Auf der Frühchen-Station der Berliner Charité (Archivbild) © Hans Wiedl/dpa

In einem Krankenhaus der Berliner Charité ist ein Neugeborenes an einer Blutvergiftung gestorben, die auf eine Infektion mit Keimen zurückzuführen ist. Weitere sieben Kinder seien erkrankt, sagte die Sprecherin von Deutschlands größtem Universitätsklinikum.

Wegen des starken Befalls mit sogenannten Serratien-Keimen nehme die Charité an zwei ihrer fünf Stationen keine Frühchen mehr auf. Bereits aufgenommene Frühgeborene würden aber weiter behandelt.

Die am Virchow-Klinikum entdeckten Erreger gelten der Sprecherin zufolge eigentlich als weniger gefährlich als die multiresistenten Keime, an denen in Bremen mindestens drei Frühchen gestorben waren. Die in Berlin gefundenen Serratien-Keime seien nicht multiresistent. Sie seien aber offenbar leicht übertragbar, sagte die Sprecherin. Antibiotika würden gut helfen.

Bei 20 Kindern Keime gefunden

Das Kind war schon zwischen Anfang Oktober aufgrund der Infektion gestorben. Nach ersten Angaben hatte der Säugling unter weiteren schweren Erkrankungen gelitten. Todesursache war aber letztlich die Keiminfektion.

Erst in dieser Woche war die Häufung der Erkrankungen in den Frühchenstationen aufgefallen. Bei 20 Kindern waren die Keime gefunden worden, sieben erkrankten daran. Möglicherweise habe ein Kind den Erreger eingebracht, sagte die Krankenhaus-Sprecherin.

Charité-Chef Karl Max Einhäupl sagte laut Berliner Morgenpost , dass Klinikum habe absolut angemessen und nach den üblichen Hygienemaßnahmen auf den Keimbefall reagiert: "Wir haben alles veranlasst, was man tun muss." Todesfälle auf Frühchenstationen seien grundsätzlich nicht ungewöhnlich, weil die Kinder vielfältigen Risiken ausgesetzt seien. Die Charité wollte weiter über die Infektionen informieren.

Wegen der toten Frühchen in Bremen ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Chefarzt der Frühchenstation. Der Landtag setzte einen Untersuchungsausschuss ein.