LebensmittelbetrugErste Spur von Pferdefleisch zu deutschem Hersteller

Ein Konservenproduzent in Brandenburg hat Pferde-DNA in Dosengulasch gefunden. Aus Frankreich wurden insgesamt 179.000 Pferdefleisch-Lasagnen nach Deutschland geliefert.

In einem Fertigprodukt eines deutschen Lebensmittelherstellers sind Spuren von Pferdefleisch gefunden worden. Die Firma Dreistern-Konserven aus dem brandenburgischen Neuruppin teilte mit, dass in "Rindergulasch 540g Omnimax" Pferde-DNA nachgewiesen worden sei. Die Waren seien bereits aus dem Sortiment der betroffenen Händler genommen worden.

"Es handelt sich bei dem Produkt um ein sicheres, in keiner Weise die Gesundheit der Verbraucher beeinträchtigendes Lebensmittel", beteuerte der brandenburgische Hersteller. Der Rückruf erfolge als reine Vorsichtsmaßnahme. Die nachgewiesenen Spuren von Pferde-DNA könnten "im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein".

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Zuvor hatte Aldi Süd mitgeteilt, Gulasch des Lieferanten Omnimax vorsorglich aus dem Verkauf zu nehmen. Das Produkt sei von dem Discounter nur in Nordrhein-Westfalen verkauft worden. Zudem nehme Aldi Süd "Ravioli, 800g Dose (Sorte Bolognese)" eines anderen Lieferanten aus den Regalen. Bei Analysen seien bei diesen beiden Produkten Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen worden.

179.000 Lasagne-Packungen

Bisher waren französische Produzenten im Zentrum des Pferdefleisch-Skandals gewesen. 179.000 Packungen einer Lasagne mit möglicherweise nicht deklariertem Pferdefleisch sind nach Angaben des Bundesverbraucherschutzministeriums nach Deutschland geliefert worden. Nach Angaben französischer Ermittler soll der Hersteller Comigel 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden.

Aus dem im Skandal ebenfalls verdächtigten Betrieb in Luxemburg wurden nach Informationen des Magazins Spiegel zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 sogar mindestens 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni nach Deutschland geliefert.

Grüne fordern schärfere Gesetze

Als Konsequenz aus dem Skandal fordern die Grünen verschärfte Regelungen für die Lebensmittelbranche. "Verarbeitetes Fleisch muss endlich gekennzeichnet werden und die Kennzeichnung muss die Aufzucht- und Mastbetriebe genau benennen", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der Passauer Neuen Presse.

Zudem müssten Unternehmen verpflichtet werden, auch reine Täuschungsfälle bei den Behörden zu melden, sagte die Grünen-Politikerin. Denn Fälle, in denen es keine Gesundheitsgefahr gebe, müssten von Unternehmen derzeit nicht gemeldet werden und Behörden dürften sie auch nicht veröffentlichen. Das dürfe so nicht bleiben: "Ross und Reiter müssen genannt werden, sobald Etikettenschwindel betrieben wird."

Leserkommentare
  1. http://de.wikipedia.org/w...

    Wie konnte das passieren, wo mittlerweile doch wohl alle beteiligten Unternehmen sich mit einer ISO-Zertifizierung schmücken dürfen?

    Dahinter steckt wohl leider nicht viel mehr als nutzlose Bürokratie.

    Der einst ehrbare Kaufmann gehört offensichtlich der Vergangenheit an.

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  2. Erst werden deutsche strenge Qualitätskontrollen durch laxe Eu-Regelungen ersetzt und dann wundert man sich, wie kriminelle Machenschaften möglich geworden sind ?

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  3. Niemand hat sich diese Lasagne oder dieses Dosengulasch wegen des hochqualitativen Rindfleischs gekauft. Konsumiert wurde das billigste Produkt mit dem billigstem Fleisch. Aus einer Haltungs-/Schlachtungskette, bei der man kaum hinschauen kann, ohne dass man die Lasagne direkt wieder ausspucken muss.

    Und was wurde gefunden? Spuren von Fleisch anderer nicht als Mitgeschöpf behandelter Kreaturen. Kein Cadmium, kein Blei, sondern Fleisch. Fleisch, das der überwiegende Teil der Käufer dieses Billigfutters bestimmt nicht einmal von Rindfleisch unterscheiden kann.

    Dieser Skandal ist völlig absurd.

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    "Das, was da für 1,50 Euro auch in besseren Supermarktketten wie Kaiser’s verkauft wurde, wird in Wahrheit von vielen teuer bezahlt. Profitabel ist das System nur für ganz wenige. Der Weg, den die Pferdeteile bis zum Endverarbeiter in Luxemburg genommen haben, zeigt zunächst einmal den gigantischen Energie- und Treibstoffverbrauch, der mit Kühlung und Transport von Fleisch allgemein quer durch Europa verbunden ist.
    Profitabel ist all das für Händler und Verarbeiter nur deshalb, weil sie noch immer nur einen kleinen Teil der wahren Kosten der Energiegewinnung bezahlen müssen – und weil Arbeiterinnen und Arbeiter in Schlachthöfen und Verarbeitungsfabriken zu Dumpinglöhnen ausgebeutet werden. Das Gros des verarbeiteten Fleisches stammt wiederum von in riesigen Anlagen in Rekordzeit gemästeten Schweinen, Rindern, Hühnern. Die Lasten dieser Massenproduktion tragen die von den Großschlachthöfen abhängigen Lohnmäster, Millionen Menschen, die durch den massenhaften Anbau von Futtersoja für Europa ihr Land verlieren, die Armen der Welt, die wegen explodierender Getreidepreise hungern, die Umwelt und die Tiere selbst.

    Der Verbraucher wiederum wird betrogen, wo immer es geht. Durch falsche oder fehlende Deklarierung des Inhalts, durch Mauscheleien mit Überlagertem, durch Beimischung zahlloser Zusatzstoffe, die das Produkt in puncto Haltbarkeit, Aussehen und Geschmack dopen."

    http://www.jungewelt.de/2...

    Und nebenbei: Die Lasagne bei Edeka ist nicht das billigste Produkt.

    Auch wenn Sie sich am Klischee orientieren und es allzugerne Bedienen. Das greift hier nicht so richtig.

    Des Weiteren handelt es sich (zumindest in Teilen) um Pferdefleisch, dass nicht für den Verzehr zugelassen ist.
    Skandal ist hier genau der richtige Begriff.

  4. Das Problem dieses neuen Lebensmittel "Skandals" in Europa ist eigentlich nicht das Pferdefleisch , das wird in vielen Ländern in guter Qualität angeboten und verzehrt.

    Es ist die Art und Weise , wie Lebensmittel , sofern sie nicht direkt vor unserer Nase entstehen und verarbeitet werden , zu einem internationalem Handelsartikel degenerieren , oft mit halb-kriminellem Hintergrund .
    Kräftig unterstützt von der Freihandelsphilosophie der EU und ihrer Verfechter und Lobbyisten.

    Der Preis wird dann immer als "Totschlagargument" angeführt , um jede ernsthafte Diskussion mit Wissenschaft , Ökonomie und Verbraucherschutz zu ersticken.

    Was wir brauchen , sind konsequente regionale Versorgungskonzepte , die zudem den sinnlosen Verkehr und eine mehr als fragwürdige Kühlkette vermeiden .
    Und die zudem einer biologischen Landwirtschaft und einem unabhängigen Einzelhandel- vor Ort wieder eine Lebensperspektive geben.

    Und das können wir nur als Verbraucher durchdrücken , erheben wir uns in Massen dagegen - und vor allem hören wir auf ( besonders in Deutschland) , nur billig zu essen , ohne auf die Folgekosten zu achten.

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  5. Der bewusste Konsument ist heute genauso selten geworden wie der ehrbare Kaufmann. Als Kinder lernten wir KONSUM buchstabieren: Kauft ohne Nachzudenken schnell unseren Mist! Da haben die Leute noch aufgepasst, was sie sich in die Küche holten. Wir sollten alle Supermärkte und Discounter vielleicht für ein paar Wochen boykottieren, dafür deutlich weniger Fleisch essen - aber vor allem: SELBER KOCHEN statt Fastfood-Schrott einkaufen. Die gesunde Selbstversorgung wird immer mehr zur reinen Notwehr. Denn Bürokraten schaffen nur immer neue Labels und Paragrafen. Aber was fehlt, sind echte Kontrolleure. Denn die müsste man ja bezahlen. Leider wird auch dieser Skandal fast folgenlos verpuffen. Und dann kommt das nächste Ekelpaket, wetten?

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  6. war frueher teures und hochwertiges Fleisch, dass sich noch lange nicht jeder leisten konnte. Bis dato galt es als Delikatesse und war schwer zu bekommen und sehr teuer. Da es nicht gesundheitsschaedlich ist, ist doch so nur die Verletzung der Kennzeichnungspflicht zu bemaengeln. Somit ist es doch die ganze Aufregung nicht wert. Essen wir doch sowieso schon so viele viel schlimmer verunreinigte und und gesundheitsschaedigend Nahrung. Die Nahrungsmittelindustrie schert das wenig, hauptsache die Kasse stimmt.Der Verbraucher kann sich gegen die verbrecherischen Machenschaften mit ihrer starken Lobby eh nicht schuetzen und wird auch vom Gesetzgeber nur recht unzureichend unterstuetzt.Alles ein alter Hut.

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    • spacko
    • 16. Februar 2013 14:34 Uhr

    Hmmm. Also wann Pferdefleisch wo früher eine teure Delikatesse war, das müssten Sie noch erklären.
    Ansonsten haben Sie meine völlige Zustimmung, der "Skandal" ist allenfalls ein Skandälchen. Wenn mal in einem Kuchen Hasel- statt Erdnüsse auftauchen, gibt's bestimmt nicht so ein Getöse.
    Am besten auch den Spruch "kann Spuren von Pferdefleich enthalten" auf die Dose drucken - fertig, aus.
    Wer das nicht will, der muss halt Geld ausgeben.

    • spacko
    • 16. Februar 2013 14:34 Uhr

    Hmmm. Also wann Pferdefleisch wo früher eine teure Delikatesse war, das müssten Sie noch erklären.
    Ansonsten haben Sie meine völlige Zustimmung, der "Skandal" ist allenfalls ein Skandälchen. Wenn mal in einem Kuchen Hasel- statt Erdnüsse auftauchen, gibt's bestimmt nicht so ein Getöse.
    Am besten auch den Spruch "kann Spuren von Pferdefleich enthalten" auf die Dose drucken - fertig, aus.
    Wer das nicht will, der muss halt Geld ausgeben.

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    Antwort auf "Pferdefleisch...."
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    • Zigarre
    • 16. Februar 2013 17:35 Uhr

    Statt Haselnüssen versehentlich Erdnüsse in den Kuchen zu tun, soll kein Problem sein? Da will ich aber Ihr Gesicht sehen, wenn der erstbeste Allergiker nach einem Happen vor Ihren Augen umkippt und erstickt.

    Die Sache ist natürlich ein Skandal, da gibt's nichts dran zu rütteln. Und "Die Leute sollen sich mal nicht so haben, Pferdefleisch ist anderswo eine Delikatesse" geht an der Debatte völlig vorbei, der springende Punkt ist die fehlerhafte Etikettierung (und meinetwegen noch die Verwertung nicht für die Schlachtung vorgesehener Tiere).

    Ebenso wenig hilft uns der Verweis auf den Preis. Oder möchte tatsächlich jemand dem Verbraucher das Recht absprechen, korrekt etikettierte Produkte erwerben zu können, nur, weil diese billiger sind? Es muss ohnehin alles in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, also schenken wir uns die Diskussion an diesem Punkt. Fleisch mit draufgeklebter Marke ist ohnehin nicht zwingend besser, und dem Bauer traue ich auch nicht blind, bloß weil er zufällig hier in der Nähe wohnt. Für ausgiebige Stallinspektionen fehlt mir leider die Zeit.

    Ich sehe hier auch (noch) keinen konkreten Fehler der EU. Lebensmittelskandale hat es immer gegeben und wird es auch weiterhin geben, solange Kriminelle damit genug Geld machen können. Schenken Sie sich doch die verblümte "Das hätts damals nicht gegeben" Romantik! Wir werden abwarten müssen, bis genaue Informationen zu den Kontrollvorgängen vorliegen, bevor wir uns auf diesen Sündenbock festlegen.

    Ich würde noch weiter gehen: die Packungen sollten den Aufdruck "kann Fleisch von irgendeinem Tier aus irgendeiner Weltregion enthalten" tragen. Denn sollte gerade billig Känguruh- oder Kamelfleisch auf dem Markt verfügbar sein, können Sie jede Wette eingehen, dass das bei uns in die Wurst kommt. Ich empfehlen unseren verpennten Behörden hiermit, die aktuelle Pferde-DNA-Fahndung im Fertiggericht gleich mal auf andere Spezies auszuweiten und hoffe inständig, dass wenistens keine Nagetiere dabei sind.

  7. "Das, was da für 1,50 Euro auch in besseren Supermarktketten wie Kaiser’s verkauft wurde, wird in Wahrheit von vielen teuer bezahlt. Profitabel ist das System nur für ganz wenige. Der Weg, den die Pferdeteile bis zum Endverarbeiter in Luxemburg genommen haben, zeigt zunächst einmal den gigantischen Energie- und Treibstoffverbrauch, der mit Kühlung und Transport von Fleisch allgemein quer durch Europa verbunden ist.
    Profitabel ist all das für Händler und Verarbeiter nur deshalb, weil sie noch immer nur einen kleinen Teil der wahren Kosten der Energiegewinnung bezahlen müssen – und weil Arbeiterinnen und Arbeiter in Schlachthöfen und Verarbeitungsfabriken zu Dumpinglöhnen ausgebeutet werden. Das Gros des verarbeiteten Fleisches stammt wiederum von in riesigen Anlagen in Rekordzeit gemästeten Schweinen, Rindern, Hühnern. Die Lasten dieser Massenproduktion tragen die von den Großschlachthöfen abhängigen Lohnmäster, Millionen Menschen, die durch den massenhaften Anbau von Futtersoja für Europa ihr Land verlieren, die Armen der Welt, die wegen explodierender Getreidepreise hungern, die Umwelt und die Tiere selbst.

    Der Verbraucher wiederum wird betrogen, wo immer es geht. Durch falsche oder fehlende Deklarierung des Inhalts, durch Mauscheleien mit Überlagertem, durch Beimischung zahlloser Zusatzstoffe, die das Produkt in puncto Haltbarkeit, Aussehen und Geschmack dopen."

    http://www.jungewelt.de/2...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, rav
  • Schlagworte Grüne | Renate Künast | Asthma | Discounter | Skandal | Frankreich
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