Deutsches Gesundheitssystem ist schwer durchschaubar und reformresistent
2004 dann, Böck war noch in Pforzheim, gründete sich aus dem Verband der forschenden Arzneimittelhersteller heraus der Verein Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, FSA. Seitdem sei einiges besser geworden, ist Böcks Eindruck. Der Verein beschloss Regeln für den Umgang mit Ärzten, mit Mitarbeitern des Gesundheitswesens und mit Selbsthilfegruppen. In den Empfehlungen zum Umgang mit "Partnern im Gesundheitswesen und deren Mitarbeitern" heißt es beispielsweise, dass Bewirtungen "einen sozialadäquaten Umfang nicht überschreiten" sollten. Und dass entgeltliche Leistungen "in einem angemessenen Verhältnis zu der zu erbringenden Tätigkeit stehen" sollen. Und zu Tagungen: "Die Auswahl des Veranstaltungsortes und der Veranstaltungsstätte darf nicht auf ihrem Unterhaltungs- oder Freizeitwert beruhen." Verstöße gegen diese Regelungen kann der FSA-Verein sanktionieren. Nach eigenen Angaben hat er das seit 2004 knapp 150 Mal getan. Wie der Ärztekammerpräsident spricht auch die Pharmaindustrie von Einzelfällen und will aus dem FSA-Regelwerk kein Sittengemälde der Zeiten davor abgeleitet sehen.
Aber warum solche Regelungen überhaupt einer freiwilligen Selbstkontrolle überlassen. Warum greift die Politik nicht durch? Da lacht in seiner Berliner Schmerzpraxis Claudius Böck laut und zitiert den CSU-Politiker Horst Seehofer, der neben viel Unsinn in seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister mal den wahren Satz gesagt habe, dass man gegen die Pharmalobby keine Gesundheitspolitik machen könne. Warum nicht, ist bis heute nicht ganz erleuchtet.
Fest steht aber, dass das deutsche Gesundheitssystem mit seinen föderalen Verästelungen – 23 Kassenärztliche Vereinigungen plus 21 Kassenzahnärztliche Vereinigungen plus deren Bundesorganisationen plus die Landesapothekerverbände plus Bundesverband plus 16 Landesgesundheitsministerien plus Krankenhauskonzerne und 140.000 niedergelassenen Ärzte – schwer durchschaubar und reformresistent ist, was auch Transparency International schon feststellte, und dass es viel Angriffsfläche für Lobbyisten bietet. Im Ergebnis wird in Deutschland pro Jahr fast so viel Geld für Medikamente ausgegeben, wie alle niedergelassenen Ärzte gemeinsam verdienen, und ist das deutsche Gesundheitssystem eines der weltteuersten, erbringt aber im internationalen Vergleich nur durchschnittliche Qualität. Laut einem Herausgeber der von der Pharmaindustrie unabhängigen Zeitschrift "Arzneimittel-Telegramm" waren unter den 553 neuen Präparaten, die seit Mitte der 80er Jahre herauskamen, lediglich acht wirklich innovativ. Den anderen 545 Präparaten fehlte demnach ein echter Zusatznutzen. Aber auch – oder vor allem? – für die wurde die Vermarktungsmaschine angeworfen.
Claudius Böck hatte also irgendwann genug von Pharmareferenten und ihren Ärztemustern, Kugelschreibern, Notizblöcken, Postern, Brillenputztüchern, Schweizer Messern, Regenschirmen und weist denen seither die Tür. Andere tun das nicht. Böck sagt, in jeder Facharztsparte würden die Kollegen untereinander diejenigen kennen, die. . . mmmhh. . . Er sucht nach den richtigen Worten und entscheidet sich dann für: "sich unkritisch für jedes Präparat einspannen lassen".
Andererseits, er dreht sich auf seinem Stuhl und rupft eine Ausgabe des Ärzteblatts unter dem Tisch hervor. Das Standesorgan! Und hinten drauf? Er wirft das Heft verkehrt herum auf den Tisch. Pharmawerbung. Na bitte.
In einem Mezis-Artikel werden Umfrageergebnisse zitiert, nach denen 61 Prozent der Mediziner von sich selbst glauben, dass sie in ihrem Verordnungsverhalten "überhaupt nicht" durch Pharma-Geschenke beeinflusst werden. Ihre Kollegen schätzen sich nicht so widerstandsfähig ein. Von denen glauben sie, dass nur 16 Prozent überhaupt nicht beeinflussbar seien. Und wenn die Wahrheit in der Mitte läge – wäre es nicht schlimm genug?







dazu gezwungen?
und darunter sind einige mit sehr großen Praxen, nichts Besonderes von den Pharmafirmen bekommen. Ab und zu eine Handvoll Kugelschreiber, die die Arzthelferinnen dann benutzen! Aber sonst nichts! Keine Kaffeemaschine, keine Reise, keine Einladung zu einem Kongress - rein gar nichts! Tatsächlich sind das kleine Geschenke, die sogar ein Beamter annehmen dürfen, ohne dass er ein Disziplinarverfahren wegen Bestechlichkeit zu fürchten hätte. Winzige Gesten eigentlich, die man auch als Beleidigung empfinden könnte (wer will schon einen billigen Plastikkugelschreiber mit einer Aufschrift drauf!)
Die in den Medien zitierte Art von "Werbung" soll vor 20 Jahren gang und gäbe gewesen sein, aber auch die Pharmafirmen sparen.
Wenn dieser Arzt meint, seine Patienten für sich gewinnen zu müssen, indem er fälschlich seine Kollegen beschuldigt, kann er einem nur leid tun! Und wenn man dann googelt und sich die Kommentare seiner Patienten ansieht...! Offenbar hat er weniger mit den Pharmafirmen als mit der Berufsgenossenschaft zu tun!
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!
und alles was sie nicht kennen sollen, wollen oder können, das existiert somit auch nicht oder ?
und alles was sie nicht kennen sollen, wollen oder können, das existiert somit auch nicht oder ?
Was für eine Kampagne läuft hier im Moment eigentlich ?
Im Fernsehen wird ständig über überflüssige Operationen berichtet, in allen Medien über korrupte Ärzte, wobei nicht einmal beschrieben wird, wo die Korrumpierbarkeit anfängt.
Etwas anderes sind die Fälschungen der Krankenakten, um schneller an Spenderorgane zu kommen - das ist schwer kriminell!
Niedergelassene Ärzte werden wegen der Kostendeckelung nach preiswerten Arzneimitteln greifen, anders sieht es bei Kliniken aus, da gibt es starke Abhängigkeiten von bestimmten Pharmafirmen, vor allem bei teuren Zytostatikabehandlungen und Antikörpertherapien.
Viel gravierender sind die Einflüsse der Pharmalobby auf die Gesetzgebung - schon allein der Kosten wegen.
Wenn man sich zur Zeit von Horrormeldungen aus dem Gesundheitswesen berieseln läßt, kann man als wenig reflektierender ins Gesundheitssystem eizahlender Bürger des Eindrucks nicht erwehren, als ginge es den Ärzten nur um Geld.
Liebe Politiker, liebe Medien : Aufgabe erfüllt !!
Statt als Patient in einer 2 Klassengesellschaft das bestmögliche für die Behandlung zu fordern, bleibt ein Unbehagen, ob diese Ärzte nicht nur Geld schinden wollen, und manch einer wird auf notwendige Operationen und Behandlungen verzichten.
der nicht nur die Ärzte betrifft, sondern auch, und das kann gerne als nächste behandelt werden, vor Apothekern nicht halt macht. Aufgrund der ausgeklügelten Strategien der Pharmavertreter ist es sehr schwer alles zu durchschauen. Ich kann gut nachempfinden, was der junge Mediziner meint, wenn er naiv und unkritisch zunächst auf viele Tricks reingefallen ist. Es bedarf einer Aufarbeitung und meiner Ansicht nach müssen vor allem die Standesorganisationen der Ärzte und Apotheker handeln und einen Verhaltenskodex erlassen. Zu ergänzen ist allerdings, dass die Rabattverträge der KK bei gesetzlich Versicherten eh vorgeben welches Präparat von welcher Generikafirma abzugeben ist. Vorgeben kann der Arzt das Firmenpräparat bei Privatpatienten und wenn der Wirkstoff noch patentgeschützt ist.Verschreibt der Arzt zu häufig teurere Originalpräparate, bekommt er irgendwann einen Regress durch die KK.
Die Zeit der incentive tours oder Kaffeemaschinen ist im niedergelassenen Kassenarztbereich doch schon lange vorbei... Wo man vielleicht mal hinschauen sollte, ist bei den Entlassungsmedikationen von Krankenhauspatienten und auf Zusammenhänge mit Pharmakonzernen. Bekommen z. b. die Krankenhausapotheken von Pharmaunternehmen Medikamente gestellt oder stark rabattiert? Wie häufig muss nach der Entlassung umgestellt werden, da die Medikation nicht zugelassen ist ( out of lable use ) oder ein teures Markenpräparat gegeben wurde, dass durch ein Generikum ersetzt werden kann? Da liegt der Hase wirklich im Pfeffer, werter Herr Autor.
Ansonsten: Betriebswirtschaftlich waren Pharmareferentenbesuche schon immer ein Nachteil für Arztpraxen. Ich habe 2002 berechnet, dass der durchschnittliche Pharmareferentenbesuch einen Umsatzverlust von ca. 50 Euro verursacht und jede von ihm deponierte Musterpackung einen Kostenapparat von 7 Euro auslöst ( Erfassung, Lagerung, aussortieren wenn abgelaufen, herausholen, wenn passender Patient da ist ).
Die Zeit der incentive tours oder Kaffeemaschinen ist im niedergelassenen Kassenarztbereich doch schon lange vorbei... Wo man vielleicht mal hinschauen sollte, ist bei den Entlassungsmedikationen von Krankenhauspatienten und auf Zusammenhänge mit Pharmakonzernen. Bekommen z. b. die Krankenhausapotheken von Pharmaunternehmen Medikamente gestellt oder stark rabattiert? Wie häufig muss nach der Entlassung umgestellt werden, da die Medikation nicht zugelassen ist ( out of lable use ) oder ein teures Markenpräparat gegeben wurde, dass durch ein Generikum ersetzt werden kann? Da liegt der Hase wirklich im Pfeffer, werter Herr Autor.
Ansonsten: Betriebswirtschaftlich waren Pharmareferentenbesuche schon immer ein Nachteil für Arztpraxen. Ich habe 2002 berechnet, dass der durchschnittliche Pharmareferentenbesuch einen Umsatzverlust von ca. 50 Euro verursacht und jede von ihm deponierte Musterpackung einen Kostenapparat von 7 Euro auslöst ( Erfassung, Lagerung, aussortieren wenn abgelaufen, herausholen, wenn passender Patient da ist ).
"Die Korruption zog ein in Form einer Kaffeemaschine, die ein Pharmareferent ihm vorbeibrachte. [...] Auch die Abrechnungssoftware für die Praxiscomputer, die ihm ein Pharmahersteller zur Verfügung stellte, war zunächst vor allem praktisch."
Wenn ein Politiker oder Manager erklären würde, er hätte keine Ahnung gehabt, dass es sich hierbei um einen Korruptionsversuch handelt, hätte man ihn zunächst öffentlich ausgelacht und dann medial gehängt! Ärzte haben halt immer noch einen Sonderstatus bei uns. Zu Recht?
Ja!, sagt das BGH. "Kassenärzte, die für die Verordnung von Arzneimitteln Geschenke von Pharmaunternehmen entgegennehmen, machen sich nicht wegen Bestechlichkeit strafbar."
Alles nachzulesen hier: http://www.spiegel.de/wis...
Ärzte nehmen nicht nur Geschenke von den Pharmafirmen an, sondern sie sind auch, damit sie das nicht selbst zahlen müssen, von den Krankenkassen mit den neuen Lesegeräten für die Einführung der elektr.Gesundheitskarte ausgestattet worden. (Ca.800 Euro pro Lesegerät).
Das ist doch ein Paradebeispiel für einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Beim einen handelt es sich eindeutig um Geschenke, welche eine bestimmte Erwartungshaltung beim Schenker widerspiegeln (Versuch der Bestechung). Beim anderen (den Lesegeräten) geht es darum, dass eine Praxis, in der Lage sein muss, die neuartigen Karten, deren Einführung von den Krankenkassen forcierte wurde auch lesen zu können.
Für mich ist es nur logisch, dass für die Infrastruktur die KK bezahlen müssen, schliesslich profitieren vor allem sie von der Einführung, während die meisten Bürger skeptisch sind und auch Ärzte den Nutzen anzweifeln.
Wenn Sie das alles noch nicht überzeugt hat, dann sehen Sie es einfach als kleine Wiedergutmachung an der Ärzteschaft, welche bis zu diesem Quartal den Geldeintreiber der KK spielen musste.
Ihre Aussage ist falsch. Keine Krankenkasse hat Lesegeräte für Arztpraxen zur Verfügung gestellt.
Das ist doch ein Paradebeispiel für einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Beim einen handelt es sich eindeutig um Geschenke, welche eine bestimmte Erwartungshaltung beim Schenker widerspiegeln (Versuch der Bestechung). Beim anderen (den Lesegeräten) geht es darum, dass eine Praxis, in der Lage sein muss, die neuartigen Karten, deren Einführung von den Krankenkassen forcierte wurde auch lesen zu können.
Für mich ist es nur logisch, dass für die Infrastruktur die KK bezahlen müssen, schliesslich profitieren vor allem sie von der Einführung, während die meisten Bürger skeptisch sind und auch Ärzte den Nutzen anzweifeln.
Wenn Sie das alles noch nicht überzeugt hat, dann sehen Sie es einfach als kleine Wiedergutmachung an der Ärzteschaft, welche bis zu diesem Quartal den Geldeintreiber der KK spielen musste.
Ihre Aussage ist falsch. Keine Krankenkasse hat Lesegeräte für Arztpraxen zur Verfügung gestellt.
... weil sie ihm als "Bestechung" und "Vorteilsgewährung" ausgelegt werden während unsere Mediziner sich von der Pharmaindustrie den Hintern pudern lassen.
Großer Gott! Da soll man noch Applaus klatschen wenn sich einer NICHT MEHR bestechen lassen will?
Das ist doch ein Paradebeispiel für einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Beim einen handelt es sich eindeutig um Geschenke, welche eine bestimmte Erwartungshaltung beim Schenker widerspiegeln (Versuch der Bestechung). Beim anderen (den Lesegeräten) geht es darum, dass eine Praxis, in der Lage sein muss, die neuartigen Karten, deren Einführung von den Krankenkassen forcierte wurde auch lesen zu können.
Für mich ist es nur logisch, dass für die Infrastruktur die KK bezahlen müssen, schliesslich profitieren vor allem sie von der Einführung, während die meisten Bürger skeptisch sind und auch Ärzte den Nutzen anzweifeln.
Wenn Sie das alles noch nicht überzeugt hat, dann sehen Sie es einfach als kleine Wiedergutmachung an der Ärzteschaft, welche bis zu diesem Quartal den Geldeintreiber der KK spielen musste.
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