Den Ansatz von Präsident Jammeh in Gambia – für eine Naturmethode die antiretrovirale Behandlung abzubrechen – halten Ärzte wie Oliver Moldenhauer für lebensgefährlich. "Jeder Aufruf, moderne Medikamente nicht zu nutzen, kostet Menschenleben", sagt er. Aids kann zwar bisher nicht geheilt werden. Mit einer antiretroviralen Therapie aus mehreren verschiedenen Wirkstoffen können die Erreger im Körper aber so weit zurückgedrängt werden, dass HIV-Infizierte ein fast normales Leben führen können. Auch die Ansteckungsgefahr wird mit der Therapie reduziert.

Dafür müssen Patienten allerdings einen strengen Medikamenten-Plan einhalten. "Wird die antiretrovirale Therapie für eine traditionelle Methode ausgesetzt oder abgebrochen, vergrößert das das Ansteckungsrisiko für andere und die Wahrscheinlichkeit, dass Resistenzen gegen die antiretroviralen Mittel entstehen."

Damit würden außerdem bisherige Erfolge wieder zerstört, meint auch die Weltgesundheitsorganisation. In Gambia beispielsweise sind zurzeit 1,3 Prozent der Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert, für Afrika noch ein vergleichsweise niedriger Wert.