Deutschland hat die Auslieferung von Grippe-Impfstoffen des Schweizer Pharmakonzerns Novartis ebenfalls zum Teil gestoppt. Die Freigabe für vier Chargen des Impfstoffes Begripal und eine Charge des Impfstoffes Fluad werde vorsorglich zurückgenommen, teilte das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit . Novartis habe sich bereit erklärt, die konkreten Chargen unverzüglich zurückzurufen.

Der Schritt diene dem Schutz von Menschen, die sich impfen lassen wollen. "Nach Verabreichung der betroffenen Impfstoffchargen können innerhalb weniger Stunden Unverträglichkeitsreaktionen auftreten", teilte das PEI mit. Mögliche Nebenwirkungen seien vor allem allergische Reaktionen.

Zuvor hatten bereits Italien , die Schweiz und Österreich einen Auslieferungsstopp für die Grippeimpfstoffe verhängt. Die italienischen Behörden hatten reagiert, nachdem in Spritzen weiße Partikel entdeckt worden waren. Diese Ausflockungen von Proteinen, die zu den normalen Inhaltsstoffen von Vakzinen gehören, können mitunter gefährlich werden. Zwar seien die verklumpten Proteinspuren in Deutschland bislang nicht beobachtet worden, schwere Nebenwirkungen könnten dennoch nicht ausgeschlossen werden, sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek.

"In der aktuellen Saison haben wir noch keine Nebenwirkungsmeldungen über schwere Unverträglichkeitsreaktionen erhalten", ergänzte Cichutek.Von dem Auslieferungsstopp sind nicht alle in Deutschland freigegebenen Chargen dieser beiden Impfstoffe betroffen. Nur solche Produktionslinien bei denen Ausflockungen während der Produktion des Impfstoffs aufgefallen seien, werden zurückgerufen.

Die auf dem deutschen Markt erhältlichen Impfstoffe Fluad und Begripal werden von Novartis in Italien produziert und auch dort geprüft. Anschließend dürfen die Seren auch auf dem deutschen Markt verkauft werden. Begripal wird in Italien unter dem Namen Agrippal vertrieben.

Die Ausflockungen waren dem Unternehmen bei Prüfungen einer noch nicht freigegebenen Charge aufgefallen. Die grundsätzlichen Inhaltsstoffe der Vakzinen Begripal und Fluad sind seit mehr als zehn Jahren in Deutschland zugelassen . Seit 1999 (Begripal) und 2000 (Fluad) werden die Impfstoffe verwendet. Aufgefallen waren die Vakzinen zuvor nicht.

In keinem der betroffenen Länder traten unter der bereits geimpften Bevölkerung bisher schwere Nebenwirkungen auf. Derzeit seien nur ganz gewöhnliche Reaktionen bekannt, die während jeder Impfsaison zu beobachten sind. So bekommen einige Geimpfte leichte Hautreizungen oder Fieber.

In Deutschland sind derzeit 16 verschiedene Impfstoffe gegen die saisonale Grippe im Winter 2012/13 zugelassen. Insgesamt wurden 14,2 Millionen Chargen freigegeben. Novartis selbst hatte die Unbedenklichkeit seiner Grippeimpfstoffe betont .