LebensmittelEuropa sucht die Pferdefleisch-Betrüger

Wie viel Pferdefleisch wurde als Rindfleisch verkauft? Die Verantwortung für den Betrug wird hin und her geschoben. Experten kritisieren unübersichtliche Warenströme. von Matthias Thibaut

Der Skandal um Pferdefleisch, das als Rindfleisch deklariert in die Lebensmittelkette geschmuggelt wurde, ist am Montag zu einer europaweiten Affäre geworden. Die Luxemburger Fabrik, die möglicherweise unwissentlich ein Umschlagplatz für das Billigfleisch war, lieferte nach Angaben des britischen Umweltministers Owen Paterson in 16 europäische Länder aus.

Der Minister, der das Londoner Unterhaus unterrichtete, sprach von einer "weitreichenden kriminellen Verschwörung" und forderte das europäische Betrugsamt Olaf zu Ermittlungen auf. "Jemand hat da etwas orchestriert", sagte Paterson. Er hoffe, dass eine Flut von Prozessen die Kriminellen "heraustreibe."

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Die europäische Polizeibehörde Europol und britische Beamte befassen sich bereits mit dem Skandal. Tests der britischen Lebensmittelbehörde FSA hatten ergeben, dass eine von dem Tiefkühlkonzern Findus vertriebene Fertig-Lasagne statt des auf der Packung versprochenen "100 Prozent Rindfleisch" zu 100 Prozent Pferdefleisch enthielt. Findus zog alle Lasagne-Packungen zurück, auch andere Rindfleischgerichte wurden in Supermärkten in Schweden und Frankreich aus den Regalen entfernt.

Nach Deutschland hat der britische Tiefkühlproduzent nach eigenen Angaben keine Burger oder Lasagne geliefert. "Deutsche Verbraucher haben keine Findus-Produkte aus Pferdefleisch gegessen", sagte Unternehmenssprecher Henrik Nyberg dem Tagesspiegel.

Europaweite Lieferkette

Nun zeigt die Jagd nach den Schuldigen wieder einmal, wie komplex und vernetzt die Lebensmittelkette ist. Die Findus-Produkte wurden von dem französischen Hersteller Comigel geliefert. Comigel wiederum bezieht das Fleisch von einem französischen Unternehmen Spanghero, eine Tochter der Gruppe Poujol, und wird von rumänischen Schlachthöfen beliefert.

Als britische Regierungskreise zwei rumänische Schlachthöfe als Quelle des Pferdefleischs identifizierten, warnte Rumäniens Präsident Traian Basescu vor einem "bleibenden Imageschaden" für sein Land. Aber in Rumänien schiebt man die Schuld auf "Komplizen" in Frankreich. Ministerpräsident Victor Ponta sagte laut der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax, es fehle gerade noch, "dass unsere Produzenten an den Pranger gestellt werden, weil jemand in Frankreich die Daten über die Herkunft verändert hat".

Rumänien produziert laut der Zeitung Daily Mail jährlich rund 14.000 Tonnen Pferdefleisch, hauptsächlich für den Export. Ein Verbot von Pferdefuhrwerken auf Rumäniens Straßen ließ diese Zahl noch in die Höhe schnellen. Pferdefleisch kostet nur ein Sechstel des unter strengen Kontrollen produzierten Rindfleischs.

Leserkommentare
  1. Skandal!!!

    Rindfleisch im rheinischen Sauerbraten gefunden...

    Gehts eigentlich noch? Was muß eigentlich noch alles herhalten um mal wieder 'nen völlig bescheuerten Medienhype anzufachen?

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    Ich kann mich Ihnen nur anschließen. Wenn keine Gesundheitsgefahr besteht, worin besteht eigentlich der Skandal bzw. das Problem? Natürlich ist es nicht Rechtens, wenn Zutaten falsch deklariert werde. Warum man darum einen solchen Wirbel macht, kann ich allerdings nicht verstehen.

    1.) Auch wenn ich persönlich keinen moralischen Unterschied zwischen dem Verzehr von Schwein, Rind, Pferd oder Hund sehe, sollte jeder selber entscheiden dürfen. Wer aus welchem Grund auch immer kein Schwein, Pferd oder Hund essen will, dem soll man es nicht als Rind unterjubeln.

    2.) In der Pferdehaltung werden Medikamente eingesetzt (z.B. phenylbutazone), die in "Nahrungstieren" nicht erlaubt sind. Das Risiko bei Rückständen im Fleisch ist wahrscheinlich klein, aber wiederum, jeder sollte selber entscheiden dürfen.

  2. Ich antworte einfach mal mit Hagen Rether...
    http://www.youtube.com/wa...

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    • intolia
    • 12. Februar 2013 11:37 Uhr

    Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen, der Rether bringt es auf den Punkt. Möchte allerdings nicht wissen wieviele aus dem Publikum sich gleich am nächsten Tag die nächste Ladung Gammelfleisch gegeben haben - wie eine Sonderveranstaltung für den Vegetarierbund sah das nämlich nicht aus ...
    Genau hier liegt das Problem - sie lernen nichts daraus - und genauso lange wird es solche Skandale geben ...

  3. Ich kann mich Ihnen nur anschließen. Wenn keine Gesundheitsgefahr besteht, worin besteht eigentlich der Skandal bzw. das Problem? Natürlich ist es nicht Rechtens, wenn Zutaten falsch deklariert werde. Warum man darum einen solchen Wirbel macht, kann ich allerdings nicht verstehen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Skandal?"
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    „worin besteht eigentlich der Skandal bzw. das Problem?“

    Den Grund hätte man beim Lesen des Artikels in der letzten Zeile sehen können:
    „Pferdefleisch kostet nur ein Sechstel des unter strengen Kontrollen produzierten Rindfleischs.“

    Aus Kostengründen hat man auch den Analogkäse und den falschen Schinken erfunden, künstliche Aromen und Geschmacksverstärker. Und hin und wieder etwas Gammelfleisch. Es geht für die Hersteller nur darum, einen Cent oder fünf billiger einzukaufen. Mit guter Nahrung hat das Ganze allerdings nichts zu tun, es ist eher zum Kotzen.

    • Moringa
    • 12. Februar 2013 13:11 Uhr

    weil ich selbst entscheiden möchte, was ich esse! Würden Sie sich auch die Bioratte unterjubeln lassen?

    Aus Profitgründen wird überall getrickst und geschoben. Im Lebensmittelbereich ist das besonders eklig. Und hier muss hart durchgegriffen werden. Was sagt eigentlich unsere werte Verbraucherministerin Ilse?

  4. und ihren entsetzlichen Verbrechen an wehrlosen, weil sprachlosen Tieren!
    http://www.berliner-zeitu...

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    • intolia
    • 12. Februar 2013 11:37 Uhr

    Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen, der Rether bringt es auf den Punkt. Möchte allerdings nicht wissen wieviele aus dem Publikum sich gleich am nächsten Tag die nächste Ladung Gammelfleisch gegeben haben - wie eine Sonderveranstaltung für den Vegetarierbund sah das nämlich nicht aus ...
    Genau hier liegt das Problem - sie lernen nichts daraus - und genauso lange wird es solche Skandale geben ...

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  5. „worin besteht eigentlich der Skandal bzw. das Problem?“

    Den Grund hätte man beim Lesen des Artikels in der letzten Zeile sehen können:
    „Pferdefleisch kostet nur ein Sechstel des unter strengen Kontrollen produzierten Rindfleischs.“

    Aus Kostengründen hat man auch den Analogkäse und den falschen Schinken erfunden, künstliche Aromen und Geschmacksverstärker. Und hin und wieder etwas Gammelfleisch. Es geht für die Hersteller nur darum, einen Cent oder fünf billiger einzukaufen. Mit guter Nahrung hat das Ganze allerdings nichts zu tun, es ist eher zum Kotzen.

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    Antwort auf "Kopfschütteln"
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    • Katja71
    • 12. Februar 2013 13:42 Uhr

    Rumenien. Hier ist Pferdefleisch doppelt so teuer wie Rind. Wo kann ich den diese Lasagne käuflich erwerden???:)

  6. 1.) Auch wenn ich persönlich keinen moralischen Unterschied zwischen dem Verzehr von Schwein, Rind, Pferd oder Hund sehe, sollte jeder selber entscheiden dürfen. Wer aus welchem Grund auch immer kein Schwein, Pferd oder Hund essen will, dem soll man es nicht als Rind unterjubeln.

    2.) In der Pferdehaltung werden Medikamente eingesetzt (z.B. phenylbutazone), die in "Nahrungstieren" nicht erlaubt sind. Das Risiko bei Rückständen im Fleisch ist wahrscheinlich klein, aber wiederum, jeder sollte selber entscheiden dürfen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Skandal?"
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    • intolia
    • 12. Februar 2013 12:46 Uhr

    In der Pferdehaltung werden Medikamente eingesetzt (z.B. phenylbutazone), die in "Nahrungstieren" nicht erlaubt sind. Das Risiko bei Rückständen im Fleisch ist wahrscheinlich klein, aber wiederum, jeder sollte selber entscheiden dürfen.
    -----------------------

    Das glauben Sie doch selbst nicht, dass bei Schweinen etc. nicht auch Medikamente benutzt werden die eigentlich verboten sind. Oder wie erklärt sich der exorbitant hohe Antibiotika-Verbrauch in der Mast - obgleich doch irgendwie offiziell auch verboten?
    Wer diesen Fertig-Dreck für ein paar Cent kauft, oder eingeschweisste Billigschnitzel zum Dumpingpreis, der wird immer mit derartigen Folgen rechnen müssen. Und dem ist auch nicht mehr zu helfen!

    • 可为
    • 12. Februar 2013 12:01 Uhr

    und es gibt meines Wissens nach auch keine Religionen, oä. die das ablehnen (wo bei Schweinefleisch ein riesen Aufschrei draus werden könnte). Gesundheitsrisiken gibt es auch nicht - es handelt sich also lediglich um falsch deklarierte Produkte...

    Wen juckt das? Und warum?

    Wenn ich meinen Kirsch-Joghurt mit der Ecke aufmache, und es sind Erdbeeren drin kümmert das doch auch niemanden - oder würden dann Joghurt Importstopps zur Debatte stehen??

    2 Leserempfehlungen
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    "und es gibt meines Wissens nach auch keine Religionen, oä. die das ablehnen"

    Dochdoch, die gibt es. Weltmeister in Ernährungsvorschriften und -tabus ist ja das Judentum, und Pferdefleisch ist, da Pferde weder gespaltene Hufe haben (sie sind Einhufer) noch wiederkäuen, natürlich nicht koscher. Weniger eindeutig hälts der Islam. Einzig der Verzehr von Schweinefleisch ist ausdrücklich verboten, allerdings ist der fromme Muslim angehalten, nur "übliche" Nahrung zu sich zu nehmen, und Pferde gelten zusammen mit einigen anderen Tieren eher als Lasttiere und damit als eher "unübliche" Nahrung.

    Das gilt natürlich alles erst mal nur für den Mainstream und dem Anspruch nach, in der Praxis und in einzelnen Strömungen kann das ganz anders aussehen.

    • samyka
    • 12. Februar 2013 13:25 Uhr

    Sie essen ebenfalls keine Pferde. Es war in vielen Gegenden Deutschlands früher üblich, in Kneipen und Gaststätten, die keine "Zigeuner" bewirten wollten, ein Schild ins Fenster zu hängen mit der Aufschrift "Hier gibt's Pferdefleisch".

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