OrganvergabeLeipziger Ärzte haben bei Transplantationen manipuliert

Auch in Leipzig haben Ärzte Patienten einen schlimmeren Krankheitszustand bescheinigt als diagnostiziert. So stiegen deren Chancen auf eine schnelle Organtransplantation.

Dialyse, Organspende

Ein Dialysegerät in einem Krankenhaus  |  © Angelika Warmuth/dpa

Nach Unregelmäßigkeiten bei Organspenden an mehreren deutschen Krankenhäusern sind auch am Universitätsklinikum Leipzig Manipulationen aufgedeckt worden. Als Konsequenz aus Falschangaben bei Kandidaten für Lebertransplantationen seien der Direktor des Transplantationszentrums sowie zwei Oberärzte mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden, teilte das Universitätsklinikum mit.

Bei Patienten, die auf eine Lebertransplantation warteten, seien falsche Angaben gemacht worden, um sie auf der Warteliste der Vergabestelle Eurotransplant nach oben zu schieben, sagte der medizinische Vorstand des Uni-Klinikums Leipzig, Wolfgang Fleig. Man habe die Patienten kranker gemacht, als sie wirklich seien.

Anzeige

Bei knapp 40 Patienten seien Dialyseverfahren an Eurotransplant gemeldet worden, die nie durchgeführt wurden. Werde ein Patient mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung wegen Beeinträchtigung der Nierenfunktion einer Dialyse unterzogen, gelte dies als zusätzlicher Hinweis auf die Dringlichkeit einer Lebertransplantation, sagte Fleig weiter. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien in den Jahren 2010 und 2011 für 54 Patienten Dialysen gemeldet worden. Bei 37 von ihnen habe es nie Dialysen gegeben. Für 2012 betraf das einen von zehn Patienten.

Uniklinik wird Sonderprüfung unterzogen

Herausgekommen sind die Unregelmäßigkeiten durch Untersuchungen der Prüfungs- und der Überwachungskommission der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des GKV-Spitzenverbandes. Die Unregelmäßigkeiten müssten nun bei ausführlichen Sonderprüfungen noch genauer untersucht werden, hieß es in einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden Kommissionen. Sie untersuchen seit September 2012 die Transplantationszentren in Deutschland auf Regelverstöße und Auffälligkeiten.

Am Uniklinikum Leipzig beschäftigt sich auch die Innenrevision mit dem Transplantationszentrum. Nach dem Bekanntwerden der Mängel sei die Innenrevision durch vier Fachärzte verstärkt worden, um die Aufklärung zu beschleunigen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. in ferner Zukunft selber ein Spenderorgan brauchen.

    Und es dann keines gibt für sie, weil die Bereitschaft zur Organspende aufgrund ihres unverantwortlichen Handelns auf Null gegangen ist.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • H.v.T.
    • 02. Januar 2013 7:43 Uhr

    Da hab ich keine Sorge, in einer globalisierten Welt besitzen die schon Möglichkeiten, findig genug sind diese Leute.

    Viel wichtiger als die Frage, ob und in welchem Ausmaß durch falsche Dokumentation Patienten eine höhere Chance auf ein Organ gesichert wurde ist meiner Meinung nach die Frage, ob und und in welchem Ausmaß die Mediziner individuelle Vorteile durch dieses Handeln genossen.

    Sollten die Ärzte keine solche Vorteile genossen haben, so sollten wir uns die Frage stellen, wem der Arzt mehr verpflichtet ist:
    Seinem "eigenem" Patienten, der ohne diese Manipulation, welche absolut zum Wohle des Patienten geschieht, eine deutlich verschlechterte Prognose hat
    ODER
    Einem System, dass den Mangel verwaltet, und offensichtlich anfällig für Manipulation und Korruption ist.

    Anstatt wie hier im Forum opportun den behandelnden Ärzten Krankheiten an den Hals zu wünschen, könnten wir uns auch einmal in die frustrane Lage versetzen, andauernd persönlich Menschen behandeln zu müssen, deren einzige Chance, eine rechtzeitige Organtransplantation zu bekommen auf legalem Wege äußerst gering ist. Die "Verbrecher" müssen nicht egoistisch gehandelt haben. Vielleicht handelten sie kurzsichtig, aber "in dubio pro reo".

    Mein Kommentar ist wie gesagt unter der Prämisse zu verstehen, dass keine persönlichen Vorteile aus der Manipulation der Patientendokumentation entstanden sind.

  2. Wenn sich herausstellen sollte, dass rechtmaessig auf Spenderorgane wartende Patienten anderswo gestorben sind, weil diese Ganoven die verfuegbaren Organe fuer ihre eigenen Patienten entwendet haben, dan sollte die Staatsanwaltschaft einen Prozess wegen Totschlags anstrengen, gegen die verantwortlichen Oberaerzte und vor allem gegen den diese ueberwachenden Chef.

    Der sofortige Entzug der Approbation sollte noch das Mindeste sein.

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "sollte die Staatsanwaltschaft einen Prozess wegen Totschlags anstrengen, gegen die verantwortlichen Oberaerzte und vor allem gegen den diese ueberwachenden Chef.

    Der sofortige Entzug der Approbation sollte noch das Mindeste sein."

    Da kennen Sie unsere Turbokapitalismus Welt schlecht. Diese Verbrecher werden wahrscheinlich ohne Strafe davonkommen, mit etwas Glück ein lächerlich niedriges Strafgeld im Vergleich zu ihren unverschämten Bezügen. 3 Monate später wird auf der Strasse wieder gegen die Arzt Hungerlöhne (6000 Euro aufwärts, oben offen) demonstriert und in der selben Zeit ein Dutzend Sekretärinen fristlos & ohne Abfindung "freigestellt", weil sie eine halbe Frikadelle gegessen haben. Alles schön ordentlich vom arbeitsgericht geregelt & genehmigt.

    Wir leben mittlerweile in einer Welt wo selbst Gewerkschaftsfunktionäre ganz offen sagen "Die Kleinen werden fristlos gekündigt, bei den hohen Etagen nach einer sozial verträglichen Lösung gesucht".

    Nur damit einige mal in der Realität ankommen.

  3. ein riesiges tabu-thema

    skandale wird es aber immer geben,aber man sollte einfach die strafen hochsetzen,sofortiges berufsverbot etcpp.

    vermutlich zählt der arzt aus dem skandal letztes jahr heute immer noch sein geld und wird bald in saudi arabien weiter kassieren.

    2 Leserempfehlungen
    • H.v.T.
    • 02. Januar 2013 7:40 Uhr

    der Prüfungs -und Überwachungskommission ist etwas installiert worden, was solch Ärztetypus in Zukunft Angst machen dürfte.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn ich mir als Spender nicht absolut sicher sein kann, dass Manipulationen ausgeschlossen sind, schmeiße ich meinen Spenderausweis weg und nehme im Ernstfall meine schönen Organe mit in die Kiste.

    So einfach ist das.

    Und das haben diese Halunken zu verantworten.

    • H.v.T.
    • 02. Januar 2013 7:43 Uhr

    Da hab ich keine Sorge, in einer globalisierten Welt besitzen die schon Möglichkeiten, findig genug sind diese Leute.

  4. Wenn ich mir als Spender nicht absolut sicher sein kann, dass Manipulationen ausgeschlossen sind, schmeiße ich meinen Spenderausweis weg und nehme im Ernstfall meine schönen Organe mit in die Kiste.

    So einfach ist das.

    Und das haben diese Halunken zu verantworten.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    schaden Sie aber hauptsächlich den Kranken.

    • lxththf
    • 02. Januar 2013 11:34 Uhr

    zu viele Fragen sind doch ungeklärt:
    - wie krank waren die Patienten denn wirklich, die ein Organ erhalten haben?
    - gab es eine Vorteilsnahme seitens der Ärzte?
    Darum ist es für mich nicht nachvollziehbar, denn es gibt sicher genügend Fälle, in denen Menschen krank sind und auf kurz oder lang ein Spenderorgan benötigen, es jedoch andere Fälle gibt. Man sollte ganz dringend abwarten, was genau die Motivation der Ärzte war, bevor man sie hier kriminalisiert und stigmatisiert und mit einem persönlichen Verzicht der Organspende ist zum einen niemanden geholfen und noch weniger dem System an sich geschadet, denn wenn weniger Organe zur Verfügung stehen, dann ist doch die logische Konseqzenz, dass der Kampf um diese erst recht mit "illegalen" Methoden geführt wird.
    Es ist nur ein Gedanke, aber stellen Sie sich vor, der Patient war vielleicht 10Jahre alt, hatte einen Unfall, oder etwas ähnliches und sie als Arzt kommen zu dem Schluss, dass das Kind eine Organtransplantation benötigt, weil es andernfalls perspektivisch betrachtet sehr negative Konsequenzen haben könnte ...
    Ich glaube nicht, dass es immer alles so leicht ist, wie wir uns das vorstellen, auch wenn in der Tat vielleicht jemand anderen die entsprechenden Organe fehlen.

  5. Da hat man doch nach dem Nichtstun der letzten Monate annehmen können, dass das Thema vom Tisch und vergessen ist. Da lassen sich doch wieder welche erwischen! Alles was getan wurde um das Nichtstun von Bundesgesundheitsministerium und Ärzteverbänden zu übertünchen war umsonst. Nicht ganz. Nach einer kurzen Frist wird das Thema wieder vergessen sein. Kein Journalist wird nachgehakt haben. Lohnt sich auch nicht, denn in ein paar Monaten haben wir den nächsten Fall. Meinen Spendeausweis habe ich leider in einem Wutanfall zerissen.

    6 Leserempfehlungen
  6. Ein Zustand der doch nicht neu ist.
    Seit langem wird schon getrickst.

    Wer bekommt dann die neuen Organe ?
    Sind es die, die selber nicht spenden wollen ?

    Ich weiß schon weshalb ich meine Organe mit ins Grab nehme.

    Keiner wird auf meinen Tod hoffen dürfen.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Werden es leute aus ihrer Umgebung wohl leider doch tun.

    Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Aufklärung | Bundesärztekammer | Krankenhaus | Organspende | Vorstand | Leipzig
Service