Frankreichs Regierung hat die Firma Spanghero in Südwestfrankreich als einen Schuldigen des Verbraucherbetrugs ausgemacht: Das Unternehmen habe gewusst, dass es Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, sagte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon. Spanghero habe sich eines "Wirtschaftsbetruges" schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums entzog die zuständige Behörde der Firma mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung. Nach weiteren Untersuchungen werde entschieden, ob die Betriebserlaubnis endgültig versagt bleibt. Spanghero hatte Fleisch aus Rumänien bezogen und die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte verkauft.

Pferdefleisch-Lasagne auch bei Edeka

Nach der Supermarktkette Real haben Tester auch bei Edeka mit Pferdefleisch verunreinigte Lasagne entdeckt. In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte ein Sprecher.

Aus dem Etikett der Produkte ging hervor, dass sie Rindfleisch enthalten, was einer unzulässigen Verbrauchertäuschung entspricht. Von Nordrhein-Westfalen aus sollen laut sächsischem Verbraucherschutzministerium Zentrallager der Supermarktkette in Sachsen mit den Lasagne-Produkten beliefert worden sein. Auch in Berliner Supermärkte sei "sehr wahrscheinlich" solche Lasagne gelangt, sagte Verbraucherschutzsenator Thomas Heilman. Die Berliner Handelsunternehmen hätten sie nach einem Hinweis des Herstellers zurückgezogen. Untersuchungen liefen noch.

Auch die Supermarktkette Rewe stoppte den Verkauf bestimmter Fertigprodukte, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie Pferdefleisch enthalten. Dabei handle es sich um "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip, sagte ein Rewe-Sprecher. Zwar gebe es bisher keinen Nachweis von Pferdefleisch, Tulip könne jedoch nicht ausschließen, dass die beiden Produkte Pferdefleisch enthalten.

Der Genuss von korrekt produziertem Pferdefleisch ist kein Gesundheitsrisiko. In Frankreich jedoch ist mit einem Medikament belastetes Fleisch von sechs Pferden womöglich auf Teller von Verbrauchern gelangt. Diese Vermutung legen Tests der britischen Lebensmittelbehörde nahe, über die Ernährungsstaatssekretär David Heath nach Angaben der BBC das britische Parlament informierte.

Nach Frankreich geliefert

Bei ihren Kontrollen von 206 Pferden stießen die Prüfer auf den Wirkstoff Phenylbutazon, den Veterinäre auch bei Tieren zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen einsetzen. Da das Mittel beim Menschen schon in geringer Dosierung Nebenwirkungen wie etwa Kopfschmerzen und Blutungen im Magen-Darm-Trakt auslösen kann, darf es innerhalb der Europäischen Union nicht an Pferde verabreicht werden, die für die Fleischproduktion vorgesehen sind.

Händler hätten das Fleisch von Großbritannien nach Frankreich geliefert, sagte Heath. Frankreich machte das Fleisch nach Angaben des Landwirtschaftsministerium ausfindig. Es werde "vernichtet" werden, sagte Ressortchef Stéphane Le Foll.

Tiefkühl-Lasagne ausgelistet

Die Fleischlieferung hat nach Angaben Heaths nichts mit den vom britischen Markt genommenen Tiefkühl-Lasagnen der Marke Findus zu tun. Der Fund von Pferdefleisch in diesen Produkten hatte die europaweiten Kontrollen ausgelöst.

Europaweit testen Fachleute Fleischprodukte bei Herstellern und Händlern. Unternehmen begannen, Waren vorsorglich aus dem Handel zu nehmen und zu vernichten. In Baden- Württemberg listeten Händler eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne der Firma Eismann aus. Real hatte am Mittwoch eine Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren