John Gurdon Der Mann, der aus Darmzellen Kaulquappen klonte

Der Brite John Gurdon konnte 1962 an Fröschen zeigen, dass ausgereifte Zellen sich in alles Mögliche verwandeln können. Viele hielten seine These für Quatsch.

Ein undatiertes Bild von John Gurdon

Ein undatiertes Bild von John Gurdon

Als "totale Zeitverschwendung" soll ein Lehrer einst das Ziel von John Gurdon bezeichnet haben, Wissenschaftler zu werden. Dass der Pädagoge mit dieser Einschätzung ganz gewaltig irrte, wird spätestens jetzt klar. Der britische Stammzellpionier hat mit dem Japaner Shinya Yamanaka den Nobelpreis für Medizin erhalten. Gurdon zeigte bereits vor 50 Jahren, dass sich erwachsene Zellen ins Stadium von Stammzellen zurückversetzen lassen.

Gurdon wurde am 2. Oktober 1933 im südenglischen Dippenhall geboren. Erst über Umwege kam er zur Naturwissenschaft. Auf der Privatschule in Eton belegte er Griechisch und Latein – obwohl er andere Vorlieben hatte. "Mein echtes Interesse galt immer Insekten und solchen Dingen", sagte der heute 79-Jährige im Jahr 2008 in einem Interview.

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Auch am Christ Church College in Oxford belegte Gurdon Altphilologie, wechselte aber bald zur Zoologie. 1962 veröffentlichte er seine Experimente mit Froschzellen, die sich wieder in ihren Urzustand zurückprogrammieren ließen.

Seine Erkenntnisse widersprachen der damals weit verbreiteten Meinung der weithin anerkannten Biologen Robert Briggs und Thomas King. Bereits als junger Wissenschaftler stieß Gurdon somit zunächst auf Zweifel. "Es gab beträchtliche Skepsis und Unglauben", sagte er 2009 in einem Interview zur Vergabe des Lasker-Awards.

Mittlerweile sind seine Erkenntnisse anerkannt, Gurdon arbeitet längst in dem nach ihm selbst benannten Institut an der Universität Cambridge. Bei seinen Kollegen ist er hoch angesehen. "Er ist ein gelehrter englischer Gentleman", sagt Andreas Trumpp vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Thomas Braun vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung schätzt ihn als einen "exzellenten Entwicklungsbiologen" und "enorm integren, in seiner Persönlichkeit sehr beeindruckenden Menschen".

Nobelpreise
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Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Erfinder des Dynamits konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde.

Der engagierte Pazifist vermachte sein Vermögen schließlich einer Stiftung. Die Zinsen daraus sollten Preise für jene finanzieren, die "im vorhergehenden Jahr der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben".

Die Nobeljurys sind hingegen dazu übergegangen, Jahre, wenn nicht Jahrzehnte abzuwarten, um die Preise zu verleihen. Begründet wird dies damit, dass oft nicht so rasch klar ist, ob eine Leistung tatsächlich von derart großer Bedeutung ist, um sie mit einem Nobelpreis zu ehren.

Dotierung und Verleihung
Ihr Weg zur Medaille
Erfahren Sie mit einem Klick auf das Bild, was Sie tun müssen, um einen Nobelpreis zu gewinnen

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Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 schwedischen Kronen in den vergangenen Jahren auf 10 Millionen Kronen (rund 1 Million Euro). Ab 2012 reduziert sich die Summe allerdings um 20 Prozent, um auch künftig die Aufgaben der Stiftung finanzieren zu können. Damit ist der Preis nun mit 8 Millionen Kronen dotiert, umgerechnet rund 940.000 Euro.

Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen.

Am Todestag Alfred Nobels, dem 10. Dezember, werden die Preise feierlich verliehen. Die Geehrten erhalten eine Urkunde und die goldene Medaille mit dem Konterfei des Stifters. Zusätzlich füllen sich die Konten der Ausgezeichneten mit dem Preisgeld, das versteuert werden muss. Gibt es mehrere Preisträger in einer Kategorie, wird es aufgeteilt.

Preisregen

Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt.

Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.

Bekanntgabe 2012

Traditionell werden jedes Jahr im Oktober zunächst die Geehrten in der Kategorie Medizin bekanntgegeben, gefolgt von Physik, Chemie, Literatur, Frieden und den Preisträgern der Auszeichnung der Schwedischen Reichsbank zu Ehren Alfred Nobels.

Die Termine 2012 im Überblick:

Montag, 08.10.2012, gegen 11:30 Uhr: Bekanntgabe der Medizinnobelpreisträger

Dienstag, 09.10.2012, gegen 11:45 Uhr: Bekanntgabe der Physiknobelpreisträger

Mittwoch, 10.10.2012, gegen 11:45 Uhr: Bekanntgabe der Chemienobelpreisträger

Donnerstag, 11.10.2012, gegen 13:00 Uhr: Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers

Freitag, 12.10.2012, gegen 11:00 Uhr: Bekanntgabe der Friedensnobelpreisträger

Montag, 15.10.2012, gegen 13:00 Uhr: Bekanntgabe der Wirtschaftsnobelpreisträger

Der 79-Jährige hat bereits viele Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Wolf-Preis und den Lasker-Award. 1995 wurde er zum Ritter geschlagen. Nun krönt er seine Karriere mit dem Nobelpreis. Max-Planck-Forscher Braun ist überzeugt: "Er schaut auf ein erfülltes Wissenschaftlerleben zurück."

 
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