DemografieKeiner lebt so lang wie Männer in Israel

Ausgerechnet dort, wo viele nicht mehr an Frieden glauben, werden besonders Männer älter als an jedem anderen Ort der Welt. Was machen die Israelis anders? von 

Der 89-jährige israelische Staatspräsident Schimon Peres

Der 89-jährige israelische Staatspräsident Schimon Peres  |  © Chris Wattie/Reuters

Israels Staatspräsident Schimon Peres ist bekannt für seine Rüstigkeit und seinen politischen Ehrgeiz. Als er kürzlich gefragt wurde, ob er sich bei der Wahl im Januar für das Amt des Premiers bewerben möchte, winkte er ab. Erst wolle er seine Amtszeit zu Ende bringen, dann werde er sich das überlegen. Im Sommer 2014 wäre der im August 1923 geborene Peres schon über 90!

Es handelt sich nur um eine halbe Anekdote. Denn fest steht: Die Israelis leben im Durchschnitt lang und gesund. Wer 2010 in dem Land geboren worden ist, hat mindestens 81,7 Lebensjahre vor sich . Das belegen aktuelle Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) . Israel rangiert somit statistisch vor den reichen Wohlfahrtsländern Norwegen , Kanada und Deutschland. Weltspitzenreiter sind die Israelis unter den Männern, mit einer Lebenserwartung von rund 80 Jahren. Das ist erstaunlich in einem Land, in dem sich die Hälfte der Bevölkerung existenziell bedroht fühlt und nicht glaubt, dass es je Frieden geben wird.

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Über die genauen Gründe für die hohe Lebenserwartung lässt sich allenfalls spekulieren. Experten verweisen auf ein Zusammenspiel aus umfassender Gesundheitsversorgung, moderner Präventivmedizin, dem genetischen Mix, einer ausgewogenen Mittelmeer-Diät, eng geknüpfter sozialer Netzwerke sowie einem hohen Maß an Aktivität im Alter.

Nach Angaben der OECD etwa ist der Anteil der berufstätigen 55 bis 64-jährigen Israelis seit 2001 von 48 auf 61 Prozent angestiegen. Unter den 65 bis 60-Jährigen arbeiten mittlerweile 29 Prozent statt zuvor 17. Zudem gehen Israelis im vorgerückten Alter mehr Vollzeitbeschäftigungen nach als in anderen Ländern der OECD . Israelische Männer werden mit 67 Jahren pensioniert, wobei es Diskussionen darüber gibt, das Rentenalter auf 69 Jahre auszudehnen. Möglichst lange zu arbeiten, ist für viele Israelis oft aus finanziellen Gründen notwendig. Aber es hat auch einen kulturellen Hintergrund, der sich durchaus als lebensverlängernd erweisen könnte.

Der Altersforscher Israel Doron von der Universität Haifa, verweist auf das herrschende Ethos: "Der Zionismus hat Arbeit in jedem Alter für gut geheißen". Das macht aus dem In-Rente-Gehen eine schwierige und komplizierte Angelegenheit. "Woanders legt man sich mit über fünfzig in die Sonne, wir in Israel leiden unter einem Workaholismus, der nicht mit den Jahren verschwindet." Israelis arbeiten 1.889 Stunden pro Jahr . Das sind 140 Stunden mehr als im OECD-Durchschnitt.

Zwischenmenschliches als Schlüssel für ein langes Leben?

Wer jenseits des Rentenalters nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt aktiv ist, und das gilt häufig für Frauen, die offiziell mit 62 pensioniert werden, engagiert sich im Alter oft und gerne freiwillig – sei es in Kindergärten, Schulen, Behindertenheimen, Krankenhäusern oder im Zoo – sofern einen nicht die Enkelkinder brauchen. Das "sich einspannen lassen" als Großeltern geht sogar so weit, dass mittlerweile immer mehr Vorträge angeboten werden, in denen Psychologen dieser Generation raten, sie dürften sich durchaus auch ein bisschen Zeit für sich selbst nehmen und müssten nicht ihre gesamte Energie dem Nachwuchs widmen.

Gerade dieses Engagement aber ist für Gad Yair von der Hebräischen Universität in Jerusalem ein weiterer Schlüssel für ein langes Leben. Als Verfasser des Buchs The code of Israeliness hält der Soziologe zwischenmenschliche Kontakte für die beste Voraussetzung für ein langes Leben; er nennt sie soziales Kapital, von dem in Israel ausreichend vorhanden sei. Gemeint sind familiäre Beziehungen, Freunde und feste Bezugspunkte für Senioren, wie sie etwa von Freiwilligenorganisationen initiiert werden.

Yair spricht in diesem Zusammenhang auch von "sofortiger Intimität", die die israelische Gesellschaft auszeichne, das heißt die Menschen kommen im Alltag schnell miteinander in Kontakt, sei es im Wartezimmer oder in einem Wohnhaus. Soziale Barrieren würden schnell durchbrochen, was zu mehr Kommunikation im Alltag und weniger Depressionen führe. Statistisch kann Israel jedenfalls mit die geringsten Selbstmordraten der westlichen Länder vorweisen – nur sechs von 100.000 Israelis töten sich selbst. Das ist weniger als die Hälfte der Rate in Ländern wie Schweden , Frankreich und Deutschland. 

Leserkommentare
    • Asphalt
    • 01. November 2012 12:06 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

  1. ...dass es viele gesundheitsschädliche Tätigkeiten und Industrien in Israel im Vergleich zu den anderen hochentwickelten Ländern gar nicht gibt. Man denke mal an die ganze Schwerindustrie und den Bergbau. Dann ist noch das Wetter besser.

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    denn noch Schwerindustrie und Bergbau, in denen nennenswerte Anteile der Erwerbsbevölkerung arbeiten?

    • pepe423
    • 01. November 2012 12:35 Uhr

    Merkwuerdiger Titel.

    Ohne Vergleich mit den anderen Spitzenlaendern wie Japan und Oesterreich bleibt der Text eine Ansammlung von Anekdoten mit unklarem Stellenwert.

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    Abgesehen davon frage ich mich, warum dann soviele Israelis auswandern?

    • sibeur
    • 01. November 2012 12:37 Uhr

    In südlichen Ländern leben die Menschen gewöhnlich länger als in nördlichen. Das hängt mit dem milderen Klima zusammen. Man kann das nicht auf arabische Länder übertragen, wo ein Teil verhungert, ein Teil sich in die Luft sprengt, ein Teil bei einem Selbstmordanschlag stirbt und und und. Nimmt man aber entwickelte, südliche Länder wie Griechenland, Italien, Spanien, Portugal. In alle diesen Ländern leben die Menschen viel länger als in Deutschland.

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    ... hat es aber auch andere Gründe, dass die statistische Lebenserwartung so hoch ist. Wie wir in den letzten Monaten erfahren mussten. Da wird schon mal gerne vergessen, den Tod der Mutter zu melden, "obwohl" jeden Monat die Rente kommt ;).

    • R_IP
    • 01. November 2012 21:17 Uhr

    "Man kann das nicht auf arabische Länder übertragen, wo ein Teil verhungert, ein Teil sich in die Luft sprengt, ein Teil bei einem Selbstmordanschlag stirbt und und und."

    Unabhängig davon, dass die wenigen Menschen, die sich in den Ländern des nahen und mittleren Ostens tatsächlich in die Luft gesprengt haben, mit Sicherheit nicht statistisch signifikant sind (und Verhungern? Bitte wo?), enthält ihr Beitrag eine sehr gefährliche und menschenverachtende Sichtweise und wartet mit einer kritisierbaren dichotomen Trennung zwischen >zivilisierten< und >unzivilisierten< Ländern auf. Ich habe mir in der Vergangenheit bereits die Finger dazu wund geschrieben, also habe ich keine Lust mehr, Ihnen en detail aufzuzählen, welchen Blödfug Sie hier verzapfen.

    • Gerry10
    • 01. November 2012 12:47 Uhr

    ...das macht mMn den großen Unterschied.
    Vorallem bei der Nahrung würde ich sagen haben die Israelis die Nase vorn und unterscheiden sich nochmal von den ebenfalls länger lebenden Menschen im Rest des europäischen Mittelmeerraums.
    Nahrung kann Krank machen aber eben auch Gesund und wird leider viel zu sehr unterschätzt was das gesundheitliche Wohlbefinden anbelangt.

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    Interessant, weil der Wissenschaft dieser Fakt bislang nicht als nachweisbar gilt.
    Ernährungsbraterinnen sind keine Wissenschaftler, nur am Rande.
    Die Mittelmeerdiät wude vor ca. 20 Jahren von zwei franz. Köchen erfunden. Demnach müsste, so die Israelis alle sofort auf diese Diät umsattelten, vor genau 20 Jahren ein Riesensprung in Sache Gesundheit und Lebenserwartung stattgefunden haben.
    Z.B. leben die dicksten Europäer auf Kreta und Griecheland hat mehr Herzinfarkte als Deutschland.

  2. Für den Fetisch "Langes Leben" machen die Leute schon jetzt fast alles:

    Sie geben das Rauchen auf, versagen sich alle möglichen Lieblingsspeisen, quälen sich stundenlang in der Muckibude, schmieren sich "Anti-Aging" Fettcremes ins Gesicht...

    Wenn man ihnen jetzt sagt, dass Verheiratetsein und eine funktionierende Familie die Lebenserwartung steigern, werden sie vermutlich auch noch Heiraten und Kinder zeugen, nur um selbst eine höhere Lebenserwartung zu haben.

    Will das jemand haben?

    Sozial erwünscht wäre allerdings ein Zusammenhang zwischen langer Lebensarbeitszeit und langer Lebenserwartung.

    Ich wünsche jedem viel Freude am Leben insbesondere in den Jahren jenseits des 80ten Geburtstags!

    PS: Unser Altkanzler Helmut Schmidt ist älter als Herr Perez. Dieser Punkt sollte also eigentlich an uns gehen.

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    ist leider allgemein nicht mehr sehr vital, aber immerhin doch im Kopf.

    • eras
    • 01. November 2012 14:37 Uhr

    "PS: Unser Altkanzler Helmut Schmidt ist älter als Herr Perez. Dieser Punkt sollte also eigentlich an uns gehen."

    Sie erkennen schon den Unterschied zwischen einem EHEMALIGEN Kanzler und einem AMTIERENDEN Staatspräsidenten, oder?

    • Moika
    • 01. November 2012 12:58 Uhr

    Schon klar, die essen ja auch kein Schweinefleisch. Jetzt habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich mir gleich Stampfkartöffelchen mit Panhas machen will...

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  3. in der Hinsicht kein Probleme, aber es gibt ein anderes gravierendes demographisches Problem in Israel. Die Geburtenrate ist wie in den anderen westlichen Staaten ziemlich niedrig. Es gibt viele Israelis, die es nach Europa und in die USA zieht. Im Gegensatz dazu nimmt der arabische Bevölkerungsteil in Isarel zu und in den Palästinensergebieten gibt es eine ähnliche Entwicklung. Die Handlunsgsweisen einiger israelischer Politiker werden dadurch erklärbar.

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    • sibeur
    • 01. November 2012 14:01 Uhr

    Es gibt sehr viele Juden, die aus Russland, Ukraine nach Israel umziehen. Das ist meist eine sehr gebildete Bevölkerungsschicht. Russische Juden sind im Schnitt auch besser gebildet als durchschnittlicher Israeli. Ein Israeli kann ruhig nach USA umziehen, er wird sehr gut durch einen russischen Juden ersetzt.

    Sieht man sich das Wirtschaftswachstum in Israel an, welches weit über dem weltweiten Durchschnitt liegt, dann sieht man, dass da wirklich kein Problem ist. Nebenbei verdienen diese Israelis in USA ein Vermögen und der einer oder anderer zieht nach seinem Arbeitsleben wieder zurück nach Israel und nimmt seine Rente mit.

    Wir haben in Deutschland damit schon eher ein Problem. Ein deutscher Facharbeiter, der nach USA umgezogen ist, wird auch nach seinem Arbeitsleben wahrscheinlich nicht mehr in das kalte Deutschland zurück ziehen wollen.

    In diesem Artikel geht es aber um eine positive Entwicklung. Wozu der Verweis auf eines der vielen x-beliebigen Probleme Israels?

    http://www.zeit.de/2008/1... , kommt man auf den Gedanken, an der Hauptaussage Ihres Kommentars zu zweifeln.

    "jährlich pro 1.000 Israelis 24 Babys geboren werden. Der europäische Durchschnitt sind 10 Babys per 1.000 Bürger."

    Q:Hagalil.com

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Schimon Peres | OECD | Israel | Alkohol | Alter | Präsidentschaft
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