Bremer Makaken : Mitleid mit den Tieren löst das Dilemma nicht

Die Affenversuche in Bremen dürfen weitergehen. Sich einfach darüber zu empören, ist zu kurz gedacht. Entweder leiden Tiere oder der Mensch.
Ein Rhesusaffen-Junges (Macaca mulatta) in einem Zoo in China © Jianan Yu/Reuters

Seit fünfzehn Jahren leisten sich die Gesundheitsbehörde und der Hirnforscher Andreas Kreiter in Bremen einen erbitterten Streit. "Wie sehr dürfen Tiere für die Forschung leiden?" lautet die Grundsatzfrage, mit der die beiden Parteien bis vor das Oberverwaltungsgericht zogen. Denn Kreiter betreibt an der Universität Bremen Grundlagenforschung an Makakenäffchen. Das durfte er, bis die Gesundheitsbehörde sich 2008 weigerte, die Versuche weiter zu genehmigen. 

Die Affen leiden unter den Versuchen – das ist nicht gut und muss aufhören. So schlicht war die Argumentation der Behörde. Unrecht hat sie nicht. Artgerechte Haltung sähe anders aus als das, was die Laboraffen erleben. Während der Experimente sitzen sie eingezwängt in einer Box aus Plexiglas und müssen an einem Bildschirm Aufgaben lösen. In ihrem Schädel steckt dabei eine Metallröhre, die misst, was sich im Gehirn abspielt. Die Frage ist aber: Stehen die Strapazen der Tiere im Verhältnis zum Nutzen der Forschung, die Kreiter und seine Mitarbeiter betreiben?

Laut dem deutschen Tierschutzgesetz müssen die Leiden der Tiere "im Hinblick auf den Versuchszweck ethisch vertretbar" sein. Übersetzt heißt das: Je bedeutsamer der Zweck, umso heiliger die Mittel. Kreiter zufolge geht diese Kosten-Nutzen-Rechnung auf: "Ich erforsche, wie das Gehirn funktioniert – natürlich ist das wichtig", sagt er. Den Affen gehe es nicht schlecht, Schmerzen hätten sie jedenfalls keine. Auch das Gericht in Bremen beurteilte in seinem gestrigen Urteil die Belastung für die Tiere als "mäßig" und Kreiters Forschung als "außerordentlich" wichtig und "international" anerkannt.

Grundlagenforschung ist wichtig

Den Bremer Tierschützer Wolfgang Apel überzeugt das nicht. "Die Affen haben vielleicht keine Schmerzen, aber sie bekommen tagelang kein Wasser, damit sie an Kreiters Experimenten mitmachen", sagt der Ehrenpräsident des Bremer Tierschutzvereins . Zudem habe Kreiters Forschung in den vergangenen 15 Jahren nicht zu einer einzigen medizinischen Anwendung geführt. "So wichtig kann seine Forschung also nicht sein", schlussfolgert Apel.

Er spielt damit auf den ewigen wunden Punkt der Grundlagenforschung an: Anders als bei der Anwendungsforschung ist vorher nie absehbar, ob sie einen Nutzen für die Menschen haben wird. Bis zu einem sichtbaren Erfolg können Jahre oder Jahrzehnte vergehen. Im schlimmsten Fall entsteht nichts aus dem Forschungsansatz.

Es ist deshalb leicht zu sagen, dass die Versuche an den Affen aufhören sollen. Wer diese Meinung vertritt, wird viele Mitstreiter finden. Aber das ist zu kurz gedacht. Grundlagenforschung ist Basis für jede weitere Forschung. Ohne sie gäbe es heute keine Medikamente gegen Herzleiden, gegen Tuberkulose oder Durchfall – geschweige denn gegen Krebs oder Aids. Bisher gibt es nur wenig Alternativen zu Tierversuchen: Zellkulturen im Reagenzglas eignen sich zwar für die Tests von Hautcremes oder Kosmetika. Auch Medikamententests an gezüchteten Organen und Zellen können Tierversuche zum Teil ersetzen . Aber komplexere Vorgänge im menschlichen Körper, vor allem im Gehirn, können Wissenschaftler nur verstehen, wenn sie lebendige Individuen erforschen. Das gilt auch für die Bremer Forschung. Ohne Affen wäre sie nicht machbar. Es sei denn, Menschen würden sich freiwillig melden. Und genau das ist der Knackpunkt.

Am Ende ist uns das eigene Leben eben doch mehr wert als das tierische. Da hilft auch kein Gejammer. Entsprechend scheinheilig wird die Debatte geführt. Solange unsere Gesellschaft grundsätzlich in Kauf nimmt, dass Tiere für Menschen leiden und sterben müssen, wird es auch Tierversuche geben. Wenn wir das wirklich nicht wollten, müssten wir konsequent sein: Keine Tierversuche, kein Fleischkonsum, keine tierischen Produkte aus Massenfarmen. Aber ist das realistisch? Und sind wir bereit, den Preis für den Seelenfrieden mit den Tieren zu zahlen? Spätestens, wenn es um Menschenleben geht – etwa den Verzicht auf die bloße Chance, eine rettende Therapie zu finden – hört es mit der Harmonie auf.

Mit ihren Kulleraugen, der kleinen Nase und ihren süßen nackten Segelohren setzen uns die Makaken allerdings einen Spiegel vor. Sie ähneln uns. Die Bilder, wie sie eingezwängt mit Loch im Schädel in Käfigen sitzen, erinnern uns schmerzlich daran, dass auch Menschen töten, um zu leben. Ihre Niedlichkeit macht unser Leid für uns greifbar. Auch deshalb hat sich die Debatte in Bremen mittlerweile zu einem emotionalen Kampf hochgeschaukelt.  

Doch wer die Affenversuche ablehnt, müsste auch gegen Experimente an Mäusen und Ratten sein. Millionen von ihnen halten jährlich in Deutschland für weitaus quälendere Versuche her als die Bremer Makaken. An ihnen werden Medikamente getestet, deren Verträglichkeit noch nicht bekannt ist. Viele sterben an Gebrechen, die Forscher ihnen eigens für diese Versuche zugefügt haben. Das klingt brutal, ist aber für die Entwicklung neuer Therapien häufig notwendig. Und steht im Einklang mit geltendem Recht. Eine Klage zum Verbot aller Tierversuche wäre derzeit aussichtslos.

Tierschützern wie Apel wünschen sich ein solches Verbot. Doch damit wäre die Forschung an neuen Heilungswegen extrem eingeschränkt. Für Menschen, die an Alzheimer , Multipler Sklerose oder anderen unheilbaren Krankheiten leiden, wäre so ein Verbot eine Hiobsbotschaft.

Auch die Rinder, Schweine und Hühner, die täglich für alle Nicht-Veganer unter uns geschlachtet oder zur Produktion von Milch und Eiern gequält werden , könnten ein anderes Leben haben. Doch das würde voraussetzen, dass der Mensch bereit wäre, auch für Tiere zu leiden. Am Ende führt das zu einer philosophischen Grundsatzfrage: Sind Tiere Mitglieder unserer moralischen Gemeinschaft? 

Diese Frage bejahte der englische Philosoph Jeremy Bentham bereits vor etwa 200 Jahren. Er prophezeite, dass die Zeit kommen werde, "da die Menschheit alles, was atmet, unter ihren Schirm und Schild nehmen wird". Das ist eine traumhafte Vorstellung. Vielleicht gelingt es eines Tages, mit neuen Methoden, Tierversuche ganz zu ersetzen. Doch noch sind wir auf Tierversuche angewiesen. Und das ist eine Tatsache, die sich mit Mitleid und Protest nicht verdrängen lässt.

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Kommentare

189 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

dazu fallen

mir die Berichte in den letzten Tagen in vielen Medien ein die darüber berichtet haben das immer noch Gänse gestpopft werden für die leber und lebendig gerupft für den besseren Geschmack oder die Hunde in China die Wochen vor ihrer Schlachtung immer mit Latten geprügelt werden damit das Fleisch schön zart bleibt.

Die Autorin hat recht damit dazu aufzurufen auf Tierprodukte grundsätzlich zu verzichten, sowohl in der Nahrungskette bei der Bekleidung und in Zoos, Zirkus und heimischen Kinderzimmern.

Das wird wohl immer ein kleiner Teil der Bevölkerung sein der dort mitmacht doch der hat auch das Recht zu verurteilen das zum einen in Bremen Affen gequält werden und zum anderen eine Justiz so einen Fall in einem Bundesland (leider, ist wohl noch überflüssig mit NS zu fusionieren) alleine löst. Hier sollten Bundesgesetzte her die auch im nächsten Bundestagswahlkampf von allen Parteien vorab inhaltlich dem Wähler als Anregung mitgeteilt würden.

Ein einzelnes Bundesland sollte das nicht beurteilen dürfen.

Ja GENAU!

"Tolerant" hat ein absolut reines Gewissen. Für alle Leser wäre es aber besser gewesen, wenn Sie sich neben dem Tierschutz, auch hin und wieder mit dem Setzen von Satzzeichen beschäftigt hätten.

Im Übrigen beruht der gesamte Fortschritt der menschlichen Zivilisation auf der
- Domestizierung,
- dem technischen Fortschritt,
- und der Aufklärung.

Wobei ohne unsere Nutztiere alle nachfolgenden Entwicklungen nur sehr schwer möglich gewesen wären.

Dankbarkeit und Respekt gegenüber der Kreatur wären angebracht.

"Wobei ohne unsere Nutztiere alle nachfolgenden Entwicklungen nur sehr schwer möglich gewesen wären."

Dann sind wir unseren Nutztieren auch etwas schuldig. Eine Frage der Gerechtigkeit.

Stattdessen heimsen die Forscher alle Lorbeeren ein. Was bekommt das Versuchstier?

Hat es den Versuch überlebt, lautet die Devise:
"Verbraucht, vergast, vergessen". Gilt übrigens auch für "überzählige" Versuchstiere (Manfred Karremann, "Wie wir jeden Tag Tiere schützen können")

Und von den landwirtschaftlichen Nutztieren will ich gar nicht erst reden, das ist ja inzwischen einschlägig bekannt, wie die ausgenützt werden.

Aber ob der weitere Fortschritt auf der milliardenfachen

Quälerei und Ausbeutung wehrloser Tiere (und selbst die wehrhaftesten Raubtiere sind gegenüber den Ansprüchen und Waffen des Menschen wehrlos!) beruhen wird, darf heftigst bezweifelt werden. So müssen viele durch Tierquälerei erzeugte Krankheiten (nichts anderes sind "Zivilisations"krankheiten durch den Verzehr von tierischen Produkten und durch natürlichen Lebensraum zerstörende Lebensweise!)
wieder mittels Medikamenten (nicht selten Schein-Innovationen zum Zwecke der Gewinn-Maximierung), die an Zigtausenden von Tieren getestet werden, behandelt werden.

...........

"Warum sollten wir etwas beibehalten, weil es uns auf eine höhere Entwicklungsstufe gehievt hat?"

Weil es weiterhin das Erfolgsrezept ist und es noch keine adäquaten Alternativen gibt.
Und natürlich auch weil wir es können und wollen (also die Mehrheit).

"Sprechen wir anderen Tieren moralischen Wert zu oder nicht?"
Die in großen Teilen der Erde gelebte Realität und die politisch manifestierte Ethik (Menschenrechte, Bürgerrechte usw.) spricht Tieren keinen größeren moralischen Wert zu. Wobei sie ihn auch nicht komplett negiert.

Ein interessanter Beitrag, jedoch...

..hat er meiner Meinung nach zwei üble Schwachstellen: Frau Klöckner stellt das Problem so dar, als gäbe es zwei Auswege: Der Mensch leidet oder das Tier leidet. Eine Alternative lässt sie aber außer acht, bzw. stellt sie als völlig realitätsfern dar - nämlich moderne, tierversuchsfreie Forschung. Und da gibt es schon längst nicht mehr nur die Zellkulturen, sondern hochspezialisierte und physiologisch korrekte Computersimulationen. Auch in andere Richtungen wird geforscht - im dunklen Kämmerlein im Untergeschoss eines Unigebäudes, denn hier wird einfach zu wenig investiert! Es ist ein trauriger Vergleich, die Tierversuchs-Subventionen vs. Gelder für Tierversuchsfreie Alternativen.
Hätte der Staat das Geld in den letzten Jahren zumindest gleich verteilt, könnten die Tierforscher ihr Argument bezüglich chancenloser MS-Patienten nicht mehr so emotional verkaufen, da hätten ihre Kollegen im tierversuchsfreien Labor nebenan nämlich schon die ersten Wirkstoffe entdeckt.
Und wie idealistisch der Abschnitt über die Konsequenzen, die sich aus der Ablehnung von Tiversuchen für den Menschen ergeben, ist. Der Mensch muss also erst einmal alle anderen leidenden Tiere aus den Ställen befreien bevor er sich um die aus den Laboren kümmern darf? Leider werden nie alle Menschen verstehen, was es für die Tiere bedeutet wenn täglich Hackfleisch für 1,99 in der Pfanne liegen. Ich werde trotzdem zumindest versuchen jedes Tier auf dem Weg zu retten, denn jeder sollte sein Bestes tun.

Unfug!

Wieso sollten Tierversuche mehr Geld erhalten als gleichwertige Alternativen, die ethisch vertretbar sind und deswegen bei potenziellen Geldgebern viel besser verkauft werden könnten? Weil es gleichwertige Alternativen eben nicht gibt.

Erstens sind halbwegs brauchbare Computersimulationen ziemlich aufwändig; höchstwahrscheinlich ist eine ausreichend genaue Simulation schlicht und ergreifend unmöglich zu verwirklichen. (Meine Einschätzung als Informatiker.) Der Körper ist definitiv viel zu komplex, um ihn für alle Zwecke (z.B. Medikamententests) hinreichend genau zu simulieren. Und zweitens ist die Grundlagenforschung noch lange nicht so weit, dass wir den Körper gut genug verstehen, um überhaupt sinnvolle Modelle für eine Simulation erstellen zu können, genau deswegen gibt es ja die Affenversuche!

Es ist scheinheilig, mit emotionsgeladenen Argumenten gegen Tierversuche zu wettern, ohne tatsächliche Alternativen anbieten zu können. (Und damit meine ich nicht vage Vorstellungen von Alternativen, sondern solche, die tatsächlich und nachweisbar brauchbar sind.)

Ich bezweifle,

dass man auch nur ein Bakterium physiologisch korrekt simulieren kann, von Säugergehirnen ganz zu schweigen.

Ich war die letzten 4 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Systembiologischen Arbeitsgruppe. Dort ist man froh, wenn man einen Teil des Stoffwechsels unter bestimmten Bedingungen (Fließgleichgewichte) im Modell simulieren kann, oder die Transkription von einfach regulierten Genen. Diese Modelle wurde für Escherichia coli aufgestellt, über keinen anderen Organismus weiß man auch nur annähernd so viel.

Bis Computersimulationen Tierversuche ersetzen werden, egal ob in der pharmazeutischen Forschung oder der Grundlagenforschung (letzteres dürfte vermutlich eh niemals möglich sein), wird noch viel Zeit vergehen.

...............

"Vielleicht diejenigen, die zuvor andere haben leiden lassen? (Der Kopfkicker vom Berliner Alexanderplatz wäre ein guter Anfang.)"

Sie befürworten also Menschenversuch. Und das verbietet uns die bestehende Ethik.

Und das die Unterscheidung in Täter, Opfer und Unschuldiger nicht zielführend ist sollte auch klar sein. Das hängt nämlich immer von der jeweiligen Betrachtungsweise ab.
Auch der "Kopfkicker vom Berliner Alexanderplatz" war irgendwann mal Opfer bevor er Täter wurde. ;)

Wer hat eigentlich mal Mitleid mit den Tieren die von Tieren get

Wer hat eigentlich mal Mitleid mit den Tieren* die von Tieren* getötet werden? Das sieht ziemlich grausam aus wenn so ein Löwe einem Zebra die Kehle durchbeißt. Dagegen ist die Stallschlachtung wellness.

Soll der Mensch etwa weniger Rechte haben als ein Löwe, nur weil er entwickelter ist?

*gemeint sind Viecher, also exclusive Mensch

ernst gemeint ???

der Löwe jagt um zu überleben und sorgt für Selektion ...
sie könnten ja mal mit einem Löwen in den Käfig steigen

Ich finde Tierversuche unnötig! Mit welchem Recht darf man über Leid und Leben anderer Lebewesen entscheiden??
Warum werden die Testreihen der Pharmaindustrie nicht entsprechend vergütet, von den Milliardengewinnen kann man doch auch etwas zurück gegeben werden und Freiwillige finden sich dann auch.

Das ist nun nicht der Maßstab...

Wie die Autorin bereits geschrieben hat, besitzt die Notwendigkeit des eigenen Überlebens immer Vorrang.

Durch dieses Argument allein lassen sich Tierversuche sicher nicht rechtfertigen, dafür ist der Sachverhalt zu komplex (der Kommentar von JuttaKlein gibt da aber einen wertvollen Denkanstoß). Dringlichkeit und Alternativen sollten als Entscheidungskriterien ernst genommen werden.

Im Unterschied zum Löwen, dem wenige Alternativen zur Wahl stehen, als bspw. ein Zebra zu reißen, haben viele Menschen die Möglichkeit, sich für Alternativen zu entscheiden. Das gilt umso mehr, wenn Menschen Privilegien wie Wohlstand oder Bildung genießen.
Leider setzt das nicht nur Empathievermögen, sondern auch Interesse voraus, sich kritisch mit den eigenen, manchmal verkürzten Sichtweisen auseinanderzusetzen.

Ja, das ist in Ordnung!

Denn wenn Tiere sterben statt Menschen, dann ist das zwar nicht schön aber rechtlich und moralisch sehr gut zu vertreten. Wenn Sie in Ihrem Leben schon einmal Antibiotika genommen haben, eine Impfung erhalten haben oder ein beliebiges nicht homöopathisches Medikament genommen haben, dann haben Sie von Errungenschaften profitiert, die ohne Tierversuche nicht möglich gewesen wären.

Auch wenn heute vieles in der Forschung durch Simulationen oder Zellkulturen geschehen kann, ist doch gerade die Grundlagenforschung auf Tiere angewiesen, da sie eben Grundlagen erforscht und somit sich mit Gebieten beschäftigt in denen keine oder nicht ausreichend Daten für ein verlässliches Modell zur Verfügung stehen.

Tierschützer sollten sich imho mit den großen Fragen unserer Gesellschaft befassen bevor Sie sich dem Feindbild Forschung widmen. Jährlich werden abermillionen Tiere für Nahrung und Weiteres getötet und gequält. Die Zahlen von Versuchstieren, gerade von höheren Säugetieren wie Affen und Katzen, sind dagegen ziemlich vernachlässigbar. Dabei bringt gerade die Forschung an Tieren mit Sicherheit mehr gesellschaftlichen Fortschritt als das Schlachthaus um die Ecke.

Dekadenz?

Dekadent ist unser Umgang mit Tieren allemal, jedoch am wenigsten in der Forschung. Die Zahlen der Versuchstiere sind meist überschaubar, die Zahl an wirklich nachhaltig schädigenden Experimenten an Tieren die nicht Ratten oder Mäuse sind noch viel überschaubarer. Kein Tierversuch wird genehmigt, der in gleicher oder besserer Qualität auch anders hätte durchgeführt werden können.

Besuchen sie eine Klinikstation mit chronisch Kranken oder Kindern die an vererbten Tumoren verenden. Vielleicht sind unsere Prioritäten dann vergleichbar gesetzt.

Sollten?

Sie sagen einfach sollten. Und haben keinen Grund. Und dann kommen Sie mit einem Zitat eines Menschen, wo ich nicht wirklich weiß wo seine Autorität herkommen soll. Professoren können vielleicht keine Käfer bauen. Aber wir haben aus einer 5 Liter Tagesleistungskuh eine 75 Liter Kuh gemacht. So schlecht sind wir also in dem Business nicht.

Und wer zu Tieren "schlecht" (in Ihrem Sinne) ist kann ein guter Mensch sein. Peta die KZs mit Massentierhaltung vergleichen, Hitlers die das Tierschutzgesetz einführen, Peta die nach Hurrican Katrina zuerst die Tiere evakuieren möchten. Das sind schlechte Menschen.

Um ein guter Mensch zu sein muss man keine Zweifel haben bei dem Satz: Menschheit zuerst. Antispeziesmus und Humanismus sind nicht vereinbar.

Kehren Sie lieber vor der eigenen Tür

@ Tim Leuther
„Hitlers die das Tierschutzgesetz einführen“

Na das musste ja unbedingt kommen. Haben Sie noch ein paar auf Lager?

Wenn Sie schon die Auswüchse des Tierschutzes aufzählen, dann vergessen Sie fairerweise nicht zu erwähnen, was in den letzten Jahrhunderten und bis ins 20. Jahrhundert im Namen der Forschung, gedeckt und genehmigt von Regierung und Staat, alles aufgeführt wurde. Das ist wahrlich kein Ruhmesblatt.

.....

Na das ist ja mal wieder an Arroganz nicht zu übertreffen. Wenn Sie Empathie gegenüber anderen Lebewesen mit Menschenverachtung gleichsetzen, wird allmählich klar, wieso Sie sich so vewehment gegen jeder denkbare Verbesserung wehren. Wenn Sie diese Meinung vertreten - nur zu! Nur das ihre Aussage sich nicht auf Argumente sondern Konstruktion stützt und da wir schon beim Thema sind, erinnert es mich ein wenig an ProNRW, ProKöln und co. Auf den ersten Blick könnte man meinen, da ist was dran. Wer ist denn schon gegen Köln, NRW oder Menschen. Das sich dahinter eine totalitäre Denkweise versteckt wird (leider) erst später klar.

Die 75l Hochleistungskuh ist der Forschung auch unendlich

dankbar, wie man hier sieht:
http://albert-schweitzer-...
Sie lebt, statt der möglichen 20 Jahre höchstens vier Jahre, ist völlig ausgelaugt und darf auch jedes Mal nach der Geburt ihres Kälbchens zusehen, wie ihr das sofort weg genommen wird. Denn das ist die Voraussetzung für unsere Milchseen, Käseberge, Yoghurttonnen, die zum großen Teil auch noch auf dem Müll landen.
Übrigens war Hitler weder Vegetarier, noch gab es da keine Tierversuche. Und selbst wenn es so wäre, wäre das kein Argument gegen Rechte für Tiere. Von den damaligen Menschenversuchen übrigens profitiert auch heute noch die Wissenschaft, wenn man unbegrenzte Wissensvermehrung bei ethischer Skupellosigkeit als Gewinn ansieht.

Forschen um des Forschen willens

@ Tim Leuther: „Wenn man sagt das Leute die keine Tierliebhaber sind keine Guten Menschen sind, dann darf man ja wohl gegenbeispiele bringen oder?“

Vielleicht muss man kein Tierliebhaber sein, um ein „guter Mensch“ zu sein, aber jemand der Tierleid in Kauf nimmt, macht dies nicht zum Wohle der Menschheit, wie man uns suggerieren will, sondern zur Befriedigung seiner Neugier und aus Geltungsdrang. Natürlich auch um Gelder der Pharmaindustrie und vom Steuerzahler abzuräumen.
Um das Ganze zu rechtfertigen, werden Erkenntnisse für die Medizin in Aussicht gestellt, die oft nach Jahrzehnten noch nicht eintreffen. Tierversuche nützen dem kranken Menschen nicht, sondern letztlich nur einzelnen Forschern.

Paradebeispiel

ADHS ist z.B. ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung,an die für die "Behandlung" ausgegebenen "Medikamente" verdienen Pharmakonzerne Milliarden.In Deutschland wurde 2011 ein 51mal grösserer Umsatz mit diesen "Medikamenten"erziehlt als 2003 und in den USA schluckt von den zehnjährigen Jungen bereits jeder zehnte täglich ein ADHS-Medikament,Tendenz steigend.

Unerwünschte Nebenwirkungen

@ Tim Leuter:
„Forscher forschen vollkommen irre an Sachen die nix bringen …“

Wo lesen Sie in meinem Beitrag, dass Forscher „irre forschen“? Reimen Sie sich da etwas zusammen?

@ Tim Leuter:
„Dumm nur das man das dann in einem Grundlagenforschungstread schreibt ;-)“

Bevor Sie andere Beiträge als dumm bezeichnen, lesen Sie sich doch Ihre eigenen Kommentare durch.

Es wird ja hier nicht nur explizit über Tierversuche in der Grundlagenforschung diskutiert. Vielleicht sind ja auch Sie in der Lage, über den Tellerrand hinauszublicken.

Tatsache ist, dass manche Medikamente, die in ausgiebigen Tierversuchen für sicher befunden wurden, wegen schwerer unerwünschter Wirkungen vom Markt genommen werden müssen. Für die Betroffenen sind hier die Tierversuche nicht gerade als Segen zu bezeichnen. Kollateralschäden? Und wer hat Profit gemacht?

Schwieriges Thema

Denn die Affen sind niedlich. Und damit wird die Debatte emotional.

Fakt ist: Tierversuche sind nötig. Ohne sie gibt es keinen medizinsichen Fortschritt, denn alle neuen Medikamente müssten an Menschen getestet werden. Was auch nicht geht.

Am Ende steht halt die Frage: Die niedlichen Affen oder nicht niedliche leidende Menschen!?

Es ist leider ziemlich blauäugig "einfach" ein Verbot von Tierversuchen zu fordern.

Peta-Propaganda

Tierversuche sind nicht immer übertragbar, das stimmt, aber eben doch ziemlich weit. Und Peta ist da leider eine alles andere als seriöse Quelle.

Man muss das Original erforschen, um im PC ein Modell erstellen zu können (eine Tatsache, die auch für Beitrag 2 zu hoch gewesen ist). Ja, es ist nicht schön, dass es Tierversuche braucht, da gebe ich den Tierschützern uneingeschränkt recht. Dieselben einfach abzuschaffen, ist jedoch kreuzdämlich. Wir alle möchte geheilt werden - Tiere übrigens auch, die sterben genauso ungern an Krebs wie wir. Und dafür muss man nunmal forschen. Verlangt werden kann und soll, Tierversuche auf ein Minimum zu beschränken und so artgerechtr wie möglich zu gestalten.

Die Tierversuche in Bremen sind nicht besonders tragisch. Die Tiere erleiden keinen Schmerz, sie werden lediglich fixiert und durstig gemacht. An Fixierung gewöhnt man sich schnell, das ist nicht beängstigend und die Tiere wissen bald, dass es nicht lang dauert. Der Durst macht keine Freude, klar, aber auch landwirtschaftliche Zugtiere haben Durst, oder Reitpferde, das ist zu verschmerzen.

Alles in allem ist die Aufregung hier deplatziert und es handelt sich um schlichte Propagande der Peta, weil man mit Makakenbildern eben mehr hermacht als mit Bildern von krebszerfressenen Ratten (viel häufiger und grausiger, aber leider auch notwendig).

Na dann hätte ich einen Vorschlag...

"Die Tierversuche in Bremen sind nicht besonders tragisch. Die Tiere erleiden keinen Schmerz, sie werden lediglich fixiert und durstig gemacht. An Fixierung gewöhnt man sich schnell, das ist nicht beängstigend und die Tiere wissen bald, dass es nicht lang dauert. Der Durst macht keine Freude, klar, aber auch landwirtschaftliche Zugtiere haben Durst, oder Reitpferde, das ist zu verschmerzen."

Mensch toll! Dann melden Sie sich doch freiwillig, wenn das alles halb so wild ist. Vielleicht können Sie sogar ein paar Euros dabei abgreifen!

Das mit dem niedlich ist der entscheidende Punkt

wären es irgendwelche hässlichen "Viecher" sähe die öffentliche Meinung dazu ganz anders aus. Typische Doppelmoral, wie immer: Mausefallen aufstellen, Rattenköder legen, den Marder auf der Strasse möglichst platt fahren, kiloweise Fleisch fressen, Käfigeier, Lederschuhe - und dann ohhhh wie kann man nur so herzlos sein ein niedliches Hündchen an der Raststätte auszusetzen, bzw. mit einem kleinen putzigen Affen zu forschen...

PETA?

Im Jahr 2007 kam heraus, dass PETA Tiere, die unter Obhut der Organisation standen, getötet hat. In ihrer Steuererklärung von 2002 wurde von PETA ein 9.370 US-Dollar teurer, betretbarer Tiefkühler abgeschrieben, wie er normalerweise zur Lagerung von Fleisch oder Eis dient. Aber die Tierschutz-Aktivisten leben vegan, essen also kein Fleisch und keine Milchprodukte. In einer Gerichtsverhandlung von 2007 gestand ein PETA-Betriebsleiter, dass die Gruppierung den Tiefkühler verwendet, um getötete Tiere aufzubewahren. Als Associated Press dies 2000 zum ersten Mal thematisierte, beschwerte sich Ingrid Newkirk, dass es mehr koste, sich um die Tiere zu kümmern, als sie umzubringen. "Wir könnten jederzeit ein no-kill Obdach werden," gab sie zu. Ein anderes Tierheim im gleichen Bundesstaat fand für 86% der obdachlosen Tiere ein neues Zuhause.
In ihrem Hauptquartier in Norfolk, Virginia wurden insgesamt über 14.400 Hunde und Katzen getötet. Allein im Jahr 2005 brachte PETA über 90% der Tiere um, deren sie sich angenommen hatte. Im März 2010 wurde bekannt, dass PETA im Jahre 2009 ganze 97% der Tiere in eigenen Tierheim in Virgina einschläfern lies.
http://psiram.com/ge/inde...

Schweigen sollen Sie, wenn Sie sich nicht auskennen.

Ich arbeite gerade daran das Immunsystem von Mäusen besser zu verstehen, dafür werde viele Mäuse mit Proteinen geimpft, die Mäuse zucken dabei zusammen und haben gewiss große Schmerzen bei der Impfung. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
Ihre Aussage zeugt einfach von totaler Unkenntnis von Tierversuchen! Erforschung der Immunsystems ist anders nicht möglich.

Psiram

Dass man bei Psiram (ehem. Esowatch) oftmals nur mit Halbwahrheiten "abeitet" ist nichts neues, die Berichterstattung und den Eintrag über die Tierschutzorganisation PETA erstaunt daher nicht.Ein Online-Lexikon ohne Impressum, ist für mich keine seriöse Quelle.Bei den Betreiber soll es sich für Verfechter der Interessen der Pharmaindustrie als auch Empfänger von liebevollen Zuwendungen seitens derselben,handeln.

Pauschale Kritiker von Tierversuchen mehren menschliches Leiden

Das menschliche Immunssystem ist dem Immunsystem der Maus sehr ähnlich. Die Antikörper sind sehr ähnlich aufgebaut und haben eine vergleichbare Variabilität. Die Entwicklungsstufen von Antikörpern im Maus und im Menschen sind fast identisch.
Ein direktes Ergebnis meiner Forschung sind Antworten auf die Frage in welchen Abständen Impfungen verabreicht werden müssten um bei Exposition zum entsprechenden Krankheitserreger die beste Immunantwort zu erreichen. Ich werde daher richtig wütend wenn von Laien ohne Verständnis der Materie grundsätzlich Tierversuche in Frage gestellt werden, mit der Folge dass sie damit die medizinische Forschung bremesen und mit einer großen Wahrscheinlichkeit menschliches Leiden mehren.

Kritisches Hinterfragen ist der Treibstoff der Wissenschaft

Ach, nicht so dramatisierend... Leid wird nicht gemehrt, wenn das Ergebnis ausbleibt, es bleibt schlicht und ergreifend in der Form, in der es eh schon vorhanden ist, da.
Vermindert wird es erst durch brauchbare Ergebnisse.

An ihrem Impfbeispiel die Frage, wie es beim Patienten mit der Immunantwort aussieht? z.B. mit Non-Respondern.

Die Non-Responder-Rate bei div. Impfungen liegen ja bei 5-10 %. Da kann man spritzen, soviel man will, man wird als Patient u.U. keinen zuverlässigen Impfschutz erreichen. Hep. B als klassisches Beispiel.

Die Faktoren, die dies beeinflussen, sind so vielfältig, komplex und dynamisch, das kann keine Versuchsreihe, kein Versuchstier der Welt komplett abdecken. Schrittweise ja, z.B. mal das genetische. Der Maus verpasst man den Gendefekt und erzeugt Ergebnisse dazu.

Kommt zur genetischen Disposition beim Menschen eine erworbene Immunschwäche effektverstärkend hinzu, z.B. Leberdefekt , Übergewicht, Rauchen usw., so wird es ein nettes Annäherungs- u. Ratespiel.

Die Maus raucht aber nicht. Wie viele Menschen haben den Gendefekt und rauchen? Wie viele haben den Gendefekt und Übergewicht? Oder rauchen dazu auch noch?

So, je nach wissenschaftl. Arbeitsfeld hätten wir dann die Frage: wie groß ist das Puzzleteil "Tierversuch" im komplexen Gesamten? Und wie groß muss es sein, um gerechtfertigt zu sein? Da jeder -seinen- Teil d. Arbeit als sehr wichtig wahrnimmt, ist es doch ganz gut, dass ein paar Augenpaare von außen die Sache kritisch bewerten.

Mehrung menschlichen Leidens?

Was für eine Hysterie: wenn man auf Tierversuche verzichte, "vermehre" man menschliches Leid. Das ist nun schlichtweg falsch. ES ist das Problem medizinisch - technischen Fortschritts, dass er in den Köpfen irgendwann zum Selbstläufer wird - als habe man ein Anrecht darauf - und nicht einfach sehr viel Glück, dass er hin und wieder gelingt. Nein, menschliches Leid wird nicht vermehrt, wenn man versucht menschlich zu bleiben und menschlich zu handeln. Es wird höchstens das Leid derer vermehrt, die sich durch Tiervesuche ihrer menschlichen Dominanz und ihres Gehalts zu versichern müssen - und einfach nicht kreativ genug sind, wirkliche Wissenschaftler zu werden.

Notwendigkeit

Die Notwendigkeit einer Sache gibt uns noch keine Aufschluss darüber, ob wir wirklich so handeln sollten. Sie setzen hier implizit schon das voraus, was in Frage gestellt werden soll:

Dürfen wir andere Tiere leiden lassen, damit es uns vielleicht besser geht?
Das bedeutet zu fragen: Sprechen wir anderen Tieren moralischen Wert zu oder nicht? Und wenn wir das nicht tun, dann müssen wir dafür erst einmal triftige Gründe parat haben. (Gründe müssen wir dann liefern, wenn jemand nachfragt - und das ist in diesem Fall gegeben)

Wir können sagen (wobei das ja auch noch fraglich ist): Um medizinischen Fortschritt zu erlangen, brauchen wir Tierversuche. Hier handelt es sich um eine Wenn-Dann-Beziehung - Sie springen hier absichtlich zu weit, um der Frage aus dem Weg zu gehen.