Nun also auch das Gen Trem2. Die Genetiker aus Island konnten zudem ermitteln, dass Träger dieser Gen-Variante früher im Leben an Alzheimer erkrankten als andere. Unter gesunden 80 bis 100-Jährigen sinkt zudem die geistige Leistungsfähigkeit deutlicher ab, wenn sie die Gen-Variante besitzen, aber (noch) nicht an Alzheimer leiden.

Stefánsson und sein Team scannten die Erbgutdaten von 2.261 Isländern, bis ihnen die Trem2-Variante auffiel. Zusätzlich verglichen sie ihrer Ergebnisse mit Daten einiger Tausend Menschen aus den USA , den Niederlanden , Norwegen und auch aus Deutschland.

Ob sich die Funde eignen, um künftig Medikamente zu entwickeln, weiß noch niemand. Allerdings geben solche Daten Wissenschaftlern weltweit immer neue Anhaltspunkte über die Alzheimer-Krankheit, der häufigsten Form der Demenz. Und Trem2 liefert eine erste Erklärung dafür, warum es in den Gehirnen von Dementen stets auch entzündete Stellen gibt. Denn in seiner mutierten Form erfüllt das Gen seine Aufgabe im Immunsystem schlechter und unterdrückt weniger Entzündungen.

Über die Forschung von Kári Stefánsson und der Firma deCODE Genetics berichtete ZEIT ONLINE schon vor einigen Monaten. Im Juli präsentierte er eine Genmutation, die im Gegensatz zur Trem2-Variante vor Alzheimer schützen könnte . All diese Überraschungen zeigen, wie viel Wissenschaftler noch über den Untergang von Nervenzellen im Hirn lernen müssen. Bis sie die Genschnipsel dafür zusammenfügen können, wird es noch lange dauern. Die jetzige Entdeckung macht Hoffnung, dass es möglich ist.