Nach dem Ausbruch einer Welle an Magen-Darm-Erkrankungen in zahlreichen ostdeutschen Schulen und Kitas soll eine Ermittlungsgruppe von Bund und Ländern die Ursachenforschung vorantreiben. Die Task Force arbeitet unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und soll in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden die Ermittlungen koordinieren, wie das Bundesverbraucherministerium mitteilte. Noch am Freitag sollten erste Ergebnisse der Laboruntersuchungen vorliegen.

Seit Dienstag waren in Ostdeutschland zahlreiche Kinder und Jugendliche an Erbrechen und Durchfall erkrankt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind alle Fälle auf Kantinenessen in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zurückzuführen, die offenbar von demselben Lieferanten mit Essen versorgt werden. "Deshalb weist alles auf einen lebensmittelbedingten Ausbruch hin", sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher . Der Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung sagte hingegen, für die Vermutung, dass das Schulessen für die Erkrankungen verantwortlich sei, gebe es "noch keine konkreten Beweise".

Bis zum Freitag wurden bundesweit knapp 6.500 Fälle registriert, wie die zuständigen Länderministerien mitteilten. Am deutlichsten war die Entwicklung in Berlin , wo ein Anstieg von 400 auf fast 2.200 Fälle verzeichnet wurde. Ein Kind wurde am Freitag noch im Krankenhaus behandelt. Betroffen waren in der Hauptstadt insgesamt 58 Schulen und 22 Kindergärten. Eine Schule und eine Kita blieben geschlossen.

In Sachsen hat sich die Zahl der betroffenen Kinder auf inzwischen 2.000 Erkrankte mehr als verdreifacht. 17 Schulen und Gymnasien wurden bislang vorsorglich geschlossen. In Brandenburg erhöhte sich die Zahl der Krankheitsfälle um 400 auf 1.500. Thüringen meldete mehr als 760 Erkrankungen, 260 mehr als am Mittwoch.

Nach Angaben des RKI waren bislang "überwiegend unkomplizierte Verläufe" zu beobachten. Auch in Sachsen-Anhalt traten vermehrt Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen auf. Bislang seien in Sachsen-Anhalt 90 Erkrankungen bekannt, teilte das Sozialministerium in Magdeburg mit. So erkrankten in einer Kindertagesstätte und in drei Schulen des Bördekreises 29 Kinder und Erwachsene.

Catering-Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Bisher ist unklar, ob Noroviren, Salmonellen oder gar natürliche Gifte Auslöser für die Erkrankung sind. Aus dem sächsischen Sozialministerium hieß es, es bestehe der Verdacht auf Noroviren. Der Erreger ist weit verbreitet, größere Ausbrüche aber eher selten. Um sich vor dem Virus zu schützen, hilft striktes Händewaschen und Hygiene .

Das Catering-Unternehmen Sodexo aus Rüsselsheim wies eine Mitverantwortung zurück. Es gebe "nach wie vor keinen logischen Zusammenhang zwischen den Lieferanten und den aufgetretenen Krankheitsfällen", die auf Essenslieferungen als Ursache hindeuteten, teilte das Unternehmen mit. Nur bei einem geringen Teil der belieferten Einrichtungen seien Erkrankungsfälle aufgetreten. Die zuvor bereits angewiesenen erhöhten Hygienemaßnahmen würden aber vorläufig beibehalten.