ZEIT ONLINE:  Herr Kreiter, das Bremer Oberverwaltungsgericht hat entschieden, dass Sie ihre Experimente mit Makaken-Affen fortführen dürfen. Haben Sie das erwartet?

Andreas Kreiter:  Ja, alles andere wäre ein Skandal gewesen. Was viele nicht erkennen, ist, dass die Gesundheitsbehörde mir über Jahre ein Grundrecht verweigert hat: Das Recht auf Forschungsfreiheit. Die Versuche, die ich durchführe, stehen im Einklang mit dem Tierschutzgesetz. Zu diesem Ergebnis ist am Dienstag auch das Gericht gekommen.

ZEIT ONLINE: Die Richter haben das Leiden, das die Affen ertragen müssen, als "mäßig" eingestuft. Was genau passiert mit den Tieren während der Experimente?

Kreiter: Die Affen sitzen vier oder fünf Stunden lang in einem Kasten aus Plexiglas und müssen am Bildschirm bestimmte Aufgaben lösen. Dabei tragen sie ein Metallröhrchen im Kopf, das misst, welche Nervenzellen in ihrem Gehirn aktiv sind. Natürlich sieht das Implantat befremdlich aus, genau wie ein neues Piercing bei einem Bekannten. Wenn man eine Weile mit den Tieren arbeitet, gewöhnt man sich aber an den Anblick. Das Röhrchen tut ihnen nicht weh, denn das Gehirn empfindet keinen Schmerz.

ZEIT ONLINE:  Für einen Makaken gibt es sicher Schöneres, als in einer Box zu sitzen und am Computer zu spielen. Tierschützer werfen Ihnen vor, dass Sie die Tiere dursten lassen. Das klingt nach Tierquälerei...

Kreiter: ...ist aber eine Lüge. Die Tiere bekommen Wasser als Belohnung für ihre Teilnahme an den Experimenten. Sie haben keinen Grund, nicht mitzumachen. Sie tun es auch meist. Wenn sie extremen Durst oder Angst hätten, würden sie sich weigern. Außerdem kann es lange dauern, bis Makaken wirklich durstig werden: In der Wildnis kommen sie bis zu zwei Wochen ohne einen Besuch am Wasserloch aus.

ZEIT ONLINE:  Trotzdem sind die Experimente eine Strapaze für die Affen. Gäbe es keine Alternativen?

Affenversuche durch Simulationen ersetzen? Das ist Unsinn.
Andreas Kreiter, Hirnforscher an der Uni Bremen

Kreiter:  Nein, sonst wären mir die Versuche von Anfang an nicht genehmigt worden. Im Tierschutzgesetz steht ausdrücklich , dass Tierversuche nur erlaubt sind, wenn die Erkenntnisse nicht auf andere Weise erlangt werden können. Es wird ja gerne vorgeschlagen, statt Affen Zellkulturen zu nehmen. Haben Sie schon mal versucht, einen Zellhaufen zu selektiver Aufmerksamkeit oder komplexen Denkprozessen zu bewegen? Mir wurde auch schon mal die Idee vorgetragen, man könne die Affenversuche durch Computersimulationen ersetzen. Auch das ist Unsinn und hat bei uns zu wahren Heiterkeitsausbrüchen geführt. Mit Computern kann man vielleicht die Stabilität von Brücken testen, weil man bei Bauwerken alle nötigen mathematischen Parameter kennt. Doch das Gehirn kennen wir noch nicht, sonst würden wir es ja nicht erforschen. Und wir können einen Computer nicht etwas simulieren lassen, das wir nicht kennen. Diese Art der Hirnforschung ist nur mit Affen möglich.