Erst Göttingen und Regensburg, nun Leipzig: Wieder wurden Manipulationen bei Organspenden aufgedeckt. Für die Deutsche Stiftung Patientenschutz ist damit endgültig klar: Die Mängel liegen im System der Organvergabe. "Die Unregelmäßigkeiten im Organspendesystem sind keine Einzelfälle", sagte Vorstand Eugen Brysch. Je mehr Transplantationszentren die Prüfungs- und Überwachungskommissionen kontrollierten, desto mehr Manipulationen kämen ans Licht.

Nach dem kürzlich in Göttingen aufgedeckten Organspendeskandal sind nun auch am Transplantationszentrum in Leipzig Unregelmäßigkeiten bekannt geworden. Laut Uniklinik sollen zahlreiche Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben worden sein, um deren Chancen auf eine Spenderleber zu erhöhen. Der verantwortliche Direktor der Klinik sowie zwei Oberärzte wurden von ihren Aufgaben entbunden.

Der neue Fall hat nach aktuellem Ermittlungsstand nichts mit der Göttinger Affäre zu tun. "Konkrete Verbindungen sind derzeit nicht bekannt", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Birgit Seel. Möglicherweise sei allerdings in Leipzig nach ähnlichen Prinzipien wie in Göttingen vorgegangen worden.

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den früheren Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie noch nicht abgeschlossen. Ihm wird vorgeworfen, mit Unterstützung eines weiteren Arztes in 23 Fällen medizinische Daten so manipuliert zu haben, dass seine Patienten bevorzugt Spenderlebern erhielten. Auch an seiner früheren Arbeitsstelle in Regensburg soll der Transplantationsmediziner in ähnliche Machenschaften verwickelt gewesen sein.

Schwerpunktstaatsanwaltschaft gefordert

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht die Ursachen für die Skandale daher vor allem im System. Um alle Vorwürfe lückenlos aufzuklären, müsste eine bundesweit tätige Schwerpunktstaatsanwaltschaft gegründet werden, fordert Verbandsvorstand Brysch.

Darüber hinaus müsse der Gesetzgeber das Transplantationssystem verstaatlichen. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) solle eine unabhängige Kommission einsetzen, "der auch kritische Ärzte, Ethiker und Juristen angehören, die nicht am Transplantationssystem beteiligt sind und damit Geld verdienen", sagte Brysch.

Im Sommer vergangenen Jahres war ein Organspende-Skandal an der Uni-Klinik in Göttingen aufgedeckt worden. Dort sowie auch in Regensburg sollen durch die Manipulation von Krankenakten bestimmte Patienten bei der Organspende bevorzugt worden sein. Seit September prüfen deshalb unabhängige Kommissionen von Kassen, Krankenhäusern und Ärzteschaft die Lebertransplantationsprogramme an den deutschen Transplantationszentren.