EntwicklungsländerÜberlebenschancen kleiner Kinder weltweit gestiegen

Dank besserer Versorgung sterben deutlich weniger Kinder als noch vor 20 Jahren, berichtet Unicef. Dennoch sterben 19.000 pro Tag, die gerettet werden könnten. von afp, dpa und dapd

Grundschüler in China

Grundschüler in China  |  © Stringer/Reuters

Die weltweite Kindersterblichkeit ist in den vergangenen 20 Jahren um fast die Hälfte gesunken. Im vergangenen Jahr seien 6,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag gestorben, teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit . 1990 waren es noch mehr als zwölf Millionen.

Trotz dieser Fortschritte bei Kindern unter fünf Jahren werde aber das Millenniumsziel , die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu senken, verfehlt, hieß es. Noch immer sterben täglich 19.000 Jungen und Mädchen, obwohl ihr Tod hätte verhindert werden können.

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Angesichts der deutlich gesunkenen Zahlen zeigte sich Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake optimistisch: "Es gibt viel zu feiern. Mehr Kinder als je zuvor überleben ihren fünften Geburtstag." Impfungen, ausreichende Ernährung und eine grundlegende medizinische Versorgung könnten viele Kinder retten.

Ein afrikanisches Kind hat geringere Überlebenschancen

Das Risiko für Kinder, an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten zu sterben, ist insbesondere in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Südasien sehr hoch. Dort wurden im vergangenen Jahr 80 Prozent der Todesfälle registriert.

In Sierra Leone , dem Land mit der höchsten Kindersterblichkeit, erlebten 2011 dem Bericht zufolge pro 1.000 Lebendgeburten 185 Kinder nicht ihren fünften Geburtstag. Zum Vergleich: In Deutschland waren es drei von 1.000.

Fünf Länder kamen im vergangenen Jahr zusammen auf die Hälfte aller Todesfälle von kleinen Kindern: Indien (24 Prozent), Nigeria (elf Prozent), Demokratische Republik Kongo (sieben Prozent), Pakistan (fünf Prozent) und China (vier Prozent).

Die meisten Todesfälle sind laut Unicef auf fünf Ursachen zurückzuführen: Lungenentzündung (18 Prozent), Frühgeburtskomplikationen (14 Prozent), Durchfallerkrankungen (elf Prozent), Komplikationen bei der Geburt (neun Prozent) und Malaria (sieben Prozent).

Große Fortschritte in Laos, Osttimor, Liberia und Bangladesch

Einige Entwicklungsländer haben bedeutende Fortschritte gemacht: So drückte Laos seine Kindersterblichkeitsrate zwischen 1990 und 2011 um 72 Prozent, Osttimor um 70 Prozent, Liberia um 68 Prozent und Bangladesch um 67 Prozent.

Jeder dritte Todesfall bei Kindern hänge mit chronischer und akuter Unterernährung zusammen. Fortschritte gebe es vor allem wegen des erfolgreichen Kampfs gegen ansteckende Krankheiten. So ging die Zahl der Kinder, die an Masern starben, den Angaben zufolge von geschätzten 500.000 im Jahr 2000 auf 100.000 im Jahr 2011 zurück.

Die Zahl der an Durchfallerkrankungen gestorbenen Kindern sank demnach im gleichen Zeitraum um ein Drittel von 1,2 Millionen auf 0,7 Millionen – insbesondere infolge von besserer Hygiene und Trinkwasserversorgung.

"Mit Impfungen, imprägnierten Moskitonetzen und besserer Geburtshilfe stehen kostengünstige Methoden bereit, die Leben retten können", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Deshalb sei es "nicht hinnehmbar, dass in Ländern wie Sierra Leone, Somalia, Mali oder Tschad immer noch jedes fünfte bis sechste Kind nicht überlebt".

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Leserkommentare
  1. <em>Jeder dritte Todesfall bei Kindern hänge mit chronischer und akuter Unterernährung zusammen.</em>
    Das heißt doch letztlich, dass die Nahrungsmittelproduktion entweder der Geburtenrate angepasst werden sollte (und jetzt?) oder die Geburtenrate der Nahrungsmittelproduktion (wat nu?)!
    Macht man das Erste ... taucht das Problem kurze Zeit später wieder auf.
    Geschieht das Zweite ... gibt es langfristig vielleicht eine Chance.
    Aber mit diesem <strong>Seid fruchtbar und mehret euch</strong> wird das Desaster jedes Jahr dramatischere Ausmaße annehmen meint
    KH

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP
  • Schlagworte Unicef | Entwicklungsland | Geburt | Geburtshilfe | Geschäftsführer | Hygiene
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