MedizinNationaler Krebsplan soll Krebstherapie verbessern

Die Behandlung von Krebs könnte oft besser sein. Der Nationale Krebsplan soll dazu beitragen - nun liegt er dem Bundestag zum Beschluss vor. von 

Krebs wird von vielen als die größte gesundheitliche Bedrohung wahrgenommen – auch wenn die Mehrheit der Erkrankten heute geheilt werden kann. Krebs steht aber auch für hohe und stets steigende Kosten in den Gesundheitssystemen der reichen Länder. 124 Milliarden Euro sind es jedes Jahr in Europa , wenn man die medizinischen Kosten und den Produktivitätsausfall zusammenrechnet. Diese Zahl wurde kürzlich anlässlich des Kongresses der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Wien bekannt gegeben. In Deutschland, so war dort zu hören, sind die Kosten mit 165 Euro pro Bürger und Jahr am höchsten.

Das heißt nicht, dass auch die medizinische Versorgung hier durchgängig höchsten Standards genügt. Vor allem wenn Patienten nicht in Tumorzentren behandelt würden, sei die Therapie oft nicht gut genug und folge nicht durchgängig den Leitlinien der Fachgesellschaften, kritisiert die Deutsche Krebsgesellschaft schon seit Jahren. Als weiteres Manko betrachten es die Experten, dass die Behandlungsgeschichte aller Betroffenen nicht flächendeckend in klinischen Krebsregistern dokumentiert ist – deren Auswertung auch Rückschlüsse auf die Qualität einzelner Einrichtungen zulassen würde.

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Abhilfe soll der Nationale Krebsplan schaffen, eine Initiative der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe, des Bundesgesundheitsministeriums und der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Tumorzentren. Der Plan legt Ziele auf vier Handlungsfeldern fest und gibt Empfehlungen, wie sie erreicht werden könnten: bei Krebsfrüherkennung, Strukturen der Versorgung, Anforderungen an die Behandlung und Mitwirkung von Patienten.

Nun ist das Projekt, das im Jahr 2008 angestoßen wurde, im Parlament angekommen, das über einen Gesetzentwurf vom August abstimmen muss. "In der Zwischenzeit hat das Programm schon drei Gesundheitsminister gesehen", sagte Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft im Rahmen der gesundheitspolitischen Veranstaltungsreihe Brennpunkt Onkologie in Berlin .

Eines der wichtigsten Anliegen sind klinische Krebsregister, die in allen Bundesländern eingerichtet werden sollen. Anders als bei den epidemiologischen Daten, die das Robert-Koch-Institut regelmäßig zur Zahl der Neuerkrankungen und der Todesfälle in den einzelnen Krebsarten veröffentlicht, soll es in diesen Datensammlungen um die Diagnostik und Therapie in jedem Einzelfall gehen. "Wir möchten die Daten bereitstellen, um Transparenz zu schaffen", sagte Johannes Arnade vom Bundesgesundheitsministerium bei der Veranstaltung. "Auch für die Patienten, um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, wo sie sich behandeln lassen wollen."

Bisher sind die klinischen Krebsregister in Deutschland auf sehr unterschiedlichem Niveau. In den neuen Ländern und auch in Bayern funktioniert die Datensammlung schon länger gut. Ein Beispiel ist das 1991 gegründete Tumorzentrum Regensburg , in dem sich alle Kliniken und die niedergelassenen Krebsärzte der Region zusammengeschlossen haben. Inzwischen liegen dort Daten von über 100.000 Krankheitsverläufen aus einem Einzugsgebiet mit 2,2 Millionen Einwohnern vor. Das Tumorzentrum organisiert zudem Fortbildungen und hat verschiedene Forschungsprojekte angestoßen.

Monika Klinkhammer-Schalke, Geschäftsführerin des Zentrums in Regensburg , findet es wichtig, dass die Politik sich nun der Ziele des Nationalen Krebsplans annimmt. Die Medizinerin plädiert dafür, Defizite in der Behandlung von Patienten aufzudecken und transparent zu machen, ohne Schuldvorwürfe an einzelne Einrichtungen damit zu verbinden.

Im Gesetzentwurf gibt es ein zweites wichtiges Thema: Diejenigen, die Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs haben, könnten künftig auf dem Postweg dazu eingeladen werden. So wie schon heute die Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Einladungen für das Mammografie-Screening bekommen. Falls das jemandem lästig ist, soll er oder sie jederzeit schriftlich darum bitten können, in Zukunft nicht mehr eingeladen zu werden.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe, des Bundesgesundheitsministeriums und der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Tumorzentren,..u.a....die vom krebs sehr gut leben

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    zu Ihrer Information, "ThomasSchweden", bei der Deutschen Krebsgesellschaft handelt es sich um eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft, in der sich entsprechende Experten zusammengeschlossen haben.

    Die Deutsche Krebshilfe ist eine von Privatspendern getragene gemeinnützige Stiftung, die von der Präsidentengattin Mildred Scheel gegründet wurde, die unter anderem Krebsforschung finanziert.

    Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Tumorzentren ist eine Expertengruppe, die sich aus den verschiedenen Tumorzentren Deutschlands zusammensetzt.

    Dies sind alles gemeinnützige Gruppierungen, deren Mitglieder nicht "davon leben". Tatsächlich haben sie relativ wenig davon sich hier zu engagieren, wenn man das aus finanziellen Gesichtspunkten sieht.

    Ich möchte ihnen an dieser Stelle dringend empfehlen die genannten Gruppierungen mal zu googlen um sich darüber zu informieren, was in diesem Bereich zu großen Teilen Ehrenamtlich für tolle Arbeit gemacht wird.

  2. Meine Güte, schon im zweiten Satz muss man lesen:

    "Krebs steht aber auch für hohe und stets steigende Kosten in den Gesundheitssystemen der reichen Länder."

    Also darum geht es.

    Zum Thema Vorsorgeuntersuchungen:

    "Die Fakten zeigen, dass ein gut gemeinter, aber undifferenzierter Ruf nach flächendeckenden Vorsorgeuntersuchungen nicht zielführend und noch dazu kostspielig ist."
    http://www.imabe.org/inde...

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  3. zu Ihrer Information, "ThomasSchweden", bei der Deutschen Krebsgesellschaft handelt es sich um eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft, in der sich entsprechende Experten zusammengeschlossen haben.

    Die Deutsche Krebshilfe ist eine von Privatspendern getragene gemeinnützige Stiftung, die von der Präsidentengattin Mildred Scheel gegründet wurde, die unter anderem Krebsforschung finanziert.

    Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Tumorzentren ist eine Expertengruppe, die sich aus den verschiedenen Tumorzentren Deutschlands zusammensetzt.

    Dies sind alles gemeinnützige Gruppierungen, deren Mitglieder nicht "davon leben". Tatsächlich haben sie relativ wenig davon sich hier zu engagieren, wenn man das aus finanziellen Gesichtspunkten sieht.

    Ich möchte ihnen an dieser Stelle dringend empfehlen die genannten Gruppierungen mal zu googlen um sich darüber zu informieren, was in diesem Bereich zu großen Teilen Ehrenamtlich für tolle Arbeit gemacht wird.

    2 Leserempfehlungen
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    stiftungen haben allgemeinnutzen und eigennutzen je nach sichtweise. sowie fachgesellschaften auch den nutzen haben fuer das allgemeine aber auch fuer das kundtun ganz bestimmter denkweisen ueber eine krankheit an die allgemeinheit, wie in diesem fall.

    jedoch gehen die aussagen dieser gemeinschaften und jenen erkenntnissen vorderster erfolgreicher krebsforschung ohne chemo und bestrahlung mittlerweile stark auseinander. und warum diese imulse von der deutschen krebshilfe weder gefördert noch kundgetan werden

    • Gwerke
    • 02. Oktober 2012 19:30 Uhr

    Sie kritisieren angebliche Schnorrer (1) und Ökonomisierung (2). (2) macht als Gegenargument für flächendeckende Vorsorge eine ausschließlich ökonomisch argumentierende Webseite geltend. ("Kosten-Nutzen-Rechnung", "überzogene Erwartungen an die Effizienz von solchen Screening-Untersuchungen"). Bei (2) geht es also auschließlich um ökonomische Interessen.

    Für diesen Ökonomen "eisatnaf" ist es siche im Sinne einer günstigen Kosten-Nutzen Rechnung, wenn man zB den alten (meist über 70) Männern mit Prostatakrebs nur noch Sterbehilfe gibt. Das ist günstig für die Rentenkasse. Auch bei den Berufstätigen sollte man effizienterweise den Zahlern hoher Einkommensteuer die bessere Therapie zu Teil werden lassen.

    Dem angesagten Kenner der Schnorrer zum Krebsumfeld (1) wünsche ich nun wirklich keine Krebsdiagnose. Ich durfte aber mit 55 Jahren im Laufe dieses Jahres das ganze Programm zur Behandlung von lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs mit Operation, Bestrahlung und Hormonbehandlung erleben. Dazu gehört natürlich das volle Programm heutiger technischer Diagnose. Ich sag Ihnen: Ich war froh, dass es diese Schnorrer alle gab, über sich Ärzte wie auch ich jederzeit beste Infos bekamen.

    Und, Nr 2, vielleicht bekam ich diese nach Effizienz gut begründbare Therapie ja nur, weil ich noch ganz viele Steuern bezahlen kann und noch schulpflichtige Kinder habe. Außerdem spricht für meine Behandlung, dass ich zu Ihren Gunsten der Rentenkasse wahrscheinlich nur wenig zur Last falle.

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    • irridae
    • 03. Oktober 2012 11:10 Uhr

    sind das nur Kosten-Nutzen-Rechnungen. Tatsächlich bringen flächendeckende Krebsvorsorgeuntersuchungen viel Leid über viele Menschen. Frauen z.B. bekommen das volle Programm der Brustkrebstherapie, die nie etwas von ihrem "Krebs" bemerkt hätten, dito beim PSA-Test für Männer.

    Die "Vorsorge" spült viel Geld in die Kassen beispielsweise der Hersteller von medizinischem Gerät, das ist so richtig teuer. Dieses Geld könnte in bessere Therapien gesteckt werden, wo es offensichtlich fehlt, denn Frauen in Deutschland sterben häufiger an Brustkrebs als im europäischen Vergleich.

    Da das "Vorsorge"-Geschäft aber so lukrativ ist, will die schon lange mahneneden Stimmen und die wissenschaftlichen Beweise eben niemand hören und man möchte diesen Unfug jetzt auch noch ausdehnen.

  4. stiftungen haben allgemeinnutzen und eigennutzen je nach sichtweise. sowie fachgesellschaften auch den nutzen haben fuer das allgemeine aber auch fuer das kundtun ganz bestimmter denkweisen ueber eine krankheit an die allgemeinheit, wie in diesem fall.

    jedoch gehen die aussagen dieser gemeinschaften und jenen erkenntnissen vorderster erfolgreicher krebsforschung ohne chemo und bestrahlung mittlerweile stark auseinander. und warum diese imulse von der deutschen krebshilfe weder gefördert noch kundgetan werden

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    Wenn sie mit diesen Methoden Dinge wie Immuntherapie, neue chirurgische Methoden, Impfung, oncolytische Viren und Co. meinen, kann ich ihnen nur empfehlen sich tatsächlich anzuschauen, was die Deutsche Krebshilfe fördert - sie werden überrascht sein!

    Wenn Sie sich auf Steine oder Zuckerkügelchen beziehen, ist es wohl gut so, dass hier kein Schwerpunkt der Förderung liegt, denn in systematischen unabhängigen Untersuchungen wurden bisher nunmal keine Hinweise darauf gefunden, dass diese Art von Forschung vielversprechend ist.

  5. Wenn sie mit diesen Methoden Dinge wie Immuntherapie, neue chirurgische Methoden, Impfung, oncolytische Viren und Co. meinen, kann ich ihnen nur empfehlen sich tatsächlich anzuschauen, was die Deutsche Krebshilfe fördert - sie werden überrascht sein!

    Wenn Sie sich auf Steine oder Zuckerkügelchen beziehen, ist es wohl gut so, dass hier kein Schwerpunkt der Förderung liegt, denn in systematischen unabhängigen Untersuchungen wurden bisher nunmal keine Hinweise darauf gefunden, dass diese Art von Forschung vielversprechend ist.

    Eine Leserempfehlung
    • irridae
    • 03. Oktober 2012 11:10 Uhr

    sind das nur Kosten-Nutzen-Rechnungen. Tatsächlich bringen flächendeckende Krebsvorsorgeuntersuchungen viel Leid über viele Menschen. Frauen z.B. bekommen das volle Programm der Brustkrebstherapie, die nie etwas von ihrem "Krebs" bemerkt hätten, dito beim PSA-Test für Männer.

    Die "Vorsorge" spült viel Geld in die Kassen beispielsweise der Hersteller von medizinischem Gerät, das ist so richtig teuer. Dieses Geld könnte in bessere Therapien gesteckt werden, wo es offensichtlich fehlt, denn Frauen in Deutschland sterben häufiger an Brustkrebs als im europäischen Vergleich.

    Da das "Vorsorge"-Geschäft aber so lukrativ ist, will die schon lange mahneneden Stimmen und die wissenschaftlichen Beweise eben niemand hören und man möchte diesen Unfug jetzt auch noch ausdehnen.

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    "Frauen z.B. bekommen das volle Programm der Brustkrebstherapie, die nie etwas von ihrem "Krebs" bemerkt hätten, dito beim PSA-Test für Männer."

    Das ist doch unsinnig.
    Keine Frau bekommt eine Therapie bei einem negativen Untersuchungsergebnis.
    Und wenn das Ergebnis positiv ist, ist eine Therapie schließlich sinnvoll.

    Gleiches gilt für Männer/Prostatakrebs.

    Die gängigen Früherkennungsuntersuchungen (Blut-/Stuhlprobe, Abstrich) sind meist völlig unaufwändig, retten aber ständig Leben.
    Flächendeckende Vorsorge schützt Menschen und schult das Urteilsvermögen der Diagnostiker.

    Die Einwände dagegen bleiben mir rätselhaft.

    • Gwerke
    • 03. Oktober 2012 12:28 Uhr

    ... besteht aus der Auswertung einer schlichten Blutabnahme durch die Vene. Bekommen Sie dann einen Wert von sagen wir 10ng/ml mitgeteilt, können Sie noch selber eine Gewebeprobe ablehnen. Das zugehörige Aufklärungsgespräch mit dem Arzt wird Ihnen aber im Gedächtnis bleiben.

    Den PSA Wert (egal, meinetwegen 50ng/ml) nicht wissen zu wollen, ist wie das Stecken des Kopfes in den Sand. Im Zweifel ist dies totsicher.

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