitte mit gutem Beispiel voran und befreien Sich von Ihren selbst auferlegten Unfreiheiten (Süchten) wie der Zigarettensucht. Süchte sind Fesseln, die wir nur lösen können, wenn wir uns ihrer bewusst werden.

    Grüße

    • Maori
    • 15. August 2012 16:54 Uhr

    Ich halte diese Maßnahme für absoluten Unfug. Wie absurd ist es, den Verkauf einer Ware legal zu belassen, andererseits aber diesem möglichst viele Steine in den Weg legen zu wollen? Entweder ich verbiete sie komplett, oder ich als Staat glaube an die Mündigkeit meiner Bürger. Alles andere siedle ich irgendwo zwischen Wahlkampf und Naivität an.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Bundesregierung | Australien | Gericht | Jugendliche | Sponsoring | US-Regierung
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