Arzneimittel-Engpässe : Das fahrlässige Geschäft mit knappen Pillen
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Schwarzmarkt-ähnliche Zustände für ausstehende Arzneien

Der Kostendruck führt zudem dazu, dass Unternehmen ihre Vorräte reduzieren. So versorgen sie mitunter ganz Europa aus nur einem Lager. "Ein Brand und die ganze Region wackelt", sagt die Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Krankenhausapotheker Silvia Hetz. Statt aber die Versorgung der Krankenhäuser rechtlich abzusichern, offenbart die deutsche Gesetzgebung gravierende Lücken. Zwar müssen die Arzneimittelproduzenten Pharma-Großhändler, also diejenigen, die die örtlichen Apotheken versorgen, ausreichend beliefern. Krankenhäuser aber beziehen den größten Teil ihrer Medikamente nicht vom Großhändler, sondern vom Pharmahersteller selbst. "Da aber existiert keine rechtliche Verpflichtung", sagt Hoppe-Tichy.

Der Mangel an Arzneimitteln veranlasst nun einige Firmen die Preise künstlich in die Höhe zu treiben. "Da werden erst Lieferengpässe angekündigt und schließlich der Preis erhöht", sagt Wolf-Dieter Ludwig. So wurde der Preis des Wirkstoffs Alkeran nach der Übernahme durch die Firma Aspen von etwa 53 Euro auf über 150 Euro verdreifacht, "um auch in Zukunft die Lieferung dieser bewährten Präparate garantieren zu können", wie es in einem Schreiben heißt, das ZEIT ONLINE vorliegt. Silvia Hetz wurde in Verhandlungen gar vor die Wahl gestellt, was ihr wichtiger sei: Preis oder Lieferbarkeit?

990 Dollar für ein Krebsmittel, das einst 12 Dollar kostete

In den USA führen die Lieferengpässe inzwischen zu Schwarzmarkt-ähnlichen Zuständen. So berichtet das Krebsmagazin Cancer Scope von einer Untersuchung, die besagt, dass ein ausstehendes Leukämie-Mittel mit einem Preis von 12 US-Dollar für 990 US-Dollar verkauft wurde. Die durchschnittliche Preissteigerungsrate für Medikamente beziffert eine US-Krankenhausallianz auf 650 Prozent .

Während in Europa noch diskutiert wird, hat Präsident Barack Obama reagiert und den Handlungsspielraum der Gesundheitsbehörde maßgeblich erweitert. Alle Lieferengpässe werden öffentlich gelistet – unter Nennung der Firma, der Ursache und der Dauer für die Verzögerung. Hersteller werden an einen Tisch gezwungen, sobald weitreichende Lieferengpässe auftreten. Die wichtigste Maßnahme aber sei die rechtzeitige Kommunikation, sagt Sandra Kweder von der FDA. Sie habe die Fähigkeit der FDA, die Öffentlichkeit vor Arzneimittelmangel zu schützen , am meisten gestärkt. Allein im Jahr 2011 konnten so 195 Engpässe rechtzeitig verhindert werden.

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Kommentare

49 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Missverständnis über Ursachen werden Problem nicht lösen

"...gehen lebenswichtige Arzneien aus, weil Hersteller im Preiskampf die Produktion gefährden. Einige schlagen aus dem Mangel nun Profit."

Hier ist ja nun alles falsch:

(1) Die Hersteller "gefährden nicht im Preiskampf die Produktion"; vielmehr produzieren sie nicht mehr, weil sie keine auskömmlichen Preise mehr bekommen, sprich: weil die Käufer (Krankenkassen, Apotheken, Kliniken) nicht bereit sind, kostendeckend zu zahlen.
(2) Es "schlagen nicht einige nun Profit", vielmehr verlangen sie nun höhere Preise, die ihnen die Produktion wieder ermöglichen.

Wer die Ursachen eines Versorgungsengpasses so missversteht, trägt zum Ende nichts bei. Ein Grundkurs in Marktwirtschaftslehre wäre nicht schlecht. Oder alternativ eine Untersuchung über die Medikamenten-Unterversorgung in sozialistisch-planwirtschaftlichen Systemen.

Wo haben Sie das her?

Ich kenne leider Ihr Marktmodell nicht, aber es erinnert an solche merkwuerdige Argumentationsstraenge, die der Anhaenger des Monopolkapitalismus Bruederle immer vorbringt. Wenn Ihre Argumentation schluessig waere, wuerde die Autoindustrie von aehnlichen Problemen geplagt, ist sie aber nicht. Der schlichte Grund besteht darin, dass den Zulieferunternehmen derartig hohe Konventionalstrafen drohen, dass diese immer liefern koennen. Warum machen Politiker nicht dasselbe? Weil Pharmalobbyisten solche Bestrebungen schon im Ansatz bekaempfen und die Anhaenger des Monopolkapitalismus auf ihrer payroll haben und ins Rennen schicken. Die FDP wollte noch nie Wettbewerb fuer Unternehmen, nur auf dem Arbeitsmarkt. Nicht umsonst kommen die FDP Anhaenger in Mehrheit aus Wirtschaftsbereichen, die zum Wohle der Anbieter organsiert sind und in denen Preiswettbewerb per Gesetz verboten ist (z.B. Rechtsanwaelte).

Zum Teil haben Sie Recht,

zum Teil auch wieder nicht.
Zu (1): "Preiskampf" und "zahlungsunwillige Kunden" sind auf einem (idealisierten) Markt zwei Seiten einer Medaille und nicht voneinander zu trennen. Es bleiben eben nur die Hersteller übrig, die zu Marktpreisen produzieren können, und das eigentlich zum Vorteil des Konsumenten.
Das Problem ist nur, dass in der Realität die Preise und damit die Unternehmensstrategien immer unewarteten, exogenen Faktoren hinterhereilen, da die Markteintrittsbarrieren gerade in der Pharmabranche doch recht hoch sind. Kann ein Unternehmen nicht liefern, kann nicht so einfach mal schnell einfach ein Anderes einspringen.
Aus diesem Engpass schlagen natürlich einige Profit, aber eben nicht unbedingt der Produzent.
"Preis oder Lieferbarkeit?" An dieser Frage ist überhaupt nichts Unmoralisches, die ständige Verfügbarkeit stellt schließlich eine nicht unerhebliche Zusatzleistung dar, die auch bezahlt werden muss. Konventionalstrafen, wie oben schon erwähnt, haben in diesem Zusammenhang allerdings ebenso ihre Berechtigung.
Letztlich muss jemand für genau diesen Posten der Unwägbarkeit aufkommen. Den Krankenhäusern steht es frei, alternativ ihr eigenes
Arsenal an Vorräten um ein Vielfaches aufzustocken, statt faire, langfristige Verträge mit möglichst vielen Partnern einzugehen.

Daseinsfürsorge

In vielen Bereichen der Darseinsfürsorge hat nur eine staatliche Betätigung die ausreichende Sicherheit garantiert - bei der Produktion wichtiger Generika ist dies möglicherweise künftig ein Weg. Staatliche Daseinsfürsorge ist aber schon immer teurer gewesen, als der freie Markt - schlicht und ergreifend deswegen, weil man in Kauf nimmt, dass Rückfallpositionen vorgehalten werden, die einen Ausfall des Systems weniger wahrscheinlich machen aber eben auch teurer. Derartige Sicherheit kann man auch privatwirtschaftlich organisieren - aber auch dann eben nur über das Geld.
Der Versuch hart kalkulierte Marktpreise zu zahlen aber dennoch Ausfallsicherheit zu bekommen ist schlicht in sich widersprüchlich.
Noch schlimmer, aber nur selten beklagt, da nicht so sichtbar, ist die Tatsache, dass kaum mehr kostenintensive Innovationen aus der Pharmaindustrie auf den Markt kommen, da die mittlerweile ca. 1/2 Mrd $ teuere Neuentwicklung eines Arzneimittels sich nicht in der Patentschutzphase und erst recht nicht im harten Wettbewerb danach ammortisieren lässt.
Und so wird bei den Pharmariesen eine Forschungsabteilungen nach der anderen geschlossen - schlicht weil es sich nicht mehr lohnt. Der Patient kann nur profitieren, wenn auch der Produzent profitiert.
Der Reflex auf die böse Pharmaindustrie zu schimpfen verflacht eine auf Sachargumente bezogene Argumentation leider nur zu häufig .

"Ein Grundkurs in Marktwirtschaftslehre wäre nicht schlecht."

Eben. Wieso ein Produkt für 12 Dollar verkaufen, wenn der Markt auch 990 hergibt. Je monopolistischer der Markt wird, desto mehr werden wir diesen Markteffekt erleben.

Der Markt sagt nur aus, wie der Preis reagiert, nicht ob die Krankenhausmedizinschränke voll sind. Wenn der Gesetzgeber den Markt offener haben will, muss er auch den Patentschutz öffnen. Freier Markt nach der Rosinenpickermethode ergibt die typische Fehlregulierung und die nur halb gefüllten Medizinschränke.

Marktwirtschaft und ihre REgeln

Wenn ihre Prämissen ja stimmen würden. Niemand wird mit Tränen in den Augen treuherzig auf Preiserhöhung verzichten. Preis/Qualität sind Ergebnis eines Machtkampfes zwischen Anbieter und Käufer. Ziel eines Unternehmens ist es, Gewinn zu machen. Je höher der Gewinn, desto größer sind Freiräume. Shareholder sind zufrieden, interne Zielkonflikte lassen sich durch Geld entschärfen, Investitionen sind leichter, Nachfrageengpässe lassen sich überdauern, Fehlentscheidungen überstehen – und Konkurrenten in die Knie zwingen. Gewinn ist Preis minus Kosten. Beim Preis helfen Monopolstrukturen. Das Patent ist solch ein Monopol und Konkurrenten kann man niederkämpfen oder einkaufen. Hübsch ist das upgraden eines Produkts durch Werbung – kein wirklicher Mehrwert, aber der Käufer fällt darauf rein. Alternativ/ additiv helfen Rationalisierung und billigere Ersatzstoffe. Die Kopie verkauft sich unter gleichem Namen. Bekannt sind die Prozesse seit 4.000 Jahren von der antiken Münzverschlechterung bis hin zur Lebensmittel- und Pharmaindustrie.
Dagegen stehen Regeln und Gesetze. Der TÜV entstand weil zu viele Dampfkessel um die Ohren flogen, die DIN ermöglicht die Kompatibilität von Produkten und sicherte Standards. Konventionalstrafen und Schadensersatzansprüche erhöhen die Kosten. Das Gesetz über unlauteren Wettbewerb ist Schutz für den Verbraucher sondern für Hersteller und Händler.
Regeln brauchen Sanktionen zur Durchsetzung.

Nachtrag: Marktversagen

Auf Kommentar Nr.1 gab es einige Reaktionen. So soll es in einer Diskussion sein. Z.T. bin ich missverstanden worden - nicht verwunderlich, da kurze Beiträge die verschiedensten Interpretationen zulassen. Hier ein Nachtrag:

Bei dem diskutierten Problem - obwohl zahlungskräftige Nachfrage da ist sowie die Möglichkeit kostendeckender Produktion besteht, kommt es zu Versorgungsengpässen - handelt es sich um eine Form des Marktversagens. Dies kann viele Gründe haben, die in fehlender Regulierung, falscher Überregulierung oder auch ganz woanders liegen können. Es ist wohl Wert, das zu untersuchen: wie kommt es, dass die Versorgungssicherheit auf der Strecke bleibt? Was müsste man ändern, damit es wieder funktioniert?

Wer von vornherein das Profitmotiv der Hersteller oder anderer Marktteilnehmer als Ursache sieht und sie dafür verunglimpft, der *kann* eine solche Untersuchung nicht vornehmen, ist doch das Profitmotiv *konstituierend* für einen Markt und auch nichts Unmoralisches. Und diesem galt meine Kritik: einer Darstellung, die der Polemik zu Liebe eine angemessene Problemuntersuchung völlig unmöglich macht.

(Die Alternative wäre es, den Markt in diesem Bereich ganz abzuschaffen und eine staatliche Versorgung zu wählen. Versorgungssicherheit, -qualität und -kosten - auch unter dem Aspekt des technischen Fortschritts - auf einem verstaatlichten Markt sind allerdings dann wieder ein Problem: *entwickelt* worden sind unsere Arneimittel jedenfalls nicht in der DDR.)

Arzneimittel im Sozialismus

Zur Versorgung mit Arzneimitteln in der DDR war prekär:

"Die vom Ministerium [der DDR] herausgegebenen Arzneimittelinformationen enthalten zudem regelmäßig Hinweise, wie knapp gewordene Arzneimittel zu ersetzen sind - ohne Rücksicht auf die Patienten."

Siehe einen Artikel im Spiegel von 1988 mit weiteren massiven Problemen:

http://www.spiegel.de/spi...

Wer das wieder haben will, soll es laut sagen.

Haben sie auch andere Quellen?

Ein westdeutschen Blatt das 1988 über den Osten schreibt ist eine genausogute Quelle wie ein ostdeutschem Blatt das 1988 über den Westen schreibt. (keine Gute)

Übrigens können sie auch aktuelle Probleme in unserer Versorgungslage so formulieren.

Angefangen beim Artikelthema weiter über zu wenig Personal mangelnde Hygiene die Ärzte wandern ab ins Ausland und sind ebenso über Mängel Schlamperei und im gewissen Sinne auch über Korruption im deutschen Gesundheitsystem verärgert...
Sie brauchen nur die aktuellen Probleme entsprechend zu formulieren und das Ausmaß unter den Tisch fallen lassen und voilá...

Zumal ich mich frage warumm manche Menschen bei Staatsbetrieb gleich an die DDR Denken?
Die deutsche Bundesbahn war auch ein Staatsbetrieb. Und alte Bahner schwören Stein und Bein, dass diese pünktlicher war.
Telekom, Energieversorgung(wo viele Kommunen wieder darauf zurückkommen).
Die Folgen der Privatisierung sehen sie im englischen Bahnverkehr in Österich bei der privatisierung der Post usw.
Es gibt fälle da leisten private Unternehmen einfach nicht das was zu erwarten ist. Und da sehe ich das ganz einfach: die Leistung wird erbracht oder es heist "Tschüss". Die Wirtschaft wird nicht umsonst betrieben es wird von jedem Unternehmen etwas erwartet. Ein Unternehmer beschäftigt ja auch keine Mitarbeiter die die Leistung nicht bringen.

Unglaublich polemischer Artikel

der mit seriösem Journalismus nicht viel zu tun hat.
Die Pharmahersteller also
- sollen die Versorgung mit Medikamenten sicherstellen,
- gleichzeitig im Sinne der Politik die Preise senken
- und für alles das wirtschaftliche Risiko tragen.
Das geht, mit Verlaub, nur bei vernünftiger Bezahlung, sonst wird eben nicht mehr produziert! Ganz einfach.

Unheimlich polemischer Kommentar

Was ist denn Ihre Lösung für das Problem?

Die Pharmahersteller sollen endlos Gewinne erwirtschaften können, keinerlei Preisbeschränkungen, wenn es um neue Medikamente geht und dann auch noch Preisschutz bei Generika? Misswirtschaft unmöglich und das volle wirtschaftliche Risiko bei den Patienten?

Natürlich wären Regelungen begrüßenswert, die eine Preisspirale nach unten verhindern. Aber im gleichen Atemzug müssen auch sämtliche Manipulationen verhindert werden, die eine Preisspirale nach oben eindämmen! Nur dass da die Pharmaindustrie diejenige ist, die plötzlich die pöhse Einmischung anprangert!

Ein Konzern

oder gar ein ganzer Wirtschaftszweig hat drei Funktionen in der Gesellschaft

- Waren bzw Dienstleistungen bereitstellen
- Bürger in Lohn und Brot zu stellen
- Steuern zu zahlen

Das leisten Unternehmen für die Gesellschaft. Bringen Wirtschaftszweige als Private Unternehmen nicht einmal den ersten Punkt bleibt die Frage warum man diese Wirtschaftzweige in privater Hand lässt. Funktion vor Ideologie Ein Bäcker wirtschaftet nunmal privat besser Grundversorger funktionieren in Staatshand besser. Und die Pharmaindustrie liefert benötigte Produkte sollte dies in privater Hand nicht zu einem verträglichen Preis möglich sein, dann muss der Staat die Produktion und Entwicklung der Medikamente übernehmen. Zumal dann der größte Kostenfaktor der Pharmaindustrie massiv reduziert wird: PR und Marketing. Dafür geben die Pharmakonzerne wesentlich mehr Geld aus als für die Forschung oder Produktion.

Zitat @Skeptik

.
"...
Ein Konzern oder gar ein ganzer Wirtschaftszweig hat drei Funktionen in der Gesellschaft
- Waren bzw Dienstleistungen bereitstellen
- Bürger in Lohn und Brot zu stellen
- Steuern zu zahlen
..."

Da haben die aber die Rechnung ohne den (Markt-)Wirt gemacht.

Diese finden nämlich, Konzerne hätten lediglich die eine wichtige Aufgabe, das eingesetzte Kapital möglichst nennenswert zweistellig zu verzinsen.

Alles andere sind höchstens lästige Kostenfaktoren, gegen die am besten grenzkriminell kreativ angegangen werden muss.

Steuern sind durch "Steuergestaltung" (vulgo Hinterziehung) und F.D.P.-Lobbyismus am besten so gut wie keine zu entrichten, das "Lohn und Brot" der Arbeitnehmer wird durch Lohndumping, Leihsklaverei, Befristung, prekäre Beschäftigung und legalitäres sabotieren von Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechten beschnitten bis zur Elendsgrenze und drunter bis zum Aufstocken, und was die Bereitstellung von Waren angeht .... es steht im Artikel zu lesen, dass es damit ja auch nicht wirklich zum besten steht.

Warum wir diese "freien" Konzerne ohne staatliche Kuratel dann überhaupt noch haben, und dazu RegierungsdarstellerInnen, die von "marktgerechter Demokratie" faseln?

Das frage ich mich auch ....

Sinn und Zweck des Wirtschaftens

Moin,

eben habe ich noch von dem Kind geschrieben, dass man doch bitte nicht mit dem Bade ausschütten solle und platsch da liegt es.
Mal alle Polemik beiseite.
Ein Wirtschaftsunternehmen muss auch Gewinne erwirtschaften, alleine um Investitionen zumindest teilweise aus eigenen Mitteln (Haben Sie eine Ahnung was eine Abfülllinie für die Sterilfertigung kostet?) stellen zu können und sich so den Banken nicht ans Messer zu liefern.
Darum, wie auch schon eben, der Rat, eine durchsichtige, weil so Missbrauch erschwerende, Steuerpolitik mit durchaus knackigen Steuersätzen zu etablieren.

CU

Die Pharmabranche steht der Finanzbranche in nichts nach...

Und es ist schon grandiose Kommunikationspolitik der Verbände, für diese Entwicklung die Generikahersteller verantwortlich zu machen. Der ausufernde Patentschutz führt zu solchen Entwicklungen:

"[I]m Jahr 2004 kostete der Rohstoff für Viagra, Sildenafilcitrat, 650 Euro pro Kilogramm. Daraus lassen sich 20.000 Tabletten mit einem Verkaufswert von 240.000 Euro herstellen, was einen Kostenanteil von lediglich 0,26 Prozent für den Wirkstoff bedeutet."

Die Produktion ist zumeist vollautomatisch. Es ist einfach eine Frechheit was die Branche mit den Menschen macht, um Gewinne zu realisieren.

Der Vergleich hinkt,

es steht Ihnen nämlich frei, Kaffee einzukaufen und eine Tasse für unter 1 Euro anzubieten.
Durch den Patentschutz (10 Jahre und mehr) geht das nicht. Es ist nichtmal erlaubt aus dem Ausland das gleiche Medikament einzuführen, obwohl es die gleichen Qualitätsstandards erfüllt.
Übrigens verpflichten sich auch die Generikahersteller diesen Qualitätsstandards, fragen Sie mal bei Ratiopharm nach, ich glaube da tropft es nicht in die Reinräume hinein.

"Regulieren! Besteuern! mit Gefängnis bedrohen!"

Vielleicht wäre es günstiger mit Ihnen über das Thema zu reden, wenn Ihnen Ihr Onkologe gerade gesagt hätte, dass er Ihnen die nächsten Tage Ihr Medikament wegen Lieferschwierigkeiten des asiatischen Zulieferers nicht geben kann. Ich versuch's aber doch.

Ein Genussmittel und ein eventuell lebensnotwendiges Medikament kann wohl nur jemand in einen lächerlichen Vergleich ziehen, der sich in seiner jugendlichen Eindimensionalität für unsterblich hält.

Vergleiche hinken immer :-)

Zunächst mal habe ich auf Ihre Bemerkung zu VIAGRA geantwortet. Da finde ich den Vergleich mit dem Genussmittel Kaffee durchaus passend. Zwar unterliegt Viagra einem Patentschutz, aber es existieren meines Wissens nach Alternativen von anderen Herstellern.

Der zweite Punkt den Sie übersehen ist, das die alleinige Gegenüberstellung der Kosten für das Rohmaterial und dem Verkaufspreis zwar einen schönen Aha-Effekt hervorruft aber letztlich nicht ziel führend ist. Es gibt viele Produkte, bei denen das Rohmaterial nur einen Bruchteil ausmacht (z.B. auch bei Salz). Insbesondere bei Pharmaprodukten sind die Entwicklungskosten nicht zu vernachlässigen und zu bemerken, dass auf 1 Produkt auf dem Markt mehr als 10 Produkte kommen, die es nie so weit geschafft haben.