Die deutschen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr rund 4.070 Behandlungsfehler in Kliniken und Arztpraxen festgestellt. Die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) begutachteten 2011 laut eigenen Angaben 12.686 entsprechende Vorwürfe. Zwei Drittel richteten sich gegen Krankenhäuser, ein Drittel gegen niedergelassene Ärzte. In drei von vier bestätigten Fällen führte der Kunstfehler zu einem Gesundheitsschaden, teilte der MDK mit.

Der Vorwurf einer falschen Behandlung richtete sich am häufigsten gegen Orthopäden und Chirurgen. Die meisten Fehler passierten Ärzten bei therapeutischen Eingriffen im Fall von Kniegelenks- und Hüftgelenksarthrose. Auch Behandlungen wegen Armbrüchen und Brustkrebs zählten zu den häufigsten Eingriffen unter Pfuschverdacht. "Nach unserer Erfahrung kommt es bei einer erheblichen Zahl von Behandlungsfehlern zu einer Verkettung von Versäumnissen", sagte Astrid Zobel vom MDK Bayern . Wie viele Kunstfehler insgesamt den Ärzten in Deutschland passierten, lasse sich jedoch nicht sagen.

Der Medizinische Dienst begutachtet seit 1995 jährlich eine große Zahl solcher Vorwürfe, mit denen sich Versicherte an ihre Krankenkasse wenden. Geschädigte Patienten können die Schlichtungskommissionen der Ärztekammern anrufen oder den verantwortlichen Mediziner direkt verklagen.

Teilweise Umkehrung der Beweislast

Im Mai 2012 beschloss das Bundeskabinett das Patientenrechtegesetz : In gravierenden Fällen soll künftig der Arzt beweisen müssen, dass ein Schaden nicht von einem Fehler herrührt. Bei einfachen Behandlungsfehlern muss wie bisher der Patient den Behandlungsfehler als Ursache für eine Schädigung nachweisen.

Studien liefern sehr unterschiedliche Zahlen zu ärztlichen Kunstfehlern: Der Tod von 17.000 oder aber von mehreren 100.000 Menschen pro Jahr ist demnach auf Nachlässigkeiten und Pfusch allein in den etwa 2.000 Kliniken in Deutschland zurückzuführen.