MedizinWissenschaftler entdecken Gicht-Gene

Ein internationales Forscherteam hat Gen-Varianten gefunden, die die Volkskrankheit Gicht beeinflussen. Wissenschaftler können so bessere Medikamente entwickeln. von dpa

Dass Gicht in vielen Fällen erblich bedingt sein kann, ist bekannt. Nun haben Wissenschaftler zahlreiche Gicht-Gene entdeckt. Die identifizierten Gen-Varianten gingen mit einem erhöhten Harnsäurespiegel einher und beeinflussten somit das Entstehen der Harnstoffwechselstörung, wie Anna Köttgen vom Universitätsklinikum Freiburg sagte.

Diese als Gicht bekannte Störung führt dazu, dass zu viel Harnsäure im Körper bleibt. Diese löst schmerzhafte Entzündungen an den Gelenken aus. Auch die Nieren können geschädigt werden. Nach Angaben der Deutschen Gicht-Liga handelt es sich bei dem Leiden um eine Volkskrankheit in Industrieländern. In Deutschland sind demnach 2,8 Prozent der Männer und 0,4 Prozent der Frauen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren betroffen.

Anzeige

Erkenntnis macht bessere Vorbeugung möglich

Auf Basis der 28 identifizierten Risikofaktoren könne man die Krankheitsmechanismen besser verstehen, erläuterte Köttgen. Diese könnten als Ausgangspunkt für neue Arzneien oder für eine bessere Vorbeugung von Gicht dienen. "Das Problem ist, dass man mit bestehenden Medikamenten die Harnsäurespiegel oft nur unzureichend absenken kann oder die Medikamente Nebenwirkungen haben."

An der im Fachmagazin Nature Genetics veröffentlichten Studie war ein internationales Team aus mehr als 220 Forschern beteiligt. In die veröffentlichte Untersuchung des Global Urate Genetics Consortiums (GUGC) flossen die Daten von über 70 Einzelstudien aus Europa , den USA , Japan und Australien ein. So werteten die Wissenschaftler das Erbgut von etwa 140.000 Menschen weltweit aus.

Oft lässt sich der Harnsäurespiegel durch eine purinarme Ernährung senken. Purine fördern Gichtanfälle. Daher raten Ärzte den Patienten: wenig Fleisch essen und Alkohol meiden.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Huck
    • 23. Dezember 2012 20:18 Uhr
    1. keine

    Allopurinol als billiges Medikament mit einfacher Wirkungsweise und und sehr geringen Nebenwirkungen ist seit 1964 bekannt und wurde 1977 von der WHO in die Liste der unentbehrlichen Medikamente aufgenommen. Es wirkt harnsäurespiegelsenkend und darf im akuten Gichtanfall nicht genommen werden.

    Dieses Behandlungsproblem war bereits in den 1980er Jahren fast vollständig gelöst (Ausnahmen: bereits stark fortgeschrittene Niereninsuffizienz auch anderer Ursache).

    Was zum Teufel macht es auf einmal wieder zum Problem? Der Wunsch nach dem Verkauf neuerer, teurerer Medikamente?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tsc_saw
    • 24. Dezember 2012 7:44 Uhr

    Allopurin ist zwar bekannt und wird auch gerne verschrieben, aber zumindest bei mir funktioniert es nicht ansatzweise gut genug. Allopurin verringert die Produktion im Körper, unterstützt aber nicht das Ausscheiden. Damit kommt es dennoch zu einer allgemeinen Sättigung im Körper - nicht nur in den Gelenken, sondern auch im gesamten Sehnen- und Bänderapparat! Das merkt man auch!
    Der normale Hausarzt ist zufrieden, wenn es keinen Gichtanfall gibt. DAS ist aber nicht genug, denn ein zuviel an Harnsäure richtet immer auch langfristige Schäden an (Nieren!).

    Ich verwende seit einiger Benzbromaron (auch sehr billig) und meine Werte sind WESENTLICH besser, als ich nach 5 Jahren Allopurin je hatte.

    • tsc_saw
    • 24. Dezember 2012 7:44 Uhr

    Allopurin ist zwar bekannt und wird auch gerne verschrieben, aber zumindest bei mir funktioniert es nicht ansatzweise gut genug. Allopurin verringert die Produktion im Körper, unterstützt aber nicht das Ausscheiden. Damit kommt es dennoch zu einer allgemeinen Sättigung im Körper - nicht nur in den Gelenken, sondern auch im gesamten Sehnen- und Bänderapparat! Das merkt man auch!
    Der normale Hausarzt ist zufrieden, wenn es keinen Gichtanfall gibt. DAS ist aber nicht genug, denn ein zuviel an Harnsäure richtet immer auch langfristige Schäden an (Nieren!).

    Ich verwende seit einiger Benzbromaron (auch sehr billig) und meine Werte sind WESENTLICH besser, als ich nach 5 Jahren Allopurin je hatte.

    Antwort auf "keine"
  1. So schön ich es finde, daß in der Zeit regelmäßig über Fortschritte in der (medizinischen) Forschung berichtet wird, so sehr stört mich oft das allzu vereinfachende Vokabular.

    "Gicht-Gen" impliziert, daß diese Gene nur dafür da sind, Gicht zu ermöglichen und daß ferner eine direkte Kausalität (wer´s Gen hat, kriegt Gicht) vorliegt. Beides ist sicherlich zu kurz gegriffen.

    Außerdem klingt´s albern.

  2. und arzneimittelindustrie. leider gibt es kaum berichte ueber ursachenforschung

  3. Die Frage ist: müssen Betroffene warten, bis die Tests auf die Risikogene und neue Medikamente zur Verfügung stehen oder können sie bis dahin schon selbst etwas tun? Wer schon unter schmerzhaften Gicht-Anfällen leidet, möchte sicherlich nicht warten bis ihm Tests mitteilen, dass er Träger der Risiko-Gene ist bzw. welche Medikamente er in 10 bis 15 Jahren zur Verfügung haben könnte.

    Träger von Risiko-Genen zu sein, heißt ja nicht unbedingt, dass sie tatsächlich ausgelesen und ihre Informationen in den Stoffwechsel eingespeist werden. Dazu braucht es verschiedene Anstöße. Und die scheinen mal wieder durch die Lebensweise mitbeeinflusst zu sein. Jedenfalls sind einige Konsumentscheidungen bekannt, die das Risiko von Gichtanfällen erhöhen können. Dazu gehört der Verzehr von (Frucht-)zuckerhaltigen Getränken, größeren Mengen Bier oder Schnaps, von Meeresfrüchten, Anchovis, Leber und andere Innereien und von viel Fleisch. Übergewicht, Diabetes und ein hoher Blutdruck gehören zu den Risikofaktoren. Die Harnsäurebildung kann durch eine gemüsereiche Ernährung verhindert werden. Auch einige Kräuter verhindern die Harnsäurebildung. Dazu gehören Petersilie, Thymian und Pfefferminze. Sauerkirschsaft und -konzentrat kann den Harnsäurespiegel senken und Vitamin C sorgt ab einer Menge von 500 Milligramm am Tag für eine verbesserte Ausscheidung von Harnsäure.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Medizin | Wissenschaft | Alkohol | Erbgut | Fleisch | Körper
Service