Body-Mass-Index : Groß + schlank = Übergewicht?

Der BMI ist überholt und lässt große Menschen zu dick erscheinen, kritisiert ein Mathe-Professor der Uni Oxford. Seine neue Formel soll das ändern.

Bin ich dick? Erschließt sich diese Frage nicht auf den ersten Blick, ist der Body-Mass-Index (BMI) ein beliebter und sehr alter Indikator für Übergewicht. Ihn zu errechnen, ist ganz einfach: Man teilt das Körpergewicht (in Kilogramm) durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat. Das Ergebnis: Alles zwischen 18,5 und 25 ist normal; alles darüber zu viel. So einfach ist das. Oder doch nicht?

Das Problem an dieser Formel ist, dass bloß zwei Werte festlegen, ob jemand zu viel Fett auf den Rippen hat oder nicht. Schlimmer noch: Während der BMI großen Menschen vorgaukelt, zu dick zu sein, lässt die magische Zahl kleinere Menschen schlanker erscheinen, als sie sind. Folglich schätzen viele ihr persönliches Risiko, durch Übergewicht an Bluthochdruck, Diabetes oder Herzinfarkt zu erkranken, falsch ein. Und selbst Ärzte irren im Vertrauen auf den BMI.

Der Mathematiker Nick Trefethen, selbst von hoher Statur, aber schlank, von der Uni Oxford hat eine präzisere BMI-Formel entwickelt. Dafür passte er den Exponenten im Nenner an: Statt einer zwei verwendet er eine 2,5.

Die Folge: Der BMI von großen Menschen sinkt rechnerisch und der von kleinen Menschen steigt. Grob gesagt verlieren Personen ab 1,80 Meter Körpergröße einen BMI-Punkt, Menschen unter 1,60 gewinnen einen hinzu. Nach dieser Rechnung würde sich der BMI von Millionen Menschen in Deutschland ändern.

Nick Trefethen

Seit 1997 leitet der Mathematiker die Gruppe für Numerische Analysis an der Universität Oxford.

Zusätzlich skaliert Trefethen seinen BMI mit dem Faktor 1,3 – um die Ergebnisse aus der alten und neuen Formel vergleichbar zu machen. Da die Wurzel aus 1,69 gerade 1,3 ist, stimmen so alter und neuer BMI für einen 1,69 Meter großen Menschen überein.

Das Non-plus-Ultra sei auch seine Formel nicht, sagt Trefethen. "Menschliche Körper sind kompliziert und jede BMI-Formel wird immer bloß eine einzelne Zahl ausspucken." Umso schlimmer sei die heutige Formelgläubigkeit: "Die Abhängigkeit unseres Medizin- und Versicherungswesens von so einer einfachen Formel beunruhigt mich sehr", sagt der Mathematiker.

Genauer als die alte BMI-Rechnung – aus einer Zeit, als es weder Taschenrechner noch Fettwagen gab – ist die Trefethen-Formel allemal. Fachleute streiten seit Jahren über den BMI. Wo sitzt das Fett am Körper? Wie muskulös ist jemand? Wie schmal oder stämmig ist jemand gebaut? All diese Faktoren sind wichtig, um ein bedenkliches Übergewicht oder auch ein gefährliches Untergewicht zu erkennen.

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Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Tja, da haben wir wohl den selben BMI...

... und mir hat noch nie jemand gesagt, ich solle ein paar Kilos zulegen. Im Gegenteil.
(Nein ich liege nicht nur auf dem Sofa, sondern fahre über 7h Fahrrad in der Woche ;))

Der BMI wird immer nur begrenzt verwendbar sein, solange er sich nur auf Körpergröße und Gewicht stützt. Ich finde es schon töricht an Frauen und Männern den gleichen BMI anzusetzen, da letztere Dank Muskelmasse dann doch etwas mehr auf die Waage bringen.

@Viel zu kompliziert:Ihre Formel ist für Sie viel zu kompliziert

Sie scheinen des Kopfrechnens weniger mächtig zu sein. Als Beweis greife ich Ihr Beispiel auf:

Körpergröße in cm geteilt durch 100 ergibt das Normalgewicht in kg.

Bei Ihnen hat ein Erwachsener mit 1,80 Größe ein Normalgewicht von 80 kg.

Bei Ihrer Formel erhalte ich folgendes Ergebnis: 1,8 Kg Normalgewicht

Mit freundlichen Grüßen

Alex

Pst!!!!

Pst, sie rütteln an den Arbeitsplätzen von zigtausenden Ernährungsberaterinnen und Frauenzeitschriftenredakteurinnen, wenn sie hier wissenschaftliche Erkennnisse über Gene rausposaunen und vielleicht noch verraten, dass Menschen mit Übergewicht gesünder als Schlanke sind.
Lassen Sie den Leuten bloß ihren Glauben. Viele klammern sich dran, seit sie nicht mehr in die Kirche gehen.
Natürlich ist die Aussage Müll, dass ein Mensch gesund ist, so er soundso groß und sosundso schwer ist.
Aber, pst!