OrthopädieWer künstliche Gelenke verbaut, soll geprüft sein

Pro Jahr implantieren deutsche Chirurgen rund 400.000 Gelenkprothesen. Viele halten nicht lange. Zertifikate und Register sollen die Qualität der Eingriffe verbessern.

Die Schmerzen im Knie oder in der Hüfte sind quälend, schon seit Längerem. Medikamente lindern vorübergehend, sind aber keine Dauerlösung. Auf das geliebte Joggen und auf Wandertouren verzichtet man ohnehin schon länger, hat sich auf Rat des Arztes auf Aquafitness verlegt und macht selbst kleine Wege lieber mit dem Rad als zu Fuß. Hätte man in dieser Situation drei Wünsche frei: Ein neues Gelenk wäre wohl darunter.

Die Medizin kann diesen Wunsch erfüllen, in einem der häufigsten chirurgischen Eingriffe: Rund 400.000 künstliche Gelenke werden inzwischen in jedem Jahr in Deutschland in Knie oder Hüfte implantiert, in 1.100 Kliniken.

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Steht eine solche Operation bevor, haben Patienten also die Qual der Wahl. Anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie, der derzeit in Berlin tagt, wurde ein weltweit bisher einzigartiges Zertifizierungssystem aus der Taufe gehoben, das für mehr Sicherheit sorgen soll: "EndoCert".

Ab sofort können sich Kliniken für eine fachliche Prüfung entscheiden, mit der sie sich die Bezeichnung "EndoProthetikZentrum" verdienen. "Mit Begriffen wie 'Kniezentrum' oder 'Gelenkzentrum', die sich schon heute an manchen Türen finden, hat das nichts zu tun", erläuterte Wolfram Mittelmeier von der Uni Rostock, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, bei der Vorstellung des Zertifizierungsprogamms.

Erfahrung und Prothesenregister zur Qualitätssicherung

Die Fachgesellschaft schulte 120 Experten, die das Einhalten der Qualitätskriterien in den teilnehmenden Kliniken überprüfen sollen. Etwa 100 Einrichtungen hätten sich schon für das Programm angemeldet, das seit Mitte Oktober läuft, war beim Kongress zu erfahren. Voraussetzung für das Zertifikat ist, dass dort zwei erfahrene Chirurgen arbeiten, von denen jeder in jedem Jahr die Verantwortung für mindestens 50 Gelenksersatzoperationen übernimmt – auch wenn jüngere Kollegen sie unter ihrer Aufsicht durchführen, um die Technik zu lernen. In Endoprothetikzentren der Maximalversorgung sind es sogar 100. "Natürlich garantiert die Menge allein nicht die Qualität, doch wenn man etwas sehr selten macht, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich geringer, dass es gut gelingt", sagte Jürgen Malzahn vom AOK-Bundesverband, der das Projekt unterstützt. Falls sich herausstellt, dass an den zertifizierten Zentren wesentlich besser behandelt wird, dann könnte es irgendwann dazu kommen, dass nur dort operiert werden dürfe, sagte Malzahn.

Behandlung umfasst dabei nicht allein den chirurgischen Eingriff, sondern zum Beispiel auch die Röntgenaufnahmen oder die Maßnahmen, mit denen die gefürchteten Infektionen mit Krankenhauskeimen verhindert werden sollen. Zu den Anforderungen gehört auch, dass die wichtigsten Abläufe, die bei jedem Eingriff wiederkehren, als verbindliche Behandlungspfade schriftlich niedergelegt sind. Zudem müssen an den Einrichtungen die Weiterbildung der jungen Ärzte und die Forschung gefördert werden.

Über den langfristigen Erfolg eines Eingriffs entscheiden nicht allein gute Ausbildung und manuelles Geschick der Operateure. Auch die Qualität der künstlichen Gelenke selbst muss stimmen. Zu den Bemühungen, die Versorgung mit Knie- und Hüftimplantaten zu verbessern, gehört auch das Endoprothesenregister, dessen Probebetrieb in einer Reihe von Kliniken das Bundesgesundheitsministerium fördert. Ab Mitte 2013 soll hier möglichst umfassend über Eingriffe, über die verwendeten Implantate und über deren langfristiges Geschick Buch geführt werden. Im Register werden sich erstmals genaue Angaben über alle eingebauten Einzelteile finden. Vor allem neu eingeführte Produkte und Verfahren sollen so besser überwacht werden können.

Leserkommentare
  1. Die Medizin der großen Operationszentren ist keineswegs die beste aller Möglichkeiten für den einzelnen sich mit einer Endoprothese versorgen zu lassen, ich würde mich für einen anderen Weg entscheiden. Gerade die persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient ist entscheidend von Bedeutung für das Gelingen einer teils jahrelangen Beziehung mit dem Ziel die individuellen Ziele des Einzelnen optimal umsetzen zu können.
    Hier muss der Patient, der seit vllt. 20 Jahren von seinem Orthopäden betreut wird auch in der Lage sein sich von diesem im Rahmen des bestehenden Vertrauensverhältnis operativ versorgen zu lassen.
    Die Akkordarbeit einer z.B. Uniklinik bietet gegenüber der individualisierten Betreuung eines guten belegärztlich tätigen Chirurgen ganz eindrückliche Nachteile.
    Daher möchte ich den Ansatz der Zertifizierung, im Besonderen die einseitige Festlegung auf "Fallzahlen" scharf kritisieren, denn nicht die Masse, sondern die Klasse und die Sorgfältigkeit und exakte Planung bei der Implantation sind für ein gutes Ergebnis entscheidend.
    Wer 100 Endoprothesen im Jahr einbauen muss, der hat nicht mehr viel Zeit um sich auf anderes (auch um die Betreuung seiner Patienten) zu kümmern. Ein hin zu noch mehr "Fließbandmedizin" und der Druck vorgeschriebene Fallzahlen erreichen zu müsssen leitet eher in die falsche Richtung und kann meiner Ansicht nach nicht im gesunden Interesse unserer Gesellschft liegen.

    Mit freundlichem Gruß

    MH

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    Ich denke, dass eine Vielzahl von OPs eines Chirurgen nicht eine individuelle Betreuung ausschließt. Für mich als Patient ist es wichtig zu wissen, wie viele OPs mein Operateur schon gemacht hat. Dies ist jedoch nur ein Kriterium. So lasse ich mich lieber von einem ambitionierten Oberarzt als vom Chefarzt selbst operieren. Auch der Ruf (Z.B. Focus Liste) spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Am Ende gebe ich Ihnen allerdings recht, dass das Wohlbefinden, also das Gefühl gut aufgehoben zu sein, entscheidet. Letztendlich begebe ich mich in jedem Fall in fremde Hände. Es kann gut aber auch schief gehen. Am Ende muss ich das Gefühl haben, dass ich auf Basis meiner Informationen vor der OP die richtige Auswahl getroffen habe.
    Ich erachte die Zertifizierung als sinnvoll. Unterschätzen Sie die Patienten nicht. Eine reine Entscheidung auf Basis durchgeführter OPs wird kaum ein Patient treffen.
    Nach einer TEP mit 34 und Inlaytausch nach 12 Jahren bin ich bei beiden OPs mit meiner Entscheidung richtig gelegen.

    Ich denke, dass eine Vielzahl von OPs eines Chirurgen nicht eine individuelle Betreuung ausschließt. Für mich als Patient ist es wichtig zu wissen, wie viele OPs mein Operateur schon gemacht hat. Dies ist jedoch nur ein Kriterium. So lasse ich mich lieber von einem ambitionierten Oberarzt als vom Chefarzt selbst operieren. Auch der Ruf (Z.B. Focus Liste) spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Am Ende gebe ich Ihnen allerdings recht, dass das Wohlbefinden, also das Gefühl gut aufgehoben zu sein, entscheidet. Letztendlich begebe ich mich in jedem Fall in fremde Hände. Es kann gut aber auch schief gehen. Am Ende muss ich das Gefühl haben, dass ich auf Basis meiner Informationen vor der OP die richtige Auswahl getroffen habe.
    Ich erachte die Zertifizierung als sinnvoll. Unterschätzen Sie die Patienten nicht. Eine reine Entscheidung auf Basis durchgeführter OPs wird kaum ein Patient treffen.
    Nach einer TEP mit 34 und Inlaytausch nach 12 Jahren bin ich bei beiden OPs mit meiner Entscheidung richtig gelegen.

    • yeksaa
    • 26.10.2012 um 0:42 Uhr

    Alle Voraussetzung besteht wohl in erster Linie darin, dass das Material der Implantate den Weg einer genauen Prüfung durchläuft, denn ein erfahrener Operateur kann sich noch so viel Mühe geben, wenn das Material, wie bisher keinerlei Tests unterzogen bzw. keiner Prüfungsordnung unterstellt wird.
    Bei den Herstellern klingelt die Kasse, sowie Kliniken sich den Eingriffen rühmen, jedoch zu oft Schaden angerichtet wird, den die Patienten auszubaden haben, in dem sie gezwungen sind, sich nachträglich mehrmaligen Eingriffen zu unterziehen.

    Alle Vorschläge, die hier schon wieder grosszügig in den Raum gestellt werden, um Neuregelungen zu schaffen, können sich nur dann zu einem positiven Resultat entwickeln, wenn das Gesamtkonzept einer permanenten Kontrolle unterzogen wird, sprich: schon beim Hersteller nur dann ein Prädikat erhält, wenn das Material genau geprüft und als solches ausgezeichnet wurde.
    Um den Streit von Fehlerhaftigkeit vorzubeugen, bedarf es selbstverständlich, den Hersteller mit zur Verantwortung zu ziehen.

    Es muss in unserem Gesundheitssystem, das seit Jahren runter gewirtschaftet wird, endlich wieder der Patient im Mittelpunkt stehen.

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    • MMM-M
    • 26.10.2012 um 7:51 Uhr

    Strenge Zulassungsbedingungen für Medizinprodukte gibt es doch längst.

    Stichworte: ISO 13485, Medizinproduktegesetz, Richtlinie 93/42/EWG

    Ein Hersteller, der in Europa künstliche Hüftgelenke verkaufen will, muss viele Hürden nehmen

    • MMM-M
    • 26.10.2012 um 7:51 Uhr

    Strenge Zulassungsbedingungen für Medizinprodukte gibt es doch längst.

    Stichworte: ISO 13485, Medizinproduktegesetz, Richtlinie 93/42/EWG

    Ein Hersteller, der in Europa künstliche Hüftgelenke verkaufen will, muss viele Hürden nehmen

    • MMM-M
    • 26.10.2012 um 7:51 Uhr

    Strenge Zulassungsbedingungen für Medizinprodukte gibt es doch längst.

    Stichworte: ISO 13485, Medizinproduktegesetz, Richtlinie 93/42/EWG

    Ein Hersteller, der in Europa künstliche Hüftgelenke verkaufen will, muss viele Hürden nehmen

    Antwort auf "Nicht nur wer.....!"
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    • MMM-M
    • 26.10.2012 um 14:04 Uhr

    ... sieht man, daß die Zulassungsbehörden das Regelwerk nicht so ernst nehmen
    http://www.sueddeutsche.d...

    • MMM-M
    • 26.10.2012 um 14:04 Uhr

    ... sieht man, daß die Zulassungsbehörden das Regelwerk nicht so ernst nehmen
    http://www.sueddeutsche.d...

  2. ... vor vielen Jahren mal zufällig auf einer Werkstoffkundetagung erfahren habe: Ein Werkstofffachmann erzählte mir, dass es vordem immer wieder Probleme mit gewissen Implantaten gegeben habe, bis man durch strenge Schulung ausgewählter Ärzte die "Heimwerker-Bastelmentalität" angegangen sei. Sobald sich die Mediziner eng an die Vorgaben des Implantatherstellers betreffs des Einbaus gehalten und nicht der eigenen Kreativität Spielraum gegeben hatten, klappte es auch mit dem Implantat.

  3. Ich denke, dass eine Vielzahl von OPs eines Chirurgen nicht eine individuelle Betreuung ausschließt. Für mich als Patient ist es wichtig zu wissen, wie viele OPs mein Operateur schon gemacht hat. Dies ist jedoch nur ein Kriterium. So lasse ich mich lieber von einem ambitionierten Oberarzt als vom Chefarzt selbst operieren. Auch der Ruf (Z.B. Focus Liste) spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Am Ende gebe ich Ihnen allerdings recht, dass das Wohlbefinden, also das Gefühl gut aufgehoben zu sein, entscheidet. Letztendlich begebe ich mich in jedem Fall in fremde Hände. Es kann gut aber auch schief gehen. Am Ende muss ich das Gefühl haben, dass ich auf Basis meiner Informationen vor der OP die richtige Auswahl getroffen habe.
    Ich erachte die Zertifizierung als sinnvoll. Unterschätzen Sie die Patienten nicht. Eine reine Entscheidung auf Basis durchgeführter OPs wird kaum ein Patient treffen.
    Nach einer TEP mit 34 und Inlaytausch nach 12 Jahren bin ich bei beiden OPs mit meiner Entscheidung richtig gelegen.

    • MMM-M
    • 26.10.2012 um 14:04 Uhr

    ... sieht man, daß die Zulassungsbehörden das Regelwerk nicht so ernst nehmen
    http://www.sueddeutsche.d...

    Antwort auf "ISO 13485"

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