SchulessenTask Force soll Auslöser für Brechdurchfall-Erkrankungen finden

Mehr als 6.000 Kinder sind nach dem Verzehr von Schulessen erkrankt, inzwischen wurden auch Fälle aus Sachsen-Anhalt bekannt. Eine Task Force soll die Ursache klären. von afp, dpa und dapd

Eine Mitarbeiterin des Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (TLLV) untersucht die Substratlösung einer Essensprobe

Eine Mitarbeiterin des Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (TLLV) untersucht die Substratlösung einer Essensprobe  |  © Jens Schlueter/dapd

Nach dem Ausbruch einer Welle an Magen-Darm-Erkrankungen in zahlreichen ostdeutschen Schulen und Kitas soll eine Ermittlungsgruppe von Bund und Ländern die Ursachenforschung vorantreiben. Die Task Force arbeitet unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und soll in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden die Ermittlungen koordinieren, wie das Bundesverbraucherministerium mitteilte. Noch am Freitag sollten erste Ergebnisse der Laboruntersuchungen vorliegen.

Seit Dienstag waren in Ostdeutschland zahlreiche Kinder und Jugendliche an Erbrechen und Durchfall erkrankt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind alle Fälle auf Kantinenessen in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zurückzuführen, die offenbar von demselben Lieferanten mit Essen versorgt werden. "Deshalb weist alles auf einen lebensmittelbedingten Ausbruch hin", sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher . Der Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung sagte hingegen, für die Vermutung, dass das Schulessen für die Erkrankungen verantwortlich sei, gebe es "noch keine konkreten Beweise".

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Bis zum Freitag wurden bundesweit knapp 6.500 Fälle registriert, wie die zuständigen Länderministerien mitteilten. Am deutlichsten war die Entwicklung in Berlin , wo ein Anstieg von 400 auf fast 2.200 Fälle verzeichnet wurde. Ein Kind wurde am Freitag noch im Krankenhaus behandelt. Betroffen waren in der Hauptstadt insgesamt 58 Schulen und 22 Kindergärten. Eine Schule und eine Kita blieben geschlossen.

Norovirus-Infektion: Symptome

Noroviren sind Krankheitserreger, die beim Menschen Erbrechen und Durchfall verursachen können. In der Umwelt sind Noroviren extrem stabil. Sie können dort mehrere Tage ansteckend bleiben und verändern sich ständig. Es gibt viele verschiedene Typen und ständig kommen neue hinzu. Durch Noroviren können Menschen aller Altersgruppen erkranken. Die typischen Symptome sind Erbrechen und Durchfall, häufig von Kopfschmerzen und manchmal von Fieber begleitet. Die ersten Symptome treten etwa 24 Stunden nach der Infektion auf und dauern gewöhnlich ein bis drei Tage an. Informationen zum Norovirus finden Sie auch auf den Seiten des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Übertragung

Noroviren werden vor allem durch den direkten Kontakt mit erkrankten Personen oder indirekt über verschmutzte Flächen übertragen. Eine Infektion kann aber auch durch kontaminierte Lebensmittel ausgelöst werden, wenn die Hände vor der Zubereitung von Lebensmitteln nicht gründlich gewaschen wurden. Wird das Lebensmittel nicht ausreichend erhitzt, werden die Noroviren im Körper aufgenommen und können zur Erkrankung führen. Salate, Beeren und rohes Gemüse waren in der Vergangenheit an Norovirus-Ausbrüchen beteiligt.

Wie schützt man sich?

Hygiene ist oberstes Gebot bei der Vermeidung von Norovirus-Infektionen. Gründliches Waschen der Hände mit Seife verringert die Gefahr der Ansteckung und der Kontamination. Erkrankte sollten keine Lebensmittel für andere zubereiten. Kochen zerstört die Noroviren. Lebensmittel, mit denen Erkrankte in Kontakt gekommen sein könnten, sollten deshalb entweder vernichtet oder gekocht werden. Impfungen gegen Norovirus-Erkrankungen existieren bislang nicht.

In Sachsen hat sich die Zahl der betroffenen Kinder auf inzwischen 2.000 Erkrankte mehr als verdreifacht. 17 Schulen und Gymnasien wurden bislang vorsorglich geschlossen. In Brandenburg erhöhte sich die Zahl der Krankheitsfälle um 400 auf 1.500. Thüringen meldete mehr als 760 Erkrankungen, 260 mehr als am Mittwoch.

Nach Angaben des RKI waren bislang "überwiegend unkomplizierte Verläufe" zu beobachten. Auch in Sachsen-Anhalt traten vermehrt Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen auf. Bislang seien in Sachsen-Anhalt 90 Erkrankungen bekannt, teilte das Sozialministerium in Magdeburg mit. So erkrankten in einer Kindertagesstätte und in drei Schulen des Bördekreises 29 Kinder und Erwachsene.

Catering-Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Bisher ist unklar, ob Noroviren, Salmonellen oder gar natürliche Gifte Auslöser für die Erkrankung sind. Aus dem sächsischen Sozialministerium hieß es, es bestehe der Verdacht auf Noroviren. Der Erreger ist weit verbreitet, größere Ausbrüche aber eher selten. Um sich vor dem Virus zu schützen, hilft striktes Händewaschen und Hygiene .

Das Catering-Unternehmen Sodexo aus Rüsselsheim wies eine Mitverantwortung zurück. Es gebe "nach wie vor keinen logischen Zusammenhang zwischen den Lieferanten und den aufgetretenen Krankheitsfällen", die auf Essenslieferungen als Ursache hindeuteten, teilte das Unternehmen mit. Nur bei einem geringen Teil der belieferten Einrichtungen seien Erkrankungsfälle aufgetreten. Die zuvor bereits angewiesenen erhöhten Hygienemaßnahmen würden aber vorläufig beibehalten.

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Leserkommentare
  1. Unabhängig von der Frage ob es sinnvoll ist einen Caterer für das Schulessen zu engagieren, so muss ich doch sagen: Es ist "nur" ein Norovirus. In deutschen Krankenhäusern ist dieser ständig und überall zu finden. In Zeiten steigender Allergikerzahlen und Kindern, welche die Natur nur noch aus dem Diablo 3 Gameplay kennen ist das doch endlich mal ein Kontakt zur Umwelt für das Immunsystem. Vor hundert Jahren wäre es die Pest oder die Cholera gewesen. Das ist einfach der Preis für Nahrung als Massenware, so herzlos das auch klingen mag. Es gibt andere Länder, die ernsthafte Probleme haben.

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    Verzichten Sie bitte auf beleidigende Äußerungen. Danke, die Redaktionon/fk.

    • dëfr
    • 28. September 2012 18:28 Uhr

    Bei der Zwischenüberschrift dacht ich tatsächlich das Militär greift ein... warum muss immer alles so dramatisch umschrieben und benannt werden? Klingt hierzulande echt peinlich.

    8 Leserempfehlungen
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    • Achenar
    • 28. September 2012 19:12 Uhr

    Den Sinn darin sehe ich auch nicht aber jetzt da ich das wort 10 mal lesen musste fällt mir das deutsche Wort nicht mehr ein. Anglezismen sind wohl noch immer IN...

    "Task Force" bedeutet einfach nur, dass ein paar Leute dieses Wochenende im Labor verbringen werden anstatt zuhause rumzulümmeln.

    • Achenar
    • 28. September 2012 19:12 Uhr

    Den Sinn darin sehe ich auch nicht aber jetzt da ich das wort 10 mal lesen musste fällt mir das deutsche Wort nicht mehr ein. Anglezismen sind wohl noch immer IN...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Task Force??"
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    • klunjes
    • 28. September 2012 21:09 Uhr

    Mir tun die armen Redakteure leid, wenn sie einen Anglizismus ins Deutsche übersetzen müssen. Für Task Force habe ich allein bei dict.ccWörterbuch 9 (in Zahlen "neun") deutschsprachige Begriffe gefunden. Da kann es einem schon verdammt schwer fallen, den richtigen auszuwählen. Na ja, und Task Force versteht doch jeder, oder?

  2. Einen überregionalen Caterer für Schulessen ist grundsätzlich falsch und ist nur ein Zeichen von Dummheit und Bequemlichkeit der entsprechenden Verantwortlichen. Das sowas passiert war nur eine Frage der Zeit.

    3 Leserempfehlungen
    • klunjes
    • 28. September 2012 21:09 Uhr

    Mir tun die armen Redakteure leid, wenn sie einen Anglizismus ins Deutsche übersetzen müssen. Für Task Force habe ich allein bei dict.ccWörterbuch 9 (in Zahlen "neun") deutschsprachige Begriffe gefunden. Da kann es einem schon verdammt schwer fallen, den richtigen auszuwählen. Na ja, und Task Force versteht doch jeder, oder?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Task Force!!"
  3. 6. [...]

    Verzichten Sie bitte auf beleidigende Äußerungen. Danke, die Redaktionon/fk.

    • creezy
    • 29. September 2012 8:41 Uhr

    Was hat den Autor denn da geritten? Worin liegt eigentlich das Problem die Einsatzgruppe nicht als solche deutsch zu benennen? Oder wird die Aktion jetzt vom Militär begleitet?

    3 Leserempfehlungen
  4. einrichtet dann muß auch jedem klar sein das Schulessen dazu gehört. Ob das Überregionale Caterer machen müssen ist dabei eine andere Frage. Es ist wohl ein Finanzielles Problem.

    Desolate Schulpolitik, die Ernährung vergessen oder nicht bedacht?

    Gesundes Essen wird an Deutschen Universitäten zu vertretbaren Preisen gereicht. Ich habe an der Uni Bonn 20 Jahre lang in der Mensa gegessen und ich lebe noch.

    Wenn man hier, Rheinland Pfalz, 2.20 € für ein gesundes Mittagessen veranschlagt, die Caterer suchen hier verzweifelt "Hilfskräfte" da darf man sich nicht wundern wenn etwas schief läuft.

    Vielleicht sollte die Bundesministerin Schröder von ihrer irrsinnigen Idee von Betreuungsgeld und Großeltern Geld abrücken und das Geld, ZWECKGEBUNDEN den Ländern zur Verfügung stellen damit unsere Kinder Gesund ernährt werden können.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP
  • Schlagworte Ermittlung | Gymnasium | Hygiene | Kindergarten | Kindertagesstätte | Ostdeutschland
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