Charité-Todesfall Vermisste Berliner Babyleiche wurde bereits bestattet

Eine Obduktion sollte die Todesursache eines Neugeborenen in Berlin klären. Doch die Staatsanwaltschaft findet die Babyleiche nicht – das Herzzentrum gibt nun Entwarnung.

Nach dem Tod eines Neugeborenen durch eine Darmkeiminfektion in Berlin gab es verwirrende Berichte über den Verbleib der Babyleiche. Für Wirbel sorgte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, nach dessen Angaben die Leiche verschwunden sei. Auf die Frage nach dem Obduktionsergebnis hatte er gesagt: "Die Leiche ist nicht da." Dann ergänzte er, dass dies nicht bedeute, die Leiche sei zunächst dagewesen und dann verschwunden. "Aber wir bei der Staatsanwaltschaft wissen derzeit weder, wo die Leiche ist, noch kennen wir ihre Identität."

Die Charité verwies auf die Frage nach dem Verbleib der Babyleiche an das Deutsche Herzzentrum, wo das Kind gestorben war. Eine Sprecherin des Herzzentrums dementierte dass die Leiche verschwunden sei. "Der Weg des Leichnams des Kindes ist nachvollziehbar", sagte sie ZEIT ONLINE.

Anzeige

Am Nachmittag gab es dann Klarheit: Die Leiche des Säuglings ist bereits beigesetzt worden. Das teilten die Charité und die Berliner Staatsanwaltschaft mit. "Wir prüfen jetzt mit einem auswärtigen Gerichtsmediziner, ob eine Obduktion noch sinnvoll ist", sagte Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner.

Das Baby wurde seinen Angaben zufolge am 12. Oktober auf einem muslimischen Friedhof in Berlin-Neukölln bestattet. Die Familie des toten Kindes habe bislang nichts von den Keimen gewusst, sagte Steltner. Sie soll erst jetzt über die Infektion informiert worden sein.

Tod durch Keiminfektion

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte zu Wochenbeginn die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen. Der Säugling war Anfang Oktober nach der Infektion mit einem Serratia-Keim gestorben. Das mit einem Herzfehler geborene Kind war am Deutschen Herzzentrum erfolgreich operiert worden.

Was sind Serratien?

Serratia marcescens ist der biologische Fachbegriff für eigentlich harmlose Stäbchenbakterien. Serratien sind gram-negative Enterobakterien, die sich vor allem im Darm aufhalten. Bei gesunden Patienten stellen sie kein Risiko dar, können aber bei Frühgeborenen oder anderen immungeschwächtenMenschen – wie zum Beispiel bei von einer Operation geschwächten Patienten oder bei Babys mit Herzfehler – gefährlich werden.

Viele Menschen tragen die Bakterien auf der Haut, sie nisten auf den Schleimhäuten oder im Darm. Sie sind mit den Bakterien besiedelt und nicht gefährdet daran zu erkranken. Bei immungeschwächten Personen kann es aber zu einer Infektion mit Serratien im Blut oder im Gehirnwasser kommen.

Behandlung von Infizierten

Serratien sind mit Antibiotika gut zu behandeln, im Gegensatz zu Antibiotika-resistenten Keimen wie MRSA (Methicillin resistenter Staphylokokkus aureus) oder ESBL-Erregern (Extended-Spectrum beta-Lactamase). Allerdings wachsen Serratien in einer mikrobiologischen Kultur nur relativ langsam. Deshalb dauert es einige Tage, bis man eine Serratieninfektion tatsächlich nachweisen kann. Erst wenn man weiß, welches Bakterium für die Infektion verantwortlich ist, kann man auch spezifische Antibiotika gegen den Keim geben.

Schutz vor den Keimen

Die Serratien-Bakterien können nicht über die Luft übertragen werden, nur über Kontakt zu einer anderen Person oder über Gegenstände. Deshalb ist Händehygiene auf Intensiv- und Neugeborenenstationen besonders wichtig.

Eine vollständige Befreiung von Serratien ist aber mithilfe von Antibiotika nicht möglich. Zwar kann man die Infektion mit den Bakterien behandeln. Aber die Besiedelung mit dem Keim bleibt über kurz oder lang erhalten, ohne dass der Mensch erkrankt.

Danach war jedoch die Darmkeim-Infektion, die es sich vermutlich auf einer Frühgeborenen-Station der Charité zugezogen hatte, aufgeflammt. Die Todesursache soll eigentlich durch eine Obduktion geklärt werden.

Die Sprecherin des Herzzentrums wies darauf hin, dass entgegen der bisherigen Berichterstattung das tote Kind kein Frühchen gewesen sei. Ihres Wissens nach, handelte es sich um ein normales Neugeborenes.

 
Leser-Kommentare
    • Slater
    • 24.10.2012 um 15:31 Uhr

    Aussagen wie "Aber wir bei der Staatsanwaltschaft wissen derzeit weder, wo die Leiche ist, noch kennen wir ihre Identität."
    waren anscheinend unnötig, wenn sich das so aufklärt,

    was ist denn aus unverfänglichen Varianten wie 'die internen Vorgänge laufen, ich habe zur Zeit keinen aktuellen Stand' geworden?

    völlige Offenheit und Ehrlichkeit ist ja schön und gut,
    aber doch nur wenn man annehmen darf dass da intern bereits jede Menge geschehen ist, zig Akten und 'Räume' gesichtet wurden

    so wurde es ohne Not zu einem neuen Thema aufgebauscht

    3 Leser-Empfehlungen
  1. wo die Leiche (das verstorbene Kind, wär das nicht passender?) bestattet ist? was geht das irgendjemanden an??

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und dazu den sorgsam recherchierenden Journalisten den Verbleib des verschwundenen Kindes durch leicht nachzuprüfende Ortsangabe nachvollziehbar anzuzeigen.

    und dazu den sorgsam recherchierenden Journalisten den Verbleib des verschwundenen Kindes durch leicht nachzuprüfende Ortsangabe nachvollziehbar anzuzeigen.

  2. Hatten die Eltern des Kindes gemeinsame Vorfahren? Normales
    Baby mit Herzfehler mit eingeschreänkter Widerstandskraft.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gooder
    • 24.10.2012 um 19:05 Uhr

    Erstaunlich daß die Eltern einer Obduktion offensichtlich nicht zugestimmt haben, denn nur so hätte man die Ursache für den Tod des Kindes finden können.
    Gestern wurde der Direktor der Gynäkologievon zwei Männern mit Stöcken in seinem Büro attackiert und verletzt,ein Zusammenhang besteht allerdings nicht, so die Polizei.

    Es waren sicherlich Geschwister, so läuft das halt bei den Muselmanen, oder worauf willst du hinaus?

    • gooder
    • 24.10.2012 um 19:05 Uhr

    Erstaunlich daß die Eltern einer Obduktion offensichtlich nicht zugestimmt haben, denn nur so hätte man die Ursache für den Tod des Kindes finden können.
    Gestern wurde der Direktor der Gynäkologievon zwei Männern mit Stöcken in seinem Büro attackiert und verletzt,ein Zusammenhang besteht allerdings nicht, so die Polizei.

    Es waren sicherlich Geschwister, so läuft das halt bei den Muselmanen, oder worauf willst du hinaus?

    • gooder
    • 24.10.2012 um 19:05 Uhr

    Erstaunlich daß die Eltern einer Obduktion offensichtlich nicht zugestimmt haben, denn nur so hätte man die Ursache für den Tod des Kindes finden können.
    Gestern wurde der Direktor der Gynäkologievon zwei Männern mit Stöcken in seinem Büro attackiert und verletzt,ein Zusammenhang besteht allerdings nicht, so die Polizei.

    Antwort auf "Am Rande"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    daß die Eltern des toten Kindes nicht über die Keime informiert wurden - das halte ich ja nun für noch einen größeren Skandal.

    daß die Eltern des toten Kindes nicht über die Keime informiert wurden - das halte ich ja nun für noch einen größeren Skandal.

  3. Es waren sicherlich Geschwister, so läuft das halt bei den Muselmanen, oder worauf willst du hinaus?

    Antwort auf "Am Rande"
  4. und dazu den sorgsam recherchierenden Journalisten den Verbleib des verschwundenen Kindes durch leicht nachzuprüfende Ortsangabe nachvollziehbar anzuzeigen.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. daß die Eltern des toten Kindes nicht über die Keime informiert wurden - das halte ich ja nun für noch einen größeren Skandal.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Die Eltern"
  6. Seit Tagen überschlagen sich die Zeitungen dabei, einen großen Skandal herbeizuschreiben, dabei ist es ein tragischer Unfall in einer Situation, wo ohne die Hilfe von modernster Medizin ohnehin die wenigsten überleben. Statt das Personal der Charité in die Nähe von Mördern zu rücken täte man gut, dem Rechnung zu tragen: http://schwangerschaft-mutterschaft.de/charite-saeuglingstod-und-suendenboecke/

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service