KrankenhauskeimeWie kamen die Mikroben auf die Berliner Frühchenstation?

Nach dem Tod eines Säuglings wird über Hygienestandards an Krankenhäusern diskutiert. Wie konnte es zu den Infektionen kommen? von Hannes Heine

Die Verunsicherung bleibt: Bisher ist der Infektionsherd nicht gefunden, der am Anfang der Infektion von Frühgeborenen in der Berliner Charité mit einem Darmkeim gestanden haben muss. Ein Kind starb an den Folgen der Infektion mit dem Bakterium Serratia marcescens. An 20 Neugeborenen wurde der Keim festgestellt, sieben waren erkrankt. Wie die Klinikleitung am Montag mitteilte, hat sich der Zustand eines Babys verschlechtert. Zwei von fünf Stationen für Frühgeborene, die die Charité betreibt, wurden inzwischen geschlossen.

Wurde bei der Hygiene geschlampt?

Schon im Juli hatte sich an der Charité ein Frühchen mit Serratien infiziert, starb aber nicht an den Folgen. Eine Häufung von Infektionen mit derartigen Keimen war erst Mitte Oktober festgestellt worden. Seitdem wird Kritik am Hygiene-Management der Charité laut, einige Fachleute fordern mehr Personal.

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Grundsätzlich gilt: Infektionen mit Viren und Kolonisationen mit Keimen geht meist mangelnde Hygiene voraus. Nur: Unabhängig davon, dass strengere Vorschriften das Verbreiten von Keimen einschränken können, gehen viele Experten davon aus, dass es kaum möglich sein wird, jede Infektion und jeden Befall auszuschließen.

Meist sind es Bakterien, die in Kliniken schwere Infektionen auslösen. Sie werden von Besuchern, Klinikpersonal oder Patienten unbemerkt eingeschleppt.

Ist der Keimbefall in Berlin so gefährlich wie der in Bremen, wo drei Kinder in einer Klinik gestorben sind?

Nein, nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Bei den an den betroffenen Berliner Kleinkindern gefundenen Keimen handelt es sich nach Charité-Angaben nicht um jene multiresistenten Erreger, denen in Bremen mehrere Frühchen erlegen waren. Dort waren hochgefährliche Keime die Ursachen, die in dieser Form erst im Krankenhaus entstanden sind. Gerade dort, wo Antibiotika häufig eingesetzt sind, bilden sich Stämme von Bakterien, gegen die die Medikamente wirkungslos sind. Wirken mehrere Antibiotika nicht mehr, spricht man von Multiresistenz.

Wie streng sind die Berliner Hygiene-Vorschriften?

Bis vor kurzem galt in Berlin eine Hygieneverordnung von 2006, die schließlich als unzureichend eingestuft worden ist. Im Sommer dieses Jahres hat Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) eine neue Verordnung erlassen. Nun muss der Einsatz von Antibiotika in den Krankenhäusern besser gesteuert werden. Die Krankenhäuser müssen ihren Verbrauch mit den Daten anderer Kliniken vergleichen.

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