Aus jüngster Zeit läge ein bisher unbestätigter Hinweis vor, der Organhandel sei signifikant zurückgegangen – eine Einschätzung, der Aktivisten wie Meron Estefanos widersprechen, die in Eritrea geboren wurde, in Schweden lebt und als die wohl beste Kennerin der Flüchtlingsschicksale auf dem Sinai gilt. Am 20. Februar will sich nun der Menschenrechtsausschuss im Berliner Reichstag mit dem Problem beschäftigen, um mehr Druck auf Kairo zu erzeugen.

Das Thema ins Rollen gebracht hatte seinerzeit der Bericht einer ägyptischen Tageszeitung über den tödlichen Autounfall eines Kairoer Arztes auf dem Sinai, der in seinem Wagen eine Kühlbox mit menschlichen Organen dabei hatte. Nach einem Bericht von CNN operieren die korrupten Mediziner und Organhändler auf der schwer kontrollierbaren Halbinsel angeblich sogar mit mobilen Kliniken.

Die Beduinenstämme wiederum sorgen dafür, dass genügend Opfer gekidnappt und herbeigeschafft werden – ein Geschäft, dass nach Angaben von Insidern ähnlich lukrativ ist wie der Waffenschmuggel. Zwischen 1.000 und 20.000 Dollar werden nach den Recherchen von CNN für eine Niere gezahlt.

Ägypten als Drehscheibe der Organ-Mafia

Eine umfangreiche Dokumentation der Europäischen Union vom September 2012 zeichnet sogar das Bild einer systematischen Organhandel-Industrie. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) funktioniert Ägypten als regionale Drehscheibe in dem teuflischen Geschäft. Und Amnesty International spricht von einer "Tragödie quer durch zahlreiche Staaten", die von der internationalen Gemeinschaft einfach ignoriert werde.

Von den 50.000 bis 60.000 afrikanischen Flüchtlingen, die es seit 2007 im Sinai illegal über die Grenze nach Israel geschafft haben sollen, haben nach Schätzungen der Organisation Ärzte für Menschenrechte (PHR) in Tel Aviv 5.000 bis 7.000 die beduinischen Folterkammern überlebt.

Aufgrund der Zeugenaussagen habe man eine detaillierte Karte angefertigt, mit den genauen Koordinaten der Folterzentren sowie Wohnorten und Namen der Menschenhändler. Die Dokumentation sei der ägyptischen Botschaft in Israel, aber auch dem Außenministerium in Washington und dem britischen Premierminister David Cameron übergeben worden. Trotzdem gebe es nach wie vor keinerlei Anzeichen dafür, dass gegen den ruchlosen Sklavenhandel auf dem Sinai irgendetwas unternommen werde.