Virus-PandemieSars ist in Hongkong immer noch Thema

Weil Chinas Behörden schliefen, erkrankten vor zehn Jahren Tausende Menschen an Sars. Ein Lungenarzt schleppte das Virus nach Hongkong ein. von 

Reisende mit Atemschutzmasken am Flughafen Hongkong im März 2003

Reisende mit Atemschutzmasken am Flughafen Hongkong im März 2003  |  © Christian Keenan/Getty Images

Der Hongkonger Arzt Yue Zhong kann sich vor allem an zwei Dinge erinnern: Atemschutzmasken und einen beißenden Geruch. "Wohin man auch ging – es roch nach Essig", erzählt der heute 68-Jährige. Es kursierte das Gerücht, die Säure von Essig könnte die Übertragung des Sars-Virus stoppen. Das hat sich zwar als falsch erwiesen, so der Arzt. Aber immerhin habe das den Leuten Halt gegeben. Ansonsten fühlte man sich der Seuche völlig hilflos ausgeliefert, erinnert sich Yue. "Es waren furchtbare Wochen."

In diesen Tagen vor zehn Jahren war in der südchinesischen Hafen- und Finanzmetropole Hongkong die schwere Lungenkrankheit Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) ausgebrochen. Innerhalb kurzer Zeit hatten sich die bis dahin weitgehend unbekannten Viren wie ein Lauffeuer verbreitet: wahrscheinlich über die Provinz Guangdong nach Hongkong und von dort aus nach Taiwan, Singapur, Vietnam, Taiwan bis nach Toronto und in die ganze Welt. Die Symptome waren hohes Fieber und schwere Entzündungen der Lunge und der Atemwege.

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Das Virus war so ansteckend, dass vielerorts auch Krankenhauspersonal erkrankte. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekamen 8.422 Menschen in 29 Ländern Sars, 916 von ihnen starben, allein 300 in Hongkong. Es war die erste und bislang größte Pandemie des neuen Jahrtausends.

Deshalb waren Gesundheitsbehörden in aller Welt alarmiert, als im September vergangenen Jahres zwei Männer aus Saudi-Arabien und Katar von einem Coronavirus – dieselbe Virenkategorie, zu der auch Sars zählt – befallen wurden und starben. Zwölf Menschen sind bislang an dem neuen Coronavirus erkrankt, fünf von ihnen gestorben. Zu einer Epidemie ist es bislang nicht gekommen. Die Gesundheitsbehörden weltweit haben aus den Fehlern der Jahre 2002 und 2003 gelernt. Und davon gab es eine Reihe.

Sars

Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (Sars) ist eine besonders schwere und sehr ansteckende Infektionskrankheit, die erstmals Ende 2002 in der südchinesischen Provinz Guangdong aufgetreten ist. Zu den Symptomen gehört hohes Fieber, Husten, Halsschmerzen, Muskelschmerzen sowie die Entzündung beider Lungenflügel. Der Erreger ist anders als bei einer normalen Lungenentzündung nicht bakteriell, sondern ein Virus. Antibiotika fallen bei der Bekämpfung also aus. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und sieben Tagen.

Coronaviren

Das Virus gehört zur Familie der Coronaviren. Sie lösen rund ein Drittel aller Erkältungserkrankungen aus und werden durch Tröpfcheninfektion – also beim Niesen, Husten oder Sprechen – übertragen. Bis heute sind sich Mediziner nicht ganz einig, ob das Sars-Virus von wildlebenden Schleichkatzen stammt und mutiert auf den Menschen übergesprungen ist, oder von Fledermäusen übertragen wurde. Sowohl Katzen als auch Fledermäuse gelten in Südchina als Delikatessen. Überträger dieses Virus sind unter anderem auch Kakerlaken.

Bekämpfung

Unter anderem das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg identifizierte bereits kurz nach Ausbruch der Epidemie in Hongkong das Sars-Virus. Bei der Suche nach einem Medikament gelang es zudem einem Team um Rolf Hilgenfeld von der Universität Lübeck, das für die Fortpflanzung des Coronavirus zuständige Enzym nachzubauen. Diese Nachbildung ermöglichte den Forschern die Suche nach einem Hemmstoff, der die Aktivität des Enzyms und damit die Fortpflanzung des Virus blockiert. Ein wirksames Medikament gegen Sars ist jedoch bis heute nicht entwickelt.

Nach der Ausrottung beim Menschen ist das Virus auch in der Tierwelt nicht wieder gefunden worden. Experten gehen daher davon aus, dass Sars in der 2002 ausgebrochenen Form nicht mehr existiert. Da Viren aber ständig mutieren und sich auf dem Weg durch verschiedene Wirte auch an unterschiedliche Arten (Kakerlaken, Fledermäuse, Katzen, Menschen) anpassen können, kann ein anderes ähnlich riskantes Coronavirus jederzeit wieder auftreten.

Erstmals offiziell aufgetaucht war Sars damals im November 2002 bei einem 33-jährigen Koch in der südchinesischen Stadt Shenzhen vor den Toren Hongkongs. Die Ärzte hatten sein Leiden zunächst als Lungenentzündung abgetan. Während seines stationären Aufenthaltes steckte er acht Klinikmitarbeiter an, bei seiner Verlegung in ein Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Guangzhou weitere 13. Die chinesischen Behörden waren zwar erschrocken über die hohe Ansteckungsgefahr, schlugen aber weder Alarm noch informierten sie die WHO. Die Epidemie nahm ihren Lauf.

Ausgerechnet ein Lungenarzt verbreitete den Erreger

Erkrankt war unter anderem der 64-jährige Lungenspezialist Liu Jianlun. Obwohl sich bei ihm die Symptome bereits zeigten, wollte er im Februar 2003 unbedingt an einer Hochzeit in Hongkong teilnehmen. In dem Hotel, in dem er unterkam, steckte er innerhalb von 24 Stunden zwölf weitere Gäste an, darunter einen 26-jährigen Hongkonger, drei Singapurer, zwei Kanadier und einen US-Amerikaner. Sie trugen den Virus in ihre jeweilige Heimat.

Der 26-jährige Hongkonger wurde nach Ausbruch der Krankheit ins Prince of Wales Hospital eingeliefert, wo er Patienten, Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte ansteckte. Von dort wiederum trug ein 33-jähriger Patient das Virus in eine 33-stöckige Wohnanlage in einer Großsiedlung. Wahrscheinlich über die Toilette und das Abwassersystem konnte sich das Virus im ganzen Gebäude verbreiten. Mehr als 300 Bewohner infizierten sich auf diesem Wege, 42 starben. Die Behörden stellten daraufhin den gesamten Block unter Quarantäne und brachten die Bewohner in Kliniken. Nach Berechnungen der WHO waren mehr als 4.000 Sars-Erkrankungen auf den chinesischen Lungenarzt zurückzuführen, der Anfang März in Hongkong verstarb. Binnen weniger Tage hatte sich die Seuche zu einer Pandemie ausgeweitet.

Leserkommentare
    • deDude
    • 01. März 2013 15:55 Uhr

    ala "Tja, die Chinesen können mit sowas halt nicht umgehend" kommen, bitte dran denken, in Deutschland werden aus Kostengründen schonmal verunreinigte, bzw. "vergammelte" Impfdosen bestellt, wir sollten uns also nicht zuweit aus dem Fenster lehnen.

    Ich glaube wir haben Glück das wir bisher von sowas verschont geblieben sind.

    Eine Leserempfehlung
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    Hello Mr. DeDude, was bleibt übrig, wenn die Zigarette, Bart und Sonnenbrille weg ist?
    Ich bin persönlich ein differenzierter Impf-und Präventions -Befürworter.

  1. Entfernt. Bitte drücken Sie sich sachlich und verständlich aus. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Ups bei der Sarschance müssen 2 nullen weg. eine 1 entspräche ja einer Warscheinlichkeit von 100%.

  2. Ups bei der Sarschance müssen 2 nullen weg. eine 1 entspräche ja einer Warscheinlichkeit von 100%.

    Antwort auf "[...] "
  3. ...dass es nicht lange dauert, bis die SARS-Grippe-Aids-etc. -Verharmloser und -Relativierer auf den Plan treten, die nie überblicken, welches gefährliche Potential unter ungünstigen Umständen in einem mutierten Keim schlummern kann. Aber vielen von ihnen erscheinen ja auch Impfungen als Teufelswerk bzw. als großangelegte Menschenversuche dunkler, verschworener Mächte, nicht wahr?!

  4. Der Text beginnt: "Weil Chinas Behörden schliefen, starben vor zehn Jahren mehr als 8.400 Menschen an Sars."

    2 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Lieber Leser,
    da ist tatsächlich etwas schief gegangen und jemand muss beim Ändern des Teasers die im Text genannte Fallzahl für die Anzahl der Toten gehalten haben.

    Ich habe es geändert. Nun ist es wieder richtig, so wie es auch ursprünglich dort stand.

    Vielen Dank für den Hinweis und gute Nacht.

  5. Hello Mr. DeDude, was bleibt übrig, wenn die Zigarette, Bart und Sonnenbrille weg ist?
    Ich bin persönlich ein differenzierter Impf-und Präventions -Befürworter.

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

  7. "– auch im Ursprungsland China"

    Guter Witz. Hong Kong hat eine eigenständige Regierung und sämtliche Hong Konger grenzen sich mit Recht vom Mainland ab. Hong Kong und China gehören etwa so zusammen, wie Deutschland und Nordpolen. Ein Pekinger Parteitreuer kann sowas natürlich nicht akzeptieren, Herr Lee.

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