Rauchen : EU plant Verbot von Menthol- und Slim-Zigaretten

Die EU-Kommission hat sich einem Bericht zufolge auf schärfere Tabak-Restriktionen verständigt. Warnhinweise dürften künftig den Großteil der Packungsfläche einnehmen.

In der Europäischen Union könnte es bald keine Menthol-Zigaretten mehr geben. Einem Bericht zufolge hat sich die Kommission in Brüssel nach monatelanger Verzögerung auf eine neue Tabak-Richtlinie verständigt. Wie die Bild -Zeitung unter Berufung auf den Kommissionsentwurf berichtet, sollen Geschmackszusätze in Zigaretten künftig verboten sein.

Auch die Zugabe von Vitaminen, Koffein, Taurin oder Farbstoffen in Zigarettentabak soll verboten werden – das könnte das Aus für Menthol-Zigaretten bedeuten. Vorgeschrieben wird auch, dass der Durchmesser der Zigaretten nicht kleiner als 7,5 mm sein darf. Die vor allem bei Frauen beliebten Slim-Zigaretten wären dann nicht mehr erlaubt.

Schon in der kommenden Woche wolle die Kommission die Richtlinie förmlich beschließen.

Die Richtlinie soll auch die Packungen einheitlicher machen. Dann müssen Warntexte wie "Rauchen tötet" und abschreckende Fotos künftig 75 Prozent der Vorder- und Rückseite der Zigaretten-Packung einnehmen. Neben der Steuerbanderole bleibe für den Markennamen nur noch 20 Prozent der Packung. Bei Selbstdreh-Tabak solle die Warnung auf dem Deckel stehen und 50 Prozent des Deckels einnehmen.

Die Vorlage der verschärften Tabak-Regeln hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder verzögert. Mitte Oktober war der bisherige EU-Gesundheitskommissar John Dalli wegen Bestechungsvorwürfen zurückgetreten . Das schwedische Tabakunternehmen Swedish Match hatte sich beschwert, dass ein Unternehmer aus Malta aufgrund seiner Kontakte zu Dalli versuchte, den Gesetzesentwurf der EU-Kommission zu Tabakprodukten zu beeinflussen. Daraufhin wurden Ermittlungen gegen Dalli eingeleitet.

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Kommentare

149 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Begründung

Ich kann zwar nicht in die Köpfe der Verantwortlichen hereinschauen, aber eine Begründung fiele mir doch recht leicht ein.

Bei Produkten, die für den menschlichen Konsum gedacht sind, wird im Allgemeinen seitens der zuständigen Behörden darauf geachtet, dass sie nicht allzu gesundheitsschädlich ausfallen. Deswegen gibt es z.B. viele Lebensmittelzusatzstoffe, die für menschlichen Konsum nicht zugelassen sind, aber z.B. im Tierfutter. Ebenso wird bei Arzneimitteln darauf geachtet, dass Produkte die zu starke Nebenwirkungen für die erwünschte Wirkung haben, nicht zugelassen werden.

Natürlich ist das eine Bevormundung. Die EU entscheidet quasi über die Köpfe der Verbraucher hinweg, was "gut" für sie ist. Sie sorgt dabei für viele Probleme bei den zuständigen Lebensmittel- und Pharmakonzernen, da z.B. die Lebensmittelkonzerne keine stark gesundheitsschädlichen, aber besonders billigen Füllstoffe (oder eventuell suchterzeugende, um den Konsum zu steigern) in ihre Fertiggerichte mischen dürfen. Die Pharmakonzerne sind zu sehr teurer und aufwendiger Optimierung gezwungen, auch bei Nebenwirkungen, die erst nach vielen Jahren aufträten und mit etwas Glück gar nicht mehr mit dem Konsum des Medikaments in Verbindung gebracht werden könnten.

Die Argumentation bei Zigaretten ist die gleiche. Dass viele Menschen das nicht intuitiv so sehen, liegt wohl an jahrhundertealter gesellschaftlicher Tradition. Mit etwas Logik kommt man aber selbst darauf.

laienhafte Logik.....

....trifft selten Wahrheiten oder Tatsachen. Da ich auf der Seite der Betroffenen bin muss auch nicht ich Argumente dafür finden solch eine Regelung zu rechtfertigen. Wer ein solches Verbot aufzwingen will muss es auch vernünftig argumentieren. Meines Wissens gibt es auch keine aussagekräftigen Studien in dieser Thematik, somit ist dieses Verbot einfach nur Willkür.....

Das war reichlich trivial.

Dass Ihnen schnell eine Begründung eingefallen ist, haben Sie mehr als deutlich gemacht. Ihnen ist nämlich nur genau die Begründung eingefallen, die aus trivialen Gründen sowieso nicht nennenswert ist - es geht um Gesundheit der Verbraucher. Aber das bedarf letztendlich wiederum der Begründung!

Gesund sein/leben zu müssen steht nirgendwo geschrieben. Ja, Raucher fallen dem Gesundheitssystem zur Last. Sie zahlen dafür aber schon Steuern in sicherlich ausreichendem Umfang. Der Punkt ist damit abgehakt. Der Rest ist frohe, individuelle Erwägungssache - wie gesund oder krank ich mich selbst mache, das geht hauptsächlich mich selbst etwas an. Gesundheit ist eben nur gut für jene, die Gesundheit glücklich macht.

Und dann hagelt es tonnenweise Missverständnis von der Gesellschaft: Du willst dich doch nicht ernsthaft bewusst krank machen?! Das ist doch verrückt! - Und genau das ist der Zeitgeist, auf den die EU-Politiker da reagieren. Gesundheit und Top-Management/Selbstoptimierung fallen in eins, und letzteres ist neoliberalerweise eben ein heutiger Systemzwang. Da haben Sie ihre Begründung. Aber sie beruht auf ideologischen Grundpfeilern - wie so vieles. Und dann fühlt es sich doch beim nächsten Kippenanzünden umso besser an, zu rauchen, mit dem Gefühl, dass mir mal die ideologische Dimension der Gesellschaft über den Buckel rutschen kann. Da haben Sie ihren psychologischen Grund, zumindest ein paar mal mehr zur Kippe zu greifen.

Man kann sich schon Flotten von Schiffen vorstellen

die Pendelfahrten ausserhalb der drei Meilen Zone fahren, damit Raucher sich mal wieder eine Menthol Zigarette geben können.

< Vitaminen, Koffein, Taurin oder Farbstoffen in Zigarettentabak soll verboten werden> - darauf wäre ich nicht gekommen, dass dies gemacht wird. Die spinnen doch. Geht auch Sauerbratengeschmack?

Regelungswut

Ein weiterer Aspekt der alarmierenden Regelungswut der letzten Jahre.
Sind wir nicht mehr fähig unsere Entscheidungen selbst zu fällen?
Warum muss der 'richtige' Lebensweg anderen aufgezwungen werden? Missionarischer Eifer der Gutmenschen..

Dass Raucher tendenziell den Steuerzahler weniger kosten, weil sie früher sterben, wird gerne vergessen.

Ein Ex-Raucher.

Fiskalische Betrachtung

[Nur kosten sie enorm viel,

während sie sterben.]

Auch Nichtraucher kosten beim Sterben viel. Sie sterben nur später und kosten deshalb mehr Rente und kommen häufiger in die pflegeintensiven und sehr teuren hohen Lebensjahre.

Die Frage ist wesentlich schwieriger zu beantworten, als man auf den ersten Blick glaubt. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Einsparungen bei Rente und Pflege die höheren Gesundheitskosten nicht sogar übertreffen. Dann müssten die Freunde der fiskalischen Betrachtungen eigentlich das Rauchen finanziell belohnen ;)

Glauben Sie wirklich noch an absolut eigene Entscheidungen?

Wenn Sie wirklich noch denken, ihre Entscheidungen seien einfach ihre, haben Sie noch nicht die Idee des Rahmens den Gesetze geben verstanden bzw. verinnerlicht. So wie uns der mediale Diskurs unsere Begriffe derbietet, mit denen wir unsere Gedankenwege gehen. Ihre Wege scheinen mir auf ganz schoen lauten Hauptstrassen zu verlaufen. So z.B. der 'Gut Mensch':
Wir beobachten, wie mit der sozialen Armut auch die emotionale voranschreitet. Das Gefühls-Prekariat wächst. Aber hier versagt der Sozialstaat. Für die Arbeitslosen im unteren Drittel der Gesellschaft gibt es wenigstens Hartz IV. Für die Emotionslosen im oberen Drittel nicht mal das. Die Leute, denen Verantwortung und Empfindung abhanden gekommen sind, sammeln sich in den einschlägigen Kältestuben des Internets und schimpfen dort auf die "Gutmenschen", also jene, die noch nicht alle Hoffnung haben fahren lassen. Sie kleben sich "Eure Armut kotzt mich an" auf die Stoßstangen, um sich vor den moralischen Kollisionen im ruppiger werdenden sozialen Verkehr zu schützen. Sloterdijk hat geschrieben: "Zynismus, als aufgeklärtes falsches Bewusstsein, ist eine hartgesotten-zwielichtige Klugheit geworden, die den Mut von sich abgespalten hat, alle Positivitäten a priori für Betrug hält und darauf aus ist, sich nur irgendwie durchzubringen." Für die Demokratie reicht das auf Dauer nicht aus.
- Jakob Augstein

http://www.spiegel.de/pol...

Über den Schaden kann man streiten

Ich persönlich bin überzeugt, dass genug getan wird, um auf die Gefahren des Rauchens hinzuweisen. Wenn die bisherigen Maßnahmen nicht greifen, soll man von mir aus die Glimmstängel noch teurer machen. Das wäre mir egal. Aber mich regt auf, dass sich die EU-Kommission mit so einem Unsinn beschäftigt - und alles, womit sie sich beschäftigt, kostet was. Und das ist mir nicht egal. Es gibt nämlich genug andere Probleme, die dringend gelöst werden müssten.