ErkrankungswelleZahl der Brechdurchfall-Erkrankungen steigt

Mehr als 10.000 Kinder sind nach dem Verzehr von Schulessen erkrankt. Unklar ist, welcher Erreger die Infektionswelle ausgelöst hat. Im Verdacht steht das Norovirus. von afp, dpa, reuters und dapd

Nach dem Ausbruch einer Welle an Magen-Darm-Erkrankungen in zahlreichen ostdeutschen Schulen und Kitas ist die Zahl der Erkrankten um mehr als 1.000 Fälle gestiegen. Insgesamt seien den Behörden damit fast 10.400 Krankheitsfälle in fünf Bundesländern gemeldet worden, heißt es im aktuellen Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) . In den meisten Fällen seien die Erkrankungen kurz und unkompliziert verlaufen, nur etwa 23 Menschen mussten ins Krankenhaus.

Bei den neu registrierten Fälle handele es sich im Wesentlichen um Nachmeldungen von bereits ausgebrochenen Erkrankungen, die schon am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche aufgetreten waren. "Im Moment sieht es so aus, als hätte sich das Geschehen beruhigt", sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher . Das könne allerdings auch daran liegen, dass die Zahlen vom Wochenende stammen. "Da die Schulen am Wochenende geschlossen sind, können die Lehrer dem Gesundheitsamt auch keine neuen Krankmeldungen melden", sagt Glasmacher. Es sei daher möglich, dass es neue Fälle gab, die der Datenstand von heute Morgen noch nicht erfasst hat. Erst die Lageberichte der kommenden Tage könnten klären, ob die Infektionswelle tatsächlich abgeflaut ist.

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Ursache der Erkrankung nicht geklärt

Die Ursache der Brechdurchfall-Erkrankung ist weiter unbekannt. Die Labore der Gesundheitsämter untersuchen derzeit die Stuhlproben der Betroffenen. Zugleich analysieren Behörden die Lieferwege der Lebensmittel aus den betroffenen Schulen und Kitas. Eine von Bund und Ländern eingesetzte Task Force trägt die Informationen zusammen, um ein Gesamtbild über den Ausbreitungsverlauf und die Quellen des Erregers zu erhalten. Mit Ergebnissen könne allerdings frühestens am Dienstag gerechnet werden, teilt das Verbraucherschutz-Ministerium mit.

Norovirus-Infektion: Symptome

Noroviren sind Krankheitserreger, die beim Menschen Erbrechen und Durchfall verursachen können. In der Umwelt sind Noroviren extrem stabil. Sie können dort mehrere Tage ansteckend bleiben und verändern sich ständig. Es gibt viele verschiedene Typen und ständig kommen neue hinzu. Durch Noroviren können Menschen aller Altersgruppen erkranken. Die typischen Symptome sind Erbrechen und Durchfall, häufig von Kopfschmerzen und manchmal von Fieber begleitet. Die ersten Symptome treten etwa 24 Stunden nach der Infektion auf und dauern gewöhnlich ein bis drei Tage an. Informationen zum Norovirus finden Sie auch auf den Seiten des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Übertragung

Noroviren werden vor allem durch den direkten Kontakt mit erkrankten Personen oder indirekt über verschmutzte Flächen übertragen. Eine Infektion kann aber auch durch kontaminierte Lebensmittel ausgelöst werden, wenn die Hände vor der Zubereitung von Lebensmitteln nicht gründlich gewaschen wurden. Wird das Lebensmittel nicht ausreichend erhitzt, werden die Noroviren im Körper aufgenommen und können zur Erkrankung führen. Salate, Beeren und rohes Gemüse waren in der Vergangenheit an Norovirus-Ausbrüchen beteiligt.

Wie schützt man sich?

Hygiene ist oberstes Gebot bei der Vermeidung von Norovirus-Infektionen. Gründliches Waschen der Hände mit Seife verringert die Gefahr der Ansteckung und der Kontamination. Erkrankte sollten keine Lebensmittel für andere zubereiten. Kochen zerstört die Noroviren. Lebensmittel, mit denen Erkrankte in Kontakt gekommen sein könnten, sollten deshalb entweder vernichtet oder gekocht werden. Impfungen gegen Norovirus-Erkrankungen existieren bislang nicht.

In einigen Fällen konnte das hochansteckende Norovirus als Erreger nachgewiesen werden. Im Verdacht haben die Gesundheitsbehörden auch die Bakterienart Bacillus cereus. Das Bakterium produziert ein Gift, das ebenfalls zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann.

Laut RKI ist es möglich, dass sich in einigen Regionen zwei Krankheitswellen überlagern. Noroviren treten verstärkt im Herbst auf. Allein in Sachsen sind diese Viren in 95 Fällen nachgewiesen worden. Sachsen ist nach aktuellen Zahlen mit rund 3.400 Fällen am stärksten von der Massenerkrankung betroffen. 

In Brandenburg sind bislang 3.132 Erkrankungen bekannt, in Berlin 2.732, in Thüringen 1.071 und in Sachsen-Anhalt 57. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche sowie Betreuer aus den Schulen und Kitas.

Betroffene Einrichtungen wurden vom selben Caterer beliefert

Als sicher gilt mittlerweile, dass sich die Kinder durch Erreger im Kantinenessen infiziert haben. Fast alle der 416 betroffenen Einrichtungen waren von der Catering-Firma Sodexo beliefert worden, die aber bestreitet, für die Infektionswelle verantwortlich zu sein. "An unseren Produktionsprozessen und hygienischen Arbeitsweisen liegt es nicht", sagte ein Sodexo-Sprecher der dpa. Wenn die Erkrankungswelle tatsächlich im Zusammenhang mit den Essenslieferungen stehe, sei davon auszugehen, dass es an einem zugelieferten Produkt liege. "Es ist möglich, dass nur eine bestimmte Zutat den Erreger übertragen hat", sagt eine Sprecherin des Verbraucherschutz-Ministeriums. Sicher zeigen könnten das aber erst die Ergebnisse der Lebensmitteluntersuchungen.

Auf Empfehlung der Berliner Senatsverwaltung für Bildung verzichten in dieser Woche alle Berliner Schulen und Kindergärten auf das Essen von Sodexo. Zwar sind in Berlin derzeit Herbstferien, die Schulen betreuen aber einige Kinder in Horten. In einer Thüringer Schulküche wurde das Essen heute unter Aufsicht von Behörden gekocht.

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Leserkommentare
  1. Am 23. September hatte auch ich einen ungewöhnlich starken Durchfall gehabt; obwohl ich mich ganz gewöhnlich ernährt hatte. (nach gründlicher Überprüfung)
    Ich wohne übrigens ebenfalls in diesem Umkreis der Betroffenen.

    Das letzte mal, seitdem ich so stark von betroffen war, muss vor ca. 15 Jahren gewesen sein.

    Also zähle ich mich persönlich auch zu diesen Fällen und behaupte, dass dem Caterer keine direkte Schuld trifft.
    Hoffentlich wird weiterhin intensiv nach dem Auslöser geforscht.

    Auch wäre es interessant, wie hoch man die Dunkelziffer schätzt; da ich und sicher viele andere auch, nicht beim Arzt waren.

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    • spacko
    • 01. Oktober 2012 20:25 Uhr

    Sodexo hat an Ihrem Durchfall sicherlich nicht schuld.
    Da aber massenhaft Kinder in kurzer Zeit erkrankt sind und die Welle genausoschnell wieder abebbt wie sie angefangen hat, kann es wohl nur am Essen liegen.
    Ich spekuliere mal munter mit und behaupte, dass es schlecht am Norovirus liegen kann, denn wie infektiös das ist, habe ich bereits 3x in 5 Jahren erfahren müssen. Wenn ein kleines Kind sich das im Kindergarten abholt und zu Hause das Erbrochene verteilt, ist Ansteckung so gut wie sicher - und genau deshalb schließe ich ein Norovirus aus, mindestens die Hälfte der Eltern (mithin eine signifikante Zahl) müsste mittlerweile über der Schüssel hängen.
    Die Sache scheint eher nicht ansteckend, die paar Noroviren waren wohl eher Zufall - dass die nebenbei auch noch verbreitet sind, haben Sie ja selbst bemerkt.

    • spacko
    • 01. Oktober 2012 20:25 Uhr

    Sodexo hat an Ihrem Durchfall sicherlich nicht schuld.
    Da aber massenhaft Kinder in kurzer Zeit erkrankt sind und die Welle genausoschnell wieder abebbt wie sie angefangen hat, kann es wohl nur am Essen liegen.
    Ich spekuliere mal munter mit und behaupte, dass es schlecht am Norovirus liegen kann, denn wie infektiös das ist, habe ich bereits 3x in 5 Jahren erfahren müssen. Wenn ein kleines Kind sich das im Kindergarten abholt und zu Hause das Erbrochene verteilt, ist Ansteckung so gut wie sicher - und genau deshalb schließe ich ein Norovirus aus, mindestens die Hälfte der Eltern (mithin eine signifikante Zahl) müsste mittlerweile über der Schüssel hängen.
    Die Sache scheint eher nicht ansteckend, die paar Noroviren waren wohl eher Zufall - dass die nebenbei auch noch verbreitet sind, haben Sie ja selbst bemerkt.

    Antwort auf "Dunkelziffer"
  2. wenn da wieder Mal Gammelfleisch dahinter steckt.

    Wann kapieren die Menschen endlich, dass wir Vegetarier werden sollten. Nicht nur wegen uns, sondern vor allem auch wegen den Tieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ST_T
    • 01. Oktober 2012 22:19 Uhr

    Nur weil SIE wollen, dass alle Vegetarier sein sollen hat das nichts mit Gammelfleisch zu tun.

    Ich hatte das Norovirus auch vor nicht allzu langer Zeit. Das Problem ist, dass man nicht viel tun kann.
    Es ist nämlich hochansteckend und bleibt bis zu 14 Tage im Stuhl enthalten. Kleine Kinder sind sowieso unbedarft, was Hygiene betrifft, und so reicht ein angestecktes Kind für eine ganze Schule, sofern es nur auf die Toilette geht.

    Aber wenn alle vom selben Caterer beliefert wurden, dann würde mich eher interessieren, wie ein solches Virus in Schulessen gelangt.

    Doch bei den Erfahrungen, die ich selbst mit "Mensa-Essen" gemacht habe würde mich eine solche Sache wenig wundern...

    Fleisch essen und zudem noch welches, von dem sie überhaupt nicht wissen, wo es herkommt, ist mir sowieso ein großes Rätsel!
    Sonst sind die Spießer doch immer so hypermäßig auf Hygiene aus, duschen dreimal am Tag und könnten bei sich zuhause vom Fußboden essen!

    Dann erinnere ich sie mal an den Skandal der EHEC-Erkrankungen. Ursache waren Sprossen aus einem Biobetrieb. Gammelfleisch durch Gammelpflanzen ersetzen ist kein Mehrwert.

    Welch unintelligenter Vorschlag. Aber zumindest passt er inhaltlich zum Krankheitsbild der betroffenen Kinder.
    Also Daumen hoch für diesen Zusammenhang.

    • ST_T
    • 01. Oktober 2012 22:19 Uhr

    Nur weil SIE wollen, dass alle Vegetarier sein sollen hat das nichts mit Gammelfleisch zu tun.

    Ich hatte das Norovirus auch vor nicht allzu langer Zeit. Das Problem ist, dass man nicht viel tun kann.
    Es ist nämlich hochansteckend und bleibt bis zu 14 Tage im Stuhl enthalten. Kleine Kinder sind sowieso unbedarft, was Hygiene betrifft, und so reicht ein angestecktes Kind für eine ganze Schule, sofern es nur auf die Toilette geht.

    Aber wenn alle vom selben Caterer beliefert wurden, dann würde mich eher interessieren, wie ein solches Virus in Schulessen gelangt.

    Doch bei den Erfahrungen, die ich selbst mit "Mensa-Essen" gemacht habe würde mich eine solche Sache wenig wundern...

  3. Fleisch essen und zudem noch welches, von dem sie überhaupt nicht wissen, wo es herkommt, ist mir sowieso ein großes Rätsel!
    Sonst sind die Spießer doch immer so hypermäßig auf Hygiene aus, duschen dreimal am Tag und könnten bei sich zuhause vom Fußboden essen!

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    so wie im vorigen Jahr bei der HUS-Epidemie das böse Bockshornkleesamenfleisch Schuld war.
    Und Sie wissen sicherlich auch immer ganz genau, woher Ihr Obst, Gemüse und der leckere Salat kommen. Es haben ja auch alle die Möglichkeit sich vollkommen autark über ihren Schrebergarten zu ernähren.

  4. daß hier noch nicht mit wichtiger Mine ein Zusammenhang mit der Atomkraft, Gentechnisch veränderten Lebenmittel aus Südamerika oder irgend welchen Kunstdüngern hergestellt wurde.
    Aber sicher wird noch irgend ein Schlaukopf mit gewichtigen Worten die Gunst der Stunde für seine Propaganda nutzen.

  5. so wie im vorigen Jahr bei der HUS-Epidemie das böse Bockshornkleesamenfleisch Schuld war.
    Und Sie wissen sicherlich auch immer ganz genau, woher Ihr Obst, Gemüse und der leckere Salat kommen. Es haben ja auch alle die Möglichkeit sich vollkommen autark über ihren Schrebergarten zu ernähren.

    • TDU
    • 02. Oktober 2012 11:19 Uhr

    Wenn man drüber nachdenkt, was Hungersnöte und unsauberes Wasser früher, als alles handgemacht war, angerichtet haben.

    Wenn man weiter beobachtet, wieviel Menschen sich von maschineneverarbeiteten und von weither rangeschafften Lebensmitteln (ob Fleisch Fisch Gemüse) ernähren, kann man manche Erklärungsversuche mit Alleinstellungsmerkmal z. B. Fleischkonsum oder Großküchen mit Recht bezweifeln.

    Es hat machmal was Religiöses, wie versucht wird, durch ein Unglück der eigenen Weltanschauung zum Sieg zu verhelfen. Sozusagen als Ersatz für die Krankheit als Strafe Gottes der Kirchen im Mittelalter.

    Vielleicht gibts einfach Keime und Viren, die sich bilden kommen und gehen, und es ist reines Glück, bisher von wirklicher Epidemie verschont geblieben zu sein oder bisher bei den meisten solcher Phänomene ein Gegenmittel gefunden zu haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, afp
  • Schlagworte Behörde | Bundesgesundheitsamt | Essen | Horten | Kindertagesstätte | Sodexo
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