VerhütungFranzösische Arzneiaufsicht verbietet Hormonpille Diane 35
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Die europäische Arzneimittelbehörde prüft derzeit Antibabypillen

Wenngleich die Pille eigentlich nicht als Verhütungsmittel gedacht ist, so enthält sie ganz ähnliche Wirkstoffe wie Antibabypillen. Zudem sind Blutgerinnsel auch die bekanntesten Nebenwirkungen von Antibabypillen. Seit die erste Verhütungstablette 1960 in den USA zugelassen wurde, wissen Ärzte und Frauen, dass die Einnahme das Risiko für Thrombosen erhöhen kann.

Anfangs lag das an den in den Pillen enthaltenen Östrogenen wie dem künstlich hergestellten Ethinylestradiol. Je mehr davon in der Pille als Wirkstoff eingesetzt wurde, desto höher war die Gefahr einer Thrombose. Neuere Pillen enthalten weit weniger Ethinylestradiol. In den 1990er Jahren zeigte sich dann, dass neben Östrogen auch die in den Verhütungsmitteln enthaltenen Gestagene das Thromboserisiko erhöhen können. Die jüngsten künstlichen Gestagene wirken zudem gegen Hauterkrankungen wie Akne. Daher auch die Verwendung der Diane 35 für Patienten mit diesem Leiden.

Auf Anraten der französischen Behörden prüft derzeit die europäische Arzneimittelagentur Ema auch Antibabypillen der dritten und vierten Generation. Eben jene Präparate, die ähnliche Wirkstoffkombinationen aus Östrogen und Gestagenen enthalten wie Diane 35. Es sei seit Langem bekannt, dass zwischen 20 und 40 von 100.000 Frauen an einem Blutgerinnsel erkranken, die Antibabypillen im Laufe eines Jahres nehmen. Tatsächlich sei die Gefahr unter Frauen, die jüngere Präparate verwenden, höher. Daher untersucht die Ema nun, ob dies bislang ausreichend in den Beipackzetteln beschrieben worden ist und Ärzte Frauen diese Medikamente auch künftig mit wenig Sorge verschreiben können.

Die Ema teilte mit, sie sei erstmals von einem EU-Mitgliedsstaat gebeten worden, eine europaweite Empfehlung für die Verschreibungspraxis einer Arznei zu geben. Die Aufsichtsbehörde betonte, dass es keinen Grund gibt, dass Frauen die Antibabypille nun grundsätzlich absetzen. Die zugelassenen Verhütungspräparate würden von den nationalen Arzneiwächtern ständig überprüft. Frauen, die Bedenken haben, sollen sich an ihren Arzt wenden.

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Leserkommentare
  1. Anders kann ich mir diese Entscheidung nicht erklären. 4 Todesfälle in 20 Jahren sind natürlich im Einzelfall tragisch, aber nicht besonders viel im Vergleich. Man denke nur an Mediator das jahrzehntelang in Frankreich erhältlich war und 500-2000 potentielle Todesfälle verursacht hat. Das Medikament enthielt Amphetamine und war bis vor kurzem in jeder französischen Apotheke erhältlich. Ein erhöhtes Thromboserisiko bei solchen Hormonpräparaten ist hinreichend bekannt und nicht spektakulär neu. Im übrigen hat man ein deutlich höheres Thromboserisiko als Raucher. Wenn man Diane 35 verbietet, muß man auch alle anderen Präparate auf dem Markt verbieten. Auch der französischen Firmen.

    7 Leserempfehlungen
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    Ich glaube nicht, dass das Verbot von Diane-35 nationalistisch motiviert ist, wie sie andeuten. Als Gegenreaktion nach dem Mediatorskandal agiert die französische Behörde übervorsichtig, insbesondere gegenüber Medikamenten, die de facto für eine andere Indikation vertrieben werden, als sie zugelassen sind – was sowohl bei Diane als auch bei Mediator der Fall war.

    • Aluni
    • 31. Januar 2013 0:59 Uhr

    bestehen m.w. bei allen (kontrazeptiven) Hormonpräparaten; Rauchen, manche Medikamente, falsche Ernährungsweise und Bewegungsarmut/sitzende Tätigkeiten erhöhen zusätzlich die Gefahr.

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  2. Im Artikel ist von "Hormonpillen", und "Arzneimitteln" die Rede. Das ist gut so.
    Egal wie die Zulassung des jeweiligen Präperates nun gestrickt ist, sollte eine solche Wahrnehmung nicht für jede "Anti-Baby-Pille" gelten?
    Selbst wenn Pillen als Lifestyle-Produkt beworben werden (sozusagen in der Bravo...) - ist da nicht überhaupt bei den vielen Präperaten von "positiven Nebenwirkungen" die Rede?

    Der medizinische Laie: der weibliche Hormonstatus ist offenbar deutlich mehr als die unmittelbare Konsequenz, bei Sexualkontakt schwanger zu werden (oder eben auch nicht).
    Ist es nicht so, daß viele Frauen mit einem medikamentös manipulierten Zyklus "besser leben", als wenn der Natur ihr freier Lauf gelassen würde? (wie gesagt, über das unmittelbare Interesse an Schwangerschaft/Nichtschwangerschaft hinaus....)
    War es nicht so, daß bereits vor Zulassung der "Pillen" gleichartige Wirkstoffe im Einsatz waren - nur, daß die verhütende Wirkung da noch unter "Nebenwirkungen" erwähnt wurde....
    Vielleicht eine gesellschaftliche Debatte auch darüber?
    Was war denn früher der "Frauenruheraum"?
    Seit die Frauen "alle" die Pille nehmen, wird der nicht mehr gebraucht. Oder?

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  3. Ich glaube nicht, dass das Verbot von Diane-35 nationalistisch motiviert ist, wie sie andeuten. Als Gegenreaktion nach dem Mediatorskandal agiert die französische Behörde übervorsichtig, insbesondere gegenüber Medikamenten, die de facto für eine andere Indikation vertrieben werden, als sie zugelassen sind – was sowohl bei Diane als auch bei Mediator der Fall war.

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    Warum hat man dann nicht einfach die Indikation als Antibabypille verboten? In Deutschland wird ja Diane auch nur bei Akne verschrieben. Das Problem ist doch nicht das Medikament, sondern die französischen Ärzte, die Diane entgegen der Empfehlung von Bayer als Antibabypille verschrieben haben. Mit dieser Taktik kann man jedes Medikament vom Markt nehmen. Falsche Verschreibungen oder Einnahmen können doch kein Grund für die Rücknahme eines Medikaments vom Markt sein. Asthmatiker und kleine Kinder dürfen auch kein Aspirin einnehmen, da ihnen schwere Nebenwirkungen bis zum Tod drohen. Soll man jetzt dann auch Aspirin verbieten?

  4. 5. Warum?

    Warum hat man dann nicht einfach die Indikation als Antibabypille verboten? In Deutschland wird ja Diane auch nur bei Akne verschrieben. Das Problem ist doch nicht das Medikament, sondern die französischen Ärzte, die Diane entgegen der Empfehlung von Bayer als Antibabypille verschrieben haben. Mit dieser Taktik kann man jedes Medikament vom Markt nehmen. Falsche Verschreibungen oder Einnahmen können doch kein Grund für die Rücknahme eines Medikaments vom Markt sein. Asthmatiker und kleine Kinder dürfen auch kein Aspirin einnehmen, da ihnen schwere Nebenwirkungen bis zum Tod drohen. Soll man jetzt dann auch Aspirin verbieten?

    Antwort auf "Kein Nationalismus"
  5. ein Hormon-Präparat, welches Frauen schön macht UND der Familienplanung dient - hört sich perfekt an. Aber mal ganz ehrlich: Würden Männer zu diesem Zweck ein solches Medikament einnehmen und tödliche Nebenwirkungen in Kauf nehmen?

  6. ...schwerste Androgenisierung, Aggressivität und Hypersexualität hervor, also genau jene Symptome, die sie angeblich bekämpft. Ich glaubte jahrelang an eine mysteriöse Krankheit, die Symptome stellten meine gesamte Geschlechtsidentität als Frau in Frage. Auf die Idee, dass diese Pille ursächlich sein könnte, kam kein einziger Gyn, die mich einer um den anderen zum Hypochonder erklärten. Der Alptraum klärte sich nach Absetzen auf, als die entsetzlichen Symptome zu meinem völligen Verblüffen nach und nach verschwanden.
    Mein Vertrauen in die Ärzteschaft und Glaube an die Pharmaindustrie ist durch diese Erfahrung aufs Tiefste erschüttert. Krankheitsvermeidung hat für mich seither oberste Priorität. Nichtsdestotrotz habe ich durch dieses Medikament zwanzig Jahre meines Lebens verloren, die mir niemand zurückschenkt.
    In den USA ist die Diane übrigens schon seit Jahren verboten.

    Wer sich für ähnliche Berichte über "Nebeneffekte" empfängnisverhütender Hormone interessiert, dem seien die Seiten von CBGnetwork empfohlen. Ähnliche Erfahrungsberichte finden sich auch zur Hormonspirale Mirena zuhauf im Netz.

    Und nein, junge Frauen und Mädchen sind nicht selbst schuld, solange verschreibende Ärzte ihrer Aufklärungspflicht nicht nachkommen und Nebenwirkungen herunterspielen oder den Zusammenhang mit der Pille leugnen, was leider Alltag in deutschen Gynäkologenpraxen ist.

    mfg.

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  • Schlagworte Verhütung | AFP | Antibabypille | Arzt | Bayer AG | Frankreich
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