Pferdefleisch-Betrug : Frankreich beschuldigt Großhändler "Spanghero"

Frankreich will einen Verursacher des Betruges ausgemacht haben. Weitere Supermärkte nehmen Produkte, die fälschlicherweise Pferdefleisch enthalten, aus den Regalen.
Lebensmitteltest an Rinderlasagne © Pascal Lauener/Reuters

Frankreichs Regierung hat die Firma Spanghero in Südwestfrankreich als einen Schuldigen des Verbraucherbetrugs ausgemacht: Das Unternehmen habe gewusst, dass es Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, sagte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon. Spanghero habe sich eines "Wirtschaftsbetruges" schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums entzog die zuständige Behörde der Firma mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung. Nach weiteren Untersuchungen werde entschieden, ob die Betriebserlaubnis endgültig versagt bleibt. Spanghero hatte Fleisch aus Rumänien bezogen und die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte verkauft.

Pferdefleisch-Lasagne auch bei Edeka

Nach der Supermarktkette Real haben Tester auch bei Edeka mit Pferdefleisch verunreinigte Lasagne entdeckt. In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte ein Sprecher.

Aus dem Etikett der Produkte ging hervor, dass sie Rindfleisch enthalten, was einer unzulässigen Verbrauchertäuschung entspricht. Von Nordrhein-Westfalen aus sollen laut sächsischem Verbraucherschutzministerium Zentrallager der Supermarktkette in Sachsen mit den Lasagne-Produkten beliefert worden sein. Auch in Berliner Supermärkte sei "sehr wahrscheinlich" solche Lasagne gelangt, sagte Verbraucherschutzsenator Thomas Heilman. Die Berliner Handelsunternehmen hätten sie nach einem Hinweis des Herstellers zurückgezogen. Untersuchungen liefen noch.

Auch die Supermarktkette Rewe stoppte den Verkauf bestimmter Fertigprodukte, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie Pferdefleisch enthalten. Dabei handle es sich um "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip, sagte ein Rewe-Sprecher. Zwar gebe es bisher keinen Nachweis von Pferdefleisch, Tulip könne jedoch nicht ausschließen, dass die beiden Produkte Pferdefleisch enthalten.

Der Genuss von korrekt produziertem Pferdefleisch ist kein Gesundheitsrisiko. In Frankreich jedoch ist mit einem Medikament belastetes Fleisch von sechs Pferden womöglich auf Teller von Verbrauchern gelangt. Diese Vermutung legen Tests der britischen Lebensmittelbehörde nahe, über die Ernährungsstaatssekretär David Heath nach Angaben der BBC das britische Parlament informierte.

Nach Frankreich geliefert

Bei ihren Kontrollen von 206 Pferden stießen die Prüfer auf den Wirkstoff Phenylbutazon, den Veterinäre auch bei Tieren zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen einsetzen. Da das Mittel beim Menschen schon in geringer Dosierung Nebenwirkungen wie etwa Kopfschmerzen und Blutungen im Magen-Darm-Trakt auslösen kann, darf es innerhalb der Europäischen Union nicht an Pferde verabreicht werden, die für die Fleischproduktion vorgesehen sind.

Händler hätten das Fleisch von Großbritannien nach Frankreich geliefert, sagte Heath. Frankreich machte das Fleisch nach Angaben des Landwirtschaftsministerium ausfindig. Es werde "vernichtet" werden, sagte Ressortchef Stéphane Le Foll.

Tiefkühl-Lasagne ausgelistet

Die Fleischlieferung hat nach Angaben Heaths nichts mit den vom britischen Markt genommenen Tiefkühl-Lasagnen der Marke Findus zu tun. Der Fund von Pferdefleisch in diesen Produkten hatte die europaweiten Kontrollen ausgelöst.

Europaweit testen Fachleute Fleischprodukte bei Herstellern und Händlern. Unternehmen begannen, Waren vorsorglich aus dem Handel zu nehmen und zu vernichten. In Baden- Württemberg listeten Händler eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne der Firma Eismann aus. Real hatte am Mittwoch eine Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren

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Kommentare

146 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

nein, so ist es nicht. ganz und gar nicht.

Das sieht "ibsche" leider völlig falsch.

Der Verbraucher ist weder für die Skandale der Lebensmittelindustrie verantwortlich, noch hat er durch preisbewusstes Einkaufen selber Schuld an minderer Qualität.

Das ist eine typische Argumentation der Industrie, um höhere Preise verlangen zu können. In Wahrheit sind die billigen und die teuren Produkte qualitativ in der Regel gleich gut, oder wie Sie sagen würden: gleich schlecht.

Was Sie bei Nahrungsmitteln beurteilen können ist die Frische oder der Geschmack. Wirklich gesundheitsschädliche Medikamente, Bakterien, Schwermetalle oder Chemie sind beim Verzehr doch gar nicht festzustellen.

Im Übrigen ist es gut, dass der Markt auch hier die Preise regelt. Es ist doch naiv zu glauben, dass die Industrie bei höheren festgesetzten Preisen in humanere oder weniger umweltbelastende Techniken investieren würde.
Aus diesem Grund würde ich auch keine Bioprodukte kaufen. Mal davon abgesehen, dass wir einen 3.Planeten benötigen würden, wenn jedes Huhn 1x1m Platz zur Verfügung hätte, ist es doch unglaublich dumm zu glauben, dass importierte Bioprodukte aus Hinterbetrugistan wirklich die Biokriterien erfüllen.

Letztlich ist es Aufgabe des Staates mit entsprechenden Gesetzen die vernünftige Erzeugung und die Qualität sicherzustellen.

Versteckte Unverschämtheit

Schön, wenn man es sich leisten kann, beim "Metzger umd die Ecke" angeblich hochwertiges Fleisch aus ökologischer Produktion aus der Region kaufen zu können.
Aber Sie scheinen es noch nicht mitbekommen zu haben, dass nicht nur die Hartz4-er billig einkaufen MÜSSEN!!!
Es sind Millionen Niedrigverdiener, Arbeitslose, Rentner, die mit dem Cent rechnen müssen. Das ist Öko-Rind für 40 Euro das Kilo nun mal nicht drin.
Fehlt nur noch der Vorschlag, stattdessen dann eben vegetarisch zu essen. Gras von der Wiese ist sogar umsonst.
Dass so ein Beitrag zu einer Redaktionsempfehlung kommt, ist mehr als bedauerlich.

@ ibsche

Ah ja, den der im Discounter einkaufen muss, auch weil die Gut verdienende Fraktion in der Politik die Preise durch Abgaben zugunsten ihrer vermögenden Klientel dauernd erhöht, Strom Verkehr und gesundes und wirklich schmackhaftes Essen, darf man gerne betrügen oder auch vergiften.

Aber wehe man erklärt demjenigen nicht, der im Discounter nicht einkaufen muss, tausendmal und bis in Komma Versicherungsverträge, Nebenkostenabrechnungen und Geschäftsbedingungen. Wehe man verwehrt ihm das Recht, pauschal mal die letzte Rate eines Bauvertrages einfach nicht zu bezahlen.

Wehe man geht auf seinen Sport "Mietminderung" nicht ein, untersucht nicht, ob Schnupfen im Urlaub ein Reisemangel ist und natürlich hat er das Recht, wenn er putzen lässt, um den letzten Cent zu feilschen.

Da haben Sie ohne Zweifel Recht

Auch das Bild vom unmündigen Verbraucher finde ich nicht richtig und der Verbraucher kann seinen Kopf anstrengen.

Dennoch, in Fällen wie diesen liegt die Verantwortung der Unternehmen für ihr kriminelles Handeln allein bei den Verbrauchern.

Der Betrüger kann sich auch nicht damit rausreden, dass die über den Tisch gezogene Oma, ja hätte ein bischen überlegen können, bevor sie ihr Sparbuch zückt. Das würden Sie auch nicht akzeptieren, oder?

Das rechtfertigt keine Straftaten!

"Doch, will er. Kein Mensch mit Verstand kauft "Gut und Günstig Tiefkühllasagne."

Das ist ein ziemlich krasser Kommentar von oben herab und mein Essen ist Tiefkühlzeugs nicht. Ich habe nicht einmal eine Mikrowelle. Das ist dennoch eine Meinung des persönlichen Geschmacks, aber Menschen die es entgegen Ihrer Auffassung kaufen, den Verstand abzusprechen, halte ich für etwas überheblich.

Aber wenn schon jemand so etwas kauft, hat er trotzdem das Recht, das drin ist, was draufsteht und das kein vergammeltes Fleisch drin ist.

Warum soll der Verbraucher schuld sein an kriminellem Verhalten der Unternehmen.

Kann es sein,

dass wir uns missverstehen?
Der von mir kritisierte Forist beginnt seinen Beitrag mit "Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie hat es der Billig-Verbraucher nicht besser verdient." Wenn Sie meinen Beitrag wirklich gelesen haben, hätten Sie doch merken müssen, dass sich darauf (!) meine Replik bezog.
Es ging in beiden Beiträgen nicht um die Behandlung von Tieren, Schlachttieren im besonderen. Das haben Sie hier zum Thema ihrer Kritik gemacht. Die aber nunmal keinen Bezug auf meine Meinung enthält.

Die Videos hab ich mir angeschaut. Kann es sein, dass Sie noch relativ jung sind? In meinem Alter kenn ich diese Verhältnisse zur Genüge. Worin ich ihnen aber gern rechtgebe, dass diese nach wie vor zum Erschrecken, also "schrecklich" sind. Aber das ist ein anderes Thema.
Es bleibt für mich dabei, für den Skandal sind nicht die "Billigkäufer" verantwortlich, weil davon eben viele nicht anders können. Es sind die Produzenten, die aus Raffgier diese Produkte auf den Markt bringen.
Wie lautet doch das Credo unserer "markwirtschaftlichen Demokratie" :immer mehr!!!, Umsatz, Gewinn, Export.
Das kommt dann dabei raus.

Die Reaktion war wohl etwas heftig,

denn umsonst rudern Sie hier wohl nicht zurück.
"Also so kann man einem die Worte im Munde verdrehen. Mein Beitrag war nun wirklich nicht gegen die "Unterschichtler" gerichtet, ganz im Gegenteil."
Soso, das kann man ihrem Beitrag Nr. 1 aber höchstens mit viel Fantasie entnehmen. Ich habe eher den Eindruck, Sie verdrehen ihre Worte hier selber.

Aber schön, dass Sie sie nicht in dieser unüberlegten Brutalität ihres ersten Beitrages stehen lassen. Zum Inhalt noch eine Anmerkung: ich glaube nicht, dass die von ihnen in 107 geschilderte Klientel zum Käuferkreis dieser Billigware gehört. Natürlich gibt es auch da Geizkragen, denen Geld wichtiger ist als die eigene Gesundheit. Aber die sind sicher nicht die Zielgruppe der kriminellen Fleischpanscher.

Intolio, Sie schreiben:

"Ich schätze es müssen erst noch geraspelte Mäuse, gekochte Hamster, fritierte Eidechsen oder überzählige Schosshündchen im Gammelfleisch auftauchen, bevor die Geiz ist Geil Mentalität beim Lebensmittel aufhört."

Wir wissen doch nicht einmal, ob wir die von Ihnen aufgeführten Bestandteile nebst eventuellen Regenwürmern in Lebensmitteln finden würden, wenn wir danach suchen würden.

Man findet ja nur das, wonach man sucht.

Erschreckend sind auch die langen Transportwege des Billigproduktes: Von Rumänien nach England, dann über Holland nach Frankreich. Unglaublich !