DNA-Analyse : 100.000 Engländer lassen sich ins Erbgut gucken

Die britische Gesundheitsbehörde lässt das Erbgut Tausender Bürger aufschlüsseln. Mediziner wollen mit den Daten Therapien für genetisch bedingte Krankheiten entwickeln.
Diese digitale Darstellung des menschlichen Genoms ist im Naturkundemuseum in New York zu sehen © Mario Tama/Getty Images

Das Erbgut eines Menschen bestimmt nicht nur, wie er aussieht, sich bewegt und riecht. Es verrät auch, an welchem Leiden er einmal erkranken könnte. DNA-Analysen sind deshalb längst nicht mehr nur für die Grundlagenforschung von Interesse. Auch Ärzte erhoffen sich davon einen Fortschritt für die Therapie von genetisch bedingten Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs.

Wie der Guardian berichtet , will die britische Gesundheitsbehörde NHS die DNA von 100.000 Menschen kartieren lassen. Vor allem das Erbgut von Krebspatienten und Menschen mit seltenen Erkrankungen soll sequenziert und anonymisiert gespeichert werden. "Die Daten könnten dabei helfen, komplexe Krankheiten besser zu verstehen, diagnostizieren und behandeln", sagte der britische Regierungschef David Cameron zum Telegraph . Die umfangreichen genetischen Informationen böten zum Einen die Chance, effektivere Medikamente zu entwickeln.

Zum Anderen wäre es möglich, bereits existierende Therapieformen besser auf jeden einzelnen Patienten abzustimmen. Am Erbgut ließe sich etwa erkennen, ob ein Mensch – zusätzlich zu seiner Krankheit – unter einer Stoffwechselstörung leidet. In diesem Fall könnte der Körper Chemotherapeutika schlechter verarbeiten und diese müssten geringer dosiert werden. Das Erbgut eines Menschen kann also Hinweise darauf geben, welche Therapieform besonders gut zu ihm passt

Die Regierung fördert das Programm mit umgerechnet rund 124 Millionen Euro. Diese Summe hätte noch vor wenigen Jahren nicht einmal ansatzweise gereicht, um die DNA-Kartierung von 100.000 Menschen zu finanzieren: Im Jahr 2003 kostete eine vollständige Genkartierung noch rund 930 Millionen Euro. Seitdem sind die Kosten jedoch rasant gesunken, sagte Sir John Bell , Medizinprofessor an der Oxford University, dem Guardian . In der nahen Zukunft könnte eine Genkarte für nur 100 Pfund erstellt werden, also etwa 124 Euro.

Wie sicher sind die DNA-Daten?

Dank der sinkenden Kosten sollen Genkartierungen schon bald im medizinischen Alltag eingesetzt werden. Großbritannien ist das erste Land, das sie in das Gesundheitssystem einführt. "Künftig wird jeder sein eigenes Erbgut sequenzieren lassen können", sagte Bell zum britischen Radiosender Radio 4. 

Laut der Bürgerrechtsorganisation Big Brother Watch könnte das allerdings die Privatsphäre der Menschen gefährden. Gegenüber dem Telegraph äußerte die Organisation die Befürchtung, dass Pharmafirmen die Daten nutzen könnten, um Medikamente gezielt an entsprechende Risikogruppen zu verkaufen. Werden die Daten nicht streng gesichert, könnten sie eines Tages noch viel mehr Informationen preisgeben.

Was sich aus der DNA eines Menschen ablesen lässt, ist erst ansatzweise verstanden.

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Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Heikle Geschichte

Schöner Aufmacher mit den Medikamenten. Klar, in der Forschung kann man immer viele Daten gebrauchen, aber ob das auch so zum Zwecke der Krebsforschung, bzw. ausschliesslich dazu genutzt wird, ist fraglich. Nichts gegen medizinische Forschung, aber die Sache hat mindestens 2 Seiten. Die eine ist die Nutzung, und nur strikte Nutzung für medizinische Forschung. Die andere ist die, das man Datenbanken anlegt, an denen Gott weiss wer Nutzen dran findet, um seine Einschätzungen und Abstufungen für zum Beispiel "Risiko"-Menschen, die beispielsweise an erbbedingten Krankheiten leiden, zu missbrauchen. Schöne neue Welt winkt, wo Menschen dann endlich klassifiziert und eingeschätzt werden können.Auch wenn man offiziell soetwas nicht nutzen darf, sehe ich hier ein hohes Potenzial, um damit großen Schaden anrichten zu können. Beispielsweise gibt es in der Schweiz eine Firma, die damit wirbt, quasi so eine Art Stammbaum aufgrund genetischer Materialien zu generieren. Vielleicht ist man ja mit Napoleon verwandt? Da wird suggeriert, was das Zeug hält, und genug Dumme fallen darauf herein. Das man damit sicher auch schön kartieren kann, sozusagen als Nebenverdienst (Abnehmer gibt es bestimmt genug), das brauch man nicht weiter zu erwähnen. Dumm, wer dafür noch zahlt.