TropenmedizinIm Hafen der eingeschleppten Viren

Ob Touristen von ihrer Tropenreise nur einen Schnupfen oder doch Malaria mitgebracht haben, testet das Bernhard-Nocht-Institut. Ein Besuch im Viren- und Parasiten-Labor. von Christiane Löll

Malaria, Dengue oder Ebola – all diese Infektionskrankheiten gibt es hierzulande eigentlich nicht. Und doch widmet sich ein großes Institut in Hamburg seit mehr als 100 Jahren täglich den Erregern dieser Krankheiten: Das Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin. Wobei heute auch nicht tropische Krankheiten, etwa die bei uns ausgerottete Tollwut, auf der Agenda des Hauses stehen. Das liegt nicht zufällig am Hamburger Hafen, dort wo schon seit Jahrhunderten Keime aus den aller Welt an Bord von Schiffen als blinde Passagiere bis nach Deutschland mitfahren.

Heute sind es vor allem Touristen – einheimische, wie ausländische –, die Erreger einschleppen. Meist mit dem Flugzeug. 50 bis 100 Proben mit Verdacht auf Tropenkrankheiten gehen am Tag in Hamburg im Schnitt ein. Sie kommen aus ganz Deutschland.

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In Pappschachteln mit der Aufschrift "Süsse Post Box" kommen die Blut-, Urin- oder Stuhlproben von Patienten auf dem Labortisch von Steffie Bernhöft an, die am BNI als biologisch-technische Assistentin arbeitet. "Die Firma Süsse Labortechnik stellt die Kartons für biologische Stoffe her", sagt sie. Daher also der etwas irreführende Name.

Handarbeit statt Massentests

Bernhöfts Arbeitsplatz sieht nach einem ganz normalen Labor aus – mit Reagenzgläsern, Computern, Testgeräten und Pipetten. Zur Analyse teilt Bernhöft die eingesandten Körperflüssigkeiten in verschiedene Röhrchen auf, versieht sie mit einem Barcode und erfasst sie mit einem Scanner wie in einem Supermarkt.

Für die meisten der untersuchten Viren und anderen Krankheitserreger gebe es keine käuflichen Testsysteme, bei denen die Proben einfach in ein Gerät gestellt würden, erklärt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am BNI. Zwar gibt es teure Apparate, mit denen sich etwa das Erbgut von Erregern vervielfältigen lässt. Aber: "Die meistens Tests sind aufwendig, und unsere Mitarbeiter machen viel von Hand."

Leserkommentare
  1. Vielleicht gewöhnt man sich ja mit der Zeit an den Umgang mit den Erregern und es hilft sicherlich sehr, wenn man genaus weiß was man tut, aber ich hätte immer ein sehr mulmiges Gefühl dabei.

    Aber als Mediziner und Biologe darf man wohl einfach keine Angst davor haben, oder man ist dafür ungeeignet.
    Gut, dass es soviele verschiedene Menschen gibt...

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    Die Tollwut ist in Deutschland nicht ausgestorben. Im Oktober erst wurde eine befallene Fledermaus gefunden.

  2. Die Tollwut ist in Deutschland nicht ausgestorben. Im Oktober erst wurde eine befallene Fledermaus gefunden.

    Antwort auf "Mulmiges Gefühl"

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