Arztreport 2013Ein Krankenkassen-Bericht ist keine valide ADHS-Studie

"In Deutschland wächst eine Generation ADHS heran", warnt die Barmer und geißelt "Pillen gegen Erziehungsprobleme". Doch für diese Deutung fehlt die Datengrundlage. von  und

"Die Aufmerksamkeitsstörung ADHS trifft in Deutschland immer mehr Kinder und Jugendliche", schreibt Spiegel online. "Um 42 Prozent ist die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die Ärzten zufolge in Deutschland unter ADHS leiden, in den vergangenen Jahren gestiegen", ist auf Sueddeutsche.de zu lesen. Alarm! Ist das die Generation ADHS?

Die Grundlage der besorgniserregenden Meldungen ist ein von der Barmer GEK veröffentlichter Arztbericht. Danach seien die ADHS-Diagnosen von 2006 bis 2011 von rund 437.000 auf etwa 750.000 Kinder gestiegen. Doch diese Daten stammen von einer einzigen Krankenkasse. Sie beziehen sich nur auf Versicherten-Daten der Barmer GEK – nicht auf alle deutschen Kinder. Die Schlussfolgerung, es gebe immer mehr ADHS-Diagnosen in Deutschland, ist dementsprechend gewagt.

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Gewagte Hochrechnung

Wenn Wissenschaftler den Aufbau einer empirischen Studie planen, haben sie meist ein großes Ziel vor Augen: Sie wollen Daten erheben, die der Wahrheit möglichst nahe kommen. Wenn sie eine wahre Aussage über die deutsche Bevölkerung treffen wollen, haben sie also zwei Möglichkeiten: Entweder sie untersuchen die komplette deutsche Bevölkerung. Oder sie bemühen sich darum, eine möglichst zufällige Stichprobe zusammenzustellen, um Verzerrungen zu vermeiden.

Der Haken des Arztreports 2013 ist also, dass die Autoren den Aufbau der Studie vorher nicht geplant haben. Die Stichprobe, die sie gewählt haben, umfasst eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen: die Barmer-Versicherten. Ob diese Gruppe die deutsche Bevölkerung widerspiegelt, kann niemand sagen. Ähnliche Auswertungen anderer Krankenkassen – etwa der Techniker Krankenkasse im Oktober 2011 – haben zwar einen ähnlichen Trend gezeigt. Doch auch sie konnten sich nur auf eigene Zahlen stützen.

Solche Ergebnisse kann man nicht guten Gewissens auf ganz Deutschland beziehen. Das vermerken auch die Autoren des Barmer-Reports im Anhang: "Einschränkend ist darauf hinzuweisen, dass die hier betrachtete Population von Versicherten der Barmer-GEK keine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung darstellt", heißt es dort.

Dennoch wagt Rolf-Ulrich Schlenker, Vize-Vorstand der Barmer GEK, eine Wertung: "Dieser Anstieg erscheint inflationär. Wir müssen aufpassen, dass ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren. Pillen gegen Erziehungsprobleme sind der falsche Weg", wird er in einer Pressemitteilung der Krankenkasse zitiert. Ob die Diagnoseraten tatsächlich "zu" hoch sind, geht aus den Zahlen allerdings nicht hervor. "Dafür müsste man zusätzlich auswerten, wie viele der Diagnosen tatsächlich gerechtfertigt waren", sagte Gerd Lehmkuhl, Kinder- und Jugendpsychiater an der Universität Köln, ZEIT ONLINE. Erst dann kenne man den Anteil der Fehldiagnosen.

Die Diagnose ADHS ist immer schwierig

Doch gerade das kann keine Krankenkassen-Statistik leisten. Selbst ADHS-Spezialisten haben Probleme, in eigens dafür designten Studien zu klären, wann ein Kind zu Recht Medikamente gegen Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsprobleme bekommt. Erstens lässt sich ADHS wegen der komplexen Symptome nur schwer zu anderen psychischen Erkrankungen abgrenzen. Zweitens können Ärzte nicht immer eindeutig einstufen, welche Probleme in der kindlichen Entwicklung krankhaft und welche normal sind.

Einige Mediziner behaupten sogar, eine sichere Diagnose des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndroms sei überhaupt nicht möglich. Forscher der Universiät Michigan analysierten im Jahr 2010 die Daten von 12.000 Kindern in den USA qualitativ. Das Ergebnis: Viele, denen die Diagnose ADHS gestellt wurde, zeigten eine natürliche kindliche Unreife. Die Probleme, die das im Kindergarten und in der Schule provozierte, führten dann zu einer Behandlung beim Arzt.

Dem Problem möglicher Fehldiagnosen begegnet man in Deutschland mit einer Regelung, nach der nur noch Fachärzte eine ADHS-Diagnose stellen dürfen. Nach Ansicht der Bundespsychotherapeutenkammer schränkt dies die fahrlässige Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder ein. Die Schattenseite: Betroffene, deren Kinder dringend Medikamente benötigen, haben es nun schwerer, da Hausärzte die benötigten Rezepte nicht mehr ausstellen können.

Die meisten Kinder – fast immer Jungen – erhalten eine ADHS-Diagnose, wenn sie in der Schule als Störenfriede auffällig werden oder Lernschwierigkeiten zeigen. Die Frage, ob das Kind wirklich "krank" ist oder die Gesellschaft überhöhten Leistungsdruck ausübt, bildet den Kern einer seit Jahren andauernden Debatte. So ist es zwar gerechtfertigt, dass Barmer-Vorstand Schlenke dieses Problem anspricht: "Am Ende scheinen einige Eltern und Lehrer überfordert, auf unkonzentrierte, hibbelige Kinder zu reagieren und sie deshalb dem Medizinbetrieb zuschieben", schreibt er in einem Statement zum Arztreport. Auch betont Schlenker, dass dies besonders die Achtjährigen betreffe – also Kinder in einem Alter, in dem sie auf weiterführende Schulen wechseln. All das mag richtig sein. Als harte wissenschaftliche Interpretation der Zahlen des aktuellen Arztreports sollte man diese Aussagen aber nicht missverstehen.

Es geht um Diagnosen – nicht um Fälle

Ein weiterer Punkt, der die Deutung erschwert: Die Barmer-Daten erfassen nur die Menschen, die tatsächlich ärztlich behandelt wurden; Fälle also, in denen ein Arzt ADHS bei einem Patienten festgestellt hat. Womöglich werden viele Kinder und Jugendliche aber nie erfahren, ob sie tatsächlich an der Störung leiden. Denn nicht alle Eltern erkennen Verhaltensauffälligkeiten als Erkrankungsanzeichen. Und wenn doch, gehen sie nicht unbedingt gleich zum Arzt.

Auf der anderen Seite könnte die Zahl der Diagnosen auch zugenommen haben, weil das Bewusstsein für ADHS gestiegen ist und mehr Eltern ihr Kind daraufhin untersuchen lassen. Die Barmer verweist im Zusammenhang mit dem aktuellen Bericht allerdings darauf, dass ADHS schon seit zehn Jahren ausreichend bekannt sei. Dementsprechend hätten die Zahlen also in den vergangenen Jahren nicht weiter steigen dürfen. Doch ganz wasserfest ist diese Argumentation nicht. Schließlich finden sich im Barmer-Bericht keine Informationen darüber, seit wann die Bevölkerung wie gut über ADHS informiert ist.

Dass der Bericht – einhergehend mit dem Zuwachs an Diagnosen – auch einen Anstieg der Ritalin-Verschreibungen feststellt, erstaunt kaum. Die Zahl der Verordnungen sei von 2006 bis 2011 um rund 35 Prozent gewachsen. Natürlich wieder nur unter den Barmer-Versicherten. Trotzdem wagen die Autoren eine Hochrechnung: Sie schätzen, dass rund zehn Prozent aller Jungen und 3,5 Prozent aller Mädchen im Laufe ihrer Kindheit mindestens einmal Methylphenidat nehmen.

Auch diese Entwicklung ist nach Ansicht der Krankenkasse ein Grund zur Sorge. "Wir kennen die Spätfolgen der Pillen noch nicht – sie wirken zwar, werden aber häufig zu voreilig verordnet", sagt Barmer-Sprecher Kai Behrens. Daher sei es an der Zeit, sich stärker alternativen Behandlungsformen, wie der Verhaltenstherapie oder dem Elterntraining zuzuwenden. Diese seien zwar nicht billiger als Medikamente, womöglich aber langfristig wirksamer.

Die Intention hierbei ist löblich. Würden tatsächlich Kindern in Deutschland massenhaft voreilig und fahrlässig Psychopharmaka verabreicht, weil Eltern und Lehrer überfordert sind oder weil kindliches Verhalten in unserer Leistungsgesellschaft keinen Raum mehr findet, wäre das alarmierend. Um diese These zu belegen, bräuchte es allerdings bessere wissenschaftliche Studien.

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Leserkommentare
    • Sikasuu
    • 29. Januar 2013 22:07 Uhr

    Du hast ziemlich genau getroffen.
    .
    AHDS = Kind krank = wir, unsere Erziehung, Lebensumstände sind nicht Schuld!
    .
    Ist ein Teufelskreis, den du immer wieder antriffst.
    .
    In der Regel ist es müssig, Kinder alleine zu behandeln. Die sind so weil......
    .
    Es gibt vielleicht pathologische Fälle bei denen Verhaltensstörungen auf klar zu umreissende Umstände zurück zu führen ist, aber in den meisten Situationen benötigt die gesamte Familie "Therapie" bzw. darüber hinaus weitere Hilfe.
    .
    Wenn du in Mengen die Sozialdaten, Sonderschulaufnahmeverfahren in die Sonderschule E (sozialer, emotionaler Förderbedarf) durchgehst, triffst du immer wieder auf die gleichen Schicksale und Lebensumstände. LEIDER!
    .
    Auch an Regelschulen wunderst du dich, das immer noch die Mehrheit der Kinder relativ normal sein kann.
    .
    Weiss
    Sikasuu

    Antwort auf "oh, sch...."
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    • doof
    • 29. Januar 2013 23:07 Uhr

    einen stadt-land-vergleich über ca. 20 jahre, verschiedene bundesländer und land-kleinstadt-grossstadt.
    ich glaube schon, dass es einen signifikanten unterschied (gab) zwischen land und stadt.
    der scheint aber immer mehr aufgehoben zu sein.
    auch die andere beobachtung denke ist stimmt. also die mit der struktur der kinder.
    interessant fand ich da mal vor jahren eine studie zur korrelation von öffentlicher einstellung zum thema "arbeitslose" mit entscheidungen und verhalten gegenüber arbeitslosen der entsprechenden behörden.
    leider ist mir entfallen, wo ich die gelesen habe, was ich nur meine ist: kann es sein, dass solche korrelationen irgendwann immer in systemen immanent werden?

  1. Ich empfehle diesbzgl. die exzellenten Artikel von Allen Frances in der Huffington Post (z.B. http://www.huffingtonpost...).

    Frances hat am DSM IV mitgearbeitet und macht immer wieder klar und deutlich, welche Mängel nicht nur DSM-IV aufwies, sondern prangert auch im Detail die Neuerungen des DSM-V an, das im Mai erscheint.

  2. Wenn ich mir die Kommentare durchlese dann wünsche ich mir eine Umfrage zum Thema:
    Wieviel Prozent der Kommentatorinnen und Kommentatoren ist selbst von ADHS betroffen oder hat mit ADHS-Kinder zu tun?

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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

    • Sikasuu
    • 29. Januar 2013 22:33 Uhr

    Zwar nicht wissenschaftlich, aber als Langzeitbeobachtung aus einem westdeutschem Ballungsraum:
    .
    Seit ca 30 Jahren laufen recht viele Schul-Gutachten (SonderschuleE) über meinen Rechner (Frag nicht warum)
    .
    Wärend es zu Anfang eine soziale Mischung gab. die ungefähr dem Bevölkerungsdurchschnitt entsprach, hat sich in den letzten 10-15 Jahren der Schwerpunkt massiv verschoben.
    .
    Geringverdiener (Alleinerziehende/Familien) aus bestimmten Quartieren, mit recht eindeutigen, fast gleichen Familienbiografien. Fast jeder 3 auf Ritalin.
    .
    Die Probleme treten immer füher auf. Lag der Schwerpunkt vor 25-30 Jahren noch in der Sek 1. ist heute schon die Grundschule, der Schuleintritt.... zu fast 2/3 die Regel.
    .
    "Broken familys" aus typischen sozialen wohn- und Arbeitsverhältnissen. Der Anstieg lief planparellel zu "Agenda 2010" HartzIV
    .
    Es jetzt eine sujektive Auswahl, die sich aber in fast jeder Stadt hier im Umkreis, bei dem o.a. Schultyp, auch an der Hauptschule, jetzt als Trend auch in der Realschule, verifizieren lässt.
    .
    Reicht dir das?
    Sikasuu

    • sallow
    • 29. Januar 2013 22:40 Uhr

    Genau das frage ich mich auch!
    Für mich sind das Stammtischparolen und es hört sich nicht so an, als ob die Kommentatoren wirklich in dem Thema drin sind.
    Nur weil es schwarze Schafe bei Ärzten und Eltern gibt, heißt das nicht, daß das Problem nicht existiert.
    Die bösen Eltern sind überfordert und geben den Kindern Pillen, weil sie zu blöd sind, das Kind zu erziehen. Ich könnte kotzen.
    Mal noch eine Info:
    Manche Leute glauben das Ritalin (oder allgemein Methylphenidat) wie Valium wirkt. Falsch.
    Ritalin wirkt nur bei Menschen die diese Störung haben.
    Da wird das innerliche Chaos in Bahnen gelenkt und der Mensch fühlt sich "normal". Vorrausgesetzt die Dosierung stimmt. Und die Dosierung wird mit einem kompetenten Arzt über Wochen eingestimmt.
    Bei Menschen ohne ADS (ADHS) wirkt das Medikament GEGENTEILIG!
    Das heißt, es wirkt aufputschend.
    Wie soll da also jemand mit ruhiggestellt werden?
    Das die Pharma-Industrie nur an Umsatz interessiert ist, muß nicht wirklich diskutiert werden. Das Problem, daß unser Sohn und viele andere Kinder und Erwachsene haben, ist aber Realität.

  3. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

    Antwort auf "Umfrage benötigt"
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    Sie Schreiben: Entfernt! Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

    Wenn Sie das durchziehen und nur sachliche Beiträge stehen lassen wollen, warum lese ich hier Verschwörungstheorien (Pharmahörige Ärzte), Vorurteile (Kinder brauchen nur mehr Freiraum, Eltern sind erziehungsunfähig) und böswillige Unterstellungen (Ritalin von Lehrern gewünscht)? Wo sind Zahlen und Belege für diese unsachlichen Behauptungen?

    Ich bin einer von diesen Ärzten die Methylphenidat verschreiben. Lehrer fordern praktisch nie nach Medikation, eher raten sie ab. Eltern wollen das auch nicht. Sie wollen Ergotherapie und Verhaltenstherapie (Letzere wird von den Kassen bewusst verknappt, s.Zulassungsbeschränkungen). Das therapeutische Vorgehen ist immer individuell am Leid der Kinder orientiert.

    Vor lauter Vorurteilen sind hier einige gar nicht mehr zu differenzierter Betrachtung befähigt. Es wäre schön, wenn die Sachlichkeitskriterien dann zumindest redaktionell geprüft würden. Pauschale Verurteilungen ganzer Berufsgruppen, hier Lehrer und Ärzte und undifferenzierte Beleidigung der betroffenen Eltern kann ich auch bei Spiegel online haben...

    • Sikasuu
    • 29. Januar 2013 22:33 Uhr

    Zwar nicht wissenschaftlich, aber als Langzeitbeobachtung aus einem westdeutschem Ballungsraum:
    .
    Seit ca 30 Jahren laufen recht viele Schul-Gutachten (SonderschuleE) über meinen Rechner (Frag nicht warum)
    .
    Wärend es zu Anfang eine soziale Mischung gab. die ungefähr dem Bevölkerungsdurchschnitt entsprach, hat sich in den letzten 10-15 Jahren der Schwerpunkt massiv verschoben.
    .
    Geringverdiener (Alleinerziehende/Familien) aus bestimmten Quartieren, mit recht eindeutigen, fast gleichen Familienbiografien. Fast jeder 3 auf Ritalin.
    .
    Die Probleme treten immer füher auf. Lag der Schwerpunkt vor 25-30 Jahren noch in der Sek 1. ist heute schon die Grundschule, der Schuleintritt.... zu fast 2/3 die Regel.
    .
    "Broken familys" aus typischen sozialen wohn- und Arbeitsverhältnissen. Der Anstieg lief planparellel zu "Agenda 2010" HartzIV
    .
    Es jetzt eine sujektive Auswahl, die sich aber in fast jeder Stadt hier im Umkreis, bei dem o.a. Schultyp, auch an der Hauptschule, jetzt als Trend auch in der Realschule, verifizieren lässt.
    .
    Reicht dir das?
    Sikasuu

    Antwort auf "Umfrage benötigt"
    • sallow
    • 29. Januar 2013 22:40 Uhr

    Genau das frage ich mich auch!
    Für mich sind das Stammtischparolen und es hört sich nicht so an, als ob die Kommentatoren wirklich in dem Thema drin sind.
    Nur weil es schwarze Schafe bei Ärzten und Eltern gibt, heißt das nicht, daß das Problem nicht existiert.
    Die bösen Eltern sind überfordert und geben den Kindern Pillen, weil sie zu blöd sind, das Kind zu erziehen. Ich könnte kotzen.
    Mal noch eine Info:
    Manche Leute glauben das Ritalin (oder allgemein Methylphenidat) wie Valium wirkt. Falsch.
    Ritalin wirkt nur bei Menschen die diese Störung haben.
    Da wird das innerliche Chaos in Bahnen gelenkt und der Mensch fühlt sich "normal". Vorrausgesetzt die Dosierung stimmt. Und die Dosierung wird mit einem kompetenten Arzt über Wochen eingestimmt.
    Bei Menschen ohne ADS (ADHS) wirkt das Medikament GEGENTEILIG!
    Das heißt, es wirkt aufputschend.
    Wie soll da also jemand mit ruhiggestellt werden?
    Das die Pharma-Industrie nur an Umsatz interessiert ist, muß nicht wirklich diskutiert werden. Das Problem, daß unser Sohn und viele andere Kinder und Erwachsene haben, ist aber Realität.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Umfrage benötigt"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ritalin wirkt nur bei Menschen die diese Störung haben."

    Nein! Ritalin wirkt bei allen. Auch beim Studenten im Prüfungsstress. Und dass das Medikament irgendwelche Unterschiede macht, weil in der Krankenakte dessen, der es einnimmt, irgendwo das Wort ADHS vermerkt ist, kann wohl nicht dein Ernst sein.

    • Sikasuu
    • 29. Januar 2013 22:52 Uhr

    Die Frage ist nicht, ob die Kinder vermehrt Verhaltensauffällig sind, die Frage ist vielmehr: Was hat diese Verhaltensauffälligkeit ausgelöst! Warum diese ZUNAHME!
    .
    Es wird mit dieser Diagnose AHDS und Ritalin nicht eine Krankeit therapiert, sondern ein gesellschaftliches Problem weg gedrückt.
    .
    Harter nicht ganz richtiger Vergl: Valium bei Durchfall. Ich mach mich zwar immer noch voll, aber es macht mir nichts mehr aus!
    .
    Sorry, für den drastischen Vergl.
    .
    Indem ein gesellsch. Problem zu Krankrankheit erklärt wird, wird Verantwortung dafür auf die Kinder abgeladen. Eltern, Ärzte.... haben ja eine eindeutige Diagnose=Krank=Medikament!
    .
    Können wir da einer Meinung sein?
    .
    Fragt
    Sikasuu

    Kanadische Forscher stellten fest, daß Ritalin bei Kindern das Psychoserisiko signifikant steigert.

    Sie observierten ADHS Kinder über einen Zeitraum von 5 Jahren. Stolze 7%, die mindestens ein Dreivierteljahr Ritalin einnahmen, entwickelten innerhalb von 5 Jahren eine Psychose.

    Das Problem ist, daß die Diagnose bei ADHS sehr oft rein subjektiven Berichten beruht. Es gibt kein Instrument, daß objektiv erfasst, inwiefern das Kind nun wirklich hyperaktiv ist.

    Mein Stiefsohn wurde auch fehldiagnostiziert, Er ist ein stinknormaler 11jähriger, der "Autoritätspersonen" ggü. mal "zivilen Widerstand" leistet. Damit kamen die Lehrerinnen nicht klar. Zack, Kinderpsychologin, ADHS "diagnostiziert".

    Er ist tatsächlich ein ganz normaler Junge seines Alters: Frech, Grenzen testend, manchmal zappelig, vorlaut, provozierend, bequem. Die Konzentration funktioniert mit etwas Nachdruck prima.

    DSM-IV hat leider die Grenzen zwischen normalen Kindheits- oder Pubertätserscheinungen und Hyperaktivität extrem aufgeweicht - ohne dabei adäquate wissenschaftlich-objektive Diagnoseinstrumente zu liefern. DSM-V wird, auch bei pubertären Teenagern, noch mehr Aufweichungen der Diagnosekriterien bringen. Das wird sich 2015 auch in ICD-11 niederschlagen.

    Leider sind die Bande zwischen der American Psychiatric Association (DSM-5) und den Pharmakonzernen sehr, sehr eng. Bei DSM-V hat APA unbeeindruckt nahezu alle Kritiken der Fachwelt in den Wind geschlagen.

    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

  4. Die Kinder können einem nur leid tun.

  5. "Ritalin wirkt nur bei Menschen die diese Störung haben."

    Nein! Ritalin wirkt bei allen. Auch beim Studenten im Prüfungsstress. Und dass das Medikament irgendwelche Unterschiede macht, weil in der Krankenakte dessen, der es einnimmt, irgendwo das Wort ADHS vermerkt ist, kann wohl nicht dein Ernst sein.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "an alle "Experten""
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    • sallow
    • 29. Januar 2013 23:00 Uhr

    Klar wirkt Ritalin bei jedem. Aber wie.
    Jedes Medikament kann mißbraucht werden.
    Du bestätigt ja gerade was ich geschrieben habe.
    Warum nimmt der Student Ritalin? Weil es aufputscht.
    Bei Menschen die diese Stoffwechselerkrankung haben (und zwar wirklich haben und nicht weil es in einer Akte steht) wirkt es gegenteilig.
    Also was soll mir Dein Kommentar sagen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bevölkerung | Arzt | Medikament | Studie | Universität Köln | USA
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