Verhütung : Keine Rezeptpflicht für die Pille danach!

Die Pille danach auf Levonorgestrelbasis sollte es rezeptfrei geben, meint Leserin Dorothee Kleinschmidt. Sie habe kaum Nebenwirkungen, die Missbrauchsgefahr sei gering.

Als Pro-familia-Ärztin verschreibe ich mehrmals pro Monat die Pille danach (PiDaNa). Mit großem Interesse habe ich deshalb den Artikel Die Pille zu spät danach gelesen, der über die Initiative einiger Politikerinnen berichtete, die Rezeptpflicht für die PiDaNa aufzuheben.

Dorothee Kleinschmidt

arbeitet bei Pro familia Bochum und ist Sprecherin des Medizinischen Arbeitskreises pro familia NRW.

Die Reaktionen auf diesen Vorschlag haben mich gewundert, teilweise sogar schockiert. Manche Menschen sind offenbar der Meinung, dass der freie Zugang zur PiDaNa Jugendliche zu wildem, ungeschütztem Sex animiert. Das ist aber nicht der Fall, wie viele internationale Studien beweisen. Fakt ist: Wenn die PiDaNa einfach zugänglich ist und es genügend Aufklärung und Wissen über ihre Wirkungsweise gibt, dann reduziert sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche.

Ein anderes Argument der Kritiker lautet, die PiDaNa auf Levonorgestrelbasis wäre mit einer Abtreibung zu vergleichen. Auch das stimmt nicht. Das Hormon-Medikament wirkt schonend. Es verzögert oder verhindert den Eisprung und kann so eine Schwangerschaft vermeiden, wenn es rechtzeitig eingenommen wird.

Besonders schockiert hat mich der Kommentar eines Gynäkologen: Die freie Verfügbarkeit würde nahelegen, dass das Hormonpräparat harmlos wie Aspirin ist. Man solle sich vorstellen, ein junges Mädchen würde, aus welchen Gründen auch immer, 15 Pillen auf einmal nehmen, die sie (einzeln) frei verkäuflich in der Apotheke oder bei einer Schulkrankenschwester erhalten hat.

Dazu kann ich nur sagen: Vergleichen Sie bitte die Fachinformationen von Aspirin (Acetylsalicylsäure) und einer PiDaNa auf Levonorgestrel-Basis. Aspirin hat viele Gegenanzeigen und eine lange Liste von möglichen Nebenwirkungen. Es gibt durchaus Vergiftungsfälle nach einer Überdosierung. Trotzdem bekommt jeder Mensch Acetylsalicylsäure in der 20er-Packung in jeder Apotheke rezeptfrei.

Für PiDaNa dagegen sind kaum Gegenanzeigen bekannt und es wurden keine gefährlichen Nebenwirkungen festgestellt. Selbst Beschwerden wie Übelkeit oder Bauchschmerzen treten nur bei jeder vierten Frau auf. Außerdem gab es bisher keine Fälle von Vergiftungserscheinungen. Im Übrigen wäre es verwunderlich, wenn eine 15-Jährige sich nur so zum Spaß 15 Tabletten in der Apotheke besorgt: In Deutschland kostet eine Tablette 17 Euro, europaweit ist das der höchste Preis.

Es ist wirklich schade, dass es Deutschland bis zum heutigen Tage nicht gelingt, die Pille danach kostengünstig und rezeptfrei zur Verfügung zu stellen. Das Bundesinstitut für Arzneimittelsicherheit hat die rezeptfreie Abgabe längst empfohlen. Leider gibt es derzeit keine starke Interessengruppe, die sich dafür einsetzt. In 28 europäischen Ländern bekommt man die PiDaNa bereits ohne ärztliche Verschreibung. Selbst das katholische Irland hat Anfang 2011 die Rezeptpflicht aufgehoben.

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Kommentare

80 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Was spricht denn FÜR eine ärztliche Verschreibung?

Sie tun ja geradezu so, als sei ein Arztkontakt grundsätzlich der Normalfall und Frauen seien nur mit diesem in der Lage, "umsichtig" mit der Pille danach umzugehen.
Damit sprechen Sie Frauen eine eigene Vernunft und Verantwortung ab.

Ich weise die dahinter stehende patriarchalische Geringschätzung meines Intellekts und meiner Urteilskraft scharf zurück.

k.

Dagegen spricht...

....dass viele Krankenhäuser sie gar nicht erst verschreiben. Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie haben Freitag abend ne Verhütungspanne. Da rennen Sie zu vier verschiedenen Krankenhäusern, die sie alle vielleicht gar nicht verschreiben. Und dann?? Am Montag ists zu spät, sie noch zu nehmen.
Ich habe sie vor zwei Wochen genommen, da mein Mann und ich auf hormonelle Verhütung verzichten und ein Kondom leider gerissen ist.
Ich habe zehn Euro Praxisgebühr bezahlt, dafür dass die Ärztin meinte: Ach, sie haben doch hübsche Kinder, eines geht doch noch...??! Und mir das Rezept in die Hand gedrückt hat.
Info gabs von ihr nicht, und was ich wissen wollte weiß ich auch aus dem Internet.

Ich hätte auf den Arztbesuch wirklich verzichten können.

MfG KL

Richtig

Und die Kosten sich damit umzubringen kann sich jeder Schüler mit Taschengeld leisten (~10 Euro). Auch lassen sich Medikamente wie Aspirin und Paracetamol praktisch in jeder Hausapotheke finden und sind großenteils frei zugänglich.

Die PiDaNa rezeptpflichtig zu machen ist nur einem konservativen Weltbild zu verdanken, das besagt, dass man ja irgendwie selbst schuld ist vor der Ehe Geschlechtsverkehr zu haben und sich so eine Abschreckung für Geschlechtsverkehr "davor" erhofft.

Gerade auch der Preis von über 10 Euro führt ohnehin dazu, dass einer sich die Pillen wie Smarties einwirft und schon gar nicht versucht, damit umzubringen/schaden. Da sind 4 Falschen Aldi-Vodka oder 3 Packungen Aspirin bestimmt billiger.

Da kann ich Sie informieren,

dass bei mir die von Ihnen aufgezaehlten Symptome auftreten, wenn ich KEINE Pille nehme. Denn ohne Pille scheint mein Hormonhaushalt irgendwie Achterbahnfahrten zu unternehmen. Und das beste: keine Menstruatuionsbeschwerden, denn OHNE Pille haut es mich immer 1-2 Tage aus dem Alltag.

Und ja, warum sollte man kein Recht auf folgenlosen Sex haben? Verhuetung gibt es schliesslich schon so lange, wie der Mensch die Zusammenhaenge Sex-Schwangerschaft kennt.